Augenmerk auf den mit Edelsteinen (?) besetzten silbernen Rahmen
gerichtet haben. Der Diebstahl wurde natürlich am nächsten Morgen
sofort entdeckt und von seiten der Galeriedirektion dem Entdecker
oder Wiederbringer der gestohlenen Bilder eine Belohnung von 1000
Dukaten zugesagt. Wenige Tage darauf fand ein Laternenwärter, als
er frühmorgens die Laternen auslöschte, in der Nähe des jetzigen
Hôtel Bellevue an einem Laternenpfahl eine Kiste angelegt mit
einem Briefe, der unmittelbar an „Se. Durchlaucht den Kurfürsten
zu Sachsen“ gerichtet war. Bei der Öffnung der Kiste fanden sich
die Bilder van der Werffs und Seibolds und der Brief enthielt das
Verlangen, dem unbekannten Übersender der Bilder 1000 Dukaten an einen
Halbstundenstein in der Nähe des Wilden Mannes bei Dresden-Neustadt
niederzulegen, worauf auch das Bild Correggios wieder ausgeliefert
werden würde. Durch diese seine Handschrift und einige unvorsichtige
Äußerungen hatte sich der Dieb bald selbst verraten, es war ein
übelberufener Feldbesitzer in der Neustadt, Johann Georg Wochaz, der
am 8. November bereits eingezogen werden konnte, nachdem man sich
durch List noch eine zweite Probe seiner Handschrift verschafft hatte.
Der Übeltäter leugnete zwar, wurde aber bald überführt, da man unter
den aufgehobenen Dielen des obersten Bodens bei der mitten im Dache
aufsteigenden Esse, nächst anderem gestohlenen Gute, auch das noch
fehlende Bild von Correggio fand nebst dem größeren Goldrahmen und
dem kleineren silbernen Rahmen, aus dem die Steine zwar ausgebrochen,
aber noch daneben verwahrt waren. Der Verbrecher, der auch überführt
wurde, die katholische Hofkirche beraubt zu haben, büßte seine Taten
mit lebenslänglichem Zuchthause. Übrigens erhielt die Magdalena von
Correggio den gefährlichen Silberrahmen nicht wieder. Auch in späteren
Zeiten bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts kamen Diebstähle
vor, denen u. a. ein kleines Bild Holbeinscher Schule und eine Skizze
von Adrian Brouwer zum Opfer fielen; doch wurde ein berühmtes kleines
Bild von Gabriel Metsu „Die junge Briefleserin“, das 1849 von einer
Frau aus Langensalza entwendet wurde, in Leipzig wiedererlangt, wo es
unvorsichtigerweise zum Kaufe angeboten war.
In demselben Jahre kam die Galerie zum letzten Male in große Gefahr,
als während des Maiaufstandes in Dresden der Kampf zwischen dem von
Militär besetzten Stallgebäude und den Aufständischen, die die Häuser
auf der anderen Seite des Neumarktes besetzt hielten, wütete. Zwar
waren die besten Bilder noch zeitig von den Wänden, die den Geschossen
ausgesetzt waren, abgenommen; trotzdem wurden mehr als 70 Gemälde von
Kugeln durchbohrt, darunter leider auch die Madonna von Murillo, ferner
Bilder von Rubens, Celesti, Le Brun, Sylvestre und ein Pastellbild von
Liotard. Unentdeckt ist leider die Frevelhand geblieben, die 1858 am 9.
März, um Mittag, während der Besuchszeit, die Bilder von Guido Reni,
Der trinkende Bacchus, und von Albano, Die badende Diana, mit einem
spitzen Instrument durch Stiche verletzte und aus einer Kreuzigung
Christi den Christuskopf herausschnitt.
[Illustration: Abb. 48. +Die katholische Hofkirche und das Königl.
Schloß in Dresden.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 46.)]
Die Räume, in denen diese Gemäldesammlung ein Jahrhundert lang
aufgestellt gewesen war, erwiesen sich aber, je länger um so mehr, als
unzureichend, als bedenklich, ja als gradezu verderblich; denn die
Bilder konnten nicht gegen den eindringenden Steinkohlenrauch geschützt
und vor den Einflüssen starker Temperaturwechsel bewahrt werden,
weil es keine Heizvorrichtungen gab. Man mußte ein langsames, aber
unausbleibliches Verderben des unersetzbaren Schatzes befürchten; davon
hatte sich auch die Regierung überzeugen müssen. Ein Gutachten des
Kunstmäcens J. G. von Quandt ging 1842 dahin, daß es eine Verpflichtung
gegen die ganze zivilisierte Welt sei, ein Museum zu bauen, dessen Lage
Gemälde von so hohem Werte vor zerstörenden Einflüssen sichere. Ehe
Regierung und Landtag sich aber über die Wahl des Ortes einigten, wo
der Neubau errichtet werden sollte, vergingen noch einige Jahre, bis
die Stände 1845/46 die geforderte Summe von 350000 Talern bewilligten
und den vorgeschlagenen Platz an der nördlichen Abgrenzung des Zwingers
genehmigten. Auf diese Stelle als die geeignetste hatte der berühmte
Baumeister Schinkel in Berlin schon zehn Jahre früher hingewiesen.
Vor allem war aber König Friedrich August selbst auf das wärmste
dafür eingetreten, der immermehr in ihrer Eigenart als unschätzbar
anerkannten Gemäldesammlung ein ihrer würdiges Bauwerk zu errichten.
Die Ausführung wurde dem genialen Gottfried Semper übertragen, worauf
dann die Grundsteinlegung am 23. Juli 1847 erfolgte. Erst acht Jahre
später, 1855, war der monumentale Bau im Äußeren und Inneren vollendet
(Abb. 55).
[Illustration: Abb. 49. +Die heilige Nacht.+
Gemälde von Correggio in der Dresdener Galerie. (Zu Seite 49.)]
Aber schon seit 1852 hatte man unter Schnorrs Leitung (von 1846-71) auf
Neuerwerbungen Bedacht genommen, wenn auch anfänglich in bescheidenem
Maße. Die neuere Malerei konnte aber erst seit 1873, als in einmaliger
Bewilligung des Landtages bedeutende Mittel zur Verfügung gestellt
wurden, in ausgedehnter Weise berücksichtigt werden. Dazu standen seit
1880 auch noch die Zinsen der Pröll-Heuer-Stiftung zur Verfügung.
Wir kehren nach dieser Abschweifung ins neunzehnte Jahrhundert wieder
in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts zurück.
„Die Zeit größerer Bauten und anderer Kunstunternehmungen erscheint
mit Vollendung der im Jahre 1751 zwar nicht völlig beendeten, aber
eingeweihten katholischen Hofkirche vorerst abgeschlossen. Die Greuel
des Siebenjährigen Krieges brachen herein, und sie, nicht nur die
notgedrungene Zahlungseinstellung der sogenannten Pensionen an die
immer noch zahlreichen Hofkünstler, vertrieben eine schaffende Kraft
nach der anderen, denen übrigens weder der Adel noch andere Wohlhabende
in einer Zeit Hilfe zu bieten vermochten, wo jeder, der nur irgend
konnte, Dresden verließ.“ (Wießner.)
[Sidenote: Die Gründung der Kunstakademie.]
So konnte denn eine Kunstakademie erst unter dem Kurfürsten Friedrich
Christian und seiner hochbegabten, kunstverständigen Gemahlin Maria
Antonia ins Auge gefaßt werden; aber die Verwirklichung erfolgte erst
nach dem unerwartet plötzlichen Tode des Kurfürsten (17. Dezember 1763)
unter der Administration des Prinzen Xaver August, der dann auch das
Protektorat über die Akademie übernahm.
Nachdem schon eine sogenannte Malerakademie in den vorhergehenden
Jahrzehnten nur gelegentlich ein dürftiges Dasein gefristet hatte, trat
nach dem Reskript vom 6. Februar 1764 eine volle Kunstakademie (Abb. 56
u. 57) mit den vier Abteilungen für Malerei, Bildhauer-, Kupferstecher-
und Baukunst unter einem deutschen Generaldirektor, unter Christian
Ludwig v. Hagedorn ins Leben.
Zu den Lehrern, die bereits 1766 an die Akademie berufen wurden,
gehörten auch die beiden Schweizer Anton Graff (1730 bis 1813) und
Adrian Zingg (1734-1816), und zwar Graff als Porträtmaler und Zingg
als Kupferstecher und Landschaftsmaler. Ihnen werden wir in unserer
Darstellung der Sächsischen Schweiz noch einmal begegnen. Zingg war
der erste, der von den malerischen Ansichten des Sandsteingebirges
die ersten naturgetreuen und wenn auch manierierten, so doch nicht
stilvoll verzerrten Darstellungen entwarf. Die Arbeiten seiner Schüler,
zu denen Chr. Klengel (1751-1824) und C. A. Richter, der Vater von
Ludwig Richter (1803-1884), gehörten, haben wohl ebensoviel wie die
Beschreibungen zum Bekanntwerden der mannigfachen Schönheiten der
Sächsischen Schweiz beigetragen.
[Illustration: Abb. 50. +Die Madonna mit dem heiligen Georg.+
Gemälde von Correggio in der Dresdener Galerie. (Zu Seite 49.)]
Zu den Zierden der Akademie gehörten in späterer Zeit die Maler Schnorr
von Carolsfeld (1794-1872), Ludwig Richter (1803-1884), Bendemann
(1811 bis 1889), Preller (1838-1901), Prell (geb. 1854), die Bildhauer
Rietschel (1804 bis 1861), Hähnel (1811-1891), Schilling (geb. 1828)
und der Architekt Semper (1803-1879). Dreien derselben und zwar
Richter, Rietschel und Semper sind auf der Brühlschen Terrasse, wo
sich auch die neue von Lipsius (1890-1894) erbaute Akademie erhebt,
Denkmäler errichtet.
[Das Königliche Opernhaus.]
Hervorragende Bauwerke wurden in der zweiten Hälfte des achtzehnten
Jahrhunderts, außer der schon erwähnten Kreuzkirche, nicht mehr
errichtet, ebensowenig in der schwer auf Sachsen lastenden
napoleonischen Zeit. Erst unter König Friedrich August II. (1836-1854)
erhielt Dresden erhöhten Glanz in architektonischer Hinsicht durch
Gottfried Semper, einen der geistvollsten Vertreter der Renaissance.
Sein Museum (1846-1855) gehört zu den hervorragendsten Bauwerken der
Neuzeit. Die Wirkung des Außenbaues wird durch den plastischen Schmuck
wesentlich gehoben. Sempers zweites Werk, das Hoftheater (1838-1841),
wurde leider 1869 durch Feuer vollständig zerstört. Und wenn auch das
neue, ebenfalls von Gottfried Semper und seinem Sohne Manfred erbaute
Königliche Opernhaus (Abb. 58) an demselben Platze in der Nähe des
Museums und des Schlosses und in demselben Stil entworfen wurde,
so macht selbst der größere umfängliche Bau, infolge gesteigerter
Ansprüche an die Inszenierung der Spiele, nicht den einheitlichen
sympathischen Eindruck wie das erste Werk. Das neue Opernhaus entstand
in den Jahren 1871-1878, und zehn Jahre später wurden nach der
Jubelfeier des Hauses Wettin 1889, an das ein von Schilling entworfenes
Denkmal in Gestalt eines Obelisken in der Nähe des Schlosses (Abb. 59)
erinnert, auch, zunächst durch Bewilligung der Stände dem allverehrten
Könige Albert die Mittel angeboten, dem Schlosse selbst äußerlich einen
reicheren und eines Fürstensitzes würdigen Schmuck zu verleihen. So
erheben sich nun in der Umgebung des Schloß- und Theaterplatzes eine
Anzahl von Staatsgebäuden, wie sie kaum in solcher Pracht in einer
Großstadt auf so kleinem Raum vereinigt sind und doch dem Beschauer
freien Umblick nach allen Seiten gestatten.
[Sidenote: Die Bevölkerung Dresdens.]
Wir wollen nun einen kurzen Blick auf das Wachstum der Stadt werfen und
werden daraus ersehen, daß wie fast alle deutschen Städte, die Zunahme
der Bevölkerung in früheren Jahrhunderten sehr langsam vor sich ging,
teils weil es damals weit schwieriger war, einen festen Wohnsitz in
der Stadt zu erlangen, teils weil der Mauerring eine Vermehrung der
Wohnungen erschwerte und die Vorstädte außerhalb der Mauern sich nur
in bescheidener Weise ausdehnten, da die Bewohner in unruhigen Zeiten,
in Kriegen stets des Verlustes ihrer Häuser gewärtig sein mußten.
Das hatte sich von den Hussitenzeiten bis zum Siebenjährigen Kriege
bestätigt gefunden. Erst als seit 1811 die Stadtmauern niedergelegt,
die Wallgräben ausgefüllt wurden und Dresden aufhörte eine feste Stadt
zu sein, trat allmählich eine raschere Zunahme der Bevölkerung ein.
Doch unterscheidet sich das Wachstum nach 1860 wieder auffällig von der
vorhergehenden Zeit. Zwischen 1860 und 1890 wuchs die Einwohnerzahl in
je zehn Jahren um je 50000; auch 1890 ward die jährliche Zunahme noch
bedeutender, wozu auch die immer noch andauernde Einverleibung der
Vororte wesentlich beitrug.
[Illustration: Abb. 51. +Der Zinsgroschen.+
Gemälde von Tizian in der Dresdener Galerie. (Zu Seite 49.)]
[Sidenote: Die Schulen Dresdens.]
Im ganzen Mittelalter erreichte die Stadt noch nicht die Zahl von
10000 Bewohnern, für 1699, also in den ersten Regierungsjahren Augusts
des Starken, wird sie auf 21000, 1727 auf 46000 und 1752 auf 63000
Einwohner angegeben. Damit sind wir am Ende der ruhigen Entwickelung
des achtzehnten Jahrhunderts angelangt. Die verhängnisvollen Zeiten
von 1756-1815 verminderten die Bevölkerung und erst 1834 konnte
wieder ein sichtliches Wachstum auf 74000 Einwohner wahrgenommen
werden. Im Jahre 1855 wurde die Zahl von 100000 überschritten und
damit trat Dresden in die Zahl der Großstädte ein. 1861 zählte die
Stadt 128000, 1871: 177000, 1880: 221000, 1890: 277000, 1900: 295000.
Nach der Einverleibung der nächsten Vororte Strehlen, Striesen, Gruna
und Pieschen folgten die Dörfer Räcknitz, Zschertnitz und Seidnitz
links der Elbe und am 1. Januar 1903 Mickten, Übigau, Kaditz und
Trachau rechts der Elbe, sowie Plauen, Löbtau, Cotta, Naußlitz und
Wölfnitz auf dem linken Ufer. Dadurch hat die Stadtgemeinde von
Dresden nahezu die Bevölkerung von einer halben Million Einwohner
erreicht. Das Stadtgebiet umfaßt nunmehr einen Flächenraum von 6230,31
_ha_, also über 62 Quadratkilometer. Wenn aber neben der immer
wachsenden Zahl der einheimischen Bevölkerung auch eine große Anzahl
von Fremden zeitweilig ihren Wohnsitz in Dresden nimmt, so sind neben
den Kunstsammlungen, die im achtzehnten Jahrhundert allein eine große
Anziehungskraft ausübten, im neunzehnten Jahrhundert noch andere Gründe
hinzugetreten. Zunächst die vorzüglichen Leistungen der Königlichen
Theater, namentlich der Oper mit dem festbegründeten Ruf der
Königlichen Kapelle unter der Leitung von Komponisten wie Reissiger,
Weber (Abb. 60) und Wagner oder Dirigenten wie Rietz, Wüllner und
Schuch. Dann aber ist Dresden auch durch seine Schulen berühmt. Wenn
Herder die Stadt Dresden noch eine Schule der Artigkeit nannte, dann
ist es im neunzehnten Jahrhundert auch für viele Fremde eine Schule der
Bildung geworden. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden wesentlich
durch die schon von Kurfürst August im sechzehnten Jahrhundert
begründete Bibliothek im Japanischen Palais (Abb. 61) gefördert,
die über 400000 Bände zählt. Unter den Schulen sind in erster Reihe
die drei Hochschulen zu nennen: die Technische Hochschule, die
Kunstakademie und die Tierärztliche Hochschule, ferner vier Gymnasien,
unter ihnen als ältestes die Kreuzschule (Abb. 62), zwei Realgymnasien,
ein Reformgymnasium, zwei Schullehrerseminare, ein Lehrerinnenseminar,
Kunstgewerbeschule, Taubstummen- und Blindenanstalt, zahlreiche
gewerbliche Fachschulen, Baugewerkenschule sowie viele Bürger-
und Volksschulen, außerdem aber noch mehrere private Realschulen,
Mädchenschulen und Pensionate. Von diesen Bildungsanstalten
verdient wegen ihrer Beziehung zur Pflege der bildenden Künste die
Kunstgewerbeschule noch eine besondere Erwähnung. Diese Bildungsanstalt
zweigte sich von dem Polytechnikum 1865 als Königliche Schule für
Modellieren, Ornament- und Musterzeichnen ab. Einen Aufschwung nahm
diese Schule erst 1875 als Königlich Sächsische Kunstgewerbeschule. Mit
dieser Schule ist ein Kunstgewerbemuseum verbunden. Einzig in ihrer Art
ist die Gehe-Stiftung durch unentgeltlichen Besuch ihrer Vorträge und
Benutzung der reichhaltigen Bibliothek.
Endlich hat sich im neunzehnten Jahrhundert auch die Industrie in
verschiedenen Zweigen mächtig entwickelt und in manchen Zweigen eine
führende Rolle eingenommen. Weltberühmt sind die Drogen von Gehe &
Cie., ferner Schokoladen, Nähmaschinen und Fahrräder, Mineralwässer,
künstliche Blumen, photographische Apparate und Papiere, Lichtdrucke,
Zigaretten, Gummiwaren, Hohlglas- und Steingutwaren und bedeutende
Bierbrauereien; dazu kommen noch in den Vororten zahlreiche Kunst- und
Handelsgärtnereien.
[Illustration: Abb. 52. +Die Sixtinische Madonna.+
Gemälde von Raffael in der Dresdener Galerie. (Zu Seite 50.)]
[Sidenote: Industrie und Handel Dresdens.]
Diesen blühenden und sehr mannigfachen Gewerben entsprechend, hat
sich auch der Handel entwickelt, der wiederum durch zwei größere
Banken, die Sächsische und Dresdener Bank und mehrere Privatbanken eine
gewichtige Förderung findet.
[Illustration: Abb. 53. +Maria mit dem Jesusknaben.+
Gemälde von Murillo in der Dresdener Galerie. (Zu Seite 50.)]
Dem wachsenden Verkehr innerhalb der Stadt wurde Rechnung getragen
durch den Durchbruch großer Straßenzüge aus der Mitte der Stadt
nach den Vorstädten. Diese erfolgten nur in der von Haus aus enger
und winkliger gebauten Altstadt. Es sind die Wettinerstraße,
König-Johann-Straße und Johann-Georgen-Allee. Dann wurden auch die
Alleen auf den ehemaligen Festungsgräben und Stadtwällen in breite
Ringstraßen verwandelt. Doch hat auch die Neustadt nach Verlegung
der Kasernen in die Albertstadt auf dem Boden der Dresdener Heide
bedeutende Bauflächen auf dem rechten Elbufer gewonnen, durch welche
von der Carolabrücke her die Albertstraße gelegt ist, an deren Anfang
auf beiden Seiten, mit der breiten Front gegen die Elbe, die beiden
stattlichen Neubauten der Ministerien sich erheben.
Der Verkehr auf der Elbe erhielt einen bedeutenden Aufschwung durch
die Eröffnung der Dampfschiffahrt. Nachdem die Sächsisch-böhmische
Dampfschiffahrtsgesellschaft am 6. Juli 1836 die Genehmigung von
der Regierung erhalten hatte, wurde am 30. Juli 1837 mit dem ersten
Dampfschiffe die erste Übungsfahrt von Dresden nach Meißen unternommen
und damit der Dampferverkehr eröffnet. Gegenwärtig besitzt diese
Gesellschaft siebenunddreißig Personendampfer, drei Schraubendampfer,
einen Schiffsbauplatz in Laubegast und einen Winterhafen in Loschwitz.
Außerdem sind für den Frachtverkehr auf der Elbe tätig:
Die Kette, Deutsche Elbschiffahrtsgesellschaft, die
ihren Schiffsbauplatz in Übigau besitzt, ferner die
Österreichische Nordwest-Dampfschiffahrtsgesellschaft,
die Dampfschleppschiffahrtsgesellschaft der vereinigten
Elbe- und Saale-Schiffer und die Deutsch-österreichische
Dampfschiffahrts-Aktiengesellschaft.
Der Eisenbahnverkehr wurde 1839 durch die Leipzig-Dresdener Eisenbahn
eröffnet. Daran schloß sich die schlesische Linie nach Görlitz 1847,
die böhmische Linie 1851, die Linie nach Chemnitz 1869 und die nach
Berlin 1875 an. So liegt Dresden gegenwärtig im Knotenpunkte der
Verkehrslinien, die von Westen nach Osten Deutschland durchschneiden
und von Norden nach Süden die Hauptstädte des Deutschen Reiches und
Österreichs verbinden. Alle Linien laufen in dem neuen Hauptbahnhof
(Abb. 63), der an die Stelle des Böhmischen Bahnhofes getreten ist, in
der Altstadt zusammen. Die Verbindung der Eisenbahnlinien rechts und
links der Elbe erfolgte nach Vollendung des Baues der Marienbrücke,
unterhalb der Alten Brücke, 1852, die aber auch zugleich für den
Wagenverkehr zwischen Altstadt und Neustadt diente. Diese Verbindung
ist 1901 aufgehoben, nachdem eine besondere Eisenbahnbrücke nahe
unterhalb der Marienbrücke infolge des wachsenden Verkehrs notwendig
wurde. Auch oberhalb der Alten Brücke erheischte die immer größere
Ausdehnung der Stadt noch den Bau von zwei steinernen Brücken: der
Albertbrücke 1877 und der Carolabrücke 1895. Somit besitzt die Stadt
nunmehr vier Brücken, die ihrem Verkehr dienen und eine dem Staat
gehörige Eisenbahnbrücke. Dresden ist eine der schönstgelegenen und
auch im Inneren schönsten Großstädte des Deutschen Reiches.
[Illustration: Abb. 54. +Der Galeriehof des Königl. Schlosses zu
Dresden.+
Nach einem Stiche von Hammer. (Zu Seite 52.)]
* * * * *
[Sidenote: Berühmte Dresdener.]
Anhangsweise seien hier noch die berühmten Männer, die in Dresden
geboren sind, in alphabetischer Reihe genannt:
Ernst Julius Hähnel, Bildhauer, 1811-1891;
Guido Hammer, Tiermaler, 1821-1900;
Julius Hammer, Dichter, 1810-1862;
Theodor Körner, 1791-1813;
Heinrich von Maltzan, Forschungsreisender, 1826-1874;
Edwin v. Manteuffel, Feldmarschall, 1809-1885;
Gustav Nieritz, 1795-1876;
Oskar Peschel, Geograph, 1826-1875;
Mathäus Daniel Pöppelmann, 1662-1736;
Ludwig Richter, 1803-1884;
Heinrich v. Treitschke, Geschichtsforscher, 1834-1896;
Nikolaus Ludwig v. Zinzendorff, Begründer der Brüdergemeine,
1700-1760.
V.
Die Sächsische Schweiz. Allgemeines.
[Sidenote: Die Sächsische Schweiz.]
An den Dresdener Talkessel schließt sich gegen Südosten als zweites
Zwischenglied zwischen dem Erzgebirge und dem Lausitzer Hochlande das
Sandsteingebirge an, das unter dem Namen der „Sächsischen Schweiz“
allgemein bekannt ist. Die Sand- und Plänerablagerungen der Kreidezeit
haben sich hier in größerem Zusammenhange erhalten, während sie im
Talkessel der Elbe in die Tiefe gesunken sind. Das ist besonders
in Dresden selbst bei Bohrung eines artesischen Brunnens auf dem
ehemaligen Antonsplatz, der jetzt von der städtischen Markthalle
eingenommen wird, nachgewiesen, denn hier liegen die Schichten derart
übereinander, daß zu oberst eine 15 _m_ mächtige Schicht von
Sand und Geröll liegt, darunter 129 _m_ mächtig unterer Pläner,
darunter 19 _m_ unterer Quadersandstein und dann erst folgen
ältere Gesteine, namentlich roter Sandstein. In der Sächsischen
Schweiz spielt dagegen der Quadersandstein eine weit größere Rolle
als der Plänerkalk und die Ausdehnung des Sandsteins bestimmt daher
auch die Grenzen der Sächsischen Schweiz. Die Westgrenze bildet etwa
die nordsüdliche Linie von Pirna über Berggießhübel an der Gottleuba
aufwärts und weiter über Tyssa nach Königswald an der Eisenbahnlinie
von Bodenbach nach Teplitz; auch die Grenze gegen den Dresdener
Elbtalkessel verläuft rechts der Elbe von Pirna nach Bonnewitz noch
in derselben Richtung. Von Bonnewitz, östlich vom Porsberge gelegen,
läuft die Grenze, ohne daß der Gegensatz des Lausitzer Granitgebietes
und des Sandsteinlandes überall orographisch sofort in die Augen
fiele, erst in östlicher Richtung über den Lohmener Wald, Hohnstein,
Lichtenhayn und Ottendorf nach Hinterhermsdorf und wendet sich von hier
mehr südlich über Hinterdaubitz nach Kreibitz. Von hier aus kehren wir
nach der Elbe zurück, überschreiten sie bei Tetschen, wo das Schloß auf
dem südlichsten Sandsteinfelsen an der Elbe sich erhebt und verfolgen
von hier weiter westwärts das Tal am Südfuße des Hohen Schneebergs
bis nach Königswald. Die so umschriebene Fläche hat nur die Größe von
450 _qkm_. Also seiner Ausdehnung nach gehört das Gebirge mit zu
den kleinsten in Deutschland und ebenso gehört es auch zu denen, die
durch ihre Höhen und Gipfelpunkte keineswegs einen bedeutenden Eindruck
machen.
[Illustration: Abb. 55. +Die Gemäldegalerie in Dresden. Fassade nach
dem Theaterplatz.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 55.)]
Wenn trotzalldem die Sächsische Schweiz zu den von Fremden am meisten
besuchten Gebirgen in Deutschland zu rechnen ist, so muß sie reizvolle
Einzelheiten bieten, die eine große Anziehungskraft ausüben. Diese
Eigenart ist schon in dem Namen Sächsische Schweiz angedeutet, wenn
auch ein ernster Vergleich der wirklichen Schweiz mit unserem Gebirge
das Maß der Ähnlichkeiten gewaltig einschränken würde.
[Sidenote: Die Entstehung des Namens Sächsische Schweiz.]
Es liegt in dem Namen aber auch zugleich ausgesprochen, daß der
Vergleich aus verhältnismäßig neuer Zeit stammen muß und daß er
natürlich erst in einer Zeit erteilt sein konnte, wo man die
Schönheiten der wirklichen Schweiz zu würdigen lernte; und das geschah
erst in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts.
Man darf zunächst daraus schließen, daß das Sandsteingebiet früher
einen anderen Namen gehabt habe, und wenn man auch zugeben muß, daß
Gebirge und Flüsse nur selten in langen Zeitläuften ihren Namen ändern,
so wird man hier doch nach einem solchen forschen. Die Kleinheit des
Gebirges und die geringen Erhebungen seiner Gipfel lassen aber zugleich
die Vermutung aufkommen, daß, wenn das Gebiet nicht einen besonderen
Namen getragen hat, es zu einem anderen, mächtigeren Gebirge muß
gerechnet gewesen sein; denn man mag von den Höhen der Lausitz oder
von den östlichen Höhen des Erzgebirges sich der Sächsischen Schweiz
zuwenden, immer wird man überrascht sein, den Blick nach unten, aber
nicht nach oben richten zu müssen, also das Sandsteingebirge gleichsam
unter sich zu sehen.
[Illustration: Abb. 56. +Die Königl. Kunstakademie in Dresden, von
der Neustadt gesehen.+
Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 56.)]