Ihre mächtige Kuppel widerstand bei der Belagerung 1760 selbst

den preußischen Kanonenkugeln, durch die der Kreuzturm in einen

Schutthaufen verwandelt wurde. Und sehr bezeichnend sagt nach der

Beschießung der Prediger am Ende in seiner ersten Predigt, in der er

dankerfüllten Herzens der Erhaltung des herrlichen Bauwerkes gedachte,

daß die ganze Kirche von Grund auf bis oben hinaus gleichsam nur

+ein+ Stein sei.

[Illustration: Abb. 38. +Arbeitszimmer des Königs von Sachsen.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 40.)]

[Sidenote: Die Augustusbrücke.]

Als drittes Bauwerk, das, wenn auch nicht unter August dem Starken

neu geschaffen wurde, aber doch seine jetzige Gestalt erhielt, ist

die Elbbrücke zu nennen, die danach den Namen Augustusbrücke erhielt

und noch jetzt so oder die Alte Brücke heißt. Ihr Neubau wurde von

1727-1730 ausgeführt. Zwar war die steinerne Elbbrücke schon seit

Jahrhunderten die Bewunderung aller Reisenden gewesen und wurde in den

Reisewerken und Reiseführern als ein einzig dastehendes Wunderwerk

gerühmt. Von nun aber war dieser Ruhm noch erhöht und hat bis auf

den heutigen Tag unzählige Male den Künstlern zum Vorwurf gedient,

um verbunden mit An- und Aussichten von dieser Brücke aus originelle

Stadtansichten zu schaffen. Aber leider sind ihre Tage gezählt, denn

sie bildet mit ihren engen Bogen ein wesentliches Hemmnis für den

wachsenden Elbverkehr und schon mancher schwerbeladene Kahn ist an

ihren Pfeilern gescheitert und samt der Ladung verloren gegangen. Noch

kürzlich wurde dieser Brücke folgender, ich möchte sagen, ehrenvolle

Nachruf gewidmet: Ein altbewährtes Wahrzeichen Dresdens und zugleich

ein eigenartiges künstlerisch wertvolles Bauwerk erlebt, den Hamburger

Nachrichten zufolge, heuer seinen letzten Sommer. Die Augustusbrücke,

die jahrhundertelang als die „Dresdener Brücke“ schlechthin bekannt

war und noch jetzt die schönste (?) unter den fünf großen Brücken

zwischen Altstadt und Neustadt ist. Was diese altehrwürdige Brücke,

die sozusagen zum Dresdener Stadtbild gehört, zum erklärten Liebling

der Maler der verschiedensten Perioden gemacht hat, ist die stämmige,

wuchtige Kraft ihrer stolzen Pfeiler, der schöne Schwung ihrer Bogen,

die stolze Wölbung ihres Niveaus und ihre landschaftlich überaus

günstige Lage über einer Biegung des Elbstroms, der zufolge man beim

Durchblick durch jeden ihrer Bogen ein neues reizvolles Bild genießt.

Tausendmal ist der altersgeschwärzte Bau gemalt worden; Canalettos

Brückenbild (Abb. 45) ist weit bekannt und noch in der neuesten Zeit

ist ihr in Gotthard Kühl ein verständnisvoller Meister entstanden,

der mit seinen Bildern der Augustusbrücke selbst ihre bei regentrübem

Wetter und winterlicher Abendbeleuchtung noch vorhandenen intimen

Reize offenbar gemacht hat. Zudem kommt noch, daß das zwischen den

breitgegründeten engen Bogen durchschießende Wasser mit seinen

mannigfachen Strudeln und Lichteffekten den Künstler ganz besonders

reizen mußte. (Allg. Zeitung 1902, No. 152.)

[Illustration: Abb. 39. +Palais und Deich im Großen Garten zu

Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 41.)]

Der Rat zu Dresden hat sich neuerdings für einen völligen Neubau

entschieden, der an der Stelle, wie jetzt, den Strom überbrücken

soll. Die Brücke soll aus Stein aufgeführt und von 11 _m_ auf

18 _m_ verbreitert werden, auch sollen die Pfeiler, soweit

möglich, in den alten Formen gehalten werden, daß die Bögen in

gleichmäßig gerundeten Linien verlaufen. Doch wird die Zahl der

Pfeiler von dreizehn auf neun verringert und dadurch die Möglichkeit

gegeben, den jetzt schwierigen und gefürchteten Schiffahrtsweg durch

die mittleren Bögen durch weitere Spannung der Bögen wesentlich zu

erleichtern. Während die Spannweite dieser Bögen jetzt nur 21 _m_

und 17,2 _m_ beträgt, ist für den Neubau eine Spannung von

40 und 36 _m_ in Aussicht genommen. Alsdann nimmt nach beiden

Ufern die Spannweite der Bögen ab. Architektonisch bilden die fünf

größeren mittleren Bögen der geplanten neuen Brücke eine harmonisch

abgeschlossene Gruppe für sich, deren Grenzpfeiler mit gekröntem

Wappenschild und einem kleinen Aufbau geschmückt sind. Nach der

Altstadt zu schließen sich zwei, nach der Neustadt zu drei Seitenbögen

an. Gegen den jetzigen gedrungenen Bau der Augustusbrücke ergibt sich

dadurch ein schlankeres Brückenbild.

[Illustration: Abb. 40. +Der Zwinger in Dresden. Gesamtansicht.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 42.)]

[Sidenote: Die Brühlsche Terrasse.]

[Sidenote: Die katholische Hofkirche.]

Zum Bilde der Brücke gehört aber auch die anliegende Brühlsche

Terrasse (Abb. 46). Es ist das erste Werk, das während der Regierung

Friedrich August II. (1730-1763), wenn auch nicht durch ihn selbst

angeregt, entstand und zu den für das Stadtbild charakteristischen

Anlagen gehört. Die Terrasse wurde 1738 auf Befehl des allmächtigen

Ministers Brühl als vornehmer Privatgarten auf den Festungswerken über

der Elbe errichtet, wurde aber erst im neunzehnten Jahrhundert, 1814,

durch den damaligen russischen Militärgouverneur Repnin allgemein

zugänglich und somit zu öffentlichen Anlagen umgestaltet, indem er vom

Schloßplatze die große Freitreppe (Abb. 47) anlegen ließ, die später,

1872, durch die prächtigen Gruppen der vier Tageszeiten von Schilling

geschmückt wurden. Von der Höhe der Terrasse bieten sich sowohl nach

Nordwesten bis zu den Lößnitzer Weinbergen, als nach Osten gegen die

Waldhöhen der Dresdener Heide so fesselnde Landschaftsbilder, deren

Reiz durch den zu Füßen des Beschauers dahinfließenden belebten Strom

noch wesentlich erhöht wird, daß man ähnliches schwerlich inmitten

einer Großstadt finden wird. Darum bewahrt auch die Terrasse zu allen

Tages- und Jahreszeiten ihre mächtige Anziehungskraft nicht nur für

den Fremden, der den Besuch dieser hochgelegenen, aussichtsreichen

Anlagen oft der Besichtigung der Museen vorzieht. Für Dresden war es

ein großes Glück, daß der kunstliebende König und Kurfürst Friedrich

August II. mehr in Dresden als in Warschau lebte und daß er zur

Verschönerung Dresdens noch größeren Glanz entfaltete. Vor allem galt

es, da mit August dem Starken die königliche Familie zum katholischen

Glauben übergetreten war, um die polnische Krone zu gewinnen, eine

prächtige, dem Zeitgeschmack huldigende katholische Kirche (Abb. 48) zu

erbauen. Sie wurde neben dem Zwinger und der Frauenkirche das dritte

charakteristische Bauwerk der Stadt, das schon von ferne den Blick auf

sich zog, und wurde in der Zeit von 1739-1751 durch den italienischen

Baumeister Gaëtano Chiaveri (1689-1770) nur mit italienischen

Bauleuten ausgeführt. Dabei entstand auf dem heutigen Theaterplatz das

italienische Dörfchen, eine Reihe kleiner Wohnungen für die Arbeiter

und daneben Steinmetzhütten, Kalkhütten, Tischler-, Schlosser- und

Schmiedewerkstätten etc., die erst im neunzehnten Jahrhundert bis auf

die Gebäude unmittelbar an der Elbe beseitigt wurden. Nur diese sind

als vielbesuchte Restaurants erhalten und heißen noch das „Italienische

Dörfchen“.

[Illustration: Abb. 41. +Der Zwinger in Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 42.)]

[Sidenote: Die Kreuzkirche.]

Mit großem künstlerischen Geschick hat Chiaveri nicht bloß den Platz,

sondern auch die Lage der Kirche und des Turmes gewählt. Er wich

dabei von der üblichen Orientierung der Kirchen ab und legte den

Chor südwestlich an, wodurch der Bau auf dem freien Platze neben

dem Schlosse und der Brücke zur vollen Geltung kam. Ganz besonders

merkwürdig ist die Stellung des Turmes, der nicht nur die ganze

Elbseite beherrscht, sondern auch aus dem Inneren der Stadt über der

ganzen Länge der Schloß- und Seestraße, und von der Moritzstraße

her in voller Höhe gesehen wird. Die Kirche ist in dem für Italien

maßgebenden Barockstil des siebzehnten Jahrhunderts errichtet; alles

ist dabei auf malerische Wirkung berechnet und der Gesamteindruck

durch die geschickte Verwendung von achtundsiebzig Statuen hoch oben

auf dem Rande des Kirchendaches erst vollendet. Diese Statuen, Werke

Mattiellis, sind perspektivische Kunstwerke und optische Kunststücke,

denn auf die Verkürzungen, die bei der hohen Stellung der Figuren für

den Beschauer unten entstehen, ist die größte Rücksicht genommen.

Dadurch ist erreicht, daß die Statuen von nah und fern stets in klarer

Silhouette erschienen. H. Hettner mag in strengerer Beurteilung der

Statuen recht haben, wenn er behauptet, sie seien zum Teil von den

allermanieriertesten Motiven, unnatürlich in der Form, gewaltsam in

Stellung und Bewegung, völlig stillos in dem unruhigen Flattern der

Gewänder, aber er kann sich dem Gesamteindruck auch nicht entziehen

und gesteht, daß sie wesentlich dazu beitragen, das barocke aber

geniale Werk in seiner überraschenden Wirkung zu steigern. „Man kann

sogar ketzerisch genug sein, im Ernst zu behaupten, daß eine strengere

Formengebung zu der architektonischen Umgebung, zu der heiteren Brücke

und den lachenden Elbufern weit weniger malerisch stimmen würde. Weder

der Außenbau noch der Innenbau ist kräftig. Es ist die kokette Grazie

des Zopfstils.“

So bildete also diese Kirche einen strengen Gegensatz zu der

protestantischen Frauenkirche und von diesem Gesichtspunkte aus konnte

das 1883 errichtete Lutherstandbild (nach Rietschels Lutherdenkmal in

Worms) keinen geeigneteren Platz finden als vor der Frauenkirche.

[Illustration: Abb. 42. +Äußere Ansicht des Zwingers.+

Älteste Darstellung nach dem Stich von Veith. (Zu Seite 42.)]

[Sidenote: Die Kunstsammlungen Dresdens.]

Endlich gehörte zu der Vollendung des Stadtbildes noch die neu

erstandene Kreuzkirche, deren Neubau 1764 begonnen und 1792 vollendet

wurde. Immer aber handelte es sich bei dem historischen Stadtbilde

nur um die Altstadt Dresden am linken Elbufer. Nur dieser Ansicht

gelten auch H. Hettners Worte: „Es ist eines der anmutigsten und

zugleich stolzesten deutschen Städtebilder, wenn wir auf der schönen

Dresdener Elbbrücke (Augustusbrücke) stehen und die hochragende

kühngeschwungene Kuppel der Frauenkirche und die keck anmutigen,

leicht- und feingegliederten Massen der katholischen Hofkirche vor

uns schauen. Beide Bauten stammen aus jener merkwürdigen Zeit, in

welcher Dresden nach dem Ruhme strebte, das deutsche Versailles und

zugleich das deutsche Florenz zu sein.“ Dresden behauptete damals

in Kunst- und Prachtliebe den unbestrittensten Vorrang. Denn die

Fürsten des Landes errichteten nicht bloß die bedeutendsten Bauwerke,

sondern sie betätigten ihre Liebe zur Kunst und ihr Verständnis

dafür auch durch die Erwerbung von Kunstschätzen allerersten Ranges.

August der Starke legte 1728 den Grund zu der Antikensammlung durch

die Erwerbung der Chigischen und Albanischen Sammlungen in Rom (vom

Fürsten Agostino Chigi und vom Kardinal Albani), zu denen dann

unter Friedrich August II. 1736 auch die herrlichen aus Herculaneum

stammenden Frauengestalten kamen, die man aus dem Nachlasse des Prinzen

Eugen erwarb. Mit gleichem Eifer wurde von August dem Starken auch

die Bildergalerie eigentlich begründet, indem zunächst seit 1722 aus

den verschiedenen Schlössern die Gemälde zu einer Sammlung vereinigt

wurden. Dies geschah infolge eines kurfürstlichen Befehls vom Juli

1722, wonach alle in den kurfürstlichen Schlössern des Landes, sowie

teilweise in den dazu gehörigen Kirchen und Kapellen vorhandenen

Gemälde verzeichnet und nach geschehener Inventur auf ihren Wert

geprüft werden sollten. So wurden über 4700 Gemälde inventarisiert,

darunter 3110 wertvollere, und über 1590 minder wertvollere, aus denen

dann in der Zeit von 1723 bis 1747 eine Auswahl für die Gemäldegalerie

getroffen wurde, die ihre Aufstellung in dem von Kurfürst Christian I.

1586 und 1587 erbauten Reisigen-Stalle am Judenhofe erhielt. Die ganze

Galerie umfaßte anfangs schon 1938 Gemälde.

Zur Vermehrung und Bereicherung dieser Sammlung wurden dann mit

hochgestellten Männern, mit Malern und namentlich mit niederländischen

Kunsthändlern in Brüssel, Antwerpen und Amsterdam Verbindungen

angeknüpft. Von allen Seiten beeilte man sich, den Wünschen des

Königs entgegen zu kommen. Selbst ausländische Fürsten wie der Papst

Innocenz XIII., der König Viktor Amadeus von Sizilien (Sardinien),

der Statthalter der Niederlande u. a. bestrebten sich, das löbliche

Unternehmen nach Kräften zu fördern.

[Illustration: Abb. 43. +Der Zwingerteich in Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 42.)]

[Sidenote: Die Gemäldegalerie.]

Noch mehr begeistert für die Kunst zeigte sich der Nachfolger Augusts

des Starken, sein Sohn Friedrich August II., der schon als Kronprinz

bei seinem wiederholten Aufenthalte in Italien in den Jahren 1712,

1713, 1716 und 1717 unablässig für die Erwerbung hervorragender

Gemälde eifrig Sorge getragen hatte. Nach seinem Regierungsantritte,

am 1. Februar 1733, steigerte sich das Interesse für Bereicherung der

Kunstsammlungen noch erheblich und dabei war sein Augenmerk namentlich

auf Italien gerichtet. Und hier waren besonders der Graf Algarotti

Ventura Rossi, der Gesandte Villio, der alte Kunstkenner Zanetti in

Venedig und der Maler C. C. Giovannini in Bologna tätig. Daneben

fanden sich auch hilfreiche Geister in Frankreich (Legationssekretär

de Brais und der Maler Rigaud), in den Niederlanden und hie und

da in Deutschland. Auch in Dresden selbst fehlte es nicht an

einflußreichen Ratgebern, wie der Graf Brühl, der Hofmaler Dietrich,

der Generaldirektor der Kunstakademie Christian Ludwig von Hagedorn,

der Hofmaler Raphael Mengs, der Oberlandbaumeister Pöppelmann. Die

bisherigen Räume der Galerie reichten bald nicht mehr aus, so daß 1744

ein Umbau vorgenommen werden mußte. Einstweilen wurden die Gemälde

mittels Militär nach der Neustadt in das Japanische Palais geschafft,

wo sie bis 1746 blieben. Bei der Neuaufstellung im Stallgebäude

(jetzt Johanneum) war man bestrebt, wenigstens bei den vorzüglichen

Originalbildern die Gemälde nach Schulen und Landschaften zu ordnen,

„während sonst öfter Florentiner und Römer unter den Niederländern und

Holländern, man weiß nicht aus welchen Gründen, ihren Platz gefunden

hatten.“ (W. Schäfer, Die k. Gemälde-Galerie I. 47.)

[Illustration: Abb. 44. +Die Frauenkirche in Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 42.)]

Unter den wichtigsten Erwerbungen in diesem Zeitraum sind für 1741 zu

nennen 268 Gemälde aus der Sammlung des Grafen Waldstein im Schlosse

Dux in Böhmen, für 1743 der Ankauf mehrerer Gemälde von Paul Veronese

für nur 4000 Taler, sodann die Kopie der Holbeinschen Madonna für

22000 Lire und dann 1745/46 die Gewinnung von 100 wahrhaft klassischen

Gemälden aus der Sammlung des Herzogs Franz von Este-Modena für 100000

Zecchinen (etwa 1 Million Mark).

[Sidenote: Dresden als deutsches Florenz.]

Unter diesen Meisterwerken italienischer Kunst, die auf fünf Wagen

verpackt im August 1746 glücklich nach Dresden gelangten, nachdem

während des Handels zahllose Schwierigkeiten hatten überwunden werden

müssen, befanden sich sechs Gemälde von Correggio, darunter die

weltberühmte „Heilige Nacht“ (Abb. 49), die Madonna mit dem heiligen

Georg (Abb. 50) und die büßende Magdalena, der Zinsgroschen von

Tizian (Abb. 51), ferner Bilder von Andrea del Sarto, Dosso Dossi,

Carlo Dolce, Guido Reni, Giulio Romano, Caravaggio, Paul Veronese,

Pordenone, den drei Carracci und Guercino; sodann aber waren auch

Spanier, wie Ribera und Velasquez, Niederländer wie Rubens und van

Dyck vertreten. Dazu kam 1748 noch eine Anzahl von 69 Gemälden aus

der kaiserlichen Galerie zu Prag für 50000 Taler, darunter befanden

sich u. a. van Dycks Karl I. von England und seine Gemahlin, L. da

Vincis Tochter der Herodias, Caravaggios Spieler, Guido Renis Christus

mit der Dornenkrone, außerdem Gemälde von Bassano, Tintoretto,

Schiavone und mehrere Niederländer, unter ihnen Rubens und Honthorst.

Die berühmteste Erwerbung jener Zeit geschah 1753, als es gelang,

das beste Werk Raffaels, die Madonna di San Sisto (Abb. 52), aus der

Benediktinerklosterkirche zu Piacenza für 20000 Dukaten und eine

gleichgroße Kopie von dem venetianischen Maler Giuseppe Nogari zu

gewinnen. Man erzählt, daß man, um den kostbaren Schatz sicher und

unerkannt über die Grenze und über die Alpen zu bringen, zu einer List

seine Zuflucht genommen und das ganze Bild mit einer in Leimfarbe

ausgeführten Landschaft -- überstrichen habe. Auch an die Ankunft des

Meisterwerkes in Dresden, die im November 1753 erfolgte, knüpft sich

noch eine anmutige Sage, die sogar im neunzehnten Jahrhundert durch

den Maler Theobald von Oër in einem großen Ölbilde verherrlicht worden

ist. Der König, erzählt man, war außerordentlich auf die Auspackung

und Aufstellung der Madonna gespannt, denn er hatte das Bild schon

früher als Kronprinz gesehen und bewundert. Er ließ also das Gemälde

zunächst nach dem Thronsaale im Schlosse bringen und fand, als man

sich hier nach einem geeigneten Platze für eine vorläufige Aufstellung

umsah, daß das Bild das beste Licht empfange, wenn es an die Stelle des

Thronsessels gerückt werde. „Allerhöchsteigenhändig“ erfaßte der König

den Sessel und schob ihn mit den Worten beiseite: „Platz für den großen

Raffael“. Murillos Madonna mit dem Kinde (Abb. 53) wurde 1755 in Paris

erworben; aber mit dem bald darauf ausbrechenden Siebenjährigen Kriege

hörten die großartigen Erwerbungen auf; es waren indes bereits alle die

kostbaren Schätze zusammengebracht, die in Bezug auf die Meisterwerke

des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts die Dresdener Galerie

zu einer der ersten der Welt machen. „Noch niemals waren (nach H.

Hettner) diesseits der Alpen solche Schätze gesehen. Es war eine völlig

neue Welt, welche sich der deutschen Bildung durch diese gewaltigen

Anschauungen und Anregungen auftat.“ Schon 1756 schrieb Winckelmann

darüber in seinem ersten Werke: „Es ist ein ewiges Denkmal der Größe

dieses Monarchen (Friedrich August II.), daß zur Bildung des guten

Geschmacks die größten Schätze aus Italien, und was sonst Vollkommenes

in der Malerei in anderen Ländern hervorgebracht worden war, den Augen

aller Welt ausgestellet sind... die reinsten Quellen der Kunst sind

geöffnet; glücklich ist, wer sie findet und schmecket. Diese Quellen

suchen, heißt nach Athen reisen; und Dresden wird nunmehro Athen für

Künstler.“

Aber nicht diese Vergleichung Athens mit Dresden hat sich erhalten und

ist volkstümlich geworden, sondern der von Herder erwählte Vergleich

mit Florenz, daher Dresden auch als Elbflorenz bezeichnet wird. In

einem besonderen Kapitel über die „Kunstsammlungen in Dresden“ schreibt

Herder in der Adrastea: „Für Deutschland und das Kurfürstentum Sachsen

war es ein Verlust, daß ein Fürst von so seltenen Vorzügen, wie

Friedrich August körperlich und geistig besaß, durch die polnischen

Verwirrungen und Kriege gehindert ward, für Deutschland allein zu

leben... Dresden indes zierte sein prachtliebender Geist mit Gebäuden;

unter ihm war es eine Schule der Artigkeit und ist es geblieben.

Vor allem aber sind die Kunst- und Altertumssammlungen, die er mit

ansehnlichen Kosten stiftete, Trophäen seiner Regierung. Was ein

Friedrich August am Anfange des Jahrhunderts anfing, hat ein anderer

Friedrich August am Ende desselben vollendet. Durch sie ist Dresden

in Ansehung der Kunstschätze ein deutsches Florenz geworden... Von

Dresdens Kunstsammlungen geweckt, wurde Winckelmann Lehrer der Kunst

für alle Nationen.

Blühe, deutsches Florenz, mit deinen Schätzen der Kunstwelt!

Stille gesichert sei Dresden-Olympia uns.“

[Illustration: Abb. 45. +Ansicht von Dresden mit der Alten Brücke.+

Gemälde von Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. (Zu Seite 44.)]

[Illustration: Abb. 46. +Belvedere und Landeplatz der Dampfschiffe in

Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 45.)]

[Sidenote: Die Schicksale der Gemäldegalerie.]

Aber dieser kostbare Schatz ist im Laufe der Jahre mancherlei Gefahren,

sei es durch Kriegsunruhen oder durch Diebstahl, ausgesetzt gewesen,

selbst fanatische Hände haben einzelne Bilder frevelhaft zu schädigen

gesucht. Der erste Diebstahl, glücklicherweise an nicht gerade

hervorragenden Bildern, geschah schon 1723, -- kaum ein Jahr, nachdem

ein Inventar der Sammlung aufgenommen war -- hierbei war sogar die

Schildwache beteiligt. Vierundzwanzig Jahre später, 1747, entwendeten

die Feuerwächter, die die Schlüssel zu den Vorratsräumen hatten, ein

Bild von Franz van Mieris.

Dann folgten die gefahrdrohenden Zeiten des Siebenjährigen Krieges,

die die Stadt Dresden mehrmals in empfindlichster Weise berührten.

Friedrich der Große zog am 10. September 1756 in Dresden ein. Der

König Friedrich August II. hatte sich auf den Königstein geflüchtet,

nur die mutige Königin Maria Josepha war in der Stadt zurückgeblieben.

Die Staatskassen und die Kriegsvorräte im Zeughause fielen den Feinden

als Beute anheim, die Kunstsammlungen blieben dagegen unberührt.

Der preußische König besuchte sogar mehrfach die Gemäldegalerie und

bestellte sich beim Hofmaler Dietrich eine Kopie der Magdalena von

Battoni, verlangte aber, der Totenkopf solle weggelassen werden. So ist

ihm dann am 17. März 1757 die Nachbildung übergeben. -- Ängstlicher

wurde die Sachlage, als der preußische Kommandant von Schmettau in den

Jahren 1758 und 1759 die Stadt gegen den österreichischen Feldmarschall

Daun verteidigen mußte. Nachdem die Vorstädte in Flammen aufgegangen

waren, erfolgte am 4. September 1759 die Kapitulation der Preußen, und

nun beeilte man sich, die kostbarsten Bilder nach dem Königstein zu

retten. Allein auch dabei litten manche Gemälde infolge ungenügender

Verpackung und Aufbewahrung in nicht ganz trockenen Räumen. Der

größte Teil der Gemäldesammlung mußte natürlich in den Galerieräumen

(Abb. 54) im Stallgebäude am Neumarkt verbleiben und hatte hier

die sehr gefährliche Beschießung der Stadt 1760 zu überstehen. Da

viele Geschosse der Preußen gegen die feste Kuppel der benachbarten

Frauenkirche gerichtet waren, so wurden manche Gemälde durch

Bombensplitter beschädigt, wie z. B. die Taufe Christi von Francia,

ein Blumenstück von Mignon, von Sylvester das große Bild, auf dem die

Zusammenkunft der königlichen Familie mit der Schwiegermutter, der

Kaiserin-Witwe Amalia, zu Neuhaus dargestellt ist, sodann ein Altarbild

von Torelli und der Hase von Weenix.

Dann geschah auch noch im achtzehnten Jahrhundert, kurz vor dem

Ausbruch der französischen Revolution, in der Nacht vom 21. zum 22.

Oktober 1788 ein überaus frecher Diebstahl, während des Jahrmarktes,

wo die Wachen wegen des Straßenlärmes nichts davon vernommen hatten,

daß der Dieb das Drahtgitter vor dem Fenster durchbrochen und eine

Fensterscheibe eingedrückt hatte, um von der Freitreppe am Jüdenhofe

einzusteigen. Geraubt wurden drei kleinere, aber wertvolle Gemälde: Die

berühmte Magdalena von Correggio, Das Urteil des Paris von Adrian van

der Werff und ein jugendlicher Kopf mit Hut und Straußfeder von Seibold.

[Illustration: Abb. 47. +Treppe zur Brühlschen Terrasse in

Dresden.+

Nach einer Aufnahme von Römmler & Jonas in Dresden. (Zu Seite 45.)]

Dresden und die Sächsische Schweiz · 第 4 / 16 段