Kolben war rasch zu Eva getreten. Fritz bemerkte es. „Hab’ keine Angst,
Albert!“ sagte er. „Ich geh’ nach Neuberg!“ Und zu Reinholt gewendet:
„Nein, Leo, ich bleib’ im Land. Wenn unsere Ideen in der Entwicklung
begründet sind, so setzen sie sich durch -- auch ohne uns. Wenn nicht,
so rollt die Zeit darüber weg, und wenn wir uns noch so dagegenstemmen.
Das ist mir so klar geworden seither, daß ich das Frühere nicht mehr
verstehe. Und dann, Leo -- ich hab’ einen Buben. -- Und was ich meiner
Frau angetan hab’, das muß doch auch gutgemacht werden.“
Da trat Doktor Kolben schnell auf Reinholt zu: „Ich halte mit, wenn’s
Ihnen recht ist!“
„Albert!“ rief Fritz erschrocken. Und Eva haschte die Hand des
Freundes: „Doktor, Sie dürfen nicht von uns!“
Der treue Mensch schüttelte langsam den Kopf. Jetzt, da Eva ganz
sicher geborgen war und ihm für sie nichts mehr zu sorgen blieb, wollte
das alte Leiden wieder aufwachen, und bei Hellwigs letzten Worten hatte
er erschrocken etwas sich regen gefühlt, das fast wie Neid war, Neid
gegen den Freund und sein Glück.
Aber gelassen wie immer sagte er: „Was ist denn da weiter dabei? Nach
Neuberg ging’ ich so nicht mit, und ob dann hundert oder tausend Meilen
zwischen uns sind, das kommt schon auf eins heraus. Drum laßt mich nur
getrost fort. Aus der Welt geh’ ich ja nicht und dann -- vielleicht
können mich diese da jetzt -- besser brauchen.“
_Ende._