III. Die männlichen Rotatorien.

Dieselben Verhältnisse, welche die charakteristischen Unterschiede

der männlichen Hydatinen von den weiblichen bilden, kehren bei allen

übrigen Rädertieren wieder. Die Männchen bieten, soweit sie überhaupt

bekannt sind, was nur für eine relativ kleine Anzahl von Gattungen

(etwa 30) zutrifft, in ihrer Organisation viel einfachere Verhältnisse

dar als die zugehörigen Weibchen, und ist dies so zu erklären, dass sie

einerseits überhaupt auf niedrigerer phyletischer Entwickelungsstufe

als die Weibchen stehen geblieben, anderseits auch in Folge der

untergeordneten Rolle, die sie seit dem Auftreten der Parthenogenese

im Geschlechtsleben spielen, rückgebildet sind. Ersteres macht die

grosse Gleichförmigkeit, welche die Mehrzahl der Männchen in Gestalt

und Organisation aufweist, verständlich, während auf letzteres die

geringe Körpergrösse, das Fehlen einer Mundöffnung und die Rückbildung

des Darmkanales und des Räderapparates zurückzuführen ist. Bei den

verschiedenen Gattungen ist der Geschlechtsdimorphismus in verschieden

starkem Grade ausgeprägt. Bei den marinen Seisoniden haben sich die

ursprünglichen Verhältnisse erhalten: Männchen und Weibchen stehen auf

gleicher Organisationshöhe und sind auch annähernd gleich häufig. Bei

den Euchlaniden besitzen die Männchen noch den Panzer in derselben

Gestalt wie die Weibchen, aber sie sind etwas kleiner als diese, und

der Darm ist auf einen unregelmässigen Zellstrang reduziert. In

allen übrigen Gattungen haben die Männchen eine weiche Haut, auch

wenn die Weibchen gepanzert sind, und einen sehr viel kleineren,

walzenförmigen Körper, der sich nach hinten verjüngt und, wie bei den

Weibchen, häufig mit zwei kleinen Zehen endet. Sehr auffallend ist

das ♂ der _Asplanchna Sieboldii_ dadurch, dass es vier kegelförmige

Körperanhänge besitzt, die der einen Form[XIV] von ♀ abgehen. Der

Räderapparat erinnert manchmal (_Hydatina_) noch an denjenigen der

Weibchen, meist aber ist er stark rückgebildet. Ein Stirntrichter

ist nur bei der männlichen _Hydatina_ angedeutet, während sonst

die Wimperscheibe stark halbkugelig vorspringt und keine Spur der

ursprünglichen Mundöffnung erkennen lässt. Die im rudimentären Darm

vieler Männchen vorkommenden schwarzen Körnerhaufen -- wahrscheinlich

bestehen sie aus Kalk -- treten bei ganz jungen Weibchen einzelner

Gattungen (_Brachionus_) ebenfalls im Enddarm auf und beweisen die

Richtigkeit der Deutung jenes Zellstranges als eines rückgebildeten

Verdauungskanales. Die primitivere Organisation der Männchen spricht

sich im Nervensystem darin aus, dass die Tastbüschel nie auf besonderen

Hügeln oder Tentakeln stehen und im Exkretionsapparat in dem Fehlen der

kontraktilen Blase bei manchen Gattungen (_Hydatina_, _Brachionus_),

deren Weibchen eine solche besitzen; doch giebt es auch Männchen mit

einer Harnblase (_Asplanchna_, _Apsilus_). Ein dorsaler einstülpbarer

Penis ist nur bei einzelnen Gattungen (_Hydatina_, _Brachionus_)

vorhanden, bei anderen scheint das hintere, verjüngte Körperende als

solcher zu funktionieren (_Conochilus_, _Polyarthra_, _Anuraea_). Über

die Begattung sind unsere Kenntnisse noch äusserst mangelhaft. Dem

bei _Hydatina_ über sie Gesagten sei hier hinzugefügt, dass +Weber+

neuerdings bei _Diglena catellina_[XV] beobachtet haben will, wie der

Penis direkt in die weibliche Kloake geführt wurde. Merkwürdigerweise

kennt man von den gemeinsten Arten unter den Philodiniden, z. B.

von _Rotifer vulgaris_, die Männchen immer noch nicht, und fast

scheint es, als ob dieselben hier ganz fehlten, und die Fortpflanzung

ausschliesslich parthenogenetisch erfolgte.

[XIV] Cf. die Anmerkung auf S. 301.

[XV] Diese Beobachtung ist vom Herausgeber dieses Werkes bei

derselben Art bestätigt worden.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 88 / 112 题