Dieselben Verhältnisse, welche die charakteristischen Unterschiede
der männlichen Hydatinen von den weiblichen bilden, kehren bei allen
übrigen Rädertieren wieder. Die Männchen bieten, soweit sie überhaupt
bekannt sind, was nur für eine relativ kleine Anzahl von Gattungen
(etwa 30) zutrifft, in ihrer Organisation viel einfachere Verhältnisse
dar als die zugehörigen Weibchen, und ist dies so zu erklären, dass sie
einerseits überhaupt auf niedrigerer phyletischer Entwickelungsstufe
als die Weibchen stehen geblieben, anderseits auch in Folge der
untergeordneten Rolle, die sie seit dem Auftreten der Parthenogenese
im Geschlechtsleben spielen, rückgebildet sind. Ersteres macht die
grosse Gleichförmigkeit, welche die Mehrzahl der Männchen in Gestalt
und Organisation aufweist, verständlich, während auf letzteres die
geringe Körpergrösse, das Fehlen einer Mundöffnung und die Rückbildung
des Darmkanales und des Räderapparates zurückzuführen ist. Bei den
verschiedenen Gattungen ist der Geschlechtsdimorphismus in verschieden
starkem Grade ausgeprägt. Bei den marinen Seisoniden haben sich die
ursprünglichen Verhältnisse erhalten: Männchen und Weibchen stehen auf
gleicher Organisationshöhe und sind auch annähernd gleich häufig. Bei
den Euchlaniden besitzen die Männchen noch den Panzer in derselben
Gestalt wie die Weibchen, aber sie sind etwas kleiner als diese, und
der Darm ist auf einen unregelmässigen Zellstrang reduziert. In
allen übrigen Gattungen haben die Männchen eine weiche Haut, auch
wenn die Weibchen gepanzert sind, und einen sehr viel kleineren,
walzenförmigen Körper, der sich nach hinten verjüngt und, wie bei den
Weibchen, häufig mit zwei kleinen Zehen endet. Sehr auffallend ist
das ♂ der _Asplanchna Sieboldii_ dadurch, dass es vier kegelförmige
Körperanhänge besitzt, die der einen Form[XIV] von ♀ abgehen. Der
Räderapparat erinnert manchmal (_Hydatina_) noch an denjenigen der
Weibchen, meist aber ist er stark rückgebildet. Ein Stirntrichter
ist nur bei der männlichen _Hydatina_ angedeutet, während sonst
die Wimperscheibe stark halbkugelig vorspringt und keine Spur der
ursprünglichen Mundöffnung erkennen lässt. Die im rudimentären Darm
vieler Männchen vorkommenden schwarzen Körnerhaufen -- wahrscheinlich
bestehen sie aus Kalk -- treten bei ganz jungen Weibchen einzelner
Gattungen (_Brachionus_) ebenfalls im Enddarm auf und beweisen die
Richtigkeit der Deutung jenes Zellstranges als eines rückgebildeten
Verdauungskanales. Die primitivere Organisation der Männchen spricht
sich im Nervensystem darin aus, dass die Tastbüschel nie auf besonderen
Hügeln oder Tentakeln stehen und im Exkretionsapparat in dem Fehlen der
kontraktilen Blase bei manchen Gattungen (_Hydatina_, _Brachionus_),
deren Weibchen eine solche besitzen; doch giebt es auch Männchen mit
einer Harnblase (_Asplanchna_, _Apsilus_). Ein dorsaler einstülpbarer
Penis ist nur bei einzelnen Gattungen (_Hydatina_, _Brachionus_)
vorhanden, bei anderen scheint das hintere, verjüngte Körperende als
solcher zu funktionieren (_Conochilus_, _Polyarthra_, _Anuraea_). Über
die Begattung sind unsere Kenntnisse noch äusserst mangelhaft. Dem
bei _Hydatina_ über sie Gesagten sei hier hinzugefügt, dass +Weber+
neuerdings bei _Diglena catellina_[XV] beobachtet haben will, wie der
Penis direkt in die weibliche Kloake geführt wurde. Merkwürdigerweise
kennt man von den gemeinsten Arten unter den Philodiniden, z. B.
von _Rotifer vulgaris_, die Männchen immer noch nicht, und fast
scheint es, als ob dieselben hier ganz fehlten, und die Fortpflanzung
ausschliesslich parthenogenetisch erfolgte.
[XIV] Cf. die Anmerkung auf S. 301.
[XV] Diese Beobachtung ist vom Herausgeber dieses Werkes bei
derselben Art bestätigt worden.