Das weibliche Geschlechtsorgan zeigt bei allen Rädertieren, mit
Ausnahme der marinen, auch in anderer Hinsicht sehr abweichenden
Seisoniden, eine Zusammensetzung aus zwei verschieden funktionierenden
Abschnitten. Der eine derselben ist so gross, dass er fast
ausschliesslich die Masse der Sexualdrüse ausmacht. Er liefert nur
die Nährsubstanzen, welche das heranwachsende Ei nötig hat, und wird
daher als Dotterstock bezeichnet. Der zweite, sehr viel kleinere
Abschnitt ist der Erzeuger der Eizellen und führt dementsprechend
den Namen Eierstock. Über Bau und Physiologie dieser beiden Teile
des weiblichen Geschlechtsapparates ist zurzeit kaum mehr bekannt,
als von _Hydatina senta_ geschildert wurde. Es ist daher hier nur
Folgendes nachzutragen. Die Mehrzahl aller Rädertiere hat ein unpaares
Geschlechtsorgan, also nur einen Keimstock und einen Dotterstock. Man
kann sie als „Monogononten“ den Philodiniden gegenüberstellen, da diese
„digonont“ sind, d. h. ein rechtes und ein linkes Ovar, also zwei
Keimstöcke, zwei Dotterstöcke und zwei Ovidukte, besitzen. Keimstock
und Dotterstock haben nun bei jeder Spezies eine konstante Lage zu
einander, infolgedessen die Eier auch immer an derselben Seite des
dotterbildenden Abschnittes zur Entwickelung gelangen. Die Stellung
beider ist aber bei verschiedenen Arten eine verschiedene, und zwar
findet sich der Keimstock bald dem Vorder-, bald dem Hinter-, bald
endlich dem Seitenrande des Dotterstockes angelagert. Im ersten Falle
liegt der Keimstock meist sehr unsymmetrisch, nämlich der linken Ecke
des Dotterstockes angeschmiegt, wenn man von unten auf denselben
blickt. So situiert kommt er z. B. bei den Gattungen _Hydatina_,
_Euchlanis_, _Brachionus_, _Triarthra_ u. a. vor. Der zweite Typus wird
durch _Polyarthra_, _Conochilus_, _Asplanchna_ u. a. vertreten. Unsere
Abbildung 68 zeigt, wie der Dotterstock der _Asplanchna myrmeleo_
nicht die gewöhnliche Sackform aufweist, sondern sich zu einem langen,
hufeisenförmig gekrümmten Bande gestreckt hat, dem in der Mitte der
Hinterseite der kleine rundliche Eierstock anliegt. Hier finden wir
auch nicht die typische Achtzahl der Kerne, sondern eine weit grössere.
Dem seitlichen und medianen Rande des Dotterstockes ist der Keimstock
bei den Philodiniden angelagert (Fig. 64), ein Verhalten, das auch
wahrscheinlich noch anderen Gattungen zukommen dürfte. Sehr interessant
werden viele Philodiniden, z. B. der gemeine _Rotifer vulgaris_,
dadurch, dass ihnen ein Ovidukt abgeht. An den Keimdotterstock setzt
sich zwar hinten und vorn ein Faden an, der aber lediglich als
Aufhängeapparat dient. Die Folge ist, dass die Eier in die Körperhöhle
fallen und hier ihre Entwickelung durchmachen. Diese geht sehr rasch
vor sich, und daher findet man selten einen _Rotifer vulgaris_, der
nicht in seiner Leibeshöhle ein oder zwei munter sich umherbewegende
und völlig ausgebildete Junge neben einigen Embryonen beherbergte. Da
eine besondere Geschlechtsöffnung fehlt, kann die Geburt nur auf eine
etwas gewaltsame Weise geschehen, und in der That schieben sich die
Tierchen mit dem Kopfe voran durch die Wand der Kloake und dann durch
den After ins Freie. Die der Mutter dadurch zugefügte Risswunde scheint
bald wieder zu heilen.
Die zwei Eisorten, welche wir bei _Hydatina_ kennen lernten, die
hartschaligen Dauereier und die gewöhnlichen, weichhäutigen scheinen
allen Monogononten zuzukommen. Bei den Erdrotatorien hingegen sind
Dauereier noch nicht beobachtet worden, da sie an die Austrocknung in
anderer Weise angepasst sind. Die derbe Schale der Dauereier ist häufig
mit sehr zierlichen Skulpturen: Punkten, Stacheln, Haaren u. dergl.
besetzt. Sie entwickeln sich bald schon nach einigen Wochen, bald erst
nach Monaten. Sie werden meines Wissens stets abgesetzt, während die
gewöhnlichen Eier bei vielen Gattungen (_Brachionus_, _Anuraea_) dem
Rücken angeheftet und so herumgetragen werden.