9. Der Keimdotterstock und die Eibildung.

Das weibliche Geschlechtsorgan zeigt bei allen Rädertieren, mit

Ausnahme der marinen, auch in anderer Hinsicht sehr abweichenden

Seisoniden, eine Zusammensetzung aus zwei verschieden funktionierenden

Abschnitten. Der eine derselben ist so gross, dass er fast

ausschliesslich die Masse der Sexualdrüse ausmacht. Er liefert nur

die Nährsubstanzen, welche das heranwachsende Ei nötig hat, und wird

daher als Dotterstock bezeichnet. Der zweite, sehr viel kleinere

Abschnitt ist der Erzeuger der Eizellen und führt dementsprechend

den Namen Eierstock. Über Bau und Physiologie dieser beiden Teile

des weiblichen Geschlechtsapparates ist zurzeit kaum mehr bekannt,

als von _Hydatina senta_ geschildert wurde. Es ist daher hier nur

Folgendes nachzutragen. Die Mehrzahl aller Rädertiere hat ein unpaares

Geschlechtsorgan, also nur einen Keimstock und einen Dotterstock. Man

kann sie als „Monogononten“ den Philodiniden gegenüberstellen, da diese

„digonont“ sind, d. h. ein rechtes und ein linkes Ovar, also zwei

Keimstöcke, zwei Dotterstöcke und zwei Ovidukte, besitzen. Keimstock

und Dotterstock haben nun bei jeder Spezies eine konstante Lage zu

einander, infolgedessen die Eier auch immer an derselben Seite des

dotterbildenden Abschnittes zur Entwickelung gelangen. Die Stellung

beider ist aber bei verschiedenen Arten eine verschiedene, und zwar

findet sich der Keimstock bald dem Vorder-, bald dem Hinter-, bald

endlich dem Seitenrande des Dotterstockes angelagert. Im ersten Falle

liegt der Keimstock meist sehr unsymmetrisch, nämlich der linken Ecke

des Dotterstockes angeschmiegt, wenn man von unten auf denselben

blickt. So situiert kommt er z. B. bei den Gattungen _Hydatina_,

_Euchlanis_, _Brachionus_, _Triarthra_ u. a. vor. Der zweite Typus wird

durch _Polyarthra_, _Conochilus_, _Asplanchna_ u. a. vertreten. Unsere

Abbildung 68 zeigt, wie der Dotterstock der _Asplanchna myrmeleo_

nicht die gewöhnliche Sackform aufweist, sondern sich zu einem langen,

hufeisenförmig gekrümmten Bande gestreckt hat, dem in der Mitte der

Hinterseite der kleine rundliche Eierstock anliegt. Hier finden wir

auch nicht die typische Achtzahl der Kerne, sondern eine weit grössere.

Dem seitlichen und medianen Rande des Dotterstockes ist der Keimstock

bei den Philodiniden angelagert (Fig. 64), ein Verhalten, das auch

wahrscheinlich noch anderen Gattungen zukommen dürfte. Sehr interessant

werden viele Philodiniden, z. B. der gemeine _Rotifer vulgaris_,

dadurch, dass ihnen ein Ovidukt abgeht. An den Keimdotterstock setzt

sich zwar hinten und vorn ein Faden an, der aber lediglich als

Aufhängeapparat dient. Die Folge ist, dass die Eier in die Körperhöhle

fallen und hier ihre Entwickelung durchmachen. Diese geht sehr rasch

vor sich, und daher findet man selten einen _Rotifer vulgaris_, der

nicht in seiner Leibeshöhle ein oder zwei munter sich umherbewegende

und völlig ausgebildete Junge neben einigen Embryonen beherbergte. Da

eine besondere Geschlechtsöffnung fehlt, kann die Geburt nur auf eine

etwas gewaltsame Weise geschehen, und in der That schieben sich die

Tierchen mit dem Kopfe voran durch die Wand der Kloake und dann durch

den After ins Freie. Die der Mutter dadurch zugefügte Risswunde scheint

bald wieder zu heilen.

Die zwei Eisorten, welche wir bei _Hydatina_ kennen lernten, die

hartschaligen Dauereier und die gewöhnlichen, weichhäutigen scheinen

allen Monogononten zuzukommen. Bei den Erdrotatorien hingegen sind

Dauereier noch nicht beobachtet worden, da sie an die Austrocknung in

anderer Weise angepasst sind. Die derbe Schale der Dauereier ist häufig

mit sehr zierlichen Skulpturen: Punkten, Stacheln, Haaren u. dergl.

besetzt. Sie entwickeln sich bald schon nach einigen Wochen, bald erst

nach Monaten. Sie werden meines Wissens stets abgesetzt, während die

gewöhnlichen Eier bei vielen Gattungen (_Brachionus_, _Anuraea_) dem

Rücken angeheftet und so herumgetragen werden.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 87 / 112 题