6. Der Verdauungskanal

zeigt eigentlich bei allen Rotatorien dieselben Verhältnisse, und

nur einem Abschnitte desselben, dem Kauapparat, kommt eine grössere

morphologische Variabilität zu. Die Mundöffnung liegt nur bei

_Floscularia_ und _Stephanoceros_ genau am Vorderende der Längsachse

des Körpers, sonst ist sie stets ventralwärts verschoben und kann

in einzelnen Fällen (_Adineta vaga_) sogar ein beträchtliches Stück

nach hinten verlagert sein. Ein besonderes +Mundrohr+, wie wir es für

_Hydatina_ kennen lernten, braucht nicht immer vorhanden zu sein,

sondern nicht selten (_Eosphora_, _Diglena_) schliesst sich der Mastax

direkt an die Eingangsöffnung an und kann aus dieser zum Ergreifen der

Beute etwas hervorgestossen werden. Anderseits erreicht das Mundrohr

bei _Floscularia_ und _Stephanoceros_ eine ungewöhnliche Länge und

erweitert sich vor dem Zahnapparat zu einem besonderen kropfartigen

Abschnitt. Vielleicht ist der grosse sackartige Raum, in dem bei

_Asplanchna_ die Kiefer liegen, ebenfalls als eine Erweiterung des

Mundrohres anzusehen. -- Die Struktur des +Kauapparates+ ist für die

Systematik von hoher Bedeutung. Nach dem Vorgange von +Gosse+ kann

man an demselben meist folgende Zusammensetzung beobachten: an einen

mittleren, nach hinten gerichteten unpaaren Abschnitt, den „Incus“,

heften sich die vorn und seitlich gelegenen paarigen „Mallei“, von

denen jeder aus zwei gelenkig mit einander verbundenen Stücken besteht.

Das eine von diesen, der Uncus, liegt medianwärts und stellt den

eigentlichen Kauapparat dar; er kann in der verschiedensten Gestalt

auftreten: als Träger quergestellter Leisten, als spitzer oder gesägter

Zahn u. dgl. Das andere Stück sitzt dem Uncus aussen an und dient als

Stützbalken für denselben; es wird als Manubrium bezeichnet. Bei nicht

wenigen Rädertieren scheint übrigens der Kauapparat weit einfacher

gebaut zu sein. Bei den Asplanchnen z. B. (Fig. 68) lässt sich nur der

mediane Incus und der paarige gebogene Zahn des Uncus unterscheiden;

ein Manubrium fehlt hier vollständig. Noch reduzierter tritt uns der

Mastax der Philodiniden entgegen; er besteht im wesentlichen aus zwei

halbkreisförmigen, mit derben Querleisten in wechselnder Zahl bedeckten

Chitinplatten, die nur längs des Durchmessers eng aneinanderschliessen,

und sich um diesen als Gelenkachse gegen einander bewegen. Die den

Zahnapparat umhüllende Fleischmasse ist teils muskulöser Natur, teils

scheint sie als Speicheldrüsen zu fungieren. -- Der +Schlund+ ist

meist kurz, nur bei _Synchaeta_ und _Asplanchna_ (Fig. 68, _oe_) von

ansehnlicher Länge. Flimmerzellen werden in ihm sicherlich nicht

immer angetroffen, denn gerade die genannten Gattungen schieben die

aufgenommene Nahrung durch eine Art peristaltischer Bewegung nach

hinten. -- Im Mitteldarm oder +Magen+ sind Cilien hingegen stets

vorhanden. Mit Ausnahme der Philodiniden wird die Wand desselben stets

aus grossen polygonalen Zellen gebildet, die in einer Schicht liegen.

Bei jener Abteilung hingegen ist die Magenwand ungewöhnlich dick und

besteht aus einer kontinuierlichen Protoplasmamasse mit zahlreichen

eingestreuten kleinen Kernen. In den Magenzellen der Rotatorien tritt

nicht selten ein braunes Pigment auf, das aber immer nur vorübergehend

sich zeigt und bei Nahrungsmangel sofort verschwindet. Dass dasselbe

als Leber funktioniert, ist daher sehr unwahrscheinlich. Näher liegt

es, den zwei konstant am Vorderende des Magens einmündenden Drüsen

eine Förderung der Verdauung zuzuschreiben. Ihre Gestalt ist sehr

verschieden, bald kurz birnförmig, bald gestreckt und in mehrere Lappen

ausgezogen. Vielleicht haben die bei _Triphylus (Diglena) lacustris_

Ehr. jederseits vorhandenen drei schlauchförmigen Ausstülpungen eine

ähnliche Bedeutung. Mit Ausnahme der Gattungen _Asplanchna_ und

_Paraseison_, bei denen der Magen blind geschlossen endet, kommt

ein flimmernder +Enddarm+ allen Rädertieren zu. Die sich an ihn

anschliessende +Kloake+ entbehrt der Cilien mit Ausnahme einer Art

(_Rhinops vitrea_).

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 84 / 112 题