Die Nephridien der Rotatorien zeigen bei allen Arten ein sehr
gleichförmiges Verhalten. Man kann an ihnen in der Regel zwei
zartwandige enge Längskanäle, die mit einer wechselnden Anzahl von
Geisselzellen besetzt sind, und eine gemeinsame kontraktile Blase,
welche in die Kloake ausmündet, unterscheiden. Im Gegensatze zu den
ganz ähnlich gebauten Nierenorganen der Turbellarien, Trematoden und
Cestoden bilden die Nephridien der Rädertiere keine Seitenzweige
und keine netzartigen Anastomosen untereinander, sondern jedes
„Wassergefäss“ zieht als ein leicht hin und her geschlängelter Kanal
von der kontraktilen Blase neben dem Darme nach vorn. In der Regel
reichen die Nephridien bis in die Kopfregion herein, wo sie blind
endigen und mittels zarter Bindegewebsfäden in ihrer Lage erhalten
werden. Nur bei wenigen Arten, z. B. der Gattung _Synchaeta_, sind sie
weit kürzer und reichen kaum über die Mitte des Körpers hinaus. Bei
vier verschiedenen Rädertieren stehen ausnahmsweise beide Nephridien
im Kopfe durch einen Querkanal mit einander in Verbindung; es sind
dies zumteil im System sehr weit getrennte Arten, nämlich _Hydatina
senta_, _Lacinularia socialis_, eine _Floscularia_-Spezies und _Apsilus
lentiformis_, sodass diesem Quergefäss vermutlich noch eine weitere
Verbreitung zukommt. Jedes Wassergefäss pflegt an zwei oder drei
Stellen sich knäuelförmig zu verschlingen, wobei die die Wandung der
Schlingen bildenden Zellen zu einer kontinuierlichen Protoplasmamasse
verschmelzen. In den so entstehenden Anschwellungen gelingt es noch
am leichtesten die Kerne der Wandzellen zu erblicken, welche in den
unverschlungenen Partien der Nephridien wegen ihrer Kleinheit und
Zerstreutheit schwer zu erkennen sind. Zellgrenzen haben sich zwischen
den Wandzellen bis jetzt nicht nachweisen lassen. Die eigenartigen
Geisselzellen der Nephridien, wegen ihrer flackernden Bewegungen
auch „Zitterorgane“ oder „Zitterflammen“ genannt, sitzen in kleinen
zartwandigen Ausstülpungen entweder direkt oder mittels eines kleinen
Stieles dem Nierenschlauche an. Jede Nephridie besitzt in der Regel
fünf bis zehn derselben -- die Zahl ist für ein und dieselbe Art
konstant --, die sich in mehr oder weniger gleichmässigen Abständen
auf das ganze Organ verteilen. Bei den Asplanchnen wird die Anzahl
derselben meist eine viel grössere, und es tritt dann eine Spaltung
jeder Nephridie in zwei vorn und hinten zusammenhängende Kanäle ein,
von denen der eine dicht mit Zitterorganen besetzt ist (Fig. 68). Der
feinere Bau dieser Geisselzellen ist bis in die jüngste Zeit Gegenstand
lebhaftester Controverse gewesen, die sich vornehmlich darauf bezog,
ob dieselben am freien Ende offen oder geschlossen seien. Nach unserer
Ansicht ist unzweifelhaft das Letztere der Fall. -- In die pulsierende
Blase münden die Nephridien mittels einer scharf umschriebenen runden
Öffnung ein. Die Kontraktilität wird durch ein Netzwerk feiner Muskeln,
die in der Wandung sitzen, hervorgerufen. Bei einigen Rotatorien
(_Lacinularia_, _Tubicolaria_, _Pterodina_) fehlt das gemeinsame
Harnreservoir, und die Nephridien münden direkt in die Kloake. Endlich
findet sich noch eine auffallende Modifikation bei _Conochilus volvox_
und den meisten Philodiniden. Hier hat sich ein Teil der Kloake
zur Harnblase umgewandelt und pulsiert ebenso regelmässig wie die
gewöhnlichen, von der Kloake scharf abgesetzten Reservoire.