7. Die Exkretionsorgane.

Die Nephridien der Rotatorien zeigen bei allen Arten ein sehr

gleichförmiges Verhalten. Man kann an ihnen in der Regel zwei

zartwandige enge Längskanäle, die mit einer wechselnden Anzahl von

Geisselzellen besetzt sind, und eine gemeinsame kontraktile Blase,

welche in die Kloake ausmündet, unterscheiden. Im Gegensatze zu den

ganz ähnlich gebauten Nierenorganen der Turbellarien, Trematoden und

Cestoden bilden die Nephridien der Rädertiere keine Seitenzweige

und keine netzartigen Anastomosen untereinander, sondern jedes

„Wassergefäss“ zieht als ein leicht hin und her geschlängelter Kanal

von der kontraktilen Blase neben dem Darme nach vorn. In der Regel

reichen die Nephridien bis in die Kopfregion herein, wo sie blind

endigen und mittels zarter Bindegewebsfäden in ihrer Lage erhalten

werden. Nur bei wenigen Arten, z. B. der Gattung _Synchaeta_, sind sie

weit kürzer und reichen kaum über die Mitte des Körpers hinaus. Bei

vier verschiedenen Rädertieren stehen ausnahmsweise beide Nephridien

im Kopfe durch einen Querkanal mit einander in Verbindung; es sind

dies zumteil im System sehr weit getrennte Arten, nämlich _Hydatina

senta_, _Lacinularia socialis_, eine _Floscularia_-Spezies und _Apsilus

lentiformis_, sodass diesem Quergefäss vermutlich noch eine weitere

Verbreitung zukommt. Jedes Wassergefäss pflegt an zwei oder drei

Stellen sich knäuelförmig zu verschlingen, wobei die die Wandung der

Schlingen bildenden Zellen zu einer kontinuierlichen Protoplasmamasse

verschmelzen. In den so entstehenden Anschwellungen gelingt es noch

am leichtesten die Kerne der Wandzellen zu erblicken, welche in den

unverschlungenen Partien der Nephridien wegen ihrer Kleinheit und

Zerstreutheit schwer zu erkennen sind. Zellgrenzen haben sich zwischen

den Wandzellen bis jetzt nicht nachweisen lassen. Die eigenartigen

Geisselzellen der Nephridien, wegen ihrer flackernden Bewegungen

auch „Zitterorgane“ oder „Zitterflammen“ genannt, sitzen in kleinen

zartwandigen Ausstülpungen entweder direkt oder mittels eines kleinen

Stieles dem Nierenschlauche an. Jede Nephridie besitzt in der Regel

fünf bis zehn derselben -- die Zahl ist für ein und dieselbe Art

konstant --, die sich in mehr oder weniger gleichmässigen Abständen

auf das ganze Organ verteilen. Bei den Asplanchnen wird die Anzahl

derselben meist eine viel grössere, und es tritt dann eine Spaltung

jeder Nephridie in zwei vorn und hinten zusammenhängende Kanäle ein,

von denen der eine dicht mit Zitterorganen besetzt ist (Fig. 68). Der

feinere Bau dieser Geisselzellen ist bis in die jüngste Zeit Gegenstand

lebhaftester Controverse gewesen, die sich vornehmlich darauf bezog,

ob dieselben am freien Ende offen oder geschlossen seien. Nach unserer

Ansicht ist unzweifelhaft das Letztere der Fall. -- In die pulsierende

Blase münden die Nephridien mittels einer scharf umschriebenen runden

Öffnung ein. Die Kontraktilität wird durch ein Netzwerk feiner Muskeln,

die in der Wandung sitzen, hervorgerufen. Bei einigen Rotatorien

(_Lacinularia_, _Tubicolaria_, _Pterodina_) fehlt das gemeinsame

Harnreservoir, und die Nephridien münden direkt in die Kloake. Endlich

findet sich noch eine auffallende Modifikation bei _Conochilus volvox_

und den meisten Philodiniden. Hier hat sich ein Teil der Kloake

zur Harnblase umgewandelt und pulsiert ebenso regelmässig wie die

gewöhnlichen, von der Kloake scharf abgesetzten Reservoire.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 85 / 112 题