Wenn ich die Rädertiere oben als ungegliedert bezeichnete, so scheint
die Beschaffenheit der Körperdecke vieler Arten sich hiermit schwer in
Einklang bringen zu lassen. Fanden wir doch schon bei der _Hydatina_
und ebenso bei _Callidina symbiotica_ (Fig. 64), wie der Körper
durch mehrere in ziemlich gleichen Abständen aufeinanderfolgende
Einschnürungen, ähnlich einem Ringel- oder Bandwurme, in Segmente
gegliedert wurde. In der That lässt die Haut vieler Rotatorien eine
Zusammensetzung aus mehreren gleichen Zonen erkennen, aber da wir
bei keinem innern Organe etwas Ähnliches antreffen, sondern alle
nur in Ein- oder Zweizahl vorhanden sind, kann von einem metameren
Körperbaue nicht die Rede sein, sondern höchstens von einer auf die
Haut und die zugehörigen Muskeln beschränkten Scheinsegmentierung.
Diese kommt entweder nur durch die Anordnung der Ringmuskeln zu stande
(_Hydatina_), oder Hand in Hand mit dieser geht eine Zusammensetzung
der Haut aus abwechselnd derben und weichen Partien. Die ersteren
bilden bei den Philodiniden die eigentlichen Hautsegmente, die
letzteren die je zwei Segmente von einander sondernden Furchen, welche
in Gestalt von Ringfalten sich unter die Haut des nächsthintern
Scheinsegmentes legen. In der Dicke verhält sich die Kutikula der
Falten ganz gleich derjenigen der Segmente, in die sie ja auch
kontinuierlich übergeht. Dass jene Falten konstante Bildungen sind,
lässt sich daher wohl nur aus einer weicheren Beschaffenheit derselben
erklären. Kontrahieren sich die Längsmuskeln, so schieben sich die
schmäleren Scheinsegmente in die weiteren hinein, ähnlich wie man die
Ringe des Tubus eines Fernrohres in einander stecken kann. -- Viel
auffallender als bei den Philodiniden ist der Unterschied zwischen
weichhäutigen und derben Partien der Kutikula bei den sogenannten
„gepanzerten“ Rädertieren. Es gehören hierher zahlreiche Gattungen,
von denen manche, wie _Brachionus_, _Anuraea_, _Pterodina_, _Salpina_,
_Colurus_, _Metopidia_, zu den gemeinsten Vertretern der Klasse
zählen. Der Panzer, d. h. der derbhäutige unelastische Abschnitt
der Haut, umfasst bei diesen Formen nur den Mittelkörper. Die Haut
des Kopfes und des Schwanzes (falls ein solcher überhaupt vorhanden
ist) hingegen bleibt von der gewöhnlichen Konsistenz. Im Panzer
nimmt die Kutikula eine grössere Dicke an und bedeckt sich mit den
verschiedenartigsten Skulpturen, wie Leisten, Rillen, Punkten, Höckern
u. dgl., welche häufig zu sehr zierlichen Zeichnungen zusammentreten.
Unsere Abbildung der _Anuraea aculeata_ (Fig. 67) lässt z. B. die
polygonalen Felder der Rückenfläche des Panzers deutlich erkennen.
Sehr häufig läuft der Panzer dort, wo er in die weiche Haut des
Kopfes und des Schwanzes übergeht oder, obwohl seltener, an anderen
Stellen in zahnartige Fortsätze aus. So verdankt die eben erwähnte
_Anuraea_ ihren Speziesnamen _aculeata_ dem Umstande, dass der Panzer
am Vorderrande sechs, am Hinterrande zwei ansehnliche Dornen trägt.
Bei den verschiedenen Brachionus-Arten differiert vornehmlich die
Zahl, Grösse und Anordnung der Zähne am Vorderrande der Schale; ausser
diesen begegnen wir vielfach zwei kleinen Zähnen an der Basis des
Schwanzes (Fig. 69). Bei einigen Rädertieren erreichen die Stacheln des
Panzers eine solche Länge, dass ganz abenteuerliche Formen hierdurch
entstehen, _Anuraea longispina_ Kellic. z. B. trägt vorn drei, hinten
einen spiessartigen Fortsatz von der Länge des ganzen Panzers. Bei
_Stephanops tripus_ Lord und _Steph. Leidigii_ Zacharias sitzt der
Rückenfläche ein nach hinten gerichteter und bogenförmig gekrümmter
Stachel auf, welcher bei ersterer etwas kürzer, bei letzterer länger
als das ganze Tier ist. -- Der Panzer bewirkt in einzelnen Fällen
eine Abweichung von der typischen Lagerung der inneren Organe. Ist
er z. B. sehr flach gebaut (_Pterodina_, _Metopidia_), so kommen die
Geschlechtsorgane im entwickelten Zustande teilweise neben den Darm,
anstatt unter ihn, zu liegen. Ferner hat sich die Öffnung der Kloake
von der Dorsalseite auf die Bauchfläche verschoben bei den Gattungen
_Pterodina_, _Anuraea_ und _Dinocharis_, welch’ letztere auch dadurch
bemerkenswert ist, dass bei ihr der Hals panzerartig erhärtet ist,
während sonst der Kopf stets weichhäutig bleibt.