2. Die Körperhaut.

Wenn ich die Rädertiere oben als ungegliedert bezeichnete, so scheint

die Beschaffenheit der Körperdecke vieler Arten sich hiermit schwer in

Einklang bringen zu lassen. Fanden wir doch schon bei der _Hydatina_

und ebenso bei _Callidina symbiotica_ (Fig. 64), wie der Körper

durch mehrere in ziemlich gleichen Abständen aufeinanderfolgende

Einschnürungen, ähnlich einem Ringel- oder Bandwurme, in Segmente

gegliedert wurde. In der That lässt die Haut vieler Rotatorien eine

Zusammensetzung aus mehreren gleichen Zonen erkennen, aber da wir

bei keinem innern Organe etwas Ähnliches antreffen, sondern alle

nur in Ein- oder Zweizahl vorhanden sind, kann von einem metameren

Körperbaue nicht die Rede sein, sondern höchstens von einer auf die

Haut und die zugehörigen Muskeln beschränkten Scheinsegmentierung.

Diese kommt entweder nur durch die Anordnung der Ringmuskeln zu stande

(_Hydatina_), oder Hand in Hand mit dieser geht eine Zusammensetzung

der Haut aus abwechselnd derben und weichen Partien. Die ersteren

bilden bei den Philodiniden die eigentlichen Hautsegmente, die

letzteren die je zwei Segmente von einander sondernden Furchen, welche

in Gestalt von Ringfalten sich unter die Haut des nächsthintern

Scheinsegmentes legen. In der Dicke verhält sich die Kutikula der

Falten ganz gleich derjenigen der Segmente, in die sie ja auch

kontinuierlich übergeht. Dass jene Falten konstante Bildungen sind,

lässt sich daher wohl nur aus einer weicheren Beschaffenheit derselben

erklären. Kontrahieren sich die Längsmuskeln, so schieben sich die

schmäleren Scheinsegmente in die weiteren hinein, ähnlich wie man die

Ringe des Tubus eines Fernrohres in einander stecken kann. -- Viel

auffallender als bei den Philodiniden ist der Unterschied zwischen

weichhäutigen und derben Partien der Kutikula bei den sogenannten

„gepanzerten“ Rädertieren. Es gehören hierher zahlreiche Gattungen,

von denen manche, wie _Brachionus_, _Anuraea_, _Pterodina_, _Salpina_,

_Colurus_, _Metopidia_, zu den gemeinsten Vertretern der Klasse

zählen. Der Panzer, d. h. der derbhäutige unelastische Abschnitt

der Haut, umfasst bei diesen Formen nur den Mittelkörper. Die Haut

des Kopfes und des Schwanzes (falls ein solcher überhaupt vorhanden

ist) hingegen bleibt von der gewöhnlichen Konsistenz. Im Panzer

nimmt die Kutikula eine grössere Dicke an und bedeckt sich mit den

verschiedenartigsten Skulpturen, wie Leisten, Rillen, Punkten, Höckern

u. dgl., welche häufig zu sehr zierlichen Zeichnungen zusammentreten.

Unsere Abbildung der _Anuraea aculeata_ (Fig. 67) lässt z. B. die

polygonalen Felder der Rückenfläche des Panzers deutlich erkennen.

Sehr häufig läuft der Panzer dort, wo er in die weiche Haut des

Kopfes und des Schwanzes übergeht oder, obwohl seltener, an anderen

Stellen in zahnartige Fortsätze aus. So verdankt die eben erwähnte

_Anuraea_ ihren Speziesnamen _aculeata_ dem Umstande, dass der Panzer

am Vorderrande sechs, am Hinterrande zwei ansehnliche Dornen trägt.

Bei den verschiedenen Brachionus-Arten differiert vornehmlich die

Zahl, Grösse und Anordnung der Zähne am Vorderrande der Schale; ausser

diesen begegnen wir vielfach zwei kleinen Zähnen an der Basis des

Schwanzes (Fig. 69). Bei einigen Rädertieren erreichen die Stacheln des

Panzers eine solche Länge, dass ganz abenteuerliche Formen hierdurch

entstehen, _Anuraea longispina_ Kellic. z. B. trägt vorn drei, hinten

einen spiessartigen Fortsatz von der Länge des ganzen Panzers. Bei

_Stephanops tripus_ Lord und _Steph. Leidigii_ Zacharias sitzt der

Rückenfläche ein nach hinten gerichteter und bogenförmig gekrümmter

Stachel auf, welcher bei ersterer etwas kürzer, bei letzterer länger

als das ganze Tier ist. -- Der Panzer bewirkt in einzelnen Fällen

eine Abweichung von der typischen Lagerung der inneren Organe. Ist

er z. B. sehr flach gebaut (_Pterodina_, _Metopidia_), so kommen die

Geschlechtsorgane im entwickelten Zustande teilweise neben den Darm,

anstatt unter ihn, zu liegen. Ferner hat sich die Öffnung der Kloake

von der Dorsalseite auf die Bauchfläche verschoben bei den Gattungen

_Pterodina_, _Anuraea_ und _Dinocharis_, welch’ letztere auch dadurch

bemerkenswert ist, dass bei ihr der Hals panzerartig erhärtet ist,

während sonst der Kopf stets weichhäutig bleibt.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 80 / 112 题