Bei dem Sammeln von Süsswasserschwämmen kommt es auf den Zweck
an, den man dabei verfolgt. Wünscht man sich nur die Schwämme als
Schaustücke für Sammlungen zu beschaffen, so muss man natürlich ganze,
möglichst unverletzte Exemplare zu erhalten suchen und das ist im
allgemeinen viel schwieriger als das Sammeln von Material, welches
man zu anatomisch-histiologischen oder entwickelungsgeschichtlichen
Untersuchungen braucht, für welche unversehrte Schwammexemplare nicht
nur unnötig, sondern sogar ungeeignet sind.
Bei hohem Wasserstande oder bei tief wachsenden Schwämmen kann man sich
manchmal nur durch Tauchen helfen, um die Stücke in gutem Zustande
an die Oberfläche zu bringen. In anderen Fällen, wenn die Schwämme
an losen Gegenständen, Baumreisern, Brettern, Steinen etc., sitzen,
genügt ein bootshakenähnliches Instrument, an welchem unten ein Beutel
befestigt ist. Wir haben auch am Grunde der Spree mit dem Schleppnetz
manch schönes Stück erhalten, allein man ist dabei zu sehr dem Zufall
anheimgegeben. Die an grossen Balken, Pfeilern etc. angehefteten Stücke
wird man zweckmässig mit dem Kratzer ablösen, falls man sie nicht mit
dem Messer abheben kann. Die so erhaltenen Exemplare sind zwar nie
ganz vollständig erhalten, aber doch noch brauchbar. Übrigens wird
es bei öfteren Besuchen eines an Spongilliden reichen Wassers auch
einmal gelingen, ihnen mit der Hand bequem beizukommen. -- Das Sammeln
der Schwämme geschieht zweckmässig zweimal im Jahre. Im Frühling oder
Herbst findet man die +Gemmulae+ in den Schwämmen, letztere sind in den
Sommermonaten am üppigsten entwickelt. Wir möchten auch das Augenmerk
auf die perennierenden Spongilliden richten. Oft haben wir uns in den
Wintermonaten, auf der klaren, dünnen Eisdecke liegend, an dem Anblick
erfreut, den solch ein kleiner Wald abgestorbener Schilfstengel,
welche mit schön grün gefärbten Schwämmen besetzt sind, am Grunde des
Tegelsees bietet.
Die auf die eine oder andere Art gesammelten Exemplare kann man
trocken oder in Spiritus aufbewahren. Die zu trocknenden tötet man
zweckmässig sofort nach dem Entnehmen aus dem Wasser in starkem
Alkohol und trocknet sie erst nach einigen Stunden an der Luft. Man
erhält so ein gutes Präparat, an dem vorzüglich die äussere Haut als
glänzende Membran hervortritt (+Möbius+). Will man einen Schwamm in
Spiritus aufbewahren, so muss man den Alkohol, in welchem das Stück
abgetötet wurde, nach einigen Stunden mehrmals wechseln. Das Abtöten
geschieht in 96%-Alkohol, da der Schwamm äusserst wasserhaltig ist;
zum Konservieren genügt 75%-Spiritus. Um einen Schwamm, den man zu
konservieren wünscht, zu töten, ist es nötig, schnell zu verfahren. Man
wählt sich in dem von Spongilliden bewohnten Wasser ein gutes Exemplar
aus, löst es unter Wasser von seiner Unterlage oder bringt es mit
derselben bis an die Wasseroberfläche und zieht es nun schnell aus dem
Wasser, schwenkt es behutsam von dem in den Kanälen steckenden Wasser
aus und bringt es schnell in Alkohol. Hat man nur kleinere Stücke und
viel Alkohol zur Verwendung, so braucht man den Schwamm nicht erst von
seinem eingesogenen Wasser zu befreien. Jedenfalls ist ein längeres
Betrachten eines aus dem Wasser gezogenen Schwammes nicht am Platze;
wer den Schwamm im Leben kennen lernen will, muss ihn im Aquarium
beobachten, und wer Bau und Struktur zu erkennen wünscht, muss sich
gutes in Alkohol konserviertes Material beschaffen. Um ein solches zu
anatomischen und histiologischen Untersuchungen des Weichteiles zu
erhalten, kann man nicht die ganzen Schwämme verwenden. Man braucht
hierzu kleine bis 1 _cm_ grosse Stückchen, die man unter Wasser aus dem
Schwamme ausschneidet und sofort in absol. Alkohol oder in 96%igem, den
man aber bald wechseln muss, abtötet (+F. E. Schulze+). Noch besser
werden die Zellen einer Spongillide fixiert, indem man die Stückchen in
Überosmiumsäure oder Sublimatlösung bringt, auswäscht und in starkem
Alkohol konserviert. Man muss dann solche Stücke in Böhmerscher
Hämatoxylinlösung oder in Boraxkarmin färben, um die Einzelheiten zu
erkennen. Für manche Teile ist eine Doppelfärbung nötig, z. B. um den
Kern der reifen Eier und ihrer Furchungskugeln vom Dotter unterscheiden
zu können. +Fiedler+ hat hierüber das Nähere angegeben. Derselbe
Autor hat zum Abtöten der Spongillidenstückchen verschiedene Mittel
angewandt. Man wird aus der Arbeit +Fiedlers+[89] ersehen, dass man zur
Erkennung verschiedener Strukturen verschiedene Wege einschlagen muss.
Die so vorbereiteten Stücke werden mittels des Mikrotoms in dickere und
dünnere Schnitte zerlegt.
Die nach dieser Methode gewonnenen Resultate muss man unbedingt am
lebenden Schwamm kontrollieren. Man wird sich dann überzeugen, was
natürlich ist und was künstlich hervorgebracht war. Um den Schwamm im
Leben anatomisch zu studieren, kann man sich eines jungen, aus einer
Gemmula oder Larve gezogenen bedienen. Oder man kann auch grössere,
bis ½ _cm_ grosse Stücke verwenden, die man auf folgende Weise
erhält. Aus einem ganz frischen Schwamme schneidet man schnell mit
einem scharfen Messer senkrecht zur Oberfläche dünne Scheiben von
½-2 _mm_ Dicke. Diese setzt man in ein kleines mit Wasserpflanzen
(Elodea) besetztes Aquarium auf Objektträger. Nach einigen Tagen haben
solche Stücke Haut und Oskulum neu entwickelt und sind meist an dem
Glase festgewachsen. Man nimmt nur diejenigen aus dem Aquarium, deren
Oskularrohr an der Seite liegt, bedeckt sie mit einem Deckglas und kann
lange Zeit an ihnen Beobachtungen machen. Nur muss man darauf achten,
ob aus dem Oskulum beständig der Wasserstrom austritt, um sicher zu
gehen, dass man einen lebenden Schwamm vor sich hat. Man wird sich nun
von der Formveränderlichkeit +aller+ zelligen Elemente des Schwammes
überzeugen. „_Every living part of the sponge that is soft is subject
to polymorphism._“ +Carter+.
Den Bau des Skelettes erkennt man, indem man von dem im Alkohol
konservierten Material mit der Hand dünne Schnitte macht und diese
in absoluten Alkohol, Terpentin und dann in Kanada-Balsam bringt.
Der zwischen dem Gerüste liegende Weichteil stört zwar, aber man ist
sicher, von dem Skelett nichts verloren zu haben.
Ausserdem muss man sich aber vom Weichteil ganz befreite
Gerüstpräparate in folgender Weise beschaffen. Man nimmt dazu einen
frischen Schwamm, aus dem man in verschiedenen Richtungen dünne
Scheiben schneidet. Diese maceriert man bei Ofenwärme in starkem
Ammoniak (zuerst von +F. E. Schulze+ bei Hornschwämmen angewandt).
Die Lösung des Weichteils geschieht sehr schnell. Man erhält das
Skelett rein, indem man sehr behutsam mit Wasser und dann mit Alkohol
auswäscht. Um die Spongiolinsubstanz sichtbar zu machen, färbt man
mit Eosin oder Karmin. Bei der Maceration fallen immer eine Anzahl
Nadeln aus, man vergleicht deshalb diese Präparate mit denen, an
welchen Gerüst und Weichteil vorhanden sind. +Noll+ hat zum Macerieren
Eau de Javelle angewandt, +Girod+[88] gebraucht auch Sodalösung. Das
erstere wirkt sehr energisch und zerstört oft mehr als man wünscht.
-- Die Herstellung der Präparate von isolierten Nadeln geschieht
durch Kochen eines Stückchens der Spongillide in Salzsäure. Ist alles
zerfallen, so füllt man das Reagensglas mit Wasser voll, schüttelt um
und lässt absetzen. Das Auswaschen muss so lange fortgesetzt werden,
bis das Wasser säurefrei ist. Die Nadeln bettet man in Kanada-Balsam
ein; in Glycerin oder Glyceringelatine treten sie nicht hervor. Bei
dem Auswaschen verliert man viele Belagnadeln der Gemmulae. Die
Fleischnadeln von _Eusp. lacustris_ gehen, wenn man schnell verfährt,
fast ganz verloren. Man muss deshalb auch Zupfpräparate vom Schwamme
untersuchen. Dagegen bietet _Eusp. lacustris_, und zwar nur diese
Art, die Möglichkeit, ein vollständiges Skelettgerüst grösserer
Teile des Schwammes darzustellen. Da hier die mächtig entwickelte
Spongiolinsubstanz in Kalilauge unlöslich ist, so kann man grössere
Zweige hierin kochen und erhält sehr zierliche weisse Gerüstbäumchen.
Verwendet man zum Kochen eine starke Kalilauge, so bleibt von dem
Skelett nichts als die Spongiolinsubstanz zurück, weil die Lauge die
Nadeln (Kieselsäureanhydrit) auflöst. In solchen Präparaten treten dann
die Nadeln als Lücken in der Kittmasse hervor (+Dybowski+).
Die Struktur der Gemmulaschale lehren Dünnschnitte kennen, die man
nicht zu färben braucht. Um den Bau des Keimes zu erforschen, muss man
Dünnschnitte einer Doppelfärbung unterwerfen, sonst lassen sich Kerne
und Dottermaterial kaum von einander unterscheiden. Auch hier muss man
zur Kontrolle das lebende Objekt untersuchen.
Die Entwickelung des jungen Schwammes aus der Larve wird am besten
mit dem Horizontalmikroskop verfolgt. Daneben sind Dauerpräparate
anzufertigen.
Auf die Einzelheiten der hier angegebenen Manipulationen gehen wir
nicht weiter ein. Die wenigen Bemerkungen werden genügen mit dem
Hinweise, dass man das Übrige aus den Arbeiten +Lieberkühns+ und
+Carters+, ferner bei +Potts+, +Girod+[88], +Fiedler+ und +Maas+[90]
ersehen kann. Und endlich probiert jeder, kontrolliert die von anderen
angegebenen Methoden und findet selbst die Mittel und Wege, mit und auf
denen er zum Ziele kommt.
Litteratur.
Ein vollständiges Verzeichnis der Arbeiten über Süsswasserschwämme
existiert nicht. Man findet Litteratur bis zum Jahre 1842 bei =G.
Johnston=, A history of British Sponges and Lithophytes. Eine
Liste der Arbeiten bis 1882 hat =W. Dybowski=, Studien über die
Süsswasserschwämme des russischen Reiches in Mém. Acad. Imp. St.
Pétersbourg, VIIᵉ série, T. XXX, No. 10 gegeben. Beide Verzeichnisse
sind zwar nicht erschöpfend, aber man kann mit ihnen weiterarbeiten.
Wem die Abhandlung von Dybowski nicht zur Hand ist, kann sich die
Litteratur aus den Verzeichnissen über Spongienwerke von =Bowerbank=,
A Monograph of the British Spongiadae, Vol. 4. 1882, dann besonders
von =G. C. J. Vosmaer=, Spongien, Bronns Klassen und Ordnungen des
Tierreichs, II. Bd. 1882-87, und von =R. v. Lendenfeld=, A Monograph of
the Horny Sponges. London 1889, beschaffen. In dem zuletzt genannten
Werke findet man eine vorzügliche Zusammenstellung aller wichtigen
Arbeiten über Spongien. --
Die Litteratur über die +grünen Körper+ der Spongilliden ersieht man
aus =K. Brandt=, Über die morphologische und physiologische Bedeutung
des Chlorophylls bei Tieren. Mittlg. Zool. Stat. Neapel, Bd. 4. 1883.
-- Wir fügen diesem Verzeichnis noch hinzu: =J. E. Gray=, On the
Situation and Rank of Sponges in the Scale of Nature. The Zool. Journ.
Vol. I. 1824.
In folgendem geben wir nur ein Verzeichnis der wichtigeren Werke,
welche nach +Carters+ erster Arbeit (1848) erschienen sind. Die Zahlen
vor den Autornamen beziehen sich auf die Verweise in unserem Texte.
[Bei einigen Literaturstellen handelt es sich um allgemeine
Nachschlagewerke, denen im Text keine direkten Verweise
gegenüberstehen. Diese werden im Folgenden mit Zahlen gefolgt von
runden Klammern dargestellt. (Anmerkung des Bearbeiters)]
1) =J. S. Bowerbank=, Further Report on the Vitality of the
Spongiadae. Rep. 27. Meeting Brit. Assoc. Advanc. Sc. 1857, p. 121-125.
London 1858.
2) =H. J. Carter=, dessen zahlreiche Arbeiten in den Annals and
Magazine of Natural History, London. Vol. 1, p. 303-311. 1848. --
Vol. 4, p. 81-100. 1849. -- Vol. 14, p. 334-335. 1854. -- Vol. 17, p.
101-127. 1856. -- Vol. 18, p. 39-45. -- Vol. 20, p. 21-41. 1857. --
Vol. 3, p. 1-20. 1859. -- Vol. 3, p. 331-343. 1859. -- Vol. 14, p.
97-111. 1874. -- Vol. 16, p. 1-40. 1875. -- Vol. 10, p. 362-372. 1882.
-- Vol. 12, p. 329-333. 1883. -- Vol. 15, p. 18-20. 1885.
3) =W. James Clark=, The American Spongilla, a craspedote, flagellate
Infusorian. Americ. Journ. Sc. Vol. 2, p. 426-436. 1871.
4) =W. Dybowski=, Studien über die Spongien des russischen Reiches
mit besonderer Berücksichtigung der Spongienfauna des Baikalsees. Mém.
Acad. Impér. Sc. St. Pétersbourg, VIIᵉ série, T. 27, No. 6, p. 1-71.
1880.
5) =W. Dybowski=, Studien über die Süsswasserschwämme des russischen
Reiches. Das., T. 30, No. 10, 26 p. 1882.
6) =W. Ganin=, Beiträge zur Kenntniss und Entwickelung der Spongien.
Warschau 1879. 88 p. (Russisch!)
7) =P. Girod=, Les Éponges des Eaux douces d’Auvergne. Trav. Labor.
Zool. Girod. Clermont-Ferrand. T. 1. 11 p. 1888.
8) =Al. Goette=, Untersuchungen zur Entwickelungsgeschichte von
Spongilla fluviatilis. Hamburg und Leipzig. 64 p. 1886.
9) =Fr. Hilgendorf=, Zwei Arbeiten in Sitzungsberichte Ges. Naturf.
Fr. Berlin 1882, p. 26. -- 1883, p. 87-90.
10) =G. H. Hinde=, On some new Species of Uruguaya, Carter, with
Remarks on the Genus. Ann. Mag. Nat. Hist. Vol. 2, p. 1-12. 1888.
11) =H. Jackson=, On a New Peritrichous Infusorian (Cyclochaeta
spongillae). Quart. Journ. Micr. Sc. Vol. 15, No. 5, p. 243-49. 1875.
12) =N. Lieberkühn=, dessen zahlreiche Arbeiten im Archiv für
Anatomie, Physiologie und wissenschaftliche Medizin von Joh. Müller.
1856, p. 1-19, p. 399-414, p. 496-514. -- 1857, p. 376 bis 403. --
1859, p. 353-382, p. 515-529. -- 1863, p. 717 bis 730. -- 1865, p.
732-748. -- 1867, p. 74-86.
13) =N. Lieberkühn=, Ueber Protozoen. Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 8, p.
307-310. 1857.
14) =N. Lieberkühn=, Ueber Bewegungserscheinungen der Zellen. Schrift.
Ges. Beförd. Gesammt. Naturw. zu Marburg. Vol. 9, p. 335 bis 385. 1872.
(Die Arbeit erschien schon 1870.)
15) =O. Maas=, Zur Metamorphose der Spongillalarve. Zool. Anz. Jahrg.
12, p. 483-487. 1889.
16) =Ed. v. Martens=, Ueber einige Ostasiatische Süsswasserthiere.
Arch. f. Nat. Jahrg. 34, Bd. 1, p. 61-64. 1868.
17) =E. Metschnikoff=, Spongiologische Studien. Zeitschr. wiss. Zool.
Bd. 32, p. 349-387. 1879.
18) =F. C. Noll=, Beiträge zur Naturgeschichte der Kieselschwämme.
Abh. Senckenb. Nat. Ges. Bd. 15. 58 p. 1888.
19) =Fr. Petr=, drei Arbeiten in Sitzungsber. kön. böhm. Ges. Wiss.
Prag. Math.-naturw. Klasse. 1885, p. 99-111. -- 1886, p. 147-174. --
1887, p. 203-214.
20) =F. Vejdovský=, drei Arbeiten in Sitzungsber. kön. Böhm. Ges.
Wiss. Nat. Kl. Prag. 1883, p. 328-340. -- 1884, p. 167 bis 172. --
1886, p. 175-189.
21) =F. Vejdovský=, Einiges über Spongilla glomerata. N. Zool. Anz.
Jahrg. 9, p. 713-15. 1886.
22) =F. Vejdovský=, Diagnosis of the European Spongillidae. Erschien
in dem Werk von Potts, No. 30, p. 172-180.
23) =G. C. J. Vosmaer=, Spongien. Bronns Kl. u. Ordn. d. Tierreichs.
II. Bd. 1882-87. 498 p.
24) =W. Weltner=, Zwei Arbeiten in Sitzungsber. Ges. Naturf. Freunde
Berlin. 1886, p. 152-157. -- 1888, p. 18-22.
25) =A. Wierzejski=, Le développement des Gemmules des Éponges d’eau
douce d’Europe. Arch. Slav. Biol. T. 1, p. 23 bis 47. 1886.
26) =John T. Young=, On the occurence of a Freshwater Sponge in the
Purbeck Limestone (Spongilla purbeckensis). The Geolog. Magaz. Vol. 5,
p. 220-221. 1878.
[72] =W. Retzer=, Die deutschen Süsswasserschwämme. Inaug.-Diss. 30 p.
Tübingen 1883.
[73] =Edw. Potts=, Contributions towards a Synopsis of the American
Forms of Freshwater Sponges, with descriptions of those named by other
authors and from all parts of the world. Proceed. Acad. Nat. Sc.
Philadelphia 1887, p. 158-279. (Hauptwerk über Systematik. Enthält
auch die zahlreichen früheren Arbeiten von demselben Autor; viele
interessante Beobachtungen über die Biologie.)
[74] =M. Weber=, Spongillidae des indischen Archipels. Zool. Ergebnisse
einer Reise in Niederl. Ost-Indien. 1. Heft, p. 30-47. Leiden 1890.
[75] =M.= u. =A. Weber=, Quelques nouveaux cas de Symbiose. Das. p.
48-72.
[76] =E. Ray Lankester=, On the Chlorophyll-corpuscles and amyloid
Deposits of Spongilla and Hydra. Quart. Journ. Micr. Sc. Vol. 22, p.
229-254. 1882.
[77] =C. Keller=, Ueber Spermabildung bei Spongilla. Zool. Anz. Jahrg.
1, p. 314-315. 1878.
[78] =C. Keller=, Ueber den Bau von Reniera semitubulosa Ow. Zeitschr.
wiss. Zool. Bd. 30, p. 563-586. 1878.
[79] =A. Wierzejski=, Bemerkungen über Süsswasserschwämme. Zool. Anz.
Jahrg. 10, p. 122-126. 1887.
[80] =A. Wierzejski=, Beitrag zur Kenntnis der Süsswasserschwämme.
Verh. Zool.-bot. Ges. Wien. Jahrg. 1888, Bd. 38, p. 529-536.
[81] =R. v. Lendenfeld=, Die Süsswasser-Cölenteraten Australiens. Zool.
Jahrb. Vol. 2, p. 87-108. 1887.
[82] =W. Marshall=, Über einige neue von Herrn Pechuël-Loesche aus dem
Congo gesammelte Kieselschwämme. Jenaische Zeitschr. für Naturw. Vol.
16, p. 553-577. 1883
[83] =R. v. Lendenfeld=, Experimentelle Untersuchungen über die
Physiologie der Spongien. Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 58, 297 p. 1889
(Referat im Biol. Centralbl. Bd. 10. 1890).
[84] =W. Marshall=, Einige vorläufige Bemerkungen über die Gemmulae der
Süsswasserschwämme. Zool. Anz. Jahrg. 6, p. 630 bis 634, p. 648-52.
1883.
[85] =W. Marshall=, Vorläufige Bemerkungen über die
Fortpflanzungsverhältnisse von Spongilla lacustris. Sitzungsber.
Naturf. Ges. Leipzig. Jahrg. 1884, p. 22-29.
[86] =W. Dybowski=, dessen Arbeiten in den Sitzungsberichten der
Naturforschenden Gesellschaft zu Dorpat. Vol. 4, 1878, p. 527-534. Vol.
6, 1884, p. 507-515. Vol. 7, 1885-86, p. 44-45, p. 64-75, p. 137-139,
p. 295-298. Ferner im Zoolog. Anzeig. Jahrg. 7, 1884, p. 476-480.
[87] =F. Vejdovský=, Die Süsswasserschwämme Böhmens. Abhandl. kön.
Akad. Ges. Wiss. Math.-nat. Kl. Prag. Vol. 12. 44 p. 1883.
[88] =P. Girod=, Les Spongilles. Leur recherche, leur préparation, leur
détermination. Revue scientif. Bourbonnais et du Centre de la France.
T. 2, 11 p. 1889.
[89] =K. Fiedler=, Über Ei und Spermabildung bei Spongilla fluviatilis.
Zeitschr. wiss. Zool. Bd. 47, p. 85-128. 1888.
[90] =O. Maas=, Über die Entwicklung des Süsswasserschwamms. Zeitschr.
wiss. Zool. Bd. 50, p. 527-554. 1890.
Die Strudelwürmer (Turbellaria).
Von Dr. =Otto Zacharias= in Plön (Holstein).
Zusammen mit den im nächsten Kapitel zu schildernden Rädertieren
(Rotatoria) machen die Turbellarien einen ansehnlichen Bestandteil der
Süsswasserfauna aus, und es dürfte wohl kaum einen Bach, Fluss, Tümpel
oder See geben, worin nicht wenigstens eine oder die andere Art jener
kleinen, abgeplatteten Würmchen zu finden wäre, deren Körperoberfläche
mit einem dichten Wimperbesatze ausgestattet ist. Die einzelnen Cilien
dieser flimmernden Hautbedeckung wirken wie zahllose winzige Ruder
und ermöglichen es den Tierchen, gewandt und schnell durchs Wasser zu
gleiten. Dabei entsteht in unmittelbarer Nähe derselben ein beständiger
Strudel, der durch eingestreute Karminkörnchen für jedes Auge sichtbar
gemacht werden kann. Wegen dieses eigentümlichen Nebenumstandes, der
mit der Ortsbewegung jener Geschöpfe verknüpft ist, nennt man dieselben
„Strudelwürmer“ oder Turbellarien -- eine Bezeichnung, die nicht ohne
Weiteres verständlich ist.
Um sich derartige Tiere zu verschaffen, braucht man bloss dem
nächstgelegenen Teiche Wasserpflanzen (besonders Fadenalgen und
Meerlinsen) zu entnehmen und dieselben -- mit Wasser von derselben
Lokalität übergossen -- in geräumigen Glasschalen ruhig stehen zu
lassen. Schon nach einigen Stunden wird man bei dieser Prozedur die
Wahrnehmung machen, dass zahlreiche Würmchen aus dem Pflanzengewirr
hervorkommen und nun an den Wänden der Glasgefässe langsam
umherkriechen. Von da können sie leicht mit einem Spatel oder mit
Hilfe eines Glasröhrchens weggenommen werden.
Im allgemeinen sind die stehenden Gewässer reicher an Turbellarien
als die fliessenden, und während in manchen Wasseransammlungen nur
einige wenige Arten gefunden werden, giebt es wieder andere, die eine
Fülle von verschiedenen Spezies darbieten. Letzteres ist z. B. der
Fall hinsichtlich des kleineren von den beiden bekannten Hochseen des
Riesengebirges; hier habe ich selbst das Vorkommen von nicht weniger
als 19 Turbellarienspezies festgestellt[91], darunter solche, die zu
den allerseltensten gehören. Und dabei ist jener See (im Volksmunde
„Kleiner Koppenteich“ genannt) nur etwa 255 Ar (= 10 Morgen) gross.
Alle Strudelwürmer des Süsswassers haben ihren Aufenthalt in der
Uferzone oder auf dem Grunde der Seen und Teiche. Im freien,
pflanzenleeren Wasser findet man sie niemals, mit einziger Ausnahme
von _Castrada radiata_, einer winzigen, glashell durchsichtigen Form,
welche eine bedeutende Schwimmfähigkeit besitzt. Diese Spezies habe
ich mehrfach mit dem feinen Netz aus der Mitte des Müritz-Sees (in
Mecklenburg) gefischt.
Was die Jahreszeit anlangt, welche für den Turbellarienfang am
geeignetsten ist, so hat man die Erfahrung gemacht, dass im Hochsommer
weniger Spezies gefunden werden, als im zeitigen Frühjahr und
besonders +kurz nach der Schneeschmelze+. Diese Wahrnehmung
bestätigt sich nicht bloss bezüglich der Gewässer des flachen Landes,
sondern auch an den Gebirgsseen. Den Grund für diese Erscheinung hat
man höchst wahrscheinlich mit in dem Umstande zu erblicken, dass
während der heissen Sommermonate der Sauerstoffgehalt der meisten
Wasseransammlungen stark verringert ist, oder vielleicht auch
darin, dass die zu jener Zeit lebhafter vor sich gehende Zersetzung
vegetabilischer Stoffe vielen Arten verderblich wird.
Allgemeines.
Bei einem Blicke auf die Turbellarienfauna unserer Gewässer
unterscheidet man sogleich zwei Haupttypen, nämlich einesteils grössere
platte Würmer von 1-2 _cm_ Länge, bei denen ein baumförmig verästelter
Darm durch die Haut hindurch wahrnehmbar ist, und andernteils
kleine (nur wie winzige Fadenfragmente aussehende) Würmchen, deren
Verdauungskanal eine einfach gestreckte (stabartige) oder sackähnliche
Gestalt besitzt. Man unterscheidet demgemäss +rhabdocöle+ und
+dendrocöle+ Strudelwürmer. Letztere werden ihres abgeflachten Körpers
halber auch „Planarien“ genannt. Fig. 47 und 48 veranschaulichen
in schematischer Weise die den Darmtractus (_d_) betreffenden
Unterschiede. Damit sind aber bei beiden Hauptabteilungen auch noch
andere Abweichungen im Bau verbunden, die wir sogleich etwas näher ins
Auge fassen wollen.
[Illustration: Fig. 47.]
[Illustration: Fig. 48.]
A. Rhabdocoela.
(_Rhabdocoelida_, +L. v. Graff.+)
Wenn man einen zu dieser Gruppe zählenden Strudelwurm seiner
augenfälligsten Beschaffenheit nach skizzieren soll, so kann das etwa
wie folgt geschehen. Ein solches Tier besitzt einen schlauchförmigen
Körper und einen in diesen eingeschlossenen Behälter (Darm) für
Aufnahme und Verdauung der Nahrung. Die Mundöffnung ist je nach den
einzelnen Gattungen bauchständig (Mesostoma) oder terminal (Vortex).
Alle Rhabdocöliden sind afterlos. Zwischen Darm und Leibesschlauch
liegen die Fortpflanzungsorgane, welche einen zwitterartigen Charakter
tragen. Die Begattung ist dieser Einrichtung gemäss stets eine
wechselseitige. In manchen Gattungen (Microstoma, Stenostoma) kommt
aber neben der geschlechtlichen auch eine ungeschlechtliche Vermehrung
vor und letztere bildet mehrfach sogar die Regel. Das zierliche
+Meerlinsenkettchen+ (_Catenula lemnae_) z. B. pflanzt sich ganz
ausschliesslich auf diese Weise fort.
Zum besseren Verständnis des +Geschlechtsapparates+ der Rhabdocölen
diene die untenstehende Abbildung (Fig. 49), in welcher die
hauptsächlich in Betracht kommenden Teile desselben schematisch
dargestellt sind.
Die zentral liegende Geschlechtsöffnung (_pg_) führt zunächst in
das Atrium genitale (_a_), einen erweiterungsfähigen Hohlraum, der
jederseits den Ausführungsgang des +Keim-+ und +Dotterstockes+ (_ks_
und _ds_) aufnimmt, während sich an seinem oberen (resp. vorderen)
Ende das männliche Zeugungsorgan (_p_) inseriert, welches mit den
beiden +Hoden+ (_h_) in Verbindung steht. Die reife Keimzelle
gelangt nach ihrer Ablösung vom Keimstocke in jenes Atrium und
nimmt hier eine entsprechende Portion Dottermasse in sich auf.
Dann erfolgt die Befruchtung durch ein anderes hermaphroditisches
Individuum der nämlichen Spezies, welches seinen Penis (_p_) durch
den _Porus genitalis_ bei _pg_ einführt. Die Umhüllung des nunmehr
entwickelungsfähig gewordenen Eies mit einer schützenden Chitinschale
-- zu welcher das Material von besonderen Drüsen oder vom Zellenbelag
der Atriumwand geliefert wird -- bildet den Schluss zu diesen Vorgängen.
[Illustration: Fig. 49.