Zur Zeit der Gemmulabildung stellen sich zahlreiche niederste Tiere
ein, um an dem im Zerfall begriffenen Weichteil unserer Schwämme
Mahlzeit zu halten. +Lieberkühn+ hat eine Anzahl solcher Wesen
aufgeführt, welche er besonders in Spongilliden zur Winterzeit antraf.
Wir wiederholen ihre Namen nicht, da ihre Reihe nicht erschöpfend ist
und wir selbst durch Hinzufügen einiger anderer die Liste nicht beenden
würden.
Dagegen leben an und in einer frischen, in üppigem Wachstum
befindlichen Spongillide eine Anzahl Organismen, die wir zweckmässig in
zwei Gruppen sondern: +Parasiten+ und +Kommensalen+.
Der Parasiten sind nur wenige. +Dybowski+ schildert einen Flohkrebs,
den er _Gammarus parasiticus_ nennt, und der auf der Oberfläche des von
uns schon so oft genannten Süsswasserschwammes des Baikalsees lebt.
Dieses Tier ist von grüner Farbe und wird, wenn man es isoliert hält,
gelblich. Es nährt sich also von dem grünen Pigment (Zoochlorellen) der
Spongillide. Auch eine andere Art, einen _Gammarus violaceus_ Dyb.,
ebenfalls vom Baikalsee, lernen wir durch diesen Forscher als einen
gelegentlichen Bewohner des Schwammes kennen, er zeigt sich dann in
grüner Färbung, _var. virens_. -- Ein anderer Parasit ist von +Jackson+
in England beobachtet. Es ist ein peritriches Infusor, _Cyclochaeta
spongillae_ tauft es der Autor, welches auf der Oberfläche und den
oberflächlichen grünen Partien der _Euphyd. fluviatilis_ lebt. -- Ein
diesem sehr nahestehendes Infusor, vielleicht eine _Trichodina_, lebt
nach +Alenitzin+ in Süsswasserschwämmen (+Bütschli+, +Bronn+, „Klass.
u. Ordn. d. Tierreichs“. Bd. I, p. 1808). -- Auch bei uns nährt sich
ein Tier vom Süsswasserschwamm. Zur Winterzeit sammelt man öfters im
Tegelsee Exemplare des perennierenden Schwammes, welche grosse Gänge
einer Phryganidenlarve zeigen. Wir haben ein solches Exemplar mit
zwei dieser Larven in Fig. 46 abgebildet. Diese Tiere fressen sich
gewöhnlich vom Rande her in den Schwamm hinein und bohren sich mit dem
Kopfe so tief in das Gewebe, dass man die Gehäuse erst ablösen muss, um
der Tiere selbst sichtbar zu werden. Sie nähren sich, vielleicht aus
Not, von dem grünen Schwamme, denn sie zeigen einen grüngefärbten Leib.
Sie scheinen seit ihrer Erwähnung von +Pallas+, „Elenchus Zoophytorum“,
1766, nicht wieder gefunden worden zu sein.
Als einen Übergang von Symbiose zum Parasitismus bezeichnen M. und +A.
Weber+[75] das Vorkommen einer Fadenalge _Trentepohlia (Chroolepus)
spongophila_, in Süsswasserschwämmen Sumatras. Diese grünen Algen leben
in farblosen Exemplaren von _Ephyd. fluviatilis_ und erzeugen besonders
um die Oskula herum grüne Flecke. Ausser dieser Alge erwähnen die
genannten Autoren noch eine Anzahl anderer, welche nur gelegentliche
Gäste der Schwämme sind.
[Illustration: Fig. 46.
_Eph. fluviatilis_ (Lbkn.) von Phryganiden angefressen. Zwei ders.
sieht man unten links in ihrem tütenförm., gebogenen Gehäuse. (20.
Novbr. 1887. Tegelsee.) ½ nat. Grösse.]
Als Kommensalen der Spongilliden sind uns nur folgende bekannt
geworden. Sehr häufig lebt in den Kloakenhöhlen oder in grösseren
Löchern der Schwämme, und wie es scheint besonders in _Ephyd.
fluviatilis_, die Larve einer Neuroptere: _Sisyra (Branchiotoma)
spongillae_ Westw. Sie wurde in den Süsswasserschwämmen von +Hogg+
entdeckt und steckt mit dem Kopfe nach aussen gerichtet im Schwamme.
-- Weit häufiger als dieses Tier lebt ein anderes auf der äusseren
Haut unserer Schwämme. Man kann einige hunderte gezüngelter Würmchen,
_Nais proboscidea_, von ein und demselben Schwammexemplar erhalten. --
Einige Male trafen wir auch eine kleine Cladocere aus der Gruppe der
Lynceiden auf der äussern Haut des Schwammes an. Besonderes Interesse
verdient ein unscheinbares, nur 0.02 _mm_ langes, aber in der
Spongillide sehr häufig anzutreffendes Tierchen. Es ist eine Acinetine:
_Podophrya fixa_, welche schon +Lieberkühn+ erwähnt. Wir haben kaum
einen Schwamm untersucht, in dessen Kanälen dieses Tier +nicht+ zugegen
war. Am lebenden Schwamm kann man es beobachten, wie es geduldig an ein
und derselben Stelle der Kanalwand festgeheftet sitzt, seine langen
Saugröhrchen nach Beute ausstreckend. Welcher Art ist diese Nahrung?
Nährt sich das Tier von den eingedrungenen, zerfallenen organischen
Bestandteilen oder muss es auf die günstige und, wie wir glauben,
seltene Gelegenheit lauern, ein eingedrungenes Infusor oder ein anderes
Glied aus der Reihe der Protozoen zu erhaschen? Oder ist es gar ein
Parasit des Schwammes? -- Wir haben nur selten ein gestieltes Exemplar
dieser Podophrya zu Gesicht bekommen und müssen es unentschieden
lassen, ob wir in ihm die ungestielte Abart der _Podophrya fixa_ oder
die _Podophrya libera_ Perty zu erblicken haben. -- Ganz im Gegensatze
hierzu steht das Vorkommen von Milbenlarven (Atax? +Noll+), die wohl
eher einen Schutz, als Nahrung, in den Kanälen des Schwammes suchen.
Sie scheinen nicht allzuhäufig zu sein, obwohl sie auch bei Berlin
mehrmals gefunden wurden.