Schema des Geschlechtsapparates.]

Die geschilderten Verhältnisse finden wir indessen nur bei den

höchstorganisierten Rhabdocöliden-Familien (bei Mesostomiden,

Vorticiden u. s. w.), während z. B. die einfacher gebauten

Macrostomiden (Fig. 52 S. 256) der gesonderten Dotterstöcke ermangeln

und lediglich +Ovarien+ besitzen. An letzteren zeigt aber der untere

Abschnitt die merkwürdige Eigenschaft, Dotterkörnchen produzieren zu

können, sodass die heranreifenden Keimzellen jenes Sekret aus ihrer

unmittelbaren Umgebung zu beziehen und sich auf Kosten desselben zu

vergrössern im stande sind.

Zwischen diesem primitiven Verhalten und dem Geschlechtsapparate mit

vollständig getrennten Keim- und Dotterstöcken vermittelt der bei

_Prorhynchus stagnalis_ vorliegende Fall, wo sich die einheitliche

Eierstocksdrüse in zwei verschieden funktionierende Abschnitte

differenziert hat, von denen der eine bloss Keimzellen, der andere nur

Dotterflüssigkeit sezerniert. Durch räumliche Sonderung jener beiden

Drüsenhälften, also durch eine allmählich eingetretene Arbeitsteilung

zwischen denselben, haben wir uns die zuerst beschriebene und in Fig.

49 dargestellte Einrichtung hervorgegangen zu denken.

Bei der Mehrzahl der Rhabdocöliden besteht eine Duplizität der

weiblichen Geschlechtsdrüsen; doch giebt es auch einige Gattungen

(Vortex, Mesostoma, Gyrator), bei denen sie nur in einfacher Anzahl

erscheinen. Eine Reduktion der männlichen Drüsen ist seltener zu

konstatieren, doch kommt sie gleichfalls bei Gyrator und noch einigen

anderen Gattungen vor.

Zur genaueren Orientierung über den Bau der Turbellarien ist es

erforderlich, dass wir nach Betrachtung der Generationsorgane nun

auch den ungegliederten, weichen Körper und den Verdauungsapparat

derselben einer näheren Analyse unterziehen. Ersterer besteht, wenn

wir bei unserer Untersuchung von innen nach aussen gehen, aus einem

mächtig entwickelten +Hautmuskelschlauche+, dessen Zusammensetzung aus

Längs- und Querfasern, welche parallel und unmittelbar an einander

liegen, schon den älteren Forschern bekannt war. Jene Fasern besitzen

bei 0.0005 bis 0.002 _mm_ Breite eine oft sehr bedeutende Länge;

wenigstens lassen sich an Zupfpräparaten nicht selten Fragmente von 0.5

bis 0.9 _mm_ isolieren. Ihrer sonstigen Beschaffenheit nach sind sie

homogen, stark lichtbrechend, glatt und kernlos. Je nach den einzelnen

Arten und Gattungen weist der Hautmuskelschlauch eine verschiedene

Anordnung seiner Elemente auf. Bei manchen Spezies liegen die

Längsfasern zu innerst und werden von einer äusseren Ringfaserschicht

umgeben. Dies ist z. B. der Fall bei _Mesostoma Ehrenbergii_.

Bei einer nahe verwandten Art (_Mesostoma lingua_) befindet sich

zwischen beiden Schichten noch eine solche aus Diagonalfasern, und

bei _Microstoma lineare_ ist die Zusammensetzung des Muskelnetzes

gerade umgekehrt, nämlich so, dass die Längsfasern die äussere, die

Ringfasern die innere Schicht bilden. Auf diesen (seiner Gestalt

nach sehr veränderungsfähigen) Muskelschlauch folgt die sogenannte

+Basalmembran+, ein gallertartiges Häutchen von feinkörniger Struktur,

welches dem Turbellarienkörper Festigkeit verleiht und zugleich dem

darüber liegenden +Epithel+ zur Unterlage dient.

Letzteres besteht aus einer einfachen Zellenlage, deren einzelne

Elemente durch eine Kittsubstanz mit einander verbunden sind. Zwischen

ganz flachen Epithelzellen und hohen cylindrischen existieren bei den

verschiedenen Spezies alle möglichen Übergänge. Jede solche Zelle

besitzt, je nach ihrer Gestalt, einen scheiben- oder spindelförmigen

Kern und mehrere feine Protoplasmafortsätze (Cilien), die in ihrer

Gesamtheit das charakteristische Wimperkleid darstellen, womit die

Körperoberfläche aller Strudelwürmer bedeckt ist. Bei manchen Spezies

lässt sich über dem Epithel noch eine äusserst feine +Kutikula+

nachweisen, welche mit zahllosen winzigen Öffnungen für den

Durchtritt der Cilien versehen ist. Mit Hilfe einer einprozentigen

Höllensteinlösung habe ich dieses äusserst zarte Gebilde an frischen

Exemplaren von _Macrostoma viride_, _Microstoma lineare_ und

_Stenostoma leucops_ deutlich sichtbar gemacht. Man lässt zu diesem

Zwecke einen einzigen Tropfen jener Flüssigkeit unter das Deckglas

laufen und kann dann unterm Mikroskop wahrnehmen, wie sich jenes

glashelle, doppelt contourierte Häutchen auf einzelnen Strecken oder

auch im ganzen Umkreise des Wurmes binnen wenigen Minuten abhebt. Bei

der zuletzt genannten Art geschieht die Loslösung so schnell, dass

zur Herstellung des betreffenden Präparates oft nur einige Sekunden

erforderlich sind.

Ausser den Cilien kommen bei gewissen Gattungen von Rhabdocöliden auch

noch längere, +borstenähnliche Epithelfortsätze+ vor, die vielfach

zitternde oder schwingende Bewegungen ausführen. Bei _Macrostoma

viride_ (Fig. 52) sind diese „Geisselhaare“ über den ganzen Körper

verbreitet; die längsten stehen aber am vorderen und hinteren Ende des

Tierchens. Das Gleiche sehen wir bei _Macrostoma hystrix_ und anderen

Vertretern desselben Genus. Auch bei der von +E. Sekera+ neuerdings

beschriebenen _Bothrioplana alacris_[92] finden wir (am vorderen Saume

des Kopfes) starre Borsten, die -- wie es den Anschein hat -- zur

Vermittelung von Tastempfindungen dienen.

Als eigentümliche Einlagerungen treten in der Haut bei fast allen

Strudelwürmern des Süsswassers ausserordentlich winzige +Stäbchen+

(+Rhabditen+) auf, welche -- zu kleinen Paketen oder Bündeln vereinigt

-- sich über die gesamte Leibesoberfläche verteilen. Ihre Entstehung

nehmen diese bald nadel-, bald keulenförmigen Gebilde in besonderen

Zellen, die dem zwischen Darm und Hautmuskelschlauch sich ausspannenden

Bindegewebe, welches als +Parenchym+ bezeichnet wird, angehören.

Von hier aus rücken die Stäbchen auf eine noch nicht hinlänglich

festgestellte Weise bis zum Epithel vor und dringen in die Zellen

desselben ein, wo sie dauernd verbleiben. Bei manchen Rhabdocöliden ist

auch das Parenchym selbst mit zahlreichen Rhabditen durchsetzt, und

sie bilden dann im Innern desselben ganze Reihen oder Strassen, die

gewöhnlich im Vorderende der betreffenden Tiere zusammenlaufen. Das

sieht man deutlich bei mehreren Mesostomiden, z. B. bei _M. rostratum_

und _M. viridatum_.

Eine mikroskopische Analyse des +Parenchyms+ ergiebt, dass dasselbe

aus Muskelfasern, Bindegewebssträngen und mehrfach verästelten Zellen

besteht, die gleichfalls bindegewebiger Natur sind. Erst durch die

Methode der Schnittserien war es möglich, die einzelnen Bestandteile

des Parenchyms festzustellen und ein Lückensystem innerhalb desselben

nachzuweisen, welches von einer farblosen, blutartigen Flüssigkeit

erfüllt ist. Diese besitzt aber keine selbständige Zirkulation,

sondern wird lediglich durch die Kontraktionen des Hautmuskelschlauchs

gelegentlich in Bewegung versetzt.

Sehr häufig sind die Fasern des Parenchymgewebes mit +Pigmentkörnchen+

durchsetzt, und es kommt dann das zu stande, was +v. Graff+[93] sehr

passend „reticuläre Pigmentierung“ genannt hat. Hiervon rührt die

dunklere Färbung der Rückenfläche bei manchen Rhabdocölen her, die

niemals in den epithelialen Zellen ihren Sitz hat -- obwohl dies bei

flüchtiger Ansicht so scheinen könnte.

Im Parenchym ist auch das +Gehirnganglion+ der Turbellarien gelegen

oder, richtiger gesagt, es ist in dieses Gewebe meistenteils

vollständig eingebettet. Seinem feineren Baue nach besteht dasselbe

aus einer Anhäufung von feinkörniger oder zartfaseriger Substanz und

einer Rinde von Ganglienzellen mit runden oder auch ovalen Kernen. Zwei

Längsnervenstämme, die vom Gehirn abgehen und zu beiden Körperseiten

verlaufen, sind bei zahlreichen Rhabdocölen nachgewiesen; bei einigen

Spezies hat man auch mehrfache Kommissuren, welche die Hauptstämme mit

einander verbinden, vorgefunden.

Hinsichtlich des Parenchyms ist noch zu bemerken, dass es bei den

verschiedenen Gattungen in mehr oder minder starker Entwickelung

angetroffen wird. Wir kennen Formen, deren Leibeshöhlung so gut wie

frei von parenchymatösen Muskeln und Bindegewebsbalken ist, während

andere wieder das gerade Gegenteil solchen Verhaltens darbieten.

Was nun schliesslich den +Verdauungsapparat+ der Rhabdocölen anlangt,

so besteht derselbe aus Schlund (Pharynx) und Darm. Letzterer ist

nach dem Parenchym zu entweder durch eine bindegewebige Scheide

abgegrenzt, oder er besitzt eine Muskelausstattung, an welcher wir

-- wie beim Hautschlauche -- Längs- und Ringfasern unterscheiden

können. Das Darmlumen ist mit einem kontinuierlichen Epithelbelag

ausgestattet, dessen Zellen membranlos sind, und die an ihrer Basis

rundliche, resp. ovale Kerne besitzen. Gewöhnlich ist dieses Epithel

an der unteren (ventralen) Seite des Darmes etwas höher als an der

oberen. Die einzelnen Zellen desselben erscheinen häufig an ihrem

freien Ende keulig verdickt und mit zahlreichen Fetttröpfchen erfüllt.

Was die Verdauung und Assimilation der in den Darm aufgenommenen

Nahrungsobjekte anlangt, so scheinen die grösseren Epithelzellen

kleine organische Partikelchen direkt in sich aufnehmen zu können,

indem sie dieselben nach Art der Rhizopoden (vergl. Kapitel 4) mit

ihrem Protoplasmaleibe umfliessen. Es fände demnach in diesem Falle

eine sogenannte „intracelluläre Verdauung“ statt. Diese Ansicht wird

durch darauf bezügliche Experimente von +Isao Ijima+ (jetzt Professor

an der Universität Tokio) zu fast vollkommener Gewissheit erhoben.

Dr. Ijima fütterte Planarien mit dem Dotter von Hühnereiern und fand

bald darauf die gefressenen Dotterkugeln überall in den Zellen der

Darmverzweigungen seiner Versuchs-Dendrocölen wieder. Auch entdeckte

derselbe Forscher, dass der Darmkanal bei _Dendrocoelum lacteum_,

welcher so deutlich durch die Haut sichtbar ist, seine schwärzliche

Beschaffenheit von kleinen Schlammteilchen erhält, welche eingeschlürft

und in die Epithelzellen mit aufgenommen worden sind[94]. Was in

diesem Bezug für die Planarien experimentell erwiesen ist, darf ohne

Zweifel auch für die Rhabdocöliden als gültig angesehen werden, zumal

+Krukenberg+ auch an mehreren Zoophyten die Aufnahme von Fremdkörpern

durch die Entodermzellen konstatiert hat.

Zum Ergreifen oder Einschlürfen der Nahrung besitzen alle Turbellarien

ein dickmuskulöses, kompliziert gebautes Organ, den +Schlund+

(Pharynx), welcher entweder die Gestalt eines starkwandigen Rohres oder

diejenige eines zwiebelartigen Bulbus hat. Die übergrosse Mehrzahl

der Rhabdocölen ist mit einem _Pharynx bulbosus_ ausgestattet, der

bei den Mesostomiden eine plattgedrückte kugelige Form zeigt und

sich, von oben her gesehen, wie eine Rosette ausnimmt. Das ist der

sogenannte _Pharynx rosulatus_. Seine Achse steht stets senkrecht auf

der Längsachse des Körpers. Eine Modifikation desselben ist der allen

Vorticiden zukommende tonnenförmige Schlund (_Pharynx doliiformis_).

In seinem feinen Bau ist er dem vorigen sehr ähnlich, aber doch

auch leicht wieder von ihm zu unterscheiden, weil er im ganzen eine

stärker entwickelte Muskulatur besitzt. Ausserdem ist seine Achse

der Körperachse immer parallel, oder doch nur wenig gegen dieselbe

geneigt. Mit seiner Spitze ist das Schlundtönnchen in den weitaus

meisten Fällen dem Vorderende des Wurmleibes zugekehrt. Hierzu kommt

noch der _Pharynx variabilis_, dessen Merkmal eine grosse Fähigkeit

zu Gestaltveränderungen ist, insofern er mannigfache Windungen und

Krümmungen auszuführen vermag und ausserdem weit hervorgestülpt

werden kann. Einen derartigen Schlund finden wir bei dem merkwürdigen

_Plagiostoma Lemani_, einer Rhabdocöle von marinem Habitus, die aber

im Süsswasser lebt und von Prof. +F. A. Forel+ zuerst im Genfersee

entdeckt wurde. In der Familie der Monotiden, welche gleichfalls

nur einen einzigen Vertreter im salzfreien Wasser hat[IV], begegnet

uns eine Schlundform, die als _Pharynx plicatus_ bezeichnet wird.

Der hauptsächlichste Unterschied zwischen dieser und den anderen

Pharyngealformen besteht darin, dass bei ihr der zwischen innerer

und äusserer Muskelschicht gelegene Raum in offener Verbindung mit

der Leibeshöhle steht, und nicht -- wie beim _Ph. bulbosus_ -- gegen

letztere abgeschlossen ist. Der Monotidenschlund stellt demnach

eine blosse Ringfalte der Körperhaut dar, die indessen eine grosse

Beweglichkeit zeigt und sich in überraschender Weise rüsselartig

verlängern kann.

[IV] Es ist dies der von mir 1884 in den Koppenteichen des

Riesengebirges aufgefundene _Monotus lacustris_. Z.

Zuletzt müssen wir auch noch des +Wassergefässsystems+ gedenken,

welches in Gestalt eines zarten Röhrennetzes mit zwei stärkeren

Hauptstämmen den Turbellarienkörper vom vordern bis zum hintern Ende

durchzieht. Die einzelnen Verästelungen desselben zu verfolgen ist mit

mannigfaltigen Schwierigkeiten verknüpft, und daraus erklärt es sich,

dass wir bei manchen Spezies noch sehr wenig über den Gesamtverlauf

dieser Röhrenleitung wissen. Ihrer physiologischen Bedeutung nach

stellt sie höchst wahrscheinlich ein Ausscheidungsorgan dar, welches

verbrauchte Stoffe aufnimmt und ansammelt, um dieselben durch die

Öffnungen, mit denen die Hauptstämme an der Körperoberfläche ausmünden,

fortzuschaffen. Als Ausnahme finden wir bei sämtlichen Arten der

Gattung Stenostoma anstatt zweier nur einen +einzigen+ Hauptstamm,

welcher in der Nähe des hinteren Körperendes sich öffnet.

B. Dendrocoela.

(_Dendrocoelida_, +L. v. Graff+.)

Die vorstehend gegebene Orientierung über die +Grundzüge+ der

Rhabdocöliden-Organisation hat im wesentlichen auch für die grösseren

Turbellarien mit dreizipfeligem und baumförmig verzweigtem Darm

Gültigkeit. Dieselben besitzen gleichfalls einen Hautmuskelschlauch

und eine Basalmembran mit einer darüber befindlichen Lage von

flimmernden Epithelzellen. Letztere sind indessen nicht platt, sondern

hoch cylindrisch gestaltet; in ihrem Innern enthalten sie aber genau

solche Stäbchen, wie wir sie bei den Rhabdocölen antreffen. Ebenso ist

bei unseren Süsswasserdendrocölen (Tricladen) der Raum zwischen der

Hautmuskulatur und dem Darmkanal mit seinen Ausbuchtungen von einem

lockeren Bindegewebe und von zahlreichen (dorsoventral und quer sich

ausspannenden) Parenchymmuskelfasern erfüllt. Dazu kommt noch das

Vorhandensein eines reichmaschigen Wassergefässsystems, der Besitz

eines Gehirnganglions mit davon ausstrahlenden Seitennerven und ein

hermaphroditischer Geschlechtsapparat, der aus Keim- und Dotterstock,

blasigen Hoden, sowie einem zapfenförmigen Begattungsorgan besteht.

Eine ausgebildete Leibeshöhle, wie sie bei vielen Rhabdocöliden

gefunden wird, existiert bei den Tricladen nicht, sodass man es sich

erklären kann, wenn die älteren Zoologen zur Bezeichnung eines solchen

Thatbestandes auf den Ausdruck „parenchymatöse Würmer“ verfielen.

Das Darmepithel hat bei denselben genau die nämliche Beschaffenheit

wie bei den stabdarmigen Turbellarien. Die Zellen desselben sind

langgestreckt, nackt und häufig birnförmig verdickt. Jede besitzt einen

rundlichen Kern, der am basalen Ende liegt. Den gleichen Verhältnissen

begegneten wir bei den Rhabdocöliden. Hinsichtlich des Schlundes

stimmen die Planarien fast ganz genau mit den Monotiden überein, die,

wie bereits erwähnt wurde, einen _Pharynx plicatus_ besitzen. Über

den feineren Bau desselben findet man ausführliche Angaben in +L. v.

Graffs+ Rhabdocöliden-Monographie (S. 87 und 88).

Wenn die Planarien fressen, so stülpen sie ihren Pharynx oft

bis zu einer erstaunlichen Länge aus dem Munde hervor. Er führt

dabei wurmförmige Bewegungen aus, als wenn er die geeignetsten

Nahrungsobjekte aussuchen wollte. Dabei erweitert sich sein freies Ende

gewöhnlich trompetenartig, sodass auch grössere Beutetiere (Crustaceen,

Insektenlarven z. B.) ergriffen und verschluckt werden können. Trennt

man den hervorgestreckten Tricladenrüssel durch einen Scherenschnitt

an seiner Wurzel ab, so fährt derselbe -- wenn er feucht gehalten wird

-- oft noch mehrere Stunden lang mit seinen Gestaltveränderungen fort.

Diese Lebenszähigkeit erklärt sich hinlänglich durch die reichliche

Innervation des in Rede stehenden Organs, über welche wir durch

+Ijimas+ Untersuchungen Aufschluss erhalten haben. Etwa zwischen der

äusseren Ringfaserschicht des Pharynx und den Ausführungsgängen der

Speicheldrüsen sind die Nerven zu einem Plexus verbunden, der gegen das

freie Ende hin eine beträchtliche Anschwellung aufweist. An dem nicht

minder zählebigen Rüssel des Süsswasser-Monotus (_Monotus lacustris_)

ist von +M. Braun+ und mir die Anwesenheit eines dicken Ringes von

Nervenfasern festgestellt worden, der auf Quer- und Längsschnitten

in der Mitte des Pharynx zum Vorschein kommt und einen deutlichen

Zusammenhang mit den ventralen Längsnerven erkennen lässt.

+Sinnesnerven+, die vom Gehirn aus zu den mehr oder minder

lappenartigen Seitenteilen des Kopfes laufen, sind, wie bei den

Rhabdocölen, so auch bei den Tricladen nachgewiesen. Ebenso besitzt die

Mehrzahl unserer Planarien +Sehorgane+ (Augen), die entweder zu zweien

auf der dorsalen Fläche des Kopfes stehen, oder in grösserer Anzahl

(40-60) den Rand des ganzen vorderen Körperteiles umsäumen (Polycelis).

Die Planarien produzieren nach stattgehabter (wechselseitiger?)

Befruchtung Eier, die zu 30-40 Stück in ein kugeliges oder elliptisches

Cocon eingeschlossen sind. Letzteres wird mittels eines weisslichen

Sekretes an Wasserpflanzen befestigt. Und zwar geschieht dies schon

sehr früh im Jahre, etwa im Februar oder März. Der Inhalt des Cocons

besteht aus einer Flüssigkeit, in der sich eine grosse Menge von

Dotterzellen (über 10000 sind gezählt worden) befinden, dazwischen ist

aber nur die oben angeführte Anzahl von Eiern sichtbar. Diese letzteren

sind nackte Zellen von geringerer Grösse als die Dotterelemente;

sie haben nur 0.035 bis 0.044 _mm_ im Durchmesser. -- Über die

Embryonalentwickelung der Süsswasserdendrocölen besitzen wir ausser Dr.

+J. Ijimas+ Beobachtungen an _Dendrocoelum lacteum_ noch eine neuere

Arbeit des französischen Zoologen +Paul Hallez+, die sehr ausführliche

Angaben und zahlreiche erläuternde Tafeln enthält[95].

Neben der geschlechtlichen Fortpflanzung kommt bei einigen Planarien

auch eine ungeschlechtliche durch +Querteilung+ vor. Ich habe

diese vielfach in Zweifel gezogene Thatsache 1885 an _Planaria

subtentaculata_ Dugès (aus einem Bache bei Hirschberg i. Schl.) mit

Sicherheit festgestellt und seinerzeit detailliert beschrieben[96]. Der

Hauptsache nach verläuft jener Vorgang folgendermassen. Zuerst zeigt

sich am Beginn des hinteren Leibesdrittels (und zwar immer dicht hinter

dem Eingang zur Rüsseltasche) eine seichte Einschnürung, welche von Tag

zu Tag Fortschritte macht. Während dieser Zeit liegen die Tiere oft

stundenlang ganz still. Nach drei bis vier Tagen bereits kann man mit

der Lupe die ziemlich perfekt gewordene Querteilung konstatieren. Die

Abtrennung des Tochtersprosses von der Mutter erfolgt nunmehr unter

ganz eigentümlichen Umständen. Merkwürdigerweise nämlich löst sich

derselbe erst in seiner mittleren Partie von letzterer ab, während

er zu beiden Seiten damit noch in Verbindung bleibt. Hat sich das

Tochterteilstück definitiv abgetrennt, so bemerkt man am Vorderende

desselben ein kleines, pigmentfreies Zäpfchen: den sich neu bildenden

Kopf. Nach Verlauf von 24 Stunden unterscheidet man schon Augenpunkte

an demselben. Demnächst bildet sich auch eine neue Rüsselhöhle und ein

neuer Pharynx aus, sodass das durch Teilung des Mutter-Individuums

entstandene Tier keinerlei Organisationsmängel zeigt. Diese

Teilungserscheinungen waren aber nur während der warmen Sommermonate

zu beobachten und bemerkenswert ist dabei, dass an den sich so

fortpflanzenden Exemplaren keine Spur von Geschlechtswerkzeugen zu

entdecken war. Der nämliche Vorgang ist unlängst auch an einer anderen

Dendrocöle (_Planaria albissima_ Vejd.) von Dr. +E. Sekera+ beobachtet

worden, sodass die älteren Angaben von +Dalyell+ und +Dugès+, welche

früher schon über Querteilung bei Planarien berichtet haben, nunmehr

bestätigt sind.

Zu den am meisten in unseren Gewässern verbreiteten Planarien gehören

ausser dem milchweissen _Dendrocoelum lacteum_ Oerst., _Polycelis

nigra_ O. Fr. Müller, _Planaria polychroa_ O. Schm. und _Pl. lugubris_.

Eine der grössten einheimischen Planarien ist das von Dr. +W. Weltner+

im Tegelsee bei Berlin und später auch in der Spree aufgefundene

_Dendrocoelum punctatum_ Pallas, welches im ausgestreckten Zustande

eine Länge von 3-4 _cm_ erreicht[97]. Alle diese Tiere sind in Grösse,

Gestalt und Färbung ziemlich variabel, und deshalb genügen solche

äussere Merkmale bei der Artbestimmung nicht. Hierzu müssen vielmehr

die sehr formbeständigen Geschlechtsorgane verwendet werden, deren

Analyse freilich in manchen Fällen ebenso zeitraubend wie schwierig

ist. Nur auf diesem Wege, der zuerst von +Oscar Schmidt+ betreten

wurde, gelangt man zu einer sicheren Identifizierung der Spezies.

Bei einer allgemeinen Orientierung, wie sie hier bezweckt wird, darf

schliesslich auch der Hinweis auf das Vorkommen von +Landplanarien+

nicht fehlen. Und zwar kennen wir derartige Würmer nicht bloss aus

tropischen Ländern, sondern auch als Mitglieder der einheimischen

Fauna. Wir finden dieselben bei einiger Achtsamkeit unter Holzscheiten,

die im Walde lagern, zwischen feuchtem Moos und an der Unterseite

von Hutpilzen. Bis vor kurzem war nur eine einzige einheimische

Art bekannt, nämlich _Rhynchodesmus terrestris_ O. Fr. Müller. Die

grössten Exemplare sind 2-2.5 _cm_ lang und von schwarzer Färbung;

die Rückenseite ist stark gewölbt, die Bauchfläche hingegen zu einer

Kriechsohle ausgebildet. In ihren Bewegungen sind die Tiere sehr träge,

und wie es scheint, lieben sie kühle und schattige Aufenthaltsorte[98].

Dr. +J. v. Kennel+ fand Exemplare von Rhynchodesmus in der Umgebung von

Würzburg (unter Steinen), Dr. +H. Simroth+ mehrere in den Wäldern bei

Leipzig, und ich welche in der Nähe von Hirschberg in Schlesien.

Unterirdisch lebend, d. h. im feuchten Erdreich sich aufhaltend, ist

1887 von Fr. +Vejdovsky+ eine zweite einheimische Landplanarie entdeckt

worden, welche einer ganz neuen Gattung angehört. Sie ist nur 4-6

_mm_ gross und etwa 0.5 _mm_ breit. Der genannte Prager Forscher fand

sie in einem Erdhaufen bei Bechlin in Böhmen, den er eines anderen

wissenschaftlichen Zweckes wegen durchsuchte. Das betreffende Tierchen

(_Microplana humicola_) ist vollkommen durchsichtig, ermangelt der

Kopflappen und besitzt nur auf der Bauchseite eine Cilienbekleidung.

Ihrem ungefähren Aussehen nach ist sie in Fig. 50 wiedergegeben. Das

Nähere darüber muss man aus der darauf bezüglichen Abhandlung Prof.

+Vejdovskys+ ersehen[99].

[Illustration: Fig. 50.

_Microplana humicola._]

[Illustration: Fig. 51.

_Bothrioplana silesiaca._]

Um endlich noch der +Verwandtschaft von Dendrocölen und Rhabdocölen+

ein Wort zu widmen, so verdient Erwähnung: dass wir in dem von Prof.

+M. Braun+ (1880) begründeten Genus _Bothrioplana_ ein interessantes

Verbindungsglied zwischen jenen beiden Unterabteilungen kennen gelernt

haben. Es handelt sich dabei um Tiere, die in der Form des Darmes und

im Bau ihres Schlundes eine fast vollständige Übereinstimmung mit

den Dendrocölen bekunden, während sie durch mehrere andere Merkmale

(Mangel der Stäbchenstrassen, Anordnung der Rhabditen zu Paketen,

Besitz von Wimpergrübchen an den Kopfseiten) an die Rhabdocölen

erinnern[100]. +Braun+ fand von diesen Turbellarien zwei Spezies in

Dorpater Brunnenschächten, und ich habe später (1886) deren noch zwei

aus dem Kleinen Koppenteiche des Riesengebirges gefischt[101]. Ein

Habitusbild der einen Art, die ich _B. silesiaca_ genannt habe, ist in

Fig. 51 S. 254 gegeben. Es ist ein augenloses Tierchen von 2.5 _mm_

Länge, an welchem sofort das verbreiterte Kopfende auffällt. Mit diesem

wühlt es unruhig suchend beständig in dem feinen Mud umher, worin

es sich aufhält. Überhaupt sind diese Bothrioplanen durch äusserst

hastige Bewegungen charakterisiert, die im schroffen Gegensatz zu dem

ruhigen Dahingleiten der gewöhnlichen Planarien stehen. Die Hautfarbe

der kleinen Würmchen ist weiss oder hellgrau. Der Darm schimmert

von innen her bräunlich durch. Die gesamte Körperoberfläche ist mit

Cilien bedeckt und überall sieht man im Epithel Stäbchenpakete,

welche aus je drei Rhabditen bestehen. Gelegentlich treten am

Hinterende gewisse Haftorgane (Klebzellen) hervor, wie sie bei vielen

Rhabdocölen beobachtet werden. Der hintere Körpersaum ist jederseits

mit einzelnen steifen Borsten besetzt, während das vordere Ende frei

davon ist und nur die gewöhnlichen kurzen Cilien trägt. Mit etwas

längeren Wimpern scheinen die beiden Wimpergruben (_wg_) zu beiden

Seiten des Kopfes ausgestattet zu sein. Der Verdauungskanal hat, wie

unsere Figur zeigt, eine gestreckt-ringförmige Gestalt, und hiervon

lässt sich die dreigabelige Beschaffenheit des Dendrocölen-Darmes

ungezwungen ableiten, wenn wir annehmen, dass die stärkere

Entwickelung des Schlundes bei den Tricladen den Anstoss zu einer

Kontinuitätstrennung in der unteren Ringhälfte gab. Dadurch entstanden

naturgemäss die beiden hinteren Darmschenkel der Planarien, und es

wurde Raum zur Unterbringung des mächtigen Pharynx dieser Würmer

geschaffen. Entschieden unterstützt wird diese zuerst von +M. Braun+

geäusserte Ansicht durch die Lage des Schlundes unmittelbar hinter

der Gabelungsstelle, und auch dadurch, dass derselbe von hier aus ein

ansehnliches Stück zwischen die beiden in Frage kommenden Darmäste

hineinragt.

Das Gehirn (_c_) liegt bei _Bothrioplana silesiaca_ in der

halsartigen Einschnürung, mit welcher sich der breitere Kopfteil vom

übrigen Körper absetzt. Die zweite von mir im Kleinen Koppenteich

aufgefundene Spezies (_B. Brauni_) des nämlichen Genus ähnelt in der

Form ihres Gehirnganglions und im Verlauf der Exkretionsgefässe den

Rhabdocölen noch mehr als die erstbeschriebene Art. Ihr fehlen auch

die Wimpergrübchen, und die Stäbchenpakete enthalten bei ihr eine

grössere Anzahl (4-5) Rhabditen. Jedes einzelne dieser Pakete macht

den Eindruck, als habe es eine leichte schraubenförmige Drehung um

seine Längsachse erfahren. Der Kopfteil ist bei dieser und auch bei der

vorigen Spezies fast vollkommen rhabditenfrei.

Durch diese Tiere wird, wie schon gesagt, die sonst zwischen

Rhabdocölen und Dendrocölen bestehende Kluft überbrückt, und deshalb

haben wir es in denselben mit recht interessanten Übergangsformen

zu thun, die des näheren Studiums wohl wert sind. Hinsichtlich der

Geschlechtswerkzeuge ist bis jetzt festgestellt, dass die Keim- und

Dotterstöcke paarig sind, und dass auf jeder Seite eine Doppelreihe

von Hodenbläschen im mittlern Teile des Körpers vorhanden ist. Diese

und die vorstehend berichteten Befunde rechtfertigen es, dass wir die

Bothrioplanen als niederstes Genus den Tricladen anschliessen, wiewohl

anderseits nicht zu verkennen ist, dass sie in mehrfacher Hinsicht mit

den Rhabdocölen übereinstimmen.

Kurze Beschreibung einiger Rhabdocöliden-Spezies.

Für den Zweck dieses Kapitels, welcher darin besteht, den Leser in die

Turbellarienfauna des Süsswassers einzuführen, empfiehlt es sich nun,

auf die vorhergegangene allgemeine Orientierung eine Schilderung der

am häufigsten vorkommenden Gattungen folgen zu lassen. Dies kann am

besten durch die Vorführung einzelner Spezies geschehen, und hierbei

werden wir Gelegenheit haben, noch einige Punkte nachzutragen, die wir

bei Beschreibung der generellen Organisationsverhältnisse nur flüchtig

berühren konnten oder ganz übergehen mussten.

Fahndet man in unseren Gewässern auf Turbellarien, so besteht

das Fangergebnis am häufigsten aus Arten, welche den Gattungen

_Macrostoma_, _Microstoma_, _Stenostoma_, _Mesostoma_ und _Vortex_

angehören. Aus diesen greifen wir daher je einen Vertreter heraus und

unterwerfen ihn einer etwas eingehenderen Schilderung.

_Macrostoma viride_ +E. v. Ben+.

Dies ist ein etwa 2 _mm_ grosses Tierchen, an dem man schon bei

Lupenbesichtigung den grünlich oder gelb gefärbten Darm erkennt.

Bei stärkerer Vergrösserung (Fig. 52) entdecken wir sofort ein

abgerundetes Vorderende und einen spatelartig geformten Schwanzteil,

der reichlich mit Stäbchenpaketen gespickt ist, die zumteil über

die Haut hervorragen. Auch der übrige Körper ist mit solchen

Rhabditenbündeln versehen, aber nicht in dem Masse wie das Kopf- und

Hinterende. Die Stäbchen liegen in sehr verschiedener Anzahl (zu 2-5

Stück) beisammen und haben eine keulenförmige Gestalt. Die Flimmerhaare

der Epithelzellen sind sehr fein und kurz; dazwischen stehen aber

lange Geisselborsten, die sich über die ganze Oberfläche des Tieres

verbreiten. Im Übrigen bietet die Organisation der Macrostomiden

mancherlei primitive Verhältnisse dar. Sie besitzen ein ganz einfaches

Schlundrohr, welches die schlitzförmige Mundöffnung (_m_) mit dem

Darmsack (_d_) verbindet. Das Gehirn (_g_) erscheint lediglich als

eine Bogenkommissur der beiden Längsnervenstämme, und unterscheidet

sich in Form und Masse nicht viel von diesen. Dasselbe trägt indessen

hochentwickelte Sehorgane, die mit einer stark gewölbten Linse

ausgestattet sind. Die Höhlung des Darmkanals ist durchweg mit Cilien

besetzt, deren Länge etwa der Höhe der Epithelzellen gleichkommt,

denen sie aufsitzen. Zu beiden Seiten des Darms liegen die kompakten

kegelförmigen Hoden (_h_) und dicht dahinter die paarigen Ovarien

(_ov_). Bei _p_ sehen wir den Penis, der bei allen Arten der Gattung

Macrostoma mit einem chitinösen Ansatze versehen ist. Bei der in

Rede stehenden Spezies ist letzterer S-förmig, aber so, dass die

beiden Krümmungen nicht in einer Ebene liegen. Fig. 53 stellt diese

Penis-Armatur bei sehr starker Vergrösserung dar.

[Illustration: Fig. 52.

_Macrostoma viride._]

Was das +Wassergefässsystem+ anlangt, so kann man sich bei _M. viride_

die zwei seitlichen Hauptstämme leicht zur Ansicht bringen. Es scheint,

dass sich dieselben oberhalb des Mundes vereinigen und noch einige

kleine Verästelungen nach dem Vorderende hinschicken.

[Illustration: Fig. 53.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 73 / 112 题