7. Verbreitung.

Wenn diejenigen Spongien, welche man, vielleicht nicht ganz mit

Recht, als eine eigene Familie der _Spongillidae_ anderen Familien

gegenübergestellt hat, auch vorzugsweise Bewohner des süssen Wassers

sind, so haben wir doch schon erfahren, dass auch einzelne Arten im

brackischen Wasser leben können. Wir fügen dem jetzt hinzu, dass auch

in den Gewässern Floridas Spongilliden gefunden worden sind, welche

gelegentlich in versalztem Wasser zu leben gezwungen sind (+Potts+

1890). Ja, es fehlt auch nicht an solchen Arten, die sowohl das

süsse Wasser als das Meer bewohnen, da die von +Pallas+ im Baikalsee

entdeckte _Spongia baicalensis_ (Pall.) nunmehr auch im Behringsmeer

entdeckt worden ist (Dybowski).

Alle Süsswasserschwämme leben vorzugsweise auf festen, abgestorbenen

oder doch nicht mehr lebenden Gegenständen; eine Auswahl wird dabei

nicht getroffen. Es kommt ihnen nicht darauf an, einen alten Schuh,

einen Nagel, ein Stück Leder, einen Fetzen Tuch, eine alte Muschel oder

Eierschale zur Unterlage zu benutzen. Seltener wachsen sie auf lebenden

Baumwurzeln oder Konchylien. Schlamm ist ihr ausgesprochener Feind

und nur +Potts+ erwähnt einen Fall, in welchem sich eine Spongillide

auf Schlammboden angesiedelt hatte. Auch in der Spree lebt _Eusp.

lacustris_ im Schlamm; an solchen Exemplaren ist aber stets der im

Schlamme steckende Teil abgestorben.

Die Tiefen, in denen diese Schwämme leben, sind sehr verschieden.

Bei uns werden sie dicht unter der Wasseroberfläche gefunden und sie

steigen bis 4 _m_ hinab. +Forel+ fand im Lac de Joux noch in 20 _m_

Tiefe eine Spongillide, vermisste die Schwämme aber in der Tiefenregion

des Genfersees (von 15 _m_ an bis zur grössten Tiefe des Sees von 334

_m_). Auch bei uns scheinen die Schwämme in der Tiefe der Seen zu

fehlen; Grundproben, in denen Schwammnadeln gefunden wurden, beweisen

nicht das Vorkommen von lebenden Schwämmen am Boden, da, wie wir in

der Einleitung erwähnt haben, absterbende Spongillidenstücke häufig

auf der Wasseroberfläche treiben können. Dagegen hat +Dybowski+

den Baikalseeschwamm in einer Tiefe von 100 _m_ gefunden. Dieser

Schwamm ist hier in 2-6 _m_ Tiefe rasenförmig, in 6-25 _m_ baum- oder

strauchförmig und in 25-100 _m_ wieder rasenförmig. Fügen wir noch

hinzu, dass die im Bodensee in 12-15 Klaftern Tiefe lebende _Spongilla

friabilis_ von +Wartmann+ (+Esper+, „Pflanzenthiere“ II. 1794), das

sogenannte „Fischbrot“, wohl kaum ein Schwamm ist, so hätten wir über

die Tiefenverhältnisse das wichtigste erwähnt.

Wir haben schon Gelegenheit gehabt, den Einfluss des Lichtes auf die

Farbe unserer Schwämme zu betonen. Viele und wohl die meisten sind am

Lichte lebend grün. Andere ebenfalls dem Lichte ausgesetzte zeigen

statt des grünen ein braunes Pigment, welches ganz anders gestaltet

ist als jenes. Sowohl die grünen als die braunen Formen sind an immer

beschatteten Lokalitäten gelblich oder gänzlich farblos. +Kräpelin+

sammelte gelbliche und farblose Exemplare in den Röhren der Hamburger

und +de Vries+ reinweisse Stücke in den Kanälen der Rotterdamer

Wasserleitung.

Die Höhen, in denen Süsswasserschwämme vorkommen, erstrecken sich

nach den bisherigen Beobachtungen bis auf etwa 1900 _m_. +Al. Brandt+

erwähnt (Zool. Anzeiger 1879 u. 1880) ihr Vorkommen in zwei armenischen

Alpenseen. In zahlreichen Seen der Schweiz hat man sie gefunden

(+Du Plessis-Gouret+, +Forel+, +Imhof+). Sie fehlen auch in unseren

Gebirgsseen nicht, wie ihr Vorkommen im Schwarzwald (+Retzer+) und in

den Maaren der Eifel (+Zacharias+) beweist, während sie im Kleinen und

Grossen Teiche des Riesengebirges vermisst werden.

Die Art der Verbreitung.

Die Verbreitung kann durch Teilung, Larven und Gemmulae geschehen.

Was es mit der Teilung auf sich hat, ersieht man aus den

Auseinandersetzungen auf S. 200. -- Die Verbreitung durch Larven und

Gemmulae wird bei den in Flüssen lebenden Schwämmen vorwiegend auf

passivem Wege geschehen; die Fortpflanzungskörper werden, dem Laufe des

Stromes folgend, flussabwärts schwimmen, bis sie an einem Gegenstande

haften bleiben. Nur in den stillen Buchten können die Larven, wie es

im allgemeinen in den von der Strömung weniger beeinflussten Teichen

und Seen der Fall ist, aktiv zur Verbreitung der Art dienen. Auch

hier wird diese eine langsame sein, da die Larven schwerlich grössere

Reisen in horizontaler Richtung auszuführen imstande sind. Dazu ist

ihre Schwärmzeit zu kurz. Wir haben zwar Larven, welche im Oktober

ausgeschwärmt waren, noch längere Zeit lebend im Aquarium beobachtet;

nach tagelangem Umherirren starben sie aber, ohne sich festzusetzen, am

Boden des Gefässes ab.

Weit wichtiger für die räumliche Verbreitung der Art sind die Gemmulae

und wir sehen nun, dass diese einem doppelten Zweck dienen. Sie

ermöglichen erstens die Fortexistenz der Spezies überhaupt (s. oben S.

201) und zweitens deren Verbreitung. Wenn es auch eine Anzahl Arten

giebt (z. B. _Sp. fragilis_ und _Troch. erinaceus_ bei uns), bei denen

ein Teil der Gemmulae ganz fest an ihre Unterlage gekittet ist, so

fallen doch auch hier die lose im Skelett liegenden aus, wie es bei den

meisten Gemmulae der übrigen Arten der Fall ist. Es wird also an einem

Süsswasserschwamm der eine Teil der Gemmulae den Schwamm an derselben

Stelle wieder erzeugen, an welcher der Mutterschwamm wuchs, der andere

Teil der Gemmulae wird zerstreut. Isoliert man frische, ausgebildete

Gemmulae unserer Arten, so sieht man, dass der eine Teil an die

Oberfläche des Wassers steigt, während der andere untersinkt. Wir

kennen die Ursache dieser Erscheinung noch nicht, obwohl schon +Turpin+

(1838) schwimmende Gemmulae bekannt waren. -- Die Art, in welcher die

sich vom Schwamme loslösenden Gemmulae verbreitet werden können, hängt

vom Bau der Hüllen dieser Körper ab. Sie ist in einer kurzen Schrift

vorzüglich erläutert worden [+Marshall+[85]], deren Resultate wir hier

wiedergeben.

Bei einer Anzahl tropischer Arten sind die Gemmulae mit einer dicken

Luftkammerschicht ausgerüstet. Zur Zeit der Trockenheit werden solche

Gemmulae leicht durch den Wind hinweggetragen und zerstreut. „Passiv

beweglich mit aërostatischem Apparat -- Flugform (der trockenen

Jahreszeit).“

Dann giebt es Gemmulae, welche auf dem Wasser schwimmend zur

Verbreitung dienen. Das ist z. B. bei _Eusp. lacustris_ der Fall. Die

Gemmulae dieser Kategorie tragen Belagsnadeln, mit denen sie sich hie

und da anheften. „Passiv bewegliche Schwimmform mit Ankerapparat zum

Treiben auf der Oberfläche vor dem Winde.“

Wieder andere Gemmulae, z. B. _Ephyd. fluviatilis_, sind durch

ihren Amphidiskenbelag schwerer und besser geschützt als die der

vorhergehenden Sorte. Sie sinken zu Boden und werden fortgerollt; sie

kommen ihrer Schwere wegen eher zur Ruhe. „Schwimmform mit Hemmapparat

zur langsamen Fortbewegung in fliessendem Wasser.“

Die geologische Verbreitung der Spongilliden scheint sich bis in den

Jura zu erstrecken. Wenigstens weisen einige Nadeln, die man in

jurassischen Süsswasserablagerungen gefunden, darauf hin (+Young+).

Auch hat +Carter+ im Diluvium von Altmühl in Bayern Nadeln beschrieben,

welche fast ganz den Spikula von _Spongilla Mackayi_ gleichen.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 70 / 112 题