5. Physiologie.

Die Süsswasserschwämme pflanzen sich auf geschlechtlichem und

ungeschlechtlichem Wege fort.

a) Die geschlechtliche Fortpflanzung.

Sie findet bei uns in den Monaten Mai bis in den September statt.

Während man die männlichen Keimstoffe, die Spermatozoen, nur vom Mai

bis in den August findet, trifft man die Eier zu allen Jahreszeiten

an, sie kommen aber im Winter nur vereinzelt vor und werden dann

nicht entwicklungsfähig. Die Spongilliden sind getrennten Geschlechts

und zwar tritt bei ihnen zuerst die Entwickelung der Spermatozoen

und später die Reifung der Eier auf. Ein äusserer Unterschied in

der Grösse oder der Gestalt der männlichen und weiblichen Exemplare

existiert nicht, wenn es auch vorkommen mag, dass kleinere auf

beweglicher Unterlage angesiedelte Schwämme [+Keller+[77]] männlich

sind. Die Spermatozoen entstehen durch fortwährende Teilung einer

Zelle der Bindesubstanzschicht, deren Kern die Köpfe und deren Plasma

die Schwänze der Samenfäden liefert. Auch die Eier sind Abkömmlinge

solcher Zellen. +Fiedler+ hat die Sperma- und Eientwickelung genau

verfolgt und +Maas+ hat die Bildung des jungen Schwammes aus der

Flimmerlarve, welche aus dem sich furchenden Eie entsteht, in klarer

Weise auseinandergesetzt.

b) Die ungeschlechtliche Fortpflanzung.

Der aus einer Larve oder einer Gemmula entstandene junge Schwamm

zeigt ein einziges zusammenhängendes Kanalsystem, welches mit einem

einzigen Oskulum oder mit einem sternförmigen Ausströmungsbezirk nach

aussen mündet. Wir nennen einen solchen Schwamm ein Individuum. Durch

weiteres Wachstum sehen wir ein zweites Oskulum an einer anderen Stelle

auftreten, bald bilden sich neue und wir haben nun eine durch Knospung

entstandene Kolonie vor uns. -- Ob eine andere Fortpflanzung, nämlich

durch Teilung, wie es +Laurent+ behauptet, wirklich vorkommt, bleibt

zweifelhaft; sicher aber ist, dass gewaltsam losgetrennte, grössere

Stücke eines Süsswasserschwammes wie bei anderen Spongien fortwachsen,

wenn sie sich auf einer geeigneten Unterlage festsetzen können.

Zur Herbstzeit besonders findet man in den Spongilliden kleine,

gelbliche oder gelbbraune, annähernd kugelige Gebilde von der Grösse

eines Senfkornes: die Gemmulae. Während man weder über die erste

Entstehung noch über die Herkunft einzelner Teile dieser Gebilde

vollkommene Klarheit hat, sind wir über den Bau der ausgebildeten

Gemmula ziemlich gut orientiert. Sie besteht aus einer Hülle mit einer,

seltener mit mehreren Öffnungen und einem aus Zellen zusammengesetzten

Keim oder Kern. Es ist behauptet worden, dass in dem Keime Stärke

enthalten sei. Allein schon +Lieberkühn+ hat das bestritten und

sicher sind jene stark lichtbrechenden Körner der Keimzellen nicht

Amylum. Dagegen wissen wir durch die Untersuchungen von +Carter+,

+Keller+[78], +Ray Lankester+, +Brandt+ und +Wierzejski+[79], dass in

den Süsswasserschwämmen Amylum und amyloide Substanz vorkommt.

Die Hülle der Gemmula zeigt eine innerste dicke Membran (innere

Chitinmembran, innere Kutikula), welche die Höhle der Gemmula

umschliesst, auf diese Membran folgt eine Kruste (Belegmembran,

Luftkammerschicht), die entweder fein blasig aussieht oder sehr

deutlich zellig erscheint und Luft enthalten soll. In dieser zweiten

Schicht stecken die für die einzelnen Arten der Spongilliden

charakteristischen Nadeln (Belagsnadeln), deren Formen wir später

kennen lernen werden. Bei einigen Arten ist die jene Nadeln

beherbergende Schicht noch durch eine dritte Schicht (äussere Kutikula,

äussere Chitinmembran) abgeschlossen; solche Gemmulae sind dann glatt,

während andere, die der Membran entbehren, rauh erscheinen. Unter

den Belagsnadeln kommen oft abnorm gebildete Formen vor, besonders

bei Schwämmen, welche zu einer raschen, unzeitigen Gemmulabildung

veranlasst wurden [+Wierzejski+[80]].

Fragen wir zunächst: welchen Zweck haben die Gemmulae? Es wird

gewöhnlich angegeben, dass unsere Süsswasserschwämme gegen den Herbst

hin unter Bildung von Gemmulae absterben. Es ist das im allgemeinen

richtig. Man findet also von den meisten unserer Arten nur im Winter

die Gemmulae, ihr Weichteil ist zerfallen. Jene überwintern und

im Frühlinge kriecht aus ihnen der Inhalt aus und entwickelt sich

zu einem neuen Schwamm. Es ist also die Aufgabe der Gemmulae, den

Schwamm, der als solcher den Winter nicht überstehen würde, über

diese Jahreszeit hinwegzubringen. Ganz ähnlich ist es in den Tropen.

Während der Regenzeit sind Lachen, Bäche und Flüsse mit ausgebildeten

Spongilliden erfüllt, tritt dann die Trockenperiode ein, so entwickelt

der Schwamm Gemmulae, welche Monate und Jahre lang [+Carter+, +Potts+,

+Lendenfeld+[81]] der sengenden Hitze ausgesetzt bleiben können, um

später, wenn sie wieder vom Wasser bedeckt sind, zu neuen Schwämmen zu

erstehen. In den Gemmulae sehen wir also Anpassungserscheinungen an die

äusseren Lebensbedingungen. Es ist einleuchtend, dass Schwämme, die

dem Eintrocknen oder Einfrieren ausgesetzt sind, sich durch besondere

Vorrichtungen dagegen schützen müssen. Anderseits wird es möglich sein,

dass Spongilliden, die jahraus jahrein unter denselben Bedingungen

leben, der Gemmulae entbehren können. Diesen Gedanken findet man

zuerst ausgesprochen bei +W. Marshall+[82] und in der That giebt es

solche Süsswasserschwämme ohne Gemmulae. +Dybowski+ hat an den bis 100

_m_ tief im Baikalsee lebenden Lubomirskien nie Gemmulae gefunden.

+Lieberkühn+ gab an, dass in der Spree in Berlin Schwämme überwintern,

ohne vollständig in Gemmulae zu zerfallen; +Metschnikoff+ hat dies in

Russland bestätigt, +Potts+ hat in Amerika eine Anzahl ähnlicher Fälle

beobachtet und +Wierzejski+ fand solche Schwämme (nach brieflicher

Mitteilung) in Galizien. In allen diesen Fällen überwintert der Schwamm

mit seinem Weichteil, in dem aber immer mehr oder weniger Gemmulae

gebildet worden sind. Dass es aber auch bei uns Schwämme giebt, die

überhaupt nicht mehr zur Gemmulation schreiten, ist neuerdings bewiesen

worden; an der im Tegeler See lebenden _Ephydatia fluviatilis_ kommen

nach Beobachtungen, die sich über einen Zeitraum von sechs Jahren

erstrecken, Gemmulae überhaupt nicht mehr vor (+Weltner+). Auch

scheint es [+Marshall+[82], +Potts+, +Hinde+], dass anderwärts grosse

Schwammexemplare durch ununterbrochenes Fortwachsen während ein oder

mehrerer Jahre zustandekommen.

Wir kennen also auch bei uns einige Ausnahmen von der Regel, dass alle

Süsswasserschwämme im Herbst unter Gemmulabildung zerfallen. In unserer

Zone scheint nur bei _Ephydatia fluviatilis_ die Überwinterung des

Weichteils vorzukommen, während alle anderen einheimischen Schwämme zum

Winter absterben und nur ihre Gemmulae gefunden werden. -- Auch ist

es nicht richtig, dass die Gemmulae sich bloss im Winter finden. Sie

kommen auch an verschiedenen Schwämmen, _Ephydatia fluviatilis_ und

_Mülleri_, in den Sommermonaten vor und finden sich bei ersterer Art

neben männlichen und weiblichen Keimstoffen (+Götte+, +Weltner+).

Über die Entwickelung des Keimes zum jungen Schwamm liegen nur wenig

übereinstimmende Nachrichten vor. In Anbetracht, dass dieser Gegenstand

einer erneuerten Untersuchung bedarf, unterlassen wir weitere

Auseinandersetzungen.

c) Atmung, Nahrungsaufnahme, Verdauung und Exkretion.

In der Physiologie der Spongien sind diese Fragen am wenigsten

aufgeklärt. Offenbar geschieht die Atmung während des beständig den

Schwamm durchlaufenden Wasserstromes und es wird auch durch diesen

Strom zugleich die Nahrung herbeigeführt. Wenn andere Schwämme

durch besondere Pigmente atmen (+Mereschkovsky+), so müssen weitere

Untersuchungen zeigen, in wie weit solche Pigmente bei den Spongilliden

verbreitet sind. Es ist aber bisher noch nicht mit Sicherheit

entschieden, wo im Schwamme geatmet wird. Dasselbe gilt von der

Verdauung. Aus den zahlreichen Fütterungsversuchen, welche man mit

Farbstoffkörnchen bei Schwämmen und zwar zuerst bei Spongilliden

gemacht hat, geht hervor, dass es die Geisselkammerzellen sind,

welche die Nahrung aufnehmen (+Carter+, +Lieberkühn+, +Heider+,

+Metschnikoff+, +Lendenfeld+), wenn auch an einzelnen Schwämmen

beobachtet wurde (+Metschnikoff+, +Topsent+), dass gerade diese

Zellen von Karmin frei blieben. Die ausgedehnten Fütterungsversuche

+Lendenfelds+ mit verdaulichen Stoffen zeigen, dass die Geisselzellen

diese aufnehmen, zerteilen und an die Wanderzellen abgeben. Welcher Art

ist nun die Nahrung der Schwämme? Es sind wahrscheinlich zerfallene

organische Stoffe, welche mit dem Wasser in den Schwamm eingeführt

werden. Die nicht brauchbaren Stoffe werden von den Kragenzellen

später wieder ausgeschieden, die brauchbaren werden in mehr oder

weniger assimiliertem Zustande an die Zellen der Zwischenschicht,

welche jedenfalls den Nahrungstransport besorgen, abgegeben;

auch die Exkretion dürfte von den Geisselzellen besorgt werden

[+Lendenfeld+[83]]. Diese Anschauung gilt auch für unsere Schwämme.

Dennoch muss es möglich sein, dass sich die Spongilliden auch von

lebenden Infusorien und anderen Protozoen ernähren. Denn +Lieberkühn+

und nach ihm +Metschnikoff+ sahen, wie in die Spongillide geratene

Protozoen dort verdaut wurden. Gewöhnlich findet man aber in einem

Süsswasserschwamm keine grösseren Organismen, es sei denn, dass diese

als Parasiten in ihm leben (s. unten). Auch die Thatsache, dass die

Süsswasserschwämme in dem fliessenden Wasser der Städte, in welches

Abfälle der unglaublichsten Art geraten, äusserst üppig entwickelt

sind, während man sie in Teichen mit klarem Wasser in geringer Anzahl

trifft, spricht für +Lendenfelds+ Anschauung.

d) Wachstum und Lebensdauer.

Im allgemeinen scheint den Spongien ein schnelles Wachstum eigen zu

sein und aus den spärlichen Angaben, die betreffs dieser Frage bei

den Spongilliden vorliegen, zu schliessen, trifft das auch für diese

zu. Schon +Eper+ gab 1794 an: „Ihr Wachstum ist sehr geschwinde“.

+Carter+ sah in Bombay eine Spongillide in noch nicht drei Monaten

einen Durchmesser von drei Zoll erreichen. Ein energisches Wachstum

unserer Schwämme findet jedenfalls im Frühjahr statt, wenn das Wasser

wärmer zu werden beginnt. Auch geht die Entwickelung der jungen

Schwämme aus den Gemmulae schnell von statten und man sieht, wie

solche aus den im Skelett liegenden (_Eusp. lacustris_) oder in einer

basalen Schicht abgelagerten (_Sp. fragilis_, _Trochosp. erinaceus_)

Gemmulae entstandenen Schwämme in kurzer Zeit bis zur Fortpflanzung

eine bedeutende Grösse erreichen. -- +Potts+ ist der Ansicht, dass

der aus +einer+ Gemmula entstandene Schwamm bis zur Zeit der wieder

eintretenden Gemmulation -- also vom Frühling bis zum Herbst -- eine

Grösse erreicht hat, um nun zwölf oder mehr Gemmulae zu bilden.

Kommen von diesen nur die Hälfte im nächsten Frühlinge aus, so soll

der aus ihnen entstandene Schwamm am Ende des zweiten Jahres so

gewachsen sein, dass er wenigstens sechs mal so gross als im ersten

Jahre ist. So würde in wenigen Jahren ein Schwamm von mehreren Zoll

Durchmesser zustandekommen. -- Die Grösse, welche die aus Larven

entstandenen Schwämme im ersten Jahre erreichen, ist sehr verschieden

und richtet sich nach der Zeit, wann die Larve aus dem Mutterkörper

ausschwärmte. So werden Larven, welche sich schon im Juni festgesetzt

haben, bis zur Zeit, zu welcher die aus ihnen entstandenen Schwämme

unter Gemmulabildung absterben, also im September und Oktober, zu

grösseren Exemplaren angewachsen sein, als solche Larven, welche

erst im August entstanden waren. In der That finden wir denn auch im

Herbst unter den einjährigen Schwämmen Exemplare der verschiedensten

Grösse. Die kleinsten sind kaum 2 _mm_ gross, andere über 2 _cm_.

Diese grösseren können aber durch Verwachsen mehrerer Exemplare, die

dicht bei einander sassen, entstanden sein. Jedenfalls werden alle

diese aus Larven entwickelten Schwämme in demselben Jahre nicht mehr

geschlechtsreif. Sie zerfallen im Herbst in Gemmulae und man kann

leicht beobachten, wie die kleinsten Exemplare eine einzige Gemmula,

die grösseren zwei, drei Gemmulae u. s w. bilden.

Man sieht aus diesen Angaben, wie wenig wir über die

Wachstumsschnelligkeit und Grösse, welche die gemmulae erzeugenden

Schwämme erreichen, wissen. Nicht viel anders steht es mit den

perennierenden Schwämmen. Wir haben schon oben erwähnt, dass die

grossen Spongillidenexemplare, welche man gefunden hat -- _Lubomirskia_

im Baikalsee, _Uruguaya_ im Uruguay und andere (s. +Potts+) --,

wahrscheinlich durch ununterbrochenes Wachstum während einer längeren

Zeitdauer zustandekommen. Auch die im Tegelsee lebenden grossen

Exemplare von _Ephyd. fluviatilis_ entstehen offenbar in derselben

Weise. Das Wachstum dieser perennierenden Art ist während des Winters

sehr gering. Bringt man ihnen zu dieser Zeit grössere Wunden bei, so

verwachsen diese zwar während des Winters, irgend welche bedeutendere

Grössenzunahme findet jedoch nicht statt. Ähnliches hat schon

+Lamouroux+ von den Spongien überhaupt angegeben.

Diesen Auseinandersetzungen steht die Ansicht gegenüber, dass die

Schwämme durch den Prozess der Fortpflanzung dem Tode geweiht

sind (+Laurent+, +Götte+). Es ist allerdings richtig, dass man

Süsswasserschwämme zur Zeit der geschlechtlichen Fortpflanzung

absterben sieht. Die Ausbildung der Keimstoffe und ihrer Ernährung

durch die mütterliche Spongillide zerstört zumteil und schwächt dessen

Gewebe. Allein es ist ebenso richtig, dass andere Exemplare auch

nach der vollendeten Ausbildung der Geschlechtsprodukte weiterleben

(+Weltner+). Absterbende Schwämme trifft man zu jeder Jahreszeit

an, und bei der perennierenden Form haben wir den Tod gerade nach

Überstehung der Winterzeit häufiger gesehen. Da man nun im Sommer

stets nur entweder männliche oder weibliche Schwämme und keine Neutra

antrifft, und alle diese Schwämme im Sommer nach der Fortpflanzung

absterben müssten, so erklärt man sich nicht, wie man zu jeder Zeit

Exemplare von der verschiedensten Grösse findet.

e) Bewegung.

In seinen vorzüglichen Beobachtungen über die Bewegungserscheinungen

der Süsswasserschwämme teilt +Lieberkühn+ dieselben ein in solche,

welche die einzelne Zelle betreffen, und solche, welche der ganze

Schwamm oder ein grösserer Teil desselben ausführen. Zu den ersteren

gehört die amöboide Beweglichkeit der Zellen im Schwammkörper, die

Kontraktion und die Neubildung gewisser in diesen Zellen und den

Geisselzellen vorkommenden mit Flüssigkeit gefüllten Alveolen, die

Zusammenziehung und Ausdehnung der kontraktilen Faserzellen, das

Vergehen und Entstehen der Poren, die Bewegung der Geisseln der

Kragenzellen und der Spermatozoen. +Lieberkühn+ berichtet über die

Bewegungserscheinungen der amöboiden Zellen in ausführlicher Weise.

„Die Bewegungen“, sagt er, „sind äusserst langsam und fast niemals

direkt sichtbar. Es entsendet eine Zelle lange spitze Fortsätze,

welche ihren Durchmesser bedeutend übertreffen, eine andere, entfernt

liegende Zelle schickt ihr gleiche, eben so lange entgegen; es dringen

auch Körnchen in die entsandten Fortsätze hinein; bald verschwinden

die Fortsätze wieder und treten neue an einer andern Stelle der Zelle

hervor, dabei ändert die Zelle selbst beständig ihre Gestalt; wenn

sie kugelig war, wird sie eiförmig oder vieleckig, oder breitet sich

in eine dünne Scheibe aus; die Kerne von zwei Zellen nähern sich

bisweilen so, dass man glaubt, sie gehören einer Zelle an, und rücken

alsdann bald wieder aus einander; oft sieht man auch nur lange und

breite Streifen im Gewebe, welche sich spalten und wieder vereinigen,

ohne dass man eine Zelle aufzufinden vermag, zu der sie gehören.“

Wir müssen es uns versagen, alle die ausgezeichneten Beobachtungen

mitzuteilen, welche +Lieberkühn+ uns überliefert hat. Nach einer später

anzugebenden Methode kann man sich geeignetes Material beschaffen,

an welchem sich alle diese Beobachtungen wiederholen lassen, und wir

empfehlen die Spongillide als ein sehr dankbares Objekt zum Studium

der Bewegungserscheinungen.

Was die Bewegung einzelner Teile des Schwammes anlangt, so beginnen

wir mit dem Oskularrohr, weil die Gestaltsveränderungen desselben

schon den früheren Beobachtern aufgefallen sind: +Dutrochet+ (1828)

und +Bowerbank+ (1857) beschreiben dieselben in ausführlicher Weise.

Aber +Lieberkühn+ erst wies nach, dass diese Veränderungen auf die

Bewegung der Zellen zurückzuführen sind. Ein solches Oskularrohr sieht

man tagelang unverändert an derselben Stelle, während es zu anderen

Zeiten in wenigen Minuten verschwindet und nach geraumer Zeit wieder

entsteht; oder es wird an einer anderen Stelle ein neues gebildet.

Eine schon vorhandene Röhre kann sich gabeln und jedes Röhrchen erhält

ein Ausströmungsloch. Die Zusammenziehung einer Oskularröhre geschieht

sehr langsam. Nur auf einen plötzlichen Reiz mit der Nadel oder durch

bedeutende Temperaturveränderung des Wassers, durch Alkohol, Säuren

etc. geschieht dieselbe sehr schnell. Deshalb werden beim Abtöten der

Süsswasserschwämme in Alkohol die Ausströmungsröhren stets bis fast

zum Verschwinden gebracht. -- Der im Leben ausgedehnte röhrenförmige

Fortsatz zeigt eine ziemlich glatte Oberfläche; indem er sich

zusammenzieht, wird die Wandung zusehends dicker und höckerig durch die

zusammengedrängten Zellen, deren Grenzen jetzt deutlich sichtbar sind.

Die Kontraktion kann soweit gehen, dass die ganze Röhre die Gestalt

eines Zellenhaufens annimmt oder gänzlich verschwindet. Die kürzeste

Zeit der Zusammenziehung ist eine Minute; es ist aber die Kontraktion

meistens nur eine vorübergehende und die Ausdehnung ist der bleibende

Zustand. Ganz dasselbe gilt für die Zellen selbst und +Lieberkühn+

vergleicht ihre Zusammenziehung und Ausdehnung mit der des Muskels.

Die besprochene Verlängerung und Verkürzung der Röhre ist nicht zu

verwechseln mit einem ganz anderen Vorgang, der auf Wachstum beruht.

Indem Zellen aus dem Schwamminnern in die Röhre einwandern, kann sich

dieselbe verlängern oder auch verdicken. Wir haben daher bei den

Bewegungserscheinungen einzelner Teile zwischen blosser Bewegung und

Bewegung verbunden mit Wachstum zu unterscheiden.

Ähnliche Bewegungen sehen wir auch an der äusseren Haut des

Schwammkörpers, die von +Carter+ und +Lieberkühn+ genauer geschildert

worden sind.

Auch die Art und Weise, in welcher sich kleine, aus dem Schwammkörper

geschnittene Stückchen auf eine Glasplatte anheften, rechnet

+Lieberkühn+ hierher, es gehört aber diese Erscheinung ebenso wie die

Anheftung der schwimmenden Larve an ihre Unterlage oder wie die des aus

der Gemmula kriechenden Keimes unter die zuerst genannten Bewegungen.

Das diesbezügliche findet man bei +Lieberkühn+, +Carter+, +Götte+ und

+Maas+.

Es kommt sogar bei unserem Schwamm eine Bewegung des ganzen Körpers

vor. Es sind freilich nur junge Spongilliden, bei denen diese

Erscheinung beobachtet wird. +Lieberkühn+ sah, wie sich ein 2½ Monate

alter Schwamm beständig hin und her bewegte, ohne eigentlich vom

Platze zu rücken. Aber an einem jungen Schwamme konstatierte er, wie

sich derselbe von seiner Unterlage ablöste und an einer anderen Stelle

festsetzte. Auch +Marshall+[84] hat über eine solche Ortsveränderung

Mitteilung gemacht.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 45 / 112 题