3. Äussere Beschaffenheit.

Nachdem wir oben schon die Merkmale besprochen haben, an denen man

einen Süsswasserschwamm erkennt, müssen wir noch einiges über den

Habitus dieser Organismen hinzufügen.

a) Form und Oberflächenbeschaffenheit.

Die Gestalt jeder jungen Spongillide -- mag sie sich aus einer Larve

oder einer Gemmula entwickelt haben -- ist gewöhnlich ein flacher,

seltener ein hoher Kegel. Bei dem weiteren Wachstum nimmt der Schwamm

zunächst immer die Gestalt einer flachen Scheibe an und wächst erst

danach in die Dicke. War das den jungen Schwamm tragende Substrat

keine gerade Ebene, sondern ein dünner cylinderförmiger Gegenstand,

ein Pflanzenstengel, ein Bindfaden, ein Eisendraht etc., so umwächst

der Schwamm seine Unterlage und nimmt erst dann an Dicke zu. Mit

einem Wort, er passt sich zunächst an seine Unterlage an. Erst

wenn eine gewisse Grösse erreicht ist, kommen die beiden für die

Süsswasserschwämme eigentümlichen Gestalten zum Vorschein. Die einen

beginnen fingerförmige Fortsätze zu treiben, die sich bei weiterem

Wachstum verzweigen, so dass endlich baum- oder strauchförmige Massen

entstehen (_Euspongilla lacustris_), die anderen bleiben in der Regel

zeitlebens krustenförmig, ihre Oberfläche ist mehr oder weniger uneben

oder mit spitzigen Zapfen oder gerundeten Wülsten oder blattförmigen

Erhebungen versehen, und wenn längere Fortsätze an ihnen sichtbar sind,

so rührt diese scheinbar selbständige Verzweigung von der Unterlage

her. In Fig. 44 (S. 219) haben wir einen solchen Schwamm abgebildet,

der einen verästelten Baumzweig überzogen hat; einen gleichen Fall

hat auch +Retzer+[72] wiedergegeben. Alle diese krustenförmigen

Spongilliden gehören den Gattungen Spongilla, Trochospongilla und

Ephydatia an. Von diesen im allgemeinen gültigen Regeln haben wir

indessen zwei Ausnahmen zu verzeichnen. Es kommen nämlich auch

Exemplare von _Ephydatia Mülleri_ vor, die verzweigte Massen bilden,

doch sind das Seltenheiten. Ferner tritt die sonst stets verzweigte

_Euspongilla lacustris_ unter gewissen Umständen unverästelt auf, wenn

nämlich diese Art an stärker fliessenden Stellen sich angesiedelt hat;

hier unterbleibt dann die Bildung der Fortsätze. Ein solches Exemplar

sehen wir in Fig. 38 (S. 212). Es wurde, einen Wollenfaden umwachsend,

an der Oberfläche der Spree in Berlin unter einer Brücke gefunden und

zwar an einer Stelle, an welcher starke Strömung herrschte.

+Linné+ war der Meinung, die verzweigte Form fände sich mehr in Seen,

die krustenförmige mehr in Flüssen. +Pallas+ glaubte das Gegenteil

annehmen zu müssen, machte aber die richtige Beobachtung, dass

die verzweigte Form gewöhnlich nach oben wächst und bei starker

Wasserströmung ihre Äste in horizontaler Richtung entsendet. Indessen

finden wir sowohl die verzweigten als die unverzweigten Formen in

Seen und Flüssen; während aber eine verzweigte Spongilla in ruhigen

Gewässern auch mehr in der Nähe der Oberfläche des Wassers wächst

und ihre Zweige eine bedeutende Länge erreichen und hier selbst bei

senkrecht gestellter Unterlage nach oben streben können, hält sich

dieselbe Art in stärker fliessendem Wasser in der Tiefe auf, in welcher

die Strömung weniger stark ist; wenn sie hier aber an der Oberfläche

wächst, so verlaufen ihre Äste in horizontaler Richtung. So wächst

in der Spree in Berlin, welche hier durch ihren enormen Reichtum an

Spongillenexemplaren ausgezeichnet ist, die verzweigte _Euspongilla

lacustris_ mit Vorliebe am Grunde des Flusses, während sich die

unverzweigten massigen Formen mehr an der Oberfläche auf jedem festen

Gegenstand angesiedelt haben.

b) Die Grösse.

Die Süsswasserschwämme gehören unter den Spongien zu den grösseren

Formen. Die verzweigte _Euspongilla lacustris_ geht sogar über das

gewöhnliche Mass hinaus, sie wird über einen Meter lang. Von den

unverzweigten Arten erreichen wohl _Ephydatia fluviatilis_ und

_Mülleri_ den grössten Umfang. Wir haben einmal ein Exemplar von

19 _cm_ Länge und 8½ _cm_ Dicke gefunden und man trifft öfters

rasenförmige Stöcke dieser Arten an, welche bei geringer Höhe einen

halben Meter breit werden. Siehe auch +Potts+[73].

c) Die Farbe.

Es wird gewöhnlich angenommen, dass die am Lichte wachsenden

Spongilliden grün seien, während andere, welche vom Lichte abgewandt

unter Brücken oder unter Steinen wachsen, farblos, d. h. weiss,

gelblich oder grau sind. Es ist das im allgemeinen richtig.

So findet man selbst Exemplare, die je nach der Beleuchtung auf der

einen Seite ein grünes, auf der andern Seite ein gelbliches Kolorit

zeigen. Hält man solche Schwämme in Aquarien, so ergrünt auch die

früher gelblich gefärbte Seite. Es fehlt aber nicht an Beobachtungen,

dass am Lichte wachsende Spongilliden auch farblos sind. +Carter+

fand solche in Bombay, +Potts+ in Amerika und +Weber+[74][75] auf

Sumatra. Die von +Weber+ gefundenen _Ephydatia fluviatilis_ waren

nur an gewissen Körperpartien grün, aber diese grüne Färbung hat,

wie wir später sehen werden, eine ganz andere Ursache, als das grüne

Kolorit unserer Spongilliden, welches von mikroskopisch kleinen in

den Zellen des Schwammkörpers liegenden grünen Körperchen herrührt,

denen man den Namen _Zoochlorella parasitica_ (+Brandt+) gegeben hat.

Nun kann dieses grüne Pigment auch durch ein anderes vertreten sein;

+Carter+ fand, dass die graue bis lilagleiche Farbe der _Spongilla

cinerea_ von ebenso gefärbten Körnchen in den Zellen herrühre und wir

fügen dem ein weiteres Beispiel hinzu. Bei Berlin lebt in einem See

untermischt mit anderen grün gefärbten Arten eine stets grau oder braun

kolorierte _Spongilla fragilis_. Diese Art lässt sich daher von allen

dort lebenden Spongilliden sofort an ihrer Farbe erkennen. Die braune

Färbung jenes Schwammes rührt von gelbbraun tingierten Körnchen her,

die in denselben Zellen liegen, welche bei den anderen Arten die grünen

Zoochlorellen beherbergen. Die _Spongilla fragilis_ trägt aber nicht

immer eine braune Farbe, sie ist an anderen Orten weiss, gelblichweiss

oder grün (+Potts+). Von _Ephydatia fluviatilis_ beschreibt

+Lankester+[76] blasslachsfarbene, hellgrüne und hellbraune Exemplare.

Aus alledem geht hervor, dass die Süsswasserschwämme verschiedene

Pigmente führen und dass selbst ein und dieselbe Art verschieden

koloriert auftritt.

d) Die Konsistenz.

Die Konsistenz unserer Spongilliden hängt, wie bei den meisten

Schwämmen, von der Struktur des Skelettes ab. Wir unterscheiden danach

zweierlei. Bei den einen ist die Masse der Kittsubstanz, welche die

einzelnen Nadeln zu einem Gerüste verbindet, mächtig entwickelt,

bei den anderen ist sie sehr gering, dafür ist aber das kieselige

Skelett mächtiger entfaltet. Diejenigen Süsswasserschwämme mit viel

Kittsubstanz setzen dem Zerreissen mehr Widerstand entgegen, als

solche mit gering entwickelter Kittmasse. Dagegen sind die Arten mit

einem Gerüste, welches wesentlich aus Kieselnadeln besteht und wenig

Spongiolinmasse führt, viel härter als die schwieriger zerreissbaren.

Es giebt daher im allgemeinen zwei Sorten unter unseren Schwämmen,

solche, welche weich anzufühlen und schwieriger zerreissbar sind

(_Eusp. lacustris_), und solche, die eine gewisse Härte zeigen und sich

leicht zerbrechen lassen (_Ephyd. fluviatilis_). Unter den letzteren

kommt, was den Grad der Härte anlangt, noch der Wuchs in Betracht.

Diejenigen, welche als minder dicke Krusten Baumzweige überziehen (Fig.

44 S. 219), sind weniger hart als die, welche kompakte Massen bilden

(Fig. 42 S. 218). Es giebt unter den zuletzt genannten klumpenförmige

Stücke, welche in ihrer Härte einem Zimokka-Badeschwamm nichts

nachgeben. -- Was den Weichteil der Süsswasserschwämme angeht, so

scheint derselbe bei allen krustenförmigen Arten gleich zähflüssig zu

sein, während er bei der verzweigten _Eusp. lacustris_ dünnflüssiger

ist. Von einigen älteren Autoren wird angegeben, dass der Schleim

dieser Art nach dem Herausziehen des Schwammes aus dem Wasser bald

abtropfe, ein Verhalten, welches wir nie beobachten konnten. -- Im

trockenen Zustande sind alle unsere Spongilliden sehr brüchig und

zerfallen vollständig, wenn man sie zwischen den Fingern reibt. Auf

diese Eigenschaft weisen die alten Namen _fragilis_ und dergl. mehr hin.

e) Der Geruch.

Man hat den Geruch eines frisch aus dem Wasser gezogenen Schwammes

fischig, schlammig, moderartig, auch jodähnlich genannt. Allein diese

Vergleiche passen nicht genau, der Geruch ist ein unserem Schwamme ganz

eigentümlicher.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 43 / 112 题