Nachdem wir oben schon die Merkmale besprochen haben, an denen man
einen Süsswasserschwamm erkennt, müssen wir noch einiges über den
Habitus dieser Organismen hinzufügen.
a) Form und Oberflächenbeschaffenheit.
Die Gestalt jeder jungen Spongillide -- mag sie sich aus einer Larve
oder einer Gemmula entwickelt haben -- ist gewöhnlich ein flacher,
seltener ein hoher Kegel. Bei dem weiteren Wachstum nimmt der Schwamm
zunächst immer die Gestalt einer flachen Scheibe an und wächst erst
danach in die Dicke. War das den jungen Schwamm tragende Substrat
keine gerade Ebene, sondern ein dünner cylinderförmiger Gegenstand,
ein Pflanzenstengel, ein Bindfaden, ein Eisendraht etc., so umwächst
der Schwamm seine Unterlage und nimmt erst dann an Dicke zu. Mit
einem Wort, er passt sich zunächst an seine Unterlage an. Erst
wenn eine gewisse Grösse erreicht ist, kommen die beiden für die
Süsswasserschwämme eigentümlichen Gestalten zum Vorschein. Die einen
beginnen fingerförmige Fortsätze zu treiben, die sich bei weiterem
Wachstum verzweigen, so dass endlich baum- oder strauchförmige Massen
entstehen (_Euspongilla lacustris_), die anderen bleiben in der Regel
zeitlebens krustenförmig, ihre Oberfläche ist mehr oder weniger uneben
oder mit spitzigen Zapfen oder gerundeten Wülsten oder blattförmigen
Erhebungen versehen, und wenn längere Fortsätze an ihnen sichtbar sind,
so rührt diese scheinbar selbständige Verzweigung von der Unterlage
her. In Fig. 44 (S. 219) haben wir einen solchen Schwamm abgebildet,
der einen verästelten Baumzweig überzogen hat; einen gleichen Fall
hat auch +Retzer+[72] wiedergegeben. Alle diese krustenförmigen
Spongilliden gehören den Gattungen Spongilla, Trochospongilla und
Ephydatia an. Von diesen im allgemeinen gültigen Regeln haben wir
indessen zwei Ausnahmen zu verzeichnen. Es kommen nämlich auch
Exemplare von _Ephydatia Mülleri_ vor, die verzweigte Massen bilden,
doch sind das Seltenheiten. Ferner tritt die sonst stets verzweigte
_Euspongilla lacustris_ unter gewissen Umständen unverästelt auf, wenn
nämlich diese Art an stärker fliessenden Stellen sich angesiedelt hat;
hier unterbleibt dann die Bildung der Fortsätze. Ein solches Exemplar
sehen wir in Fig. 38 (S. 212). Es wurde, einen Wollenfaden umwachsend,
an der Oberfläche der Spree in Berlin unter einer Brücke gefunden und
zwar an einer Stelle, an welcher starke Strömung herrschte.
+Linné+ war der Meinung, die verzweigte Form fände sich mehr in Seen,
die krustenförmige mehr in Flüssen. +Pallas+ glaubte das Gegenteil
annehmen zu müssen, machte aber die richtige Beobachtung, dass
die verzweigte Form gewöhnlich nach oben wächst und bei starker
Wasserströmung ihre Äste in horizontaler Richtung entsendet. Indessen
finden wir sowohl die verzweigten als die unverzweigten Formen in
Seen und Flüssen; während aber eine verzweigte Spongilla in ruhigen
Gewässern auch mehr in der Nähe der Oberfläche des Wassers wächst
und ihre Zweige eine bedeutende Länge erreichen und hier selbst bei
senkrecht gestellter Unterlage nach oben streben können, hält sich
dieselbe Art in stärker fliessendem Wasser in der Tiefe auf, in welcher
die Strömung weniger stark ist; wenn sie hier aber an der Oberfläche
wächst, so verlaufen ihre Äste in horizontaler Richtung. So wächst
in der Spree in Berlin, welche hier durch ihren enormen Reichtum an
Spongillenexemplaren ausgezeichnet ist, die verzweigte _Euspongilla
lacustris_ mit Vorliebe am Grunde des Flusses, während sich die
unverzweigten massigen Formen mehr an der Oberfläche auf jedem festen
Gegenstand angesiedelt haben.
b) Die Grösse.
Die Süsswasserschwämme gehören unter den Spongien zu den grösseren
Formen. Die verzweigte _Euspongilla lacustris_ geht sogar über das
gewöhnliche Mass hinaus, sie wird über einen Meter lang. Von den
unverzweigten Arten erreichen wohl _Ephydatia fluviatilis_ und
_Mülleri_ den grössten Umfang. Wir haben einmal ein Exemplar von
19 _cm_ Länge und 8½ _cm_ Dicke gefunden und man trifft öfters
rasenförmige Stöcke dieser Arten an, welche bei geringer Höhe einen
halben Meter breit werden. Siehe auch +Potts+[73].
c) Die Farbe.
Es wird gewöhnlich angenommen, dass die am Lichte wachsenden
Spongilliden grün seien, während andere, welche vom Lichte abgewandt
unter Brücken oder unter Steinen wachsen, farblos, d. h. weiss,
gelblich oder grau sind. Es ist das im allgemeinen richtig.
So findet man selbst Exemplare, die je nach der Beleuchtung auf der
einen Seite ein grünes, auf der andern Seite ein gelbliches Kolorit
zeigen. Hält man solche Schwämme in Aquarien, so ergrünt auch die
früher gelblich gefärbte Seite. Es fehlt aber nicht an Beobachtungen,
dass am Lichte wachsende Spongilliden auch farblos sind. +Carter+
fand solche in Bombay, +Potts+ in Amerika und +Weber+[74][75] auf
Sumatra. Die von +Weber+ gefundenen _Ephydatia fluviatilis_ waren
nur an gewissen Körperpartien grün, aber diese grüne Färbung hat,
wie wir später sehen werden, eine ganz andere Ursache, als das grüne
Kolorit unserer Spongilliden, welches von mikroskopisch kleinen in
den Zellen des Schwammkörpers liegenden grünen Körperchen herrührt,
denen man den Namen _Zoochlorella parasitica_ (+Brandt+) gegeben hat.
Nun kann dieses grüne Pigment auch durch ein anderes vertreten sein;
+Carter+ fand, dass die graue bis lilagleiche Farbe der _Spongilla
cinerea_ von ebenso gefärbten Körnchen in den Zellen herrühre und wir
fügen dem ein weiteres Beispiel hinzu. Bei Berlin lebt in einem See
untermischt mit anderen grün gefärbten Arten eine stets grau oder braun
kolorierte _Spongilla fragilis_. Diese Art lässt sich daher von allen
dort lebenden Spongilliden sofort an ihrer Farbe erkennen. Die braune
Färbung jenes Schwammes rührt von gelbbraun tingierten Körnchen her,
die in denselben Zellen liegen, welche bei den anderen Arten die grünen
Zoochlorellen beherbergen. Die _Spongilla fragilis_ trägt aber nicht
immer eine braune Farbe, sie ist an anderen Orten weiss, gelblichweiss
oder grün (+Potts+). Von _Ephydatia fluviatilis_ beschreibt
+Lankester+[76] blasslachsfarbene, hellgrüne und hellbraune Exemplare.
Aus alledem geht hervor, dass die Süsswasserschwämme verschiedene
Pigmente führen und dass selbst ein und dieselbe Art verschieden
koloriert auftritt.
d) Die Konsistenz.
Die Konsistenz unserer Spongilliden hängt, wie bei den meisten
Schwämmen, von der Struktur des Skelettes ab. Wir unterscheiden danach
zweierlei. Bei den einen ist die Masse der Kittsubstanz, welche die
einzelnen Nadeln zu einem Gerüste verbindet, mächtig entwickelt,
bei den anderen ist sie sehr gering, dafür ist aber das kieselige
Skelett mächtiger entfaltet. Diejenigen Süsswasserschwämme mit viel
Kittsubstanz setzen dem Zerreissen mehr Widerstand entgegen, als
solche mit gering entwickelter Kittmasse. Dagegen sind die Arten mit
einem Gerüste, welches wesentlich aus Kieselnadeln besteht und wenig
Spongiolinmasse führt, viel härter als die schwieriger zerreissbaren.
Es giebt daher im allgemeinen zwei Sorten unter unseren Schwämmen,
solche, welche weich anzufühlen und schwieriger zerreissbar sind
(_Eusp. lacustris_), und solche, die eine gewisse Härte zeigen und sich
leicht zerbrechen lassen (_Ephyd. fluviatilis_). Unter den letzteren
kommt, was den Grad der Härte anlangt, noch der Wuchs in Betracht.
Diejenigen, welche als minder dicke Krusten Baumzweige überziehen (Fig.
44 S. 219), sind weniger hart als die, welche kompakte Massen bilden
(Fig. 42 S. 218). Es giebt unter den zuletzt genannten klumpenförmige
Stücke, welche in ihrer Härte einem Zimokka-Badeschwamm nichts
nachgeben. -- Was den Weichteil der Süsswasserschwämme angeht, so
scheint derselbe bei allen krustenförmigen Arten gleich zähflüssig zu
sein, während er bei der verzweigten _Eusp. lacustris_ dünnflüssiger
ist. Von einigen älteren Autoren wird angegeben, dass der Schleim
dieser Art nach dem Herausziehen des Schwammes aus dem Wasser bald
abtropfe, ein Verhalten, welches wir nie beobachten konnten. -- Im
trockenen Zustande sind alle unsere Spongilliden sehr brüchig und
zerfallen vollständig, wenn man sie zwischen den Fingern reibt. Auf
diese Eigenschaft weisen die alten Namen _fragilis_ und dergl. mehr hin.
e) Der Geruch.
Man hat den Geruch eines frisch aus dem Wasser gezogenen Schwammes
fischig, schlammig, moderartig, auch jodähnlich genannt. Allein diese
Vergleiche passen nicht genau, der Geruch ist ein unserem Schwamme ganz
eigentümlicher.