Ein leeres Gehäuse von _Euglypha alveolata_.]

[Illustration: Fig. 18.

Eine _Euglypha alveolata_ im ausgebildeten Zustande (etwa 700mal

vergr.). _HZ_ Hintere, hyaline Zone -- _KZ_ Mittlere, Körnchenzone

-- _AZ_ Vordere, alveoläre Zone -- _Ch_ Die Protoplasmamaschen

(Cyto-Hyaloplasma) -- _Cch_ Die Maschenräume (Cyto-Chylema) -- _Cm_ Die

Körnchen (Cyto-Mikrosomen) -- _ps_ Die Pseudopodien -- _n_ Der Kern mit

dem Kernkörperchen _ncl_ -- _CV_ Die kontraktile Vacuole -- _sp_ Die

Reserve-Schalenplättchen -- _nk_ Nahrungskörper -- _e_ Exkretkörnchen.]

Die Schale der Euglypha wird vom Protoplasmakörper meist nicht

vollkommen ausgefüllt, sondern es bleibt an der Seite ein freier Raum

übrig.

Vorn aus der Mündung (Fig. 18) strahlen feine Fortsätze des Plasmas

(_ps_), die sogenannten Scheinfüsschen oder Pseudopodien, aus, deren

wurzelartige Verzweigungen dem Namen Wurzelfüsser oder Rhizopoden

den Ursprung gegeben haben. Sie müssen zwei wichtige Funktionen

vermitteln, erstens die Ortsbewegung und zweitens die Nahrungsaufnahme.

Die Nahrung (_nk_) besteht meistens aus kleinen, einzelligen Algen,

Diatomeen und dergleichen. Die Wurzelfüsschen erkennen mittels des

Tastgefühls die ihnen zusagende Beute, umfliessen dieselbe und führen

sie dann dem Körper zu. Dies geschieht dadurch, dass das Plasma des

betreffenden Fortsatzes einfach zurückfliesst und den Nahrungskörper

im Strome mitreisst. Betrachtet man den vordern Abschnitt des Körpers,

aus dem die Scheinfüsschen ihren Ursprung nehmen (_AZ_), bei starker

Vergrösserung, so erkennt man, dass das Plasma nicht eine homogene

Masse darstellt, sondern dass es aus einem Maschenwerk besteht. Die

Maschen (_Ch_) werden von hyalinem Plasma gebildet, in welchem winzig

kleine Körnchen (_Cm_), die sogenannten Mikrosomen, suspendiert

sind, und die Maschenräume (_Cch_) von einem dünnflüssigeren Safte

erfüllt. Die Körnchen ermöglichen es, ein fortwährendes Strömen des

Plasmas zu erkennen. Durch diesen Strom wird auch die aufgenommene

Nahrung im Körper verschoben und zwar gelangt sie in den mittlern

Abschnitt (_KZ_) des Körpers, der sich durch ein engeres Maschenwerk

und grossen Körnerreichtum auszeichnet. Während wir an den ersten

Abschnitt im wesentlichen die Funktionen der Bewegung gebunden sehen,

dürfen wir den mittleren Teil des Körpers als die Ernährungs- oder

Stoffwechselzone bezeichnen. Eine scharfe Trennung besteht übrigens

zwischen den beiden Abteilungen nicht, sondern der Übergang ist ein

ganz allmählicher. Die Körner, welche die Zone oft ganz dicht erfüllen,

hat man mit dem Namen Exkretkörner (_e_) belegt und sieht sie als

Endpunkte des Stoffwechsels an. Dass sie sowohl wie die Nahrung gerade

an den mittlern Körperteil gebunden sind, dies berechtigt uns, diesem

Teil des Plasmas eine verdauende Funktion zuzuschreiben. In demselben

Abschnitt liegt auch ein Gebilde, welches man mit dem Stoffwechsel

in Zusammenhang gebracht hat, nämlich die sogenannte kontraktile,

oder pulsierende Vacuole (_CV_). Es ist ein Bläschen, welches in

regelmässigen Pulsationen sich leert und wieder füllt. Man hat

angenommen, dass durch diese bei den Urtieren sehr verbreitete Blase

die Endpunkte des Stoffwechsels nach aussen befördert würden; es ist

dies auch nicht unwahrscheinlich, die Hauptbedeutung der kontraktilen

Vacuole liegt aber offenbar darin, das in den Körper eindringende

Wasser wieder zu entfernen, es wird mit andern Worten dadurch eine

kontinuierliche Aufnahme sauerstoffhaltigen Wassers ermöglicht und

in dieser Weise die Atmung befördert. Demnach wäre an den mittlern

Körperabschnitt die Assimilation, die Exkretion und die Respiration

gebunden. Ebenfalls wieder ohne scharfe Grenze geht diese Zone in den

hintersten Teil des Körpers über (_HZ_), der fast hyalin erscheint,

weil hier das Maschenwerk noch feiner und das Lichtbrechungsvermögen

von Maschen und Mascheninhalt fast dasselbe ist. Hier liegt der

Zellkern (_n_) als helle Kugel, in welcher ein dunkleres Korn, das

Kernkörperchen (_ncl_), eingeschlossen liegt. Die Forschungen der

neuesten Zeit haben uns mit der unumstösslichen Thatsache bekannt

gemacht, dass der Kern im Leben der Zelle eine ausserordentlich

wichtige Rolle zu spielen hat und dass bei der Befruchtung und

Fortpflanzung er das allein Wesentliche und Beherrschende ist.

Gerade die Urtiere sind es auch gewesen, bei welchen entscheidende

Versuche über die Bedeutung des Kernes angestellt worden sind[68].

Man hat solche Organismen mittels scharfer Instrumente zerschnitten

und hat nun gefunden, dass eine Regeneration, ein Ersatz verloren

gegangener Teile nur dann eintritt, wenn das abgetrennte Stück

den Kern oder wenigstens einen Teil desselben noch enthält; die

kernlosen Stücke dagegen regenerieren sich nicht, sondern gehen

über kurz oder lang zu Grunde. Mit anderen Worten, die Zelle und

ebenso der einzellige freilebende Organismus sind nicht im stande,

Neubildungen hervorzubringen, wenn die Zellsubstanz nicht auch mit

Kernsubstanz versehen ist. Bei denjenigen Wurzelfüssern, deren Schale

ein Ausscheidungsprodukt ist, wie bei den marinen Foraminiferen, hat

man Stücke der Schale ausgebrochen und auch diese wurden nur dann

durch neue Ausscheidungen ersetzt, wenn ein Kern vorhanden war[67 d].

Weiter hat man gefunden, dass der Kern allein das Substrat enthält, an

welches bei der Fortpflanzung der Organismen die Vererbungstendenzen

gebunden sind. Die Eigenschaften der Eltern gehen nur durch den Kern

der Fortpflanzungszellen auf die Kinder über. Ich werde darauf noch

zurückzukommen und es mag zunächst genügen, darauf hingewiesen zu

haben, dass wir im Kerne der Euglypha den wichtigsten Bestandteil des

Tieres erkannt haben. Er ist an sich ein Mikrokosmos und es darf uns

nicht Wunder nehmen, dass wir, je schärfer unsere Instrumente werden,

immer kompliziertere Differenzierungen in ihm erkennen. Um den Kern der

Euglypha, also ebenfalls im hinteren Abschnitte des Körpers, finden

sich zur Zeit der vollkommenen Reife eine Menge kleiner Körperchen

gelagert (_sp_), die nichts anderes sind als Schalenplättchen, ganz

gleich denjenigen, welche das Gehäuse des Tieres zusammensetzen. Wir

werden gleich sehen, wie dieselben zur Verwendung gelangen.

Bei allen zu weiterem Leben fähigen Urtieren, wie bei jeder Zelle,

tritt nach reichlicher Ernährung ein Moment ein, wo der Körper das

ihm eigentümliche höchste Mass erreicht hat und dann erfolgt die

Vermehrung durch Teilung. Bei Euglypha, wo die Schale eine weitere

Ausdehnung des Körpers nicht gestattet, muss die Grenze des Wachstums

in einer bestimmten Konzentration des Plasmas gesucht werden. Ist diese

erreicht, dann teilt sich die Euglypha und zwar in folgender höchst

merkwürdigen Weise: Es werden zunächst die Scheinfüsschen eingezogen

und an ihrer Stelle tritt ein Klumpen Plasma aus der Schalenmündung

aus, der immer grösser und grösser wird. Zugleich geraten jene um

den Kern her gelagerten Reserve-Schalenplättchen in Bewegung und wir

sehen sie in stetem Flusse, eins hinter dem andern, aus der Mündung

heraus in den ausgetretenen Plasmazapfen hereinwandern. Wie von einer

unsichtbaren Hand geleitet, werden sie an die Oberfläche dieses immer

mehr und mehr anwachsenden Zapfens geschoben und so an einander

gelagert, dass sie sich weit übergreifend dachziegelförmig decken und

der ganze Spross dadurch ein tannenzapfenförmiges Gebilde darstellt

(Fig. 19). Der Spross schwillt aber immer mehr an und zwar so lange,

bis er genau die Grösse des ursprünglichen Tieres erreicht hat, und

dann hat das Plasma die Schalenplättchen so weit auseinandergedrängt,

dass sie sich nicht mehr und nicht weniger decken, als diejenigen des

alten Gehäuses. Dabei zeigt es sich, dass genau so viele Plättchen

vorhanden waren, als zum Aufbau der neuen Schale nötig sind, und

ferner, dass die ersten Plättchen, welche austraten, die gezähnelten

Randplatten sind, welche genau mit denjenigen des alten Gehäuses

ineinandergreifen (Fig. 20).

[Illustration: Fig. 19.

Euglypha in Teilung (etwa 700mal vergr.). Ein Teil des Protoplasmas

ist ausgetreten, die Reserveplättchen werden hinausgeschoben und

beginnen die neue Schale zu bilden. Der Kern befindet sich im sogen.

Sonnenstadium der Teilung.]

[Illustration: Fig. 20.

Euglypha in Teilung. Die neue Schale ist fertig. Kern im Stadium der

sogen. Sternform.]

[Illustration: Fig. 21.

In der alten Schale ist fast nur noch Plasma der hintern Zone. Im Kern

haben sich die Schleifen gespalten.]

[Illustration: Fig. 22.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 28 / 112 题