Entwickelung von Oedogonium (vergl. Text).]

Wesentlich verwickelter ist die geschlechtliche Fortpflanzung und

hier kommen in einer Gattung so viel Verschiedenheiten vor, wie wohl

sonst im ganzen Pflanzenreich nicht wieder. Das Wesentliche des

Vorganges ist, dass eine ruhende weibliche durch eine bewegliche

männliche Fortpflanzungszelle durch Verschmelzung befruchtet wird.

Die Verschiedenheiten werden durch die Art der Entwickelung der

männlichen Zelle bewirkt. Wir wollen dabei einen der Fälle ins Auge

fassen und auf die beobachteten Abweichungen hinweisen. Die männlichen

Zellen entwickeln sich in Antheridien, welche entweder mit den

weiblichen Zellen in demselben Faden entstehen (monoecische Arten)

oder in besonderen Fäden (dioecische Arten), welche wiederum entweder

normal sind und neben den Antheridien auch gewöhnliche vegetative

Zellen enthalten, oder nur aus wenigen Zellen von abweichender

Gestalt bestehen und dann als sogenannte Zwergmännchen sich auf den

weiblichen Zellen oder in der Nähe derselben finden (Nr. 1 _d_). Diese

Zwergmännchen entwickeln sich aus Schwärmsporen, welche ähnlich wie

die ungeschlechtlichen gebildet werden und diesen auch ganz ähnlich,

nur etwas kleiner sind. Diese Schwärmsporen schwärmen eine Zeit lang

umher, setzen sich dann in unmittelbarer Nähe der weiblichen Organe

fest und werden zu den Zwergmännchen, welche mit oder ohne eine

etwas längere Fusszelle eine geringe Anzahl flach scheibenförmiger

Zellen, Antheridien, entwickeln, in denen je zwei männliche

Fortpflanzungszellen „Spermatozoiden“ entstehen (Nr. 4 _a_, _b_).

Die weiblichen Geschlechtsorgane, Oogonien, sind runde, angeschwollene

Zellen, welche zwischen den vegetativen liegen (1 _c_). Zur Zeit ihrer

Empfängnisfähigkeit bildet sich ebenso wie bei den vegetativen Zellen

ein kreisförmiger Riss und die Zelle klappt auf; es tritt jedoch noch

eine sehr dünne gewölbte mit einem kleinen Loch versehene Membran (1

_e_) hervor, welche die Eizelle abschliesst. Zu gleicher Zeit öffnet

sich das Antheridium und entlässt die Spermatozoiden, von denen

eins durch das Loch der erwähnten zarten Membran schlüpft und unter

bohrender Bewegung sich mit dem Ei vereinigt. Hierauf umgiebt sich die

Eizelle mit einer starken oft stacheligen Membran (5) und macht eine

Ruheperiode durch. Wenn es zur Keimung kommt, reisst die Sporenmembran

durch und der in eine Schleimhülle gebettete Inhalt tritt hervor, um

sich in vier Schwärmzellen zu teilen (6), welche ausschwärmen, sich

nach einiger Zeit festsetzen und neue Oedogonienfäden entwickeln. So

kompliziert ist die Entwickelungsgeschichte eines so einfachen Wesens!

Wir konnten bei dem geringen zu Gebote stehenden Raum nur einzelne

interessante Vorgänge eingehender betrachten, aber wenn auch wesentlich

anders, finden sich nicht minder verwickelte Prozesse bei anderen

Gattungen, wie _Sphaeroplea_ und _Coleochaete_, die hier übergangen

werden müssen.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 13 / 112 题