3. Die Chlorophyceen.

Die Grünalgen, Chlorophyceen, Algen im engern Sinne, sind im

wesentlichen hinreichend durch die rein grüne Farbe gegenüber den

anderen Gruppen charakterisiert. Gestalt und Fortpflanzungsweise sind

so mannigfach, dass sie sich schlecht zu einem Merkmal der ganzen

Gruppe verwenden lassen und selbst nahe verwandte Gattungen zeigen

hierin die grössten Verschiedenheiten.

Zunächst finden wir eine Gruppe grüner Algen, welche in der

Fortpflanzung mit dem einen Modus derselben bei den Diatomeen

übereinstimmen, so dass sie, aber gewiss entschieden unrichtig, mit

jenen zu einer grossen Ordnung „_Zygosporeae_“ von manchen Forschern

vereinigt werden. Indem nämlich zwei (oder zuweilen auch mehr) Zellen

ihren Inhalt zusammenfliessen lassen, entsteht eine als „Zygospore“

bezeichnete Zelle, welche dazu bestimmt ist, nach einer Ruheperiode

zu keimen und eine neue Generation zu entwickeln. Es ist also eine

Dauerzelle und unterscheidet sich schon hierdurch sehr wesentlich von

den Auxosporen der Diatomeen, welche letztere nur als ein Mittel zur

Vergrösserung der Zellen dient und keinerlei Eigenschaften besitzt, wie

sie den Sporen der Kryptogamen im allgemeinen zukommen. Ausserdem kommt

es nur bei einem Teile der Diatomeen zu einer wirklichen Vereinigung

der Plasmakörper zweier Zellen, wie wir oben gesehen haben. Es ist

deshalb besser, man lässt diese Gruppe grüner Algen, welche man als

_Conjugatae_ zusammenfasst, als unterste Ordnung der Chlorophyceen

bestehen.

Eine zweite Ordnung wird durch eine Anzahl einzelliger Algen gebildet,

welche teilweise einen Übergang zu den Flagellaten erkennen lassen

und aus teils freien, teils zu Kolonien vereinigten rundlichen

oder eiförmigen meist ziemlich kleinen Zellen bestehen. Man hat

sie als _Protococcoideae_ bezeichnet. Ihre Fortpflanzung ist sehr

verschiedenartig und oft höchst kompliziert.

Die _Siphoneae_ oder +Schlauchalgen+ zeichnen sich durch einen

einzelligen fadenförmigen oder verästelten Bau aus; sie sind im süssen

Wasser nur durch zwei Gattungen vertreten.

Reich an Formen ist die vierte Ordnung der +Grünalgen+, die

_Confervoideae_. Sie bilden einen fadenförmigen, oft reich verzweigten,

vielzelligen Thallus.

Nach dieser kurzen Charakteristik der Hauptgruppen sollen die einzelnen

eine etwas eingehendere Besprechung erfahren, da sich ja in der Klasse

der Grünalgen die interessantesten und mannigfaltigsten Formen,

die verschiedenartigsten Verhältnisse der Fortpflanzung und die

merkwürdigsten Lebenserscheinungen finden.

Die Conjugaten bilden eine Ordnung, welche zwei nahe verwandte Familien

vereinigt. Gemeinsam ist ihnen besonders die Art der geschlechtlichen

Fortpflanzung, die Konjugation, ferner die eigentümliche Anordnung des

Chlorophylls innerhalb der Zelle in Bändern, Platten, Sternen oder

anderen Formen, stets aber abweichend von derjenigen bei den anderen

Grünalgen, ferner im weitesten Sinne die Einzelligkeit. Jede Zelle ist

befähigt für sich allein zu existieren und sich zu vermehren, selbst

wenn sie normalerweise nur mit anderen zusammen zu Fäden verbunden

vorkommt. Die Zellen eines Fadens sind auch sämtlich gleichartig und

es ist kein Gegensatz zwischen Basis und Spitze ausgebildet. Eine sehr

ausgiebige Vermehrung geschieht durch Zweiteilung der Zellen, die bei

diesen Algen besonders gut zu beobachten ist.

Die +Desmidieen+, die eine der beiden Familien, zeigen äusserst

zierliche Formen, wie sie in Fig. 3 _a_–_m_ dargestellt sind. Sie

bewohnen einzeln unsere Wiesengräben, Bäche und Flüsse, zahlreicher

und oft geradezu massenhaft die Gewässer der Torfmoore, und erreichen

im Spätsommer und Herbst ihre grösste Entwickelung. Die Zellen sind

symmetrisch, bei vielen mit einer Einschnürung in der Mitte, meist

einzeln, seltener zu leicht zerreissenden Fäden verbunden. Das

Chlorophyll ist entweder sternförmig um zwei stärkehaltige Körper

auf die beiden Hälften der Zelle verteilt, zentral, d. h. der Wand

nicht anliegend, oder tritt in Form von Platten, welche ebenfalls

der Wand nicht anliegen, oder endlich in mehr oder weniger spiralig

gerollten der Wand anliegenden Bändern auf. Bei der Vermehrung treten

die beiden Zellhälften an der Einschnürung aus einander und zwischen

ihnen entwickelt sich an jeder eine neue Zellhälfte, die ursprünglich

rundlich und glatt ist und erst allmählich die Form der andern

Zellhälfte bei weiterem Wachstum erhält (vergl. Fig. 3 _e_). Bei der

als Kopulation bezeichneten geschlechtlichen Fortpflanzung tritt der

Inhalt zweier Zellen aus der Membran hervor und vereinigt sich zu einer

einzigen, den Mutterzellen durchaus unähnlichen Zelle, welche den

Namen Zygospore führt (vergl. Fig. 3 _f_ Zygospore von _Micrasterias_)

und einen Ruhezustand darstellt; bei der Keimung entwickeln sich aus

ihr eine bis vier, meist zwei Keimzellen, aus denen dann wieder durch

Teilung die gewöhnlichen Zellen entstehen. Die Desmidieen besitzen ein

geringes vom Licht abhängiges Bewegungsvermögen.

[Illustration: Fig. 3.

Conjugaten _a_–_m_. Desmidiaceen: _a_ _Desmidium_, Faden von der

Seite -- _b_ Dasselbe, Faden auf dem Querschnitt -- _c_ _Euastrum_

-- _d_ _Micrasterias denticulata_ -- _e_ Dasselbe in der Teilung

begriffen -- _f_ Zygospore desselben -- _h_ _Micrasterias crenata_

-- _g_ _Cosmarium_ -- _i_ _Staurastrum_ -- _k_ _Xanthidium_ -- _l_

_Penium_ -- _m_ _Closterium_ -- _n_–_r_ Zygnemaceen: _n_ _Zygnema_ --

_o_ _Spirogyra_ -- _p_ _Zygnema_ in Kopulation, 1-7 bezeichnen die

verschiedenen Stufen derselben bis zur Bildung der Zygospore (7) -- _q_

und _r_ Zygosporen von Zygnemaceen.]

Eine Beschreibung der einzelnen Gattungen lässt sich an dieser

Stelle nicht geben; für die Abbildung wurden einige der zierlichsten

Desmidieen gewählt, in denen der Inhalt der Zellen wegen der geringen

Vergrösserung nur angedeutet oder ganz weggelassen wurde.

Die zweite Familie, die +Zygnemaceen+, wird aus fadenförmigen

unverzweigten Algen gebildet, deren Chlorophyll zu spiraligen Bändern

(_Spirogyra_), Doppelsternen (_Zygnema_, _Zygogonium_), axilen Platten

(_Mongeotia_, _Mesocarpus_) zusammentritt. Ihre geschlechtliche

Fortpflanzung ist derjenigen der Desmidieen sehr ähnlich, nur

kopulieren meist Zellen verschiedener Fäden mit einander, indem sie bei

leiterförmiger Kopulation Ausstülpungen gegen einander treiben (wie

dies Fig. 3 _p_ in verschiedenen Stadien der Kopulation dargestellt

ist), oder indem sich die Zellen bei knieförmiger Kopulation direkt

an einander legen, was durch eine Biegung der Fäden gegen einander

bewirkt wird. Selten kopulieren zwei neben einander liegende Zellen

ein und desselben Fadens (seitliche Kopulation), indem sie ebenfalls

Ausstülpungen gegen einander treiben. Haben sich die Ausstülpungen an

einander gelegt, so beginnt eine Veränderung in den Zellen, der Inhalt

ballt sich zusammen, indem Wasser ausgestossen wird, und derjenige

der einen Zelle fliesst in die andere hinüber, um sich mit dem Inhalt

dieser zu vereinigen, oder beide Plasmamassen treten aus den Zellen

hervor und treffen sich zwischen den Fäden. Im erstem Falle entsteht

das Produkt der geschlechtlichen Vereinigung -- die Zygospore -- in

einer der Mutterzellen, im andern zwischen den beiden Mutterzellen.

Die Zygosporen der Zygnemaceen sind weit weniger mannigfaltig als die

der Desmidiaceen; auch sie machen eine Ruheperiode durch, nach welcher

sie keimen. Die Zygnemaceen finden sich im ersten Frühjahr, sowie nur

das Eis unsere Teiche und Tümpel verlassen hat, überall in stehenden

Gewässern als schleimige hellgrüne Flocken oder Fadenmassen.

Beide Familien entwickeln keine beweglichen Fortpflanzungszellen,

wie die meisten übrigen Grünalgen; einige, namentlich die grösseren

Spirogyreen und Desmidieen, lassen aber im Innern der Zelle deutlich

die Bewegung des Plasmas erkennen. Bei _Closterium_ findet sich am

Ende der beiden halbmondförmig gekrümmten Zellhälften ein farbloses

Bläschen, in welchem eine Anzahl kleiner (aus Gips? bestehender)

Körnchen sich sehr lebhaft bewegen (Fig. 3 _m_). Überhaupt bieten die

Zellen der Conjugaten viele interessante Eigenheiten und sie sind

auch, besonders die Gattung _Spirogyra_, ein sehr vielfach benutztes

Objekt der Pflanzenphysiologen, weil die Grösse und Einfachheit der

Zellen leichter eine eingehende Untersuchung ermöglicht. Besonders zu

Studien über den Zellkern liefern sie ein vorzügliches Material und

wir finden da, um eine Eigentümlichkeit zu erwähnen, bei _Spirogyra_

beispielsweise einen grossen, flach scheibenförmigen, spindelförmig

erscheinenden Zellkern, welcher mit an den Wänden befestigten

Plasmafäden in der Mitte der Zelle aufgehängt ist.

Die zweite Ordnung der Grünalgen, die _Protococcoideae_, fasst eine

Gruppe sehr verschiedenartiger Organismen zusammen. Gemeinsam ist ihnen

die Einzelligkeit und die Entwickelung von Schwärmzellen. Eine der

drei hierhergehörigen Familien, die Volvocineen, zeigen eine solche

Verwandtschaft zu den Flagellaten, einer Gruppe der niedersten Tiere,

dass sie von den Zoologen einfach mit jenen vereinigt werden, und auch

in diesem Buche unter jenen abgehandelt werden sollen[I]. Scheiden wir

also an dieser Stelle die später in einem eigenen Kapitel eingehend

behandelten Volvocineen hier aus, so bleiben zwei sehr ähnliche

Familien übrig, _Protococcaceae_ und _Palmellaceae_.

[I] Der Verfasser hält jedoch an der Ansicht fest, dass die

Volvocineen ebensogut zu den Algen gestellt werden können, zu welchen

sie unbestritten nahe Verwandtschaft zeigen.

Die _Protococcaceae_ sind einzellige Algen, denen eine Teilung der

Zellen zum Zweck einer vegetativen Vermehrung abgeht, welche dagegen

eine ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Schwärmsporen (Zoosporen)

und eine geschlechtliche durch Kopulation von Schwärmsporen besitzen.

Die Zellen bleiben dabei entweder zu Familien vereinigt oder sie

lösen sich los und werden frei. Einen Vertreter der ersteren, das

Wassernetz _Hydrodyction utriculatum_ wollen wir als Beispiel

wählen, dabei aber zugleich bemerken, dass wir hier einen viel

komplizierteren Entwickelungsprozess vor uns haben, als bei den

meisten übrigen Gattungen der Familie. Das +Wassernetz+ (Fig. 4

_a_–_d_ S. 52) bildet ein wirkliches Netz, dessen Maschen von einer

Anzahl cylindrischer Zellen umschlossen sind, welche zu je drei

an einem Punkte zusammentreffen (_a_). Die Chlorophyll führende

grüne von Vacuolen unterbrochene Plasmaschicht kleidet die ganze

Zellwand aus, ballt sich aber, wenn es zur Fortpflanzung kommt, in

sehr kleine, zunächst ebenfalls der Wand anliegende Plasmaportionen

zusammen. Die Fortpflanzung geschieht nun entweder geschlechtlich

oder ungeschlechtlich. Im letztern Falle sind die Plasmaportionen, in

welche der Zellinhalt zerfällt, grösser; anfangs eckig, runden sie

sich allmählich ab (_b_) und bilden sich zu Schwärmsporen um, welche

eiförmige Gestalt und zwei Geisseln besitzen. Auch zeigt sich ein

Gegensatz zwischen dem geisseltragenden Ende, welches durchsichtig

und hell, und dem geissellosen, welches grün und mit körnigem Plasma

erfüllt ist. Man bemerkt auch ferner einen kleinen roten Punkt in

dem hellen Teil, den Pigmentfleck, über dessen Bedeutung man nur

Vermutungen hegt, vielleicht stellt er den Anfang eines Sinnesorganes

vor. Diese Zellen, Makrogonidien genannt, schwärmen in der Mutterzelle

einige Zeit umher, kommen aber allmählich zur Ruhe, indem sie sich

zu gleicher Zeit in derselben Weise ordnen wie die Zellen des

Mutternetzes und ein kleines diesem sehr ähnliches Netz bilden,

welches, ohne dass durch Teilung neue Zellen darin entstehen, wächst

und dem Mutterzellnetz völlig gleich wird. Die umhüllende Membran der

Mutterzelle zerfliesst schon sehr früh in dem umgebenden Wasser (vergl.

Fig. 4 _c_).

[Illustration: Fig. 4.

Protococcoiden. _a_–_f_ Protococcaceen: _a_–_d_ _Hydrodyction

utriculatum_: _a_ Teil eines Zellnetzes -- _b_ Beginnende

Makrogonidienbildung, Teil einer Zelle, stärker vergrössert -- _c_

Stück einer Zelle, in welcher sich die Makrogonidien zu einem neuen

Netz an einander lagern, stärker vergrössert -- _d_ Zur Ruhe gekommener

Schwärmer (vergl. Text) -- _e_ Verschiedene Formen von _Scenedesmus_

-- _f_ _Pediastrum_ -- _g_–_h_ Palmellaceen: _g_ _Cosmocladium_ -- _h_

_Raphidium_ (_e_–_h_ sind nur Umrisszeichnungen).]

In derselben Weise wie die Makrogonidien, nur in viel grösserer Anzahl,

bilden sich die Mikrogonidien, welche viel kleiner sind und vier

Geisseln besitzen. Sie verlassen aber die Mutterzelle und schwärmen

im Wasser umher, kopulieren und verlieren allmählich ihre Bewegung,

indem sie zu rundlichen grünen Zellen werden, welche sich allmählich

vergrössern. Diese Zellen stellen einen Ruhezustand dar, aus welchem

sich nach einiger Zeit wenige zweigeisselige Schwärmzellen entwickeln,

welche ebenfalls austreten, umherschwärmen und ihre Bewegung verlieren,

aber sich nicht zu runden, sondern zu eigentümlich eckigen mit

unregelmässigen Auswüchsen versehenen Zellen (_d_) entwickeln, in denen

wieder die oben beschriebenen Makrogonidien entstehen und zu einem

kleinen Netz zusammentreten.

So vielgestaltig ist der Entwickelungsgang bei den übrigen

Protococcaceen in der Regel nicht, wir besitzen jedoch von den meisten

noch keine genügende Kenntnis desselben. Von den übrigen Gattungen

der Familie finden sich häufiger _Pediastrum_, dessen in einer Ebene

gelagerte Zellen zu zierlichen, meist mit kleinen Hörnchen verzierten

Täfelchen zusammentreten (_f_), _Scenedesmus_, dessen Zellen zu vier

und acht mit der Längsseite aneinandergelagerte Reihen bilden und

ebenfalls häufig Hörnchen oder Dornen zeigen (_e_) und _Protococcus_,

welcher einfache nicht zusammenhängende runde Zellen bildet und

häufig den grünen pulverigen Überzug von Baumstämmen, Holzzäunen und

Schindeldächern bildet, aber in der heissen Jahreszeit verschwindet.

Die Palmellaceen sind äusserlich oft sehr schwer von den Algen

der vorigen Familie zu trennen, unterscheiden sich aber in ihrer

Entwickelungsgeschichte sehr wesentlich von jenen durch die Fähigkeit,

sich durch einfache vegetative Zweiteilung zu vermehren, und durch

den Mangel einer geschlechtlichen Fortpflanzung. Sie zeigen ebenfalls

sehr zierliche Formen, wie die in Fig. 4 abgebildeten Vertreter dieser

Familie: _Cosmocladium_ (_g_) und _Raphidium_ (_h_) darthun.

Eine andere Ordnung einzelliger Grünalgen wird durch die +Siphoneen+

(Schlauchalgen) gebildet, welche jedoch nur in wenig Arten im süssen

Wasser auftreten. Sie haben eine fadenförmige, langgezogene, reich

verzweigte, oder eine auf verästelter Basis ruhende blasenförmige

Gestalt, ohne dass sich jedoch zwischen den Ästen oder Verzweigungen

Querwände in der Zelle fänden. Ihre Fortpflanzung geschieht auf

geschlechtlichem und ungeschlechtlichem Wege. Die Gattung _Vaucheria_

findet man in Gräben oder auf feuchter, schattiger Erde, zarte

Fadenpolster bildend, die Gattung _Botrydium_ namentlich auf

überschwemmt gewesenen schlammigen Flächen als kleine stecknadelkopf-

bis hanfkerngrosse schwarzgrüne Kügelchen.

In der vierten Ordnung treten uns die höchstentwickelten Formen der

Grünalgen, die _Confervoideae_, entgegen. Auch bei ihnen herrscht

in Gestalt und Fortpflanzungsweise die grösste Mannigfaltigkeit.

Jedenfalls sind es stets mehrzellige Algen, deren Zellen meist in

Fäden, oft mit Verzweigung, seltener in flächenförmigen Lagern

angeordnet sind. Ihre Fortpflanzung ist noch nicht bei allen Gattungen

bekannt, doch entwickeln wahrscheinlich alle bewegliche Schwärmzellen,

welche teils ungeschlechtlicher Natur sind, teils zu mehr oder weniger

deutlich ausgeprägten Geschlechtszellen werden.

Die einfachsten Formen aus dieser Ordnung bilden die eigentlichen

Conferven, welche einfache Zellfäden bilden, sich von den Zygnemaceen

aber leicht dadurch unterscheiden, dass bei ihnen das Chlorophyll

gleichmässig der Zellwand anliegt. Bei der Gattung _Conferva_ hat

man bisher nur ungeschlechtliche Fortpflanzung durch Schwärmsporen

wahrgenommen, während bei der sehr ähnlichen _Ulothrix_ ausser dieser

auch eine geschlechtliche Fortpflanzung insofern auftritt, als zwei

kleinere Schwärmsporen mit einander verschmelzen (kopulieren)

und das Produkt der Kopulation eine Dauerzelle ist, welche eine

Ruheperiode durchmacht ehe sie keimt. Verzweigte Zellreihen finden

wir bei den artenreichen Cladophoren, deren Entwickelungsgeschichte

noch sehr wenig bekannt ist, trotzdem dass sie zu den häufigsten

Süsswasseralgen gehören. Namentlich die Gattung _Cladophora_ selbst,

deren Artenstudium beinahe für sich allein eine Wissenschaft bildet

und welche das Hieratium der Kryptogamen ist, findet sich in ihren

verschiedenen Formen überall, und in Quellen und reinen Bächen werden

wir häufig der überaus zierlichen etwas schlüpfrigen _Draparnaldia_

begegnen. An Schilf und Holzstücken setzen sich gern kleine grüne

Kugeln oder dem Geweih eines Hirsches ähnlich verzweigte gallertartige

Körper fest, welche der Gattung _Chaetophora_ angehören. Auch das im

Gebirge allbekannte Veilchenmoos oder der Veilchenstein, _Chroolepus

Jolithus_, gehört hierher, obgleich seine braunrote Farbe gar nicht

zu den Grünalgen zu passen scheint. Dies kommt aber daher, dass neben

dem Chlorophyll noch ein anderer Farbstoff, der in überwiegender Menge

vorhanden ist, den Zellen die Färbung verleiht. Der Veilchengeruch, den

diese Alge ausströmt, besitzt unter Umständen auch noch nach Jahren

eine ziemliche Intensität.

Von den übrigen Familien dieser Ordnung wollen wir noch die

Oedogoniaceen einer eingehenderen Berücksichtigung unterziehen, weil

ihre Fortpflanzung und Entwickelungsgeschichte von besonderem Interesse

ist und man die Vorgänge dabei auch verhältnismässig genau kennt.

Die Gattung _Oedogonium_ zeigt einfache unverzweigte Zellfäden, in

denen schon eine sehr eigentümliche Zellteilung auftritt. Es bildet

sich nämlich in der Zelle ein ringförmiger Wulst von dem Stoff der

Zellwand, welcher unter dem Mikroskop allerdings nur an beiden Seiten

der Zelle sichtbar ist (Fig. 5, 1 _a_). Plötzlich reisst die Membran

der Mutterzelle an der Stelle dieses Wulstes auf und die Zelle streckt

sich um das Doppelte in die Länge, der Wulst verschwindet, indem er zu

einer anfangs sehr dünnen Zellwand für das neuzugewachsene Zellstück

wird (Nr. 1 _b_). Erst dann bildet sich zwischen der alten und der

neuen Zellhälfte eine Scheidewand. Der Riss der Mutterzellmembran

bleibt übrigens dauernd sichtbar und oft sieht man Zellen, die ein

förmliches Schraubengewinde zu tragen scheinen. Die ungeschlechtliche

Fortpflanzung geschieht in der Weise, dass sich der Inhalt einer

vegetativen Zelle zusammenballt, abrundet und, indem sich die Zelle

durch einen kreisförmigen Riss (Nr. 2) öffnet, austritt. Sofort beginnt

er vermöge eines Wimperkranzes (vergl. Nr. 3) sich zu drehen und

davonzuschwimmen. Schliesslich setzt er sich irgendwo fest, entwickelt

eine Haftscheibe am unteren Ende und wächst zu einem Zellfaden aus.

[Illustration: Fig. 5.

Die Tier- und Pflanzenwelt des Süsswassers. Erster Band. · 第 12 / 112 题