/*
_Nun de m'eón olígos te kai outidanós kai aeikés_[61]
*/
(_Nun aber ist's so ein Zwerg, so ein nichtsnutz'ges, unschönes Männlein_)
die allgemein gebräuchlichen Wörter einsetzen würde:
/*
_Nyn de m'eón mikrós te kai asthenikós kai aeidés_
*/
(_Nun aber ist's so ein kleines und schwächliches häßliches Männlein_)
und ebenso statt
/*
_díphron t'aikélion katathéis oligén te trápezan_[62]
*/
(_Niedersetzend den armsel'gen Stuhl und den winzigen Eßtisch_)
/*
_díphron mochtherón katatheís mikrán te trápezan_ (S. 50)
*/
(_Niedersetzend den schlechten Stuhl und den kleinlichen Eßtisch_)
oder endlich, statt
/*
Ēiones boóōsin[63] (es brüllten die Ufer)
Ēiones krázousin (es schrien die Ufer).
*/
6. So hat auch _Ariphrades_ die Tragiker verspottet, weil sie Ausdrücke
anwenden, deren sich niemand in der Umgangssprache bediene, z.B. domátōn
apó (von den Häusern weg[64], [nicht apó domátōn] (weg von den Häusern)
und séthen[65] (= deines, statt su), egó de nin (= ich aber ihn statt
autón[66]), und Achilléōs peri[67] (Achilles wegen) [nicht peri
Achilléōs] (wegen Achilles) und was dergleichen (1459a) mehr sind. Denn
gerade weil alle derartigen Wendungen nicht unter die allgemein
gebräuchlichen fallen, verleihen sie dem sprachlichen Ausdruck den
Charakter des nicht Alltäglichen. Das wußte aber jener (Spötter) nicht.
7. Ist es nun schon wichtig jede der erwähnten Ausdrucksarten in
angemessener Weise zu verwenden, sowohl die Komposita wie die Glossen,
so ist doch der metaphorische Ausdruck der bei weitem wichtigste, denn
diesen allein kann man nicht von einem anderen lernen, ist dies doch
gewissermaßen ein Zeichen von Genialität. Denn gute Metaphern erfinden
heißt einen Spürsinn (scharfen Blick) für das (S. 51) Ähnliche (im
Unähnlichen) haben.
8. Von den Wortarten selbst nun eignen sich _Komposita_ am meisten für
die _Dithyramben_, die _Glossen_ für die _Heldengedichte_, die
_Metaphern_ für _jambische Trimeter_ (der Tragödie). In Heldengedichten
sind alle die genannten Arten anwendbar, in jambische Trimeter dagegen,
da sie, soweit wie irgend möglich, den Gesprächston nachahmen, fügen
sich nur diejenigen Wortarten, deren jemand auch in der prosaischen Rede
sich bedienen würde, der Art sind aber das allgemein Gebräuchliche, die
Metapher und die schmückende Bezeichnung.
Über die Tragödie, d.h. über die im Handeln sich vollziehende
nachahmende Darstellung mag uns also das Gesagte genügen.
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