1. Über die anderen Arten (der Tragödie) ist nun gesprochen worden, es
erübrigt noch über den _sprachlichen Ausdruck_ und die _Gedanken_
zureden. Das, was die _Gedanken_ angeht, mag in den Büchern über die
Rhetorik seinen Platz haben, da dies mehr diesem Untersuchungsgebiet
eigen ist. In den Bereich der Gedankenbildung fällt das, was
vermittelst der (S. 39) (1456b) Rede bewerkstelligt werden muß, zu deren
Funktionen das Beweisen und Widerlegen und die Erregung von
Gemütsstimmungen gehört, wie Mitleid oder Furcht oder Zorn oder was es
sonst noch derartiges gibt; ferner die Vergrößerung und Verkleinerung
von Dingen. Es leuchtet aber ein, daß man auch in den Handlungen
dieselben Gesichtspunkte anwenden muß, wenn man sie entweder
mitleiderregend oder schrecklich oder groß oder wahrscheinlich machen
will. Ein Unterschied besteht lediglich darin, daß diese Handlungen ohne
(sprachliche) Belehrung sich kundgeben müssen, während die durch die
Rede vermittelten von dem Redenden selbst bewerkstelligt werden und ein
Ergebnis der Rede sein müssen, denn worin bestände denn sonst die
Aufgabe des Redenden, wenn die Gedanken auch ohne Vermittlung der Rede
in Erscheinung treten würden?
[Sidenote: c. 19, 2. Gedankenbildung. Der sprachliche Ausdruck.]
2. Von dem nun, was in das Gebiet des _sprachlichen Ausdrucks_ gehört,
bilden _einen_ Teil der Untersuchung die _Satzarten_, deren Kenntnis
übrigens mehr Sache der Vortragskunst ist und desjenigen, der deren
Kunsttheorie beherrscht, wie z.B. was Befehl ist und was Wunsch oder
Erzählung oder Drohung oder Frage oder Antwort und was es sonst
derartiges gibt. Aus deren Kenntnis oder Unkenntnis kann aber der
Dichtkunst keinerlei Tadel, der der Beachtung würdig wäre, erwachsen.
Denn wer wird darin einen Fehler erkennen wollen, was _Protagoras_ rügt,
daß (Homer) z.B. in der Meinung eine Bitte auszusprechen befiehlt, indem
er sagt: _Singe, o Göttin, den Zorn_[44], denn, so behauptet er,
jemanden auffordern etwas zu tun oder nicht zu tun sei ein Befehl.
* * * * *