[Sidenote: c. 5, 3. Geschichtliche Entwicklung.]
1. Die Komödie ist, wie wir sagten, die nachahmende Darstellung von
niedrigeren Charakteren, jedoch keineswegs im vollen Umfang des
Schlechten, sondern des Unschönen, von dem das Lächerliche ein Teil ist.
Denn das _Lächerliche_ ist sowohl eine Art Vergehen als auch eine
Entstellung, die keinen Schmerz verursacht und schadlos ist, wie denn
gleich die komische Maske etwas Häßliches und Verzerrtes ist, aber
nichts Schmerzhaftes an sich hat.
2. Die _Veränderungen der Tragödie und deren Urheber_ sind nicht
verborgen geblieben, die der _Komödie_ aber, da sie ursprünglich nicht
ernsthaft betrieben wurde, gerieten in Vergessenheit, denn
(verhältnismäßig erst spät bewilligte der Archon den Komödiendichtern
einen Chor, der (früher) nur aus (1449b) Freiwilligen bestand. Erst als
die Komödie ihrerseits gewisse Kunstformen hatte, werden ihre uns
überlieferten Dichter genannt. Wer aber die Masken oder den Prolog
eingeführt oder die Zahl der Schauspieler vermehrt hat und was
dergleichen mehr ist, ist unbekannt. Die Kunst zusammenhängende
Handlungen zu dichten stammt aus Sizilien..., von den Dichtern Athens
aber begann _Krates_ als erster, indem er die Form des persönlichen
Spottes aufgab, allgemeine Stoffe, d.h. Handlungen zu dramatisieren.
[Sidenote: c. 5, 3. Besonderer Teil. Definition der Tragödie.]
3. Das Epos hält mit der Tragödie nur bis auf die in metrischer Rede (?)
nachahmende Darstellung ernsthafter Stoffe gleichen Schritt,
unterscheidet sich aber von ihr darin, daß es ein und dasselbe Versmaß
und die Form der Erzählung anwendet. Ferner in bezug (S. 10) auf den
Umfang der Handlung. Während nämlich die _Tragödie sich besonders bemüht
innerhalb eines Sonnenumlaufs zu bleiben_ oder doch nur um ein weniges
darüber hinauszugehen, ist die epische Handlung in der Zeit unbegrenzt.
Also auch darin besteht zwischen ihnen ein Unterschied. Indessen machte
man es ursprünglich darin mit den Tragödien ebenso wie mit den epischen
Dichtungen.
4. Was nun ihre _Teile_ anbelangt, so sind diese entweder die nämlichen
oder sie sind nur der Tragödie eigentümlich. Wer also über eine
Tragödie, ob sie gut oder schlecht ist, ein Urteil hat, hat es auch über
das Epos. Denn was die epische Dichtung enthält, besitzt auch die
Tragödie, was aber diese hat, besitzt nicht alles die epische Dichtung.
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