+Krankheit+ wird von den Zigeunern bestimmten Dämonen zugeschoben,
gegen die man eine Zauberfrau zu Rate zieht. Diese sucht sich mit
dem Kranken sofort in magische Beziehung zu setzen, indem sie dessen
verschiedene Körperstellen mit einem Säckchen voll Stechapfelsamen
reibt und den Dämon herbeiruft, daß er ihr das Heilmittel verrate. Hat
das Eingreifen der Zauberfrau keinen Erfolg, so bereitet man sich und
den Toten auf dessen +letztes Ende+ vor. Man bringt ihn samt seinem
Hab und Gut vor das Zelt, damit, wenn sein letztes Stündchen wirklich
schlagen sollte, die Seele den Körper ruhig verlassen könne und nicht
an irgendeinem Gegenstand des Toten haften bleibe, denn dafür würde sie
später schwere Rache an den Hinterbliebenen nehmen. Bei verschiedenen
Stämmen ist es auch Sitte, die Fußsohlen des Sterbenden durch einen
weißen Hund belecken zu lassen.
[Illustration: Abb. 475. Türkische Zigeuner.