Abb. 465. Baske aus Guipuzcoa.]

+Die Zigeuner.+ Das „fahrende Volk“ der Zigeuner ist von einer

gewissen Romantik umwoben. Bis vor etwa fünfzig Jahren wußte man

nicht einmal, von wo sie herstammten. Bei ihrem ersten Erscheinen in

Deutschland verbreiteten sie selbst die Fabel, daß ihre Vorfahren in

Ägypten gesessen und die Eltern Christi auf ihrer Flucht dorthin nicht

aufgenommen hätten, weswegen Gott sie verflucht und zu beständiger

Wanderung, wie den Ewigen Juden, verdammt habe. Daraufhin galt als

Heimat der Zigeuner bis etwa in die Mitte des vorigen Jahrhunderts

hinein allgemein das Pharaonenland; die englische (Gipsy), spanische

(Gitano), ungarische (Pharaonenvolk) und ähnliche Bezeichnungen für

sie gaben dieser vermeintlichen ägyptischen Herkunft auch Ausdruck.

Die neueren Forschungen indessen, im besonderen solche sprachlicher

Natur, haben zweifellos festgestellt, daß als Urheimat der Zigeuner

Vorderindien anzusehen ist, wo in den Sümpfen des Indus und des

Pendschab ihre Verwandten noch heute unter dem Namen Dschab hausen.

Als deren und ihre gemeinsame Vorfahren bezeichnet die Wissenschaft

die Zott. Die Körperbeschaffenheit der Zigeuner, die dem europäischen

Typus, vor allem demjenigen der südländischen Bevölkerung sehr ähnelt,

spricht dafür, daß die Zott den Indern, das heißt den Nachkommen

europäischer Einwanderer (vermischt mit einheimischen Elementen)

verwandt gewesen sein müssen. Der Zeitpunkt, wann die indischen Zott

sich von ihren Stammesgenossen trennten und auf die Wanderschaft

begaben, ist nicht mehr genau festzustellen. Nur das eine ist

geschichtlich belegt, daß im fünften Jahrhundert nach Christus eine

größere Anzahl Zott, etwa zwölftausend, auf Veranlassung des persischen

Herrschers Bahram Gur aus Indien nach Persien kamen, damit sie die

Einwohner dieses Landes im Lautenspiel unterrichteten. Demnach scheinen

die Zigeuner bereits damals eine große Vorliebe für Musik gehabt zu

haben, wie dies noch jetzt für sie zutrifft. Der persische Dichter

Firdusi (um 1000 nach Christus) nennt diese Einwanderer Luri, und noch

heute bezeichnet man die Zigeuner in Persien so.

[Illustration:

Phot. J. K. Inha.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 193 / 203 题