Der +Religion+ nach sind die Türken Anhänger des Islams, und zwar
befolgen sie die religiösen Vorschriften äußerst pünktlich (Abb. 427);
die übrigen uns hier beschäftigenden Balkanvölker bekennen sich dagegen
zum Christentum, vorwiegend griechisch-orthodoxer Richtung. Im großen
und ganzen feiern diese die christlichen Feste in ähnlicher Weise, wie
dies die Slawen tun.
Bei den Griechen gibt es wie in Rußland eine +Wasserweihe+ am 6.
Januar. Schon am Tage vorher gehen die Priester in die Häuser, um
Weihwasser und Basilikumzweige zu segnen. Diese balsamische Pflanze
gilt allgemein als heilig, da sie der Sage nach aus dem Grabe Christi
entsprossen sein soll, woraus sich die Kreuzform ihrer Blätter erklären
soll. Es gibt wohl kein Gärtchen im Lande, und sei es noch so ärmlich,
in dem man die Pflanze nicht zieht, keinen Strauß, in dem sie nicht
vertreten ist. Ein Bündel Basilikumreiser wird in der Stube aufgehängt
und als unfehlbares Mittel gegen den bösen Blick hochgeschätzt. Am
Vorabend des Erscheinungsfestes (des Tages der Wasserweihe) durchziehen
die Kinder mit brennenden Laternen in festlichem Zuge die Straßen des
Ortes und singen fromme Lieder. Am nächsten Morgen findet frühzeitig
Gottesdienst in den Kirchen statt; am Schlusse desselben sprechen die
amtierenden Priester ein Gebet über eine große silberne Urne aus, die
Wasser enthält, und segnen ihren Inhalt. Darauf stürzt sich das Volk
mit Gläsern auf dieses Gefäß, um etwas von dem geweihten Wasser zu
erhaschen und mit nach Hause zu nehmen. Später begibt sich ein Festzug
unter Vorantritt der geistlichen Würdenträger in ihren reichverzierten
Kirchengewändern zum Hafen, falls es sich um einen Ort an der See oder
einem schiffbaren Fluß handelt. Hier hat man einen Raum im Wasser
abgegrenzt, in dem sich bereits eine Unmasse von Menschen tummelt. Der
oberste Priester wirft das heilige Kreuz in das Wasser, worauf sich
ein heftiger Kampf unter den Schwimmern entspinnt, um es aufzufischen
und zu bergen. Wem das Glück günstig ist, es zu erhaschen, der darf es
durch die ganze Stadt tragen und dabei Gaben sammeln. -- Solange die
Gewässer nicht eingesegnet sind, verläßt kein Schiffer den Hafen, da
man von der Wasserweihe unter anderem auch günstiges Wetter für die
Schiffahrt erhofft.
Die verschiedenen Johannestage werden gleichfalls festlich begangen,
und zwar ist am volkstümlichsten der +Namenstag Johannis des Täufers+.
Da man in Griechenland nicht seinen wirklichen Geburtstag, sondern
den Tag seines Schutzheiligen feiert und viele Leute nach Johannes
dem Täufer Yannis genannt werden, so pflegen diese ihren Namenstag
gemeinsam zu feiern.
[Illustration: Abb. 430. Albanier
in seiner eigenartigen Tracht, deren Rock an den der Ballettmädchen
erinnert.]
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.