Nach Aquarellen von M. Gardavski.]

[Illustration:

Phot. P. Postel.

Abb. 422. Ruthenisches Brautpaar (Tyszkowce bei Horodenka).

Die Kopfbedeckungen sind mit einem Kranz aus vergoldeten

Immergrünblättern und vier Troddeln aus roter Wolle geschmückt.]

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 423. Szene von einer russischen Totenfeier.

Die Angehörigen und näheren Bekannten haben sich zum Totenmahl

vereinigt.]

Bei der +serbischen Hochzeit+ spielen drei Personen eine große Rolle.

In erster Linie der Koom; er ist der hauptsächlichste Brautzeuge,

für gewöhnlich der Sohn oder der nächste Verwandte des Mannes, der

bei der Hochzeit der Eltern des Bräutigams dasselbe Amt versah. Die

zweitwichtigste Person ist der Stavri svat, dem gleichsam die Aufgabe

des Zeremonienmeisters zufällt. Als dritter endlich wirkt der Dever

oder Führer der Braut mit, der als ihr besonderer Beschützer für diesen

Tag ihr niemals von der Seite weicht. Nachdem sich die Hochzeitsgäste

(Abb. 424) im Hause des Bräutigams versammelt haben, begeben sie

sich zur Wohnung der Braut, und zwar für gewöhnlich zu Pferde. Voran

reitet ein Mann mit einem großen Holzgefäß, das Rotwein enthält;

er muß davon jedem, der ihm unterwegs begegnet, zu trinken geben.

Außerdem ist er der Spaßmacher auf der Hochzeit. Ihm folgen auf einem

Wagen die Brautjungfern mit den Hochzeitsgeschenken. Weiter schließt

sich der Bräutigam an und endlich die lange Reihe der Gäste. Öfters

stellen sich die Nachbarn mit Stangen und gekreuzten Schwertern dem

Brautzug entgegen; da die Hochzeitsgäste trotz dieses Hindernisses

weiterzukommen versuchen, entspinnt sich ein heißer Scheinkampf

(Überreste der Raubehe), der erst beigelegt wird, wenn den Nachbarn

Sühne gezahlt wurde. Wenn der Hochzeitszug endlich vor dem Hause

der Braut eingetroffen ist, werden zunächst nur die Männer an den

reichbesetzten Tisch geführt, während die Weiber die Braut ankleiden.

Ist dies geschehen, dann wird sie von dem Bruder oder nächsten

männlichen Verwandten zu dem Koom und dem Stavri geführt, deren Hände

sie zu küssen hat, und darauf in die Küche, wo gegenüber dem brennenden

Herd ihre Eltern Platz genommen haben. Sie wirft sich hier vor dem

Herd auf die Erde, küßt diese oder die Herdsteine, verbeugt sich dann

vor den Eltern, küßt ihnen die Hände und empfängt dafür ihren Segen.

Darauf geht man in die Kirche zur Trauung (Abb. 415) und von dort nach

dem Hause des jungen Gatten. Hier muß die junge Frau, wenn sie vom

Wagen gestiegen ist, zunächst über einen Sack Hafer, einen Pflug und

schließlich über die Türschwelle schreiten, sodann wird sie von einer

Frau begrüßt, die ihr ein kleines Kind hinhält, das sie möglichst hoch

aufheben und küssen muß. Dann erst darf sie ihr neues Heim betreten.

Die Eltern des angetrauten Gatten empfangen sie in der Küche, wo sie

sich gegenüber dem Herdfeuer niedergelassen haben. Nachdem sie auch

deren Hände geküßt hat, führt die Schwiegermutter sie dreimal um den

neuen Herd herum und gibt ihr in die Hand eine Schaufel, mit der sie

die auf dem Herde brennenden Kohlen auf einen Haufen zusammenfegen muß.

Damit sind die eigentlichen Hochzeitszeremonien erledigt; es beginnt

darauf Schmausen, Trinken und Tanzen der Festgäste.

Ähnlich wie bei den Serben sind die Hochzeitsgebräuche mit geringen

Abweichungen auch bei den +Bulgaren+. Hier begegnet man noch der

eigentümlichen Sitte, daß die jung Verheirateten für eine Woche in

ihrem eigenen Hause eingeschlossen werden, während deren niemand sie

besuchen darf. Nach Ablauf dieser Zeit kommen die verheirateten Frauen

und führen die junge Frau an den Dorfbrunnen oder zu einer Quelle, um

die sie dreimal herumgehen muß, offenbar ein Fruchtbarkeitsritus, wie

ihn die Volkskunde auch in Europa noch verschiedentlich nachgewiesen

hat. Bei den Bulgaren Mazedoniens geht die Trauung durch den Priester

vor einem eigenartig anmutenden Altare vor sich, nämlich einem Weinfaß,

das auf einem Kuchen steht. Die Brautleute trinken bei der Trauung

geweihten Wein aus einem Glase und gehen dreimal um diesen sonderbaren

Altar herum, während die Gäste sie mit Süßigkeiten und Früchten

bewerfen. Bei ihrer Ankunft im neuen Heim bestreicht die junge Frau

alle Schwellen, die sie im Hause zu überschreiten hat, mit Honig, was

gewiß auch als Überrest eines Opfers an die Ahnen aufzufassen ist.

Schmaus, Tanz und Gesang machen auch hier einen wichtigen Bestandteil

der Hochzeitsfeier aus (Abb. 425).

[Illustration:

Phot. Newton & Co.

Abb. 424. Hochzeitszug bei den Serben.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 179 / 203 题