(Provinz Minho), den jede Braut zehn Meilen im Umkreis aufsucht, weil
dies Glück bringen und die frommen Wünsche, die im Schatten dieses
Steines vorgebracht werden, in Erfüllung gehen sollen.]
Besonders Kinder glaubt das Volk am leichtesten dem Einfluß der bösen
Mächte ausgesetzt; um diesen abzuwehren oder wieder unschädlich zu
machen, kennt es zahlreiche Mittel. Am beliebtesten ist das schon
geschilderte Entgegenhalten der Hand, das übrigens schon von den alten
Römern als Abwehrmaßregel geübt wurde; ferner kommen als solche Mittel
noch in Betracht das Umhängen von Amuletten (kleine Nachbildungen
der „Feige“ in Gold, Silber, Blei oder, was besonders wirksam sein
soll, in roter Koralle, aus denselben Stoffen hergestellte figürliche
Darstellungen von Sirenen, das sind Weiber mit Fischschwanz, kleine
Hörner, Phalli, Türkise, Perlen und manches andere der Art) um den
Hals der Kleinen, das Anbringen von großen Kuhhörnern an der Tür oder
vor dem Hause, das Anspeien der Kinder in dem Augenblick, wo man
annimmt, daß sie vom bösen Blick betroffen worden sind, und dergleichen
(Abb. 391). Auch die sonst besonders bei den slawischen Völkern sehr
verbreitete Furcht vor bösen Hexen, Zauberern, Druden und anderen
dämonischen Wesen, die dem Kinde ein Leid antun, es wohl auch gegen
einen sogenannten Wechselbalg eintauschen, spukt im italienischen
Volke. Allgemein ist der Aberglaube, daß eine solche Hexe von dem
Kinde Besitz ergreifen könne, wenn man seine Wäsche in der Nacht zum
Trocknen draußen hängen läßt. Daher pflegt die italienische Mutter
diese sorgsam vor Einbrechen der Dunkelheit hereinzuholen. Unterläßt
sie diese Vorsichtsmaßregel, dann kann sie den Zauber dadurch wieder
lösen, daß sie die Wäsche erst am anderen Tage hereinnimmt, nachdem sie
tüchtig der Sonne ausgesetzt worden ist. Auch die kleinen Kinder, die
über das Ave-Maria-Läuten hinaus im Freien bleiben, fallen nach dem
Volksglauben den Hexen leicht zum Opfer. -- In der Bretagne hängt man
den Neugeborenen, um sie gegen Zauberei zu schützen, geweihtes Brot um
den Hals oder steckt ihnen solches in den Ärmel, muß aber jeden Tag
neues Brot dazu nehmen.
[Illustration: Abb. 389. Adventsfeier in Neapel.
Ländliche Musikanten spielen vor der Weihnachtskrippe.