Abb. 388. Ein Dolmen (vorgeschichtliches Grabmal) zu Barroza

(Provinz Minho), den jede Braut zehn Meilen im Umkreis aufsucht, weil

dies Glück bringen und die frommen Wünsche, die im Schatten dieses

Steines vorgebracht werden, in Erfüllung gehen sollen.]

Besonders Kinder glaubt das Volk am leichtesten dem Einfluß der bösen

Mächte ausgesetzt; um diesen abzuwehren oder wieder unschädlich zu

machen, kennt es zahlreiche Mittel. Am beliebtesten ist das schon

geschilderte Entgegenhalten der Hand, das übrigens schon von den alten

Römern als Abwehrmaßregel geübt wurde; ferner kommen als solche Mittel

noch in Betracht das Umhängen von Amuletten (kleine Nachbildungen

der „Feige“ in Gold, Silber, Blei oder, was besonders wirksam sein

soll, in roter Koralle, aus denselben Stoffen hergestellte figürliche

Darstellungen von Sirenen, das sind Weiber mit Fischschwanz, kleine

Hörner, Phalli, Türkise, Perlen und manches andere der Art) um den

Hals der Kleinen, das Anbringen von großen Kuhhörnern an der Tür oder

vor dem Hause, das Anspeien der Kinder in dem Augenblick, wo man

annimmt, daß sie vom bösen Blick betroffen worden sind, und dergleichen

(Abb. 391). Auch die sonst besonders bei den slawischen Völkern sehr

verbreitete Furcht vor bösen Hexen, Zauberern, Druden und anderen

dämonischen Wesen, die dem Kinde ein Leid antun, es wohl auch gegen

einen sogenannten Wechselbalg eintauschen, spukt im italienischen

Volke. Allgemein ist der Aberglaube, daß eine solche Hexe von dem

Kinde Besitz ergreifen könne, wenn man seine Wäsche in der Nacht zum

Trocknen draußen hängen läßt. Daher pflegt die italienische Mutter

diese sorgsam vor Einbrechen der Dunkelheit hereinzuholen. Unterläßt

sie diese Vorsichtsmaßregel, dann kann sie den Zauber dadurch wieder

lösen, daß sie die Wäsche erst am anderen Tage hereinnimmt, nachdem sie

tüchtig der Sonne ausgesetzt worden ist. Auch die kleinen Kinder, die

über das Ave-Maria-Läuten hinaus im Freien bleiben, fallen nach dem

Volksglauben den Hexen leicht zum Opfer. -- In der Bretagne hängt man

den Neugeborenen, um sie gegen Zauberei zu schützen, geweihtes Brot um

den Hals oder steckt ihnen solches in den Ärmel, muß aber jeden Tag

neues Brot dazu nehmen.

[Illustration: Abb. 389. Adventsfeier in Neapel.

Ländliche Musikanten spielen vor der Weihnachtskrippe.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 172 / 203 题