treffen in bannergeschmückten Segel- und Ruderbooten ein.]
In der +Bretagne+ wird an der Westküste, wo der Sardinenfang blüht,
am Morgen des +Sankt-Anna-Tages+ (26. Juli) die Fischerei gesegnet
(Abb. 373). Zu diesem Zwecke begibt sich die Geistlichkeit unter
Vorantragung von Kreuz und Heiligenbannern in feierlichem Zuge von
der Kapelle Notre-Dame de L’Armor (Unsere liebe Frau zur See) zum
Strand und schifft sich hier in Boote ein. Diese fahren etwa zwei bis
drei Seemeilen hinaus, wo ihnen die Boote von L’Orient und anderen
Küstenplätzen zu Hunderten entgegenkommen. Wenn alle Boote einen Kreis
gebildet haben, dessen Mitte die Fahrzeuge der Priester einnehmen,
wird von diesen der Segen gesprochen. -- Gerade in der Bretagne haben
sich noch zahlreiche andere fromme Gebräuche erhalten, die mit der
Vergebung der Sünden in Verbindung stehen und Anlaß zu bemerkenswerten
Volksfesten geben. Fast jede Kirche im Innern des Landes soll unter
der Obhut eines Schutzpatrons stehen, der im Gegensatz zu den für den
betreffenden Ort unwirksamen Heiligtümern der übrigen Kirchen nach
dem Glauben des Volkes und den Lehren der Priester die Macht besitzt,
Vergebung der Sünden zu erwirken. Manche dieser Heiligen sind berühmt
wegen ihrer Fähigkeit, den Männern besonderen Schutz zu verleihen,
andere wieder nehmen sich der Frauen und Kinder an, während einer von
ihnen, Sankt Kornelius, das Vieh unter seine besondere Obhut genommen
hat. Sein Vergebungsfest wird in der kleinen Kirche von Sankt Nicholas
zusammen mit dem des heiligen Nikodemus gefeiert. Diese Vergebung
findet alljährlich am ersten Sonnabend des Monats August statt; jeder
Besitzer von Vieh bringt das seinige dorthin, so daß die Wiesen um
die Kirche von Herden gleichsam übersät erscheinen. Die Segnung der
Tiere geschieht in der Weise, daß der Priester mit verschiedenen
Reliquien des Heiligen das Vieh berührt (Abb. 381). Darauf treibt jeder
Eigentümer seine Tiere wieder nach Hause, in dem sicheren Glauben, daß
sie im kommenden Jahre von Krankheit nicht heimgesucht werden können
und reiche Nachkommenschaft haben werden. -- In +Italien+ ist der
heilige +Antonius+ Schutzpatron des Viehs. An seinem Festtage sucht
der Geistliche alle Tiere in Haus und Hof auf, segnet sie und feit sie
gegen Krankheiten und Unglücksfälle im kommenden Jahre. Bei derselben
Gelegenheit werden auch Felder und Ernte gesegnet, um sie im besonderen
gegen Hagelschlag und Heuschrecken zu schützen.
[Illustration:
Phot. Clive Holland.