Abb. 371. Tarantellatänzer in Sorrent.]

Alle Südeuropäer sind in hohem Grade +strenge Anhänger der katholischen

Kirche+, der sie leidenschaftlich ergeben sind. Im besonderen

gilt dies für die Spanier, unter denen sich der Katholizismus des

allergrößten Ansehens erfreut. Nirgends in Europa begegnet man daher

so viel Geistlichen, Ordensgesellschaften (Mönchen und Nonnen),

Kirchen, Klöstern und Prozessionen, nirgends einem solchen Einfluß der

alleinseligmachenden Kirche wie in Frankreich, Spanien und Italien.

Der +Reliquiendienst+, desgleichen der +Glaube an Wundertaten+ treibt

hier besonders reiche Blüten. Mit großer Regelmäßigkeit wiederholen

sich die Wunder in dieser oder jener Stadt. Die Grotte zu Lourdes ist

bekannt. Sie hat dem Erscheinen der Jungfrau Maria ihr Entstehen zu

verdanken; alljährlich pilgern viele Tausende von Kranken aus aller

Herren Ländern nach dieser Wundergrotte, um Heilung von ihren Gebresten

zu finden (Abb. 375 und 394). In Neapel fließt das geronnene Blut

des heiligen Januarius alle Jahre an einem bestimmten Tage und zieht

gleichfalls Hunderttausende von frommen Menschen an, die dieses Wunder

mit eigenen Augen zu schauen begehren. Sankt Nikolaus in Bari besitzt

ein Wunderknie, aus dem dauernd Wasser rieselt, das man in kleinen

Gefäßen auffängt und im ganzen Lande als unfehlbares Mittel gegen alle

möglichen Krankheiten, sogar gegen gebrochene Beine, verkauft. Und so

ließen sich noch viele andere Stätten aufzählen, deren Besuch bei dem

Gläubigen Wunder wirken soll.

+Prozessionen+ (Abb. 374, 376, 378, 379 und 397) nach solchen Orten

finden beständig statt. Aber nicht nur zu solchen Wunderstätten

veranstaltet man feierliche Umzüge, sondern noch zu zahlreichen

anderen heiligen Plätzen, Kirchen, Klöstern, Kreuzen und so weiter,

die irgendwie mit einem der Heiligen in Beziehung stehen. Aus der

Zahl der Heiligenbilder, die solche Stätten zieren, aus der Menge der

Opfergaben, die dort hängen -- sie bestehen aus verschiedenartigen

Gegenständen, für gewöhnlich aus der Nachbildung eines einzelnen

Körperteiles, der durch die wundertätige Vermittlung des besonderen

Heiligen von seinem Schaden befreit wurde --, und aus der Anhäufung von

Geldspenden kann man auf die Volkstümlichkeit eines Heiligen Schlüsse

ziehen.

[Illustration:

Phot. Alinari.

Abb. 372. Umherziehende Musikanten in Kalabrien,

die zu Weihnachten von den Apenninen herabkommen, um vor dem Presepio,

einer rohen Darstellung der Krippe zu Bethlehem, auf ihren Pfeifen und

Dudelsäcken zu spielen und dazu zu singen.]

[Illustration:

Phot. W. A. Mansell & Co.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 165 / 203 题