Abb. 336. Nach der Weinernte zu Hungerford

gehen zwei Männer von Haus zu Haus und fordern von dem Hausvater für

jedes Familienmitglied einen Penny, von den Frauen aber einen Kuß.]

Die +Einladung zur Hochzeit+ erfolgt entweder durch die Brautleute

persönlich beziehungsweise einen ihrer nächsten Verwandten, meistens

die Eltern, oder auch durch einen Hochzeitsbitter oder Hochzeitslader.

Im ersteren Falle trägt das junge Paar in katholischen Gegenden

geweihtes Salz in den Schuhen oder sonst einen geweihten Gegenstand

mit sich herum, um sich vor bösen Einflüssen zu schützen. Natürlich

sind beide Brautleute bei diesem ihrem Rundgang aufs festlichste

geschmückt, meistens mit bunten Bändern, die Braut auch mit einer

bunten Schürze angetan. Auch der Hochzeitsbitter pflegt geputzt zu

sein, er trägt ein Sträußchen am Hute und im Knopfloch und oft einen

Stock in der Hand, der gleichfalls geschmückt ist, in Österreich mit

einem roten Apfel und einem Rosmarinstrauß. Die Einladungen werden

mündlich vorgebracht, öfters in bestimmten Formeln und in gebundener

Rede. Falls die Brautleute dieselben in eigener Person übermitteln,

pflegen sie, besonders ihren Verwandten und Paten, allerlei kleine

Geschenke mitzubringen und dafür allerlei für ihren zukünftigen

Haushalt brauchbare Gegenstände als Gegengabe in Empfang zu nehmen.

Früher erhielt die Braut darunter auch ein „Glücksbrot“, von dem sie

einige Scheiben in die erste von ihr im neuen Haushalt zu kochende

Suppe zu tun hatte, um Glück in der Ehe zu haben. In Holland werden die

Eingeladenen durch Übersendung einer Schachtel Süßigkeiten und einer

Flasche Wein, der die eigenartige Bezeichnung „Brautträne“ führt, zur

Teilnahme an der Hochzeit aufgefordert. In Niederösterreich besteht

die sonderbare Sitte, daß auch die Braut zu ihrer eigenen Hochzeit

eingeladen wird, und zwar durch den Bräutigam und seine Trauzeugen,

die sich in festlicher Kleidung morgens gegen zwei oder drei Uhr bei

ihr einfinden und sie in der Wohnung zu suchen haben. Bei dieser

Gelegenheit darf sich die Braut aber nicht im Schlafe überraschen

lassen, weil man daraus schließen könnte, sie werde keine gute Hausfrau

werden; anderseits darf sie auch nicht zu schnell von ihrem Zukünftigen

gefunden werden, weil man sonst leicht annehmen könnte, sie habe es mit

dem Heiraten sehr eilig. Deshalb versteckt sie sich, und je länger nach

ihr gesucht wird, um so mehr fühlt sie sich geehrt.

[Illustration: Abb. 337. Die Brautwerbung.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 153 / 203 题