Altdeutsche Ritter im Zuge.]

[Illustration:

Phot. The Folk-Lore Society.

Abb. 333. Girlandentag zu Castleton.

Am 29. Mai verfertigen die Glockenläuter des Ortes „Girlanden“, das

heißt Kronen von der Form eines Kirchturms, an deren oberem Ende ein

Blumenstrauß (die „Königin“) angebracht ist. Nach feierlichem Umzug

werden diese Girlanden auf die Zinnen der Kirche gesetzt.]

Noch eigenartiger sind die Werbegebräuche in Irland. Der Bräutigam und

ein Freund von ihm finden sich abends, natürlich mit einer Flasche

Whisky in der Tasche, im Hause der Auserwählten ein. Der Freund klopft

und gibt bekannt, daß er „eine Frau haben will“. Nachdem längere

Zeit hinter verschlossener Tür über diese Angelegenheit verhandelt

worden ist, läßt man den Bewerber, falls er willkommen ist, herein.

Unter großem Aufwand von Händeschütteln, Begrüßungen und Trinken wird

man unter einander über die Mitgift einig; hierauf erst läßt man

das Mädchen eintreten. Falls es sich nun etwa dem Beschlusse ihrer

Angehörigen widersetzen sollte, kann es von diesen eine tüchtige

Tracht Prügel erhalten. Am nächsten Morgen ladet man die Verwandten

zum Abendbrot ein; bei dieser Gelegenheit wird die Hälfte der Mitgift

erlegt. (Der Rest erst im nächsten Jahre, wenn das erste Kind geboren

worden ist.) Zwei Tage darauf findet die Hochzeit statt.

+Verlobte+ haben manche abergläubische Vorsichtsmaßregeln zu beachten,

denn sie sind vielen schädlichen Einflüssen ausgesetzt. Sie dürfen sich

gegenseitig keine Schuhe, ebensowenig eine Schere, ein Messer oder

Nadeln schenken, weil sonst ihre Liebe zertreten oder zerschnitten

werden könnte; sie dürfen, wenn sie zusammen sind, nicht Brot und

Butter anschneiden, weil sonst Zwist zwischen ihnen entstehen könnte;

sie dürfen auch nicht Pate stehen, weil sonst ihr Verhältnis sich

wieder lösen könnte, nicht zusammen verreisen, weil sonst Unglück über

sie hereinbrechen würde; die Braut darf sich vor ihrer Hochzeit

nicht in ihrem Brautkleid sehen lassen -- und noch viele andere

derartige Verhaltungsvorschriften.

[Illustration: Bauernhochzeit auf der Schwäbischen Alb.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 151 / 203 题