Christus trägt sein Kreuz.]

Die +Werbung+ (Abbildung 337) wird von den jungen Burschen entweder

persönlich vorgebracht oder sie geschieht durch Vermittlung von

Verwandten oder guten Freunden, die für ihre Bemühungen, falls sie zum

Ziele führen, bei der Hochzeit belohnt werden, entweder mit Geld oder

durch andere Geschenke, wie eine Weste, ein Paar Stiefel, früher auch

ein Paar Beinkleider und selbst einen Pelz (daher der Name Kuppelpelz).

Diese Vermittler gehen entweder ohne Umschweife auf ihr Ziel los oder

sie schlagen allerlei Umwege ein, um ihr Anliegen vorzubringen, ganz

wie wir dies früher mehrfach bei den Naturvölkern kennen gelernt haben.

Zuweilen geben die Eltern der Auserwählten dem Werber durch die Art

der Aufnahme zu verstehen, ob er ihnen willkommen ist oder nicht. Wird

er zum Beispiel gut bewirtet, dann darf er sich Hoffnung machen, daß

sein Vorschlag Gehör finden werde. In Schlesien erbittet er sich „e

bißle Tobakfüer“. Wird ihm dieses verweigert unter dem Vorwand, daß

kein Feuer vorhanden sei, dann bedeutet dies einen Korb; ebenso in

Oberhessen, wenn man dem Vermittler Käse vorsetzt, während Bewirtung

mit Wurst und Eiern ausdrückt, daß der Freier willkommen ist. Die

abgewiesenen Burschen brauchen natürlich für den Spott der übrigen

nicht zu sorgen. In Österreich wird bei der Brautschau zunächst gar

nicht von dem eigentlichen Zweck des Besuches gesprochen, sondern ein

Viehkauf oder ein ähnliches Geschäft vorgeschützt. Nachdem man darüber

nach längerer Erörterung einig geworden ist, wird das Abendessen

aufgetragen. Bei dieser Gelegenheit macht der junge Mann der von ihm

Auserwählten in Gegenwart der Eltern Geschenke. In manchen Gegenden ist

es üblich, daß er ein Kalb mitbringt und im Kuhstall stehen läßt; am

Hochzeitstage wird dieses dann festlich ausgeputzt. Gefällt in Holland

einem jungen Mann ein Mädchen, dann sucht er im besten Staat das Haus

seiner Auserwählten auf und bleibt dort bis zum Abend; während der

ganzen Unterhaltung verliert man kein Wort über den Grund des Besuches,

obwohl dieser kein Geheimnis für die Eltern und ihre Tochter ist. Wenn

dann die Zeit zum Schlafengehen gekommen ist, zieht sich die Familie

in ihre Gemächer zurück, nur die beiden jungen Leute bleiben und

unterhalten sich über alle möglichen Dinge, nur nicht über ihre Liebe.

Das Mädchen gibt indessen auf andere Weise dem Bewerber zu verstehen,

ob es ihm geneigt ist. Läßt es nämlich das Herdfeuer herunterbrennen,

dann will es ihm damit andeuten, daß er sich keine Hoffnung machen

dürfe; schürt es dagegen die Flamme, dann zeigt es dem Freier dadurch

an, daß es ihm wohl gesinnt sei.

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 332. Szene von der Prozession des heiligen Blutes zu Brügge.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 150 / 203 题