Abb. 326. Tanzende Kinder auf einem Platze von Antwerpen

während der Kirmes.]

[Illustration:

Phot. Gebr. Haeckel, Berlin.

Abb. 327. Kurzweil bei der Weinlese,

bei der es sehr heiter zuzugehen pflegt und noch allerlei

althergebrachte ländliche Sitten geübt werden.]

An bestimmten Tagen, so behauptet der Volksglaube, gelingt es den

jungen Burschen und Mädchen, den Schleier zu lüften; am meisten

Aussicht hierfür bietet der Andreasabend. Beim Zubettgehen stößt man

mit dem Fuß an das untere Ende der Bettstatt, sagt einen bestimmten

Vers her und sieht dann den Geliebten im Traum, oder man wirft, den

Rücken der Tür zugekehrt, nachts zwölf Uhr einen Pantoffel rückwärts

über den Kopf: fällt derselbe mit der Spitze nach der Stube, dann

ist dies ein Zeichen, daß sich bald ein Freier einfinden wird; fällt

er aber umgekehrt, dann bleibt er aus. Das Mädchen kann auch um

Mitternacht zu einem Brunnen gehen und hineinblicken, um das Bild

des Zukünftigen zu schauen, oder um die gleiche Stunde nackend das

Zimmer kehren, worauf der Gewünschte seinen Schatten an der Wand

zeigt. An anderen Orten schreiben die jungen Burschen oder Mädchen die

Buchstaben des Alphabets an die Stubentür und gehen verbundenen Auges

mit vorgestreckter Hand auf sie zu; der Buchstabe, den sie dabei mit

dem Finger berühren, zeigt ihnen den Anfangsbuchstaben des Namens ihrer

späteren Ehehälfte an. Auch decken sie wohl Schlag zwölf Uhr nachts in

der Mitte der Stube einen Tisch, stellen Lichter und zwischen diesen

ein Glas Wasser, ein Glas Wein, ein Stück Brot und ein Messer auf,

worauf sie aus einem Versteck der Dinge harren, die da kommen sollen.

Der oder die Zukünftige erscheint dann und beginnt von den vorgesetzten

Speisen zu genießen. Trinkt die Erscheinung von dem Wasser, dann wird

man mit seinem Ehegespons ein armseliges Leben fristen, genießt sie

dagegen von dem Weine, dann wird das gemeinsame Leben in Wohlstand

verlaufen. Schneidet der gespenstige Besuch aber von dem Brote ab,

dann muß der die Zukunft Erforschende am anderen Morgen das Messer

vor Sonnenaufgang an einer verborgenen Stelle tief vergraben, weil

er sonst Gefahr liefe, späterhin von seinem Gatten oder seiner Gattin

erstochen zu werden. -- Ähnliche Gebräuche bestehen am St. Thomastag

(21. Dezember) und am Silvesterabend, auch in der Christnacht, zu

Ostern und zu Johanni. Am Silvesterabend gießt man geschmolzenes Blei

ins Wasser und deutet aus den seltsamen Gebilden, die dabei entstehen,

den Beruf des Zukünftigen, oder man läßt in einer mit Wasser gefüllten

Schüssel kleine Lichtchen oder Zettel mit Namen in einer Nußschale oder

auf Korken schwimmen und beobachtet, welche Schiffchen aufeinander

zuschwimmen oder zusammenstoßen (Abb. 301); diejenigen, denen sie

gehören, geben dann ein Paar ab. In der Christnacht muß das Mädchen

mit dem Schlüsselbund zum Fenster hinausklappern und aufpassen, aus

welcher Gegend der Schall widerklingt; aus dieser steht der Freier zu

erwarten. Oder es nimmt aus fließendem Wasser eine Anzahl Kieselsteine;

ist ihre Anzahl paarig, dann heiratet es im nächsten Jahre. Auch

kann sich das Mädchen völlig entkleidet auf den Feuerherd stellen

und in den Schornstein oder in das Ofenloch gucken, dann erblickt

es den ihm bestimmten Bräutigam. Auch kann es schließlich in der

Weihnachtsnacht im Evakostüm in einen Spiegel sehen, bis der Zukünftige

darin erscheint. -- Auf den Britischen Inseln besteht ein ähnlicher

Aberglaube. Auf der Insel Man deuten die Mädchen aus dem Verhalten

der ausgeglühten Asche auf dem Herde am anderen Morgen ihre Zukunft,

oder sie begeben sich am Abend vor Allerheiligen, den Mund mit Wasser

und die Hände mit Salz gefüllt, zum übernächsten Hause und horchen

auf den ersten Namen, der dort ausgesprochen wird; dieser ist dann

der Name des Zukünftigen. Die Mädchen von Guernsey suchen neun Morgen

lang stillschweigend, ohne vorher etwas gegessen zu haben, die Sankt

Georgsquelle auf und legen silberne Sachen in eine dazu bestimmte

Nische, dann steht in neunmal neun Wochen ihre Hochzeit bevor. Eine

Irin pflegt dreimal um einen Spiegel herumzugehen und im Namen des

Teufels einen Apfel mit neuen Stecknadeln zu bestecken; darauf

erscheint ihr im Spiegel der Mann, der sie heiraten wird. Und auf den

Hebriden legen sich die heiratslustigen Mädchen ein Stück Kohl unter

ihr Kopfkissen, um von ihrem Zukünftigen zu träumen.

Zahlreich sind die +Mittel, deren sich Verliebte bedienen, um

Gegenliebe zu finden+. Um ein paar Beispiele anzuführen, so muß der

Betreffende Haare oder Kleidungstücke von der Person, die er an sich

fesseln will, in einem neuen Gefäße kochen, worauf der sehnsüchtig

Erwartete sich dort, wo seine Liebe „gesotten“ wird, einfinden wird.

Auch kann man dem zur Ehe Begehrten Fledermausblut oder eigenes Blut,

bei einem Mädchen Menstrualblut, oder andere Ausscheidungen des

Körpers in das Bier schütten, wobei das Hersagen von Zauberformeln und

Beschwörungen die Sache fördern soll, ferner die Kleider oder die Hand

der geliebten Person mit der „Hand“ eines Frosches, den man in einen

Ameisenhaufen vergraben hatte, berühren oder seine eigenen Kleider an

diejenigen des anderen heften, und zwar mit einer Nadel, mit der man

ein in Kopulation befindliches Froschpaar durchstochen hatte, und was

dergleichen abergläubische Gebräuche mehr sind. Auf der anderen Seite

aber kennt der Volksaberglaube auch Mittel und Wege, um eine lästig

gewordene Person wieder von sich zu stoßen.

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 328. Prozession des heiligen Blutes zu Brügge.

Eine Reliquie mit einigen kostbaren Tropfen Blut von einem Heiligen

wird Mitte Mai von der Kapelle, die 1150 durch Thierry von Elsaß und

Sybilla von Anjou gestiftet wurde, feierlich durch die Stadt getragen.]

[Illustration:

Phot. The Sport & General Preß Agency.

Abb. 329. Fisch-Erntedankfest.

Zu Ehren des Märtyrers Sankt Magnus werden in der Kirche Fische als

Dankesgaben dargebracht.]

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 330. Kinder in Landestracht bei einem festlichen Zuge durch die

Straßen von Gent,

der jährlich am dritten Samstag im Juli veranstaltet wird.]

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 331. Szene von der Prozession des heiligen Blutes zu Brügge.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 149 / 203 题