während der Kirmes.]
[Illustration:
Phot. Gebr. Haeckel, Berlin.
Abb. 327. Kurzweil bei der Weinlese,
bei der es sehr heiter zuzugehen pflegt und noch allerlei
althergebrachte ländliche Sitten geübt werden.]
An bestimmten Tagen, so behauptet der Volksglaube, gelingt es den
jungen Burschen und Mädchen, den Schleier zu lüften; am meisten
Aussicht hierfür bietet der Andreasabend. Beim Zubettgehen stößt man
mit dem Fuß an das untere Ende der Bettstatt, sagt einen bestimmten
Vers her und sieht dann den Geliebten im Traum, oder man wirft, den
Rücken der Tür zugekehrt, nachts zwölf Uhr einen Pantoffel rückwärts
über den Kopf: fällt derselbe mit der Spitze nach der Stube, dann
ist dies ein Zeichen, daß sich bald ein Freier einfinden wird; fällt
er aber umgekehrt, dann bleibt er aus. Das Mädchen kann auch um
Mitternacht zu einem Brunnen gehen und hineinblicken, um das Bild
des Zukünftigen zu schauen, oder um die gleiche Stunde nackend das
Zimmer kehren, worauf der Gewünschte seinen Schatten an der Wand
zeigt. An anderen Orten schreiben die jungen Burschen oder Mädchen die
Buchstaben des Alphabets an die Stubentür und gehen verbundenen Auges
mit vorgestreckter Hand auf sie zu; der Buchstabe, den sie dabei mit
dem Finger berühren, zeigt ihnen den Anfangsbuchstaben des Namens ihrer
späteren Ehehälfte an. Auch decken sie wohl Schlag zwölf Uhr nachts in
der Mitte der Stube einen Tisch, stellen Lichter und zwischen diesen
ein Glas Wasser, ein Glas Wein, ein Stück Brot und ein Messer auf,
worauf sie aus einem Versteck der Dinge harren, die da kommen sollen.
Der oder die Zukünftige erscheint dann und beginnt von den vorgesetzten
Speisen zu genießen. Trinkt die Erscheinung von dem Wasser, dann wird
man mit seinem Ehegespons ein armseliges Leben fristen, genießt sie
dagegen von dem Weine, dann wird das gemeinsame Leben in Wohlstand
verlaufen. Schneidet der gespenstige Besuch aber von dem Brote ab,
dann muß der die Zukunft Erforschende am anderen Morgen das Messer
vor Sonnenaufgang an einer verborgenen Stelle tief vergraben, weil
er sonst Gefahr liefe, späterhin von seinem Gatten oder seiner Gattin
erstochen zu werden. -- Ähnliche Gebräuche bestehen am St. Thomastag
(21. Dezember) und am Silvesterabend, auch in der Christnacht, zu
Ostern und zu Johanni. Am Silvesterabend gießt man geschmolzenes Blei
ins Wasser und deutet aus den seltsamen Gebilden, die dabei entstehen,
den Beruf des Zukünftigen, oder man läßt in einer mit Wasser gefüllten
Schüssel kleine Lichtchen oder Zettel mit Namen in einer Nußschale oder
auf Korken schwimmen und beobachtet, welche Schiffchen aufeinander
zuschwimmen oder zusammenstoßen (Abb. 301); diejenigen, denen sie
gehören, geben dann ein Paar ab. In der Christnacht muß das Mädchen
mit dem Schlüsselbund zum Fenster hinausklappern und aufpassen, aus
welcher Gegend der Schall widerklingt; aus dieser steht der Freier zu
erwarten. Oder es nimmt aus fließendem Wasser eine Anzahl Kieselsteine;
ist ihre Anzahl paarig, dann heiratet es im nächsten Jahre. Auch
kann sich das Mädchen völlig entkleidet auf den Feuerherd stellen
und in den Schornstein oder in das Ofenloch gucken, dann erblickt
es den ihm bestimmten Bräutigam. Auch kann es schließlich in der
Weihnachtsnacht im Evakostüm in einen Spiegel sehen, bis der Zukünftige
darin erscheint. -- Auf den Britischen Inseln besteht ein ähnlicher
Aberglaube. Auf der Insel Man deuten die Mädchen aus dem Verhalten
der ausgeglühten Asche auf dem Herde am anderen Morgen ihre Zukunft,
oder sie begeben sich am Abend vor Allerheiligen, den Mund mit Wasser
und die Hände mit Salz gefüllt, zum übernächsten Hause und horchen
auf den ersten Namen, der dort ausgesprochen wird; dieser ist dann
der Name des Zukünftigen. Die Mädchen von Guernsey suchen neun Morgen
lang stillschweigend, ohne vorher etwas gegessen zu haben, die Sankt
Georgsquelle auf und legen silberne Sachen in eine dazu bestimmte
Nische, dann steht in neunmal neun Wochen ihre Hochzeit bevor. Eine
Irin pflegt dreimal um einen Spiegel herumzugehen und im Namen des
Teufels einen Apfel mit neuen Stecknadeln zu bestecken; darauf
erscheint ihr im Spiegel der Mann, der sie heiraten wird. Und auf den
Hebriden legen sich die heiratslustigen Mädchen ein Stück Kohl unter
ihr Kopfkissen, um von ihrem Zukünftigen zu träumen.
Zahlreich sind die +Mittel, deren sich Verliebte bedienen, um
Gegenliebe zu finden+. Um ein paar Beispiele anzuführen, so muß der
Betreffende Haare oder Kleidungstücke von der Person, die er an sich
fesseln will, in einem neuen Gefäße kochen, worauf der sehnsüchtig
Erwartete sich dort, wo seine Liebe „gesotten“ wird, einfinden wird.
Auch kann man dem zur Ehe Begehrten Fledermausblut oder eigenes Blut,
bei einem Mädchen Menstrualblut, oder andere Ausscheidungen des
Körpers in das Bier schütten, wobei das Hersagen von Zauberformeln und
Beschwörungen die Sache fördern soll, ferner die Kleider oder die Hand
der geliebten Person mit der „Hand“ eines Frosches, den man in einen
Ameisenhaufen vergraben hatte, berühren oder seine eigenen Kleider an
diejenigen des anderen heften, und zwar mit einer Nadel, mit der man
ein in Kopulation befindliches Froschpaar durchstochen hatte, und was
dergleichen abergläubische Gebräuche mehr sind. Auf der anderen Seite
aber kennt der Volksaberglaube auch Mittel und Wege, um eine lästig
gewordene Person wieder von sich zu stoßen.
[Illustration:
Phot. The Exclusive News Agency.
Abb. 328. Prozession des heiligen Blutes zu Brügge.
Eine Reliquie mit einigen kostbaren Tropfen Blut von einem Heiligen
wird Mitte Mai von der Kapelle, die 1150 durch Thierry von Elsaß und
Sybilla von Anjou gestiftet wurde, feierlich durch die Stadt getragen.]
[Illustration:
Phot. The Sport & General Preß Agency.
Abb. 329. Fisch-Erntedankfest.
Zu Ehren des Märtyrers Sankt Magnus werden in der Kirche Fische als
Dankesgaben dargebracht.]
[Illustration:
Phot. The Exclusive News Agency.
Abb. 330. Kinder in Landestracht bei einem festlichen Zuge durch die
Straßen von Gent,
der jährlich am dritten Samstag im Juli veranstaltet wird.]
[Illustration:
Phot. The Exclusive News Agency.
Abb. 331. Szene von der Prozession des heiligen Blutes zu Brügge.