am Vorabend des Dreikönigstages.]
In katholischen Ländern besteht vielfach das Verbot, am Karfreitag
die Kirchenglocken zu läuten. Um nun die Leute auf den Beginn der
Messe aufmerksam zu machen, behilft man sich damit, daß man zur
festgesetzten Stunde Chorknaben mit hölzernen Klappern, den sogenannten
Ratschen, die Straßen durchziehen läßt und dadurch das Glockenläuten
ersetzt. -- Aus den deutschen katholischen Ländern kennen wir noch
eine andere eigenartige Sitte. Am Morgen des Sonnabends vor Ostern
werden in den Kirchen alle Lichter ausgelöscht und mit Hilfe von Stahl
und Feuerstein, Brennspiegel oder Kristallinsen ein „neues“ Feuer
erzeugt, an dem man dann erst wieder die Altarkerzen anzündet. In
feierlichem Zuge begibt man sich danach auf den Kirchhof, wo vorher
ein mächtiger Holzstoß errichtet wurde, und zündet diesen mit einer
der Osterkerzen an, verbrennt auch in seiner lodernden Flamme die
Wolle, die der Priester bei der Taufe oder beim Spenden der Letzten
Ölung zum Abwischen des Wassers oder des heiligen Öles gebraucht
hat, Kirchenlichterreste und alte Meßgewänder; schließlich wirft
man an manchen Orten noch eine Strohfigur hinein, die den Verräter
Judas Ischariot vorstellen soll. Hier haben wir es wiederum mit einem
Überbleibsel jener alten heidnischen Freudenfeuer zu tun, die in der
Vorzeit zu Ehren der im Kampfe mit den froststarrenden Winterriesen
siegreichen Licht- und Frühlingsgöttin emporloderten und vermöge ihrer
reinigenden Kraft die Unheil bringenden Dämonen vertreiben sollten.
[Illustration:
Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.