Abb. 297. Glöckelsinger im Sarntal

am Vorabend des Dreikönigstages.]

In katholischen Ländern besteht vielfach das Verbot, am Karfreitag

die Kirchenglocken zu läuten. Um nun die Leute auf den Beginn der

Messe aufmerksam zu machen, behilft man sich damit, daß man zur

festgesetzten Stunde Chorknaben mit hölzernen Klappern, den sogenannten

Ratschen, die Straßen durchziehen läßt und dadurch das Glockenläuten

ersetzt. -- Aus den deutschen katholischen Ländern kennen wir noch

eine andere eigenartige Sitte. Am Morgen des Sonnabends vor Ostern

werden in den Kirchen alle Lichter ausgelöscht und mit Hilfe von Stahl

und Feuerstein, Brennspiegel oder Kristallinsen ein „neues“ Feuer

erzeugt, an dem man dann erst wieder die Altarkerzen anzündet. In

feierlichem Zuge begibt man sich danach auf den Kirchhof, wo vorher

ein mächtiger Holzstoß errichtet wurde, und zündet diesen mit einer

der Osterkerzen an, verbrennt auch in seiner lodernden Flamme die

Wolle, die der Priester bei der Taufe oder beim Spenden der Letzten

Ölung zum Abwischen des Wassers oder des heiligen Öles gebraucht

hat, Kirchenlichterreste und alte Meßgewänder; schließlich wirft

man an manchen Orten noch eine Strohfigur hinein, die den Verräter

Judas Ischariot vorstellen soll. Hier haben wir es wiederum mit einem

Überbleibsel jener alten heidnischen Freudenfeuer zu tun, die in der

Vorzeit zu Ehren der im Kampfe mit den froststarrenden Winterriesen

siegreichen Licht- und Frühlingsgöttin emporloderten und vermöge ihrer

reinigenden Kraft die Unheil bringenden Dämonen vertreiben sollten.

[Illustration:

Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 143 / 203 题