An den +Karfreitag+ oder Stillen Freitag knüpfen sich allerhand
abergläubische Vorstellungen. In Deutschland herrscht durchweg die
Meinung, daß man an diesem Tage, wie in manchen Gegenden in der Stillen
oder Marterwoche überhaupt -- in Flandern führt sie die Bezeichnung
„Teufelswoche“ --, keine gewöhnlichen Arbeiten vornehmen, also nicht
waschen und im Freien trocknen, nicht zimmern, schneidern, schustern,
weben, keinen Dünger aufs Feld fahren, keine Reise unternehmen
dürfe und so fort, da sonst Unglück heraufbeschworen werde; so wird
beispielsweise auch selten ein Dienstmädchen am Karfreitag seine
Stelle wechseln. Ferner knüpfen sich an diesen Tag verschiedene
Gebräuche, durch die man allem Unheil vorbeugen und vor allem sich
vor Krankheit schützen zu können meint. So glaubt man in England, daß
am Karfreitag zu Pulver zerriebenes Brot ein Allheilmittel gegen alle
möglichen Gebrechen sei, in Ungarn, daß das Abschneiden der Haare an
diesem Tage den Träger ein ganzes Jahr lang vor Kopfschmerzen bewahre,
sowie daß am Karfreitag aus dem Strom geschöpftes Wasser sich gegen
Augenleiden heilsam erweise. Auch übernatürliche Kräfte kann man sich
am Karfreitag aneignen, die übrigens ein an diesem Tage Geborener von
vornherein besitzt. In Schwaben ist der Glaube verbreitet, daß man in
der Abendstunde des Stillen Freitags imstande sei, verborgene Schätze
zu entdecken, die Schlüssel zur Hölle zu schmieden, um damit den
Fürsten der Unterwelt zu bannen, und dergleichen.
[Illustration:
Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.