Krampusverkäufer auf den Straßen Wiens.]

Der +Gründonnerstag+ hat seinen Namen wahrscheinlich von der

heidnischen Sitte erhalten, um diese Zeit die Erstlinge der Felder,

die ersten grünen Gemüse, den Göttern zu opfern; diese Sitte kehrt in

dem christlichen Brauch wieder, am Gründonnerstag entweder gänzlich zu

fasten, was wohl mit dem Genuß des heiligen Abendmahls zusammenhängt,

oder doch sich auf den Genuß grünen Gemüses zu beschränken. Daher

schreibt die Volksitte noch jetzt vor, an diesem Tage Blumenkohl,

Rapunzeln, Spinat, Schnittlauch, Sprossenkohl, Brennesseln,

Taubnesseln, Kerbel, Scharbockskraut, Pimpernelle, Malven und andere

Frühlingsgewächse zu verspeisen. Sie werden entweder als einziges

Gericht (Salat) oder mit Teig verbacken genossen; in Böhmen sind

dies die sogenannten Spinatkrapfen, in Schwaben die Laubfrösche oder

Maultaschen. Von sonstigen Gründonnerstagspeisen erfreut sich noch

großer Beliebtheit der Honig. Man nimmt an, daß dieser bei den Opfern,

die man dem Thor darbrachte, eine große Rolle spielte. Daher schreibt

man dem Genuß des Honigs zur Osterzeit, der besonders am Gründonnerstag

auf keinem Tische fehlen darf, besondere Heilkräfte zu. Ein Honigbrot,

das man an diesem Tage nüchtern verzehrt, soll vor dem Biß toller Hunde

und giftiger Schlangen schützen. In Böhmen werfen die Knechte, nachdem

sie sich am Ostermorgen durch Waschen in fließendem Wasser gereinigt

haben, einen mit Honig bestrichenen Brotbissen in den Brunnen, um das

Wasser vor Ungeziefer zu bewahren, oder spritzen zu demselben Zweck mit

einer Rute Honig im Zimmer umher; auch legen sie mit Honig bestrichene

Brotscheiben in die junge Saat oder binden vor Sonnenaufgang durch

Honig gezogene Fäden um die Obstbäume, um deren Fruchtbarkeit zu

steigern.

Eine in katholischen Fürstenhäusern übliche Zeremonie des

Gründonnerstages ist die +Fußwaschung+, wie sie unter anderem an

dem Kaiserhofe zu Wien in Anwesenheit des ganzen Hofstaates, der

Minister und Diplomaten am Vormittag dieses Tages in der Hofburg an

zwölf Greisen vom Kaiser selbst unter großer Feierlichkeit vorgenommen

wird. An die Waschung schließt sich die Speisung von zwölf Armen an.

Auch bei den Mennoniten und den Mitgliedern der Brüdergemeinde ist

die Fußwaschung üblich. In dem protestantischen England begnügt man

sich bei Hofe damit, Speisen an Arme zu verteilen, und zwar an so

viel Personen, als der König und die Königin zusammen Jahre zählen.

Die Speisen werden für jeden Armen, der damit bedacht werden soll,

sorgfältig in einen Korb verpackt, weswegen der Gründonnerstag in

England auch den Namen Korbdonnerstag führt. Etwas Ähnliches hat sich

in Antwerpen erhalten. Hier werden im St.-Julien-Hospiz an diesem Tage

zwölf Armen, die indessen sich schon an einer Pilgerfahrt beteiligt

haben müssen, an einer Tafel die auserlesensten Gerichte und Getränke

vorgesetzt. -- Daß in christlichen Ländern am Abend des Gründonnerstags

das +Abendmahl+ zur Erinnerung an seine Einsetzung durch Christus mit

besonderer Feierlichkeit von den Gläubigen genommen wird, verdient

ebenfalls hervorgehoben zu werden.

[Illustration:

Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Abb. 295. Eine Maske in Appenzell,

wie sie am St. Nikolaustage unter Begleitung der Einwohner durch die

Straßen laufen.]

[Illustration:

Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Abb. 296. Teilnehmer an einer Maskerade am Nikolaustage zu Appenzell.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 141 / 203 题