Abb. 287. Inneres einer Pustertaler Hütte mit Hausweberei.]

Die am Gründonnerstag gelegten Eier schätzt das Volk besonders hoch

ein. In Süddeutschland behauptet man, daß diese bereits in der Henne

geweiht seien, ehe das Tier sie legt, und am Ostertage durch den

Priester eine zweite Weihe erhalten, so daß sie nunmehr eine besondere

Wirksamkeit besitzen. Am Ostersonntag nüchtern getrunken, verleihen sie

außergewöhnliche Kräfte, schützen vor Blitzgefahr, machen stichfest und

so weiter. In der Oberpfalz und in Oberfranken vergißt der Hausherr

niemals, ein Gründonnerstagsei zu essen, um gegen allerlei Krankheit

gefeit zu sein. Er gibt ein an diesem Tage gelegtes Ei sogar dem Vieh

zu fressen oder teilt ein solches in zwei Hälften, von denen er die

eine, in ein Läppchen eingewickelt, im Pferde-, die andere im Kuhstall

aufhängt, um dadurch Viehseuchen fernzuhalten. In Pommern steckt der

Bauer jedem Stück Vieh vor dem ersten Austreiben ein Ei ins Maul und

zwingt es, dasselbe hinunterzuschlucken; dadurch sollen die Kühe so

rund wie die Eier werden. In anderen Gegenden werden bei dem Beginn

der Feldarbeit zahlreiche Gründonnerstagseier über den Acker verstreut

oder unter das Korn gemischt, um große Fruchtbarkeit zu erzielen oder

die Saat vor Hagel zu schützen. Auch wirft man bei einem losbrechenden

Gewitter ein solches Ei über das Dach des Hauses, um dieses vor Blitz

zu schützen. Sieht man in der Kirche bei Sonnenschein durch ein solches

Ei, dann vermag man die in der Gemeinde vorhandenen Hexen zu erkennen;

überhaupt kann jeder, der ein solches Gründonnerstagsei bei sich trägt,

vieles erkennen, das anderen Menschen verborgen bleibt.

[Illustration: Abb. 288. Schwarzwälder Bauernhaus.]

[Illustration:

Phot. J. Valentine.

Abb. 289. Ein Hornbläser in Ripon.

In Ripon besteht noch jetzt die alte Sitte, jeden Abend um neun

Uhr blasen zu lassen, zuerst auf dem Marktplatz und dann vor dem

Bürgermeisterhause.]

Sehr verbreitet ist der Glaube an die heilende und verschönende Kraft

des +Osterwassers+ und an die reinigende des +Osterfeuers+. Die Sitte

des Osterwasserschöpfens hängt wohl mit der Vorstellung zusammen,

daß die Erde in derselben Weise, wie sie dem in sie hineingelegten

Samen den Trieb zum Sprossen und Blühen mitteilt, so auch dem aus

ihr fließenden Wasser eine besondere Kraft verleihe. Um Mitternacht

oder wenigstens vor Sonnenaufgang müssen die jungen Mädchen an einen

fließenden klaren Bach oder auch an den Dorfbrunnen (Abb. 313) gehen

und daraus schöpfen. Während bei dieser Beschäftigung in den meisten

Gegenden das Sprechen verpönt ist, wird es in anderen wieder gestattet

oder sogar gefordert, insofern man einen bestimmten Spruch beim

Schöpfen hersagen muß. In jenen suchen die Burschen, die die jungen

Mädchen begleiten, sie aus Übermut durch allerhand Neckereien zum

Sprechen oder Lachen zu bringen, und wer nun gegen die Vorschrift des

Schweigens verstößt, für den ist die Zauberkraft dahin. Diese aber ist

in den Augen des Volkes eine ganz außerordentliche. Osterwasser ist

gleichsam ein Allheilmittel gegen alle möglichen Krankheiten. Besonders

gern wird es gegen Hautkrankheiten angewandt; es soll dem Gesicht

Schönheit und Anmut verleihen. Man kocht auch die Speisen am Ostertage

mit solchem Wasser; ferner füllt man es auf Flaschen oder in Fässer, um

es später gegen allerlei Gebrechen zu trinken. Ähnliche Kräfte werden

dem Ostertau sowie etwa am Ostermorgen gefallenem Schnee zugeschrieben.

[Illustration:

Phot. J. Brocherel.

Abb. 290. Das Hornussen, ein Volksspiel der Schweizer.

Die eine Partei schlägt den Ball mit einem Schläger möglichst hoch

in die Luft, während die andere ihn, bevor er die Erde erreicht, mit

hölzernen Scheiben aufzufangen sucht.]

[Illustration:

Phot. The Tourist Traffic Society of Sweden.

Abb. 291. Weihnachtsfeier in Schweden.

Die an den Christbaum gesteckten Lichter werden am Heiligen Abend

angezündet. Am anderen Morgen vor der Christmesse pflegt man die

Lichter noch einmal anzuzünden und ins Fenster zu stellen.]

Die Sitte der Osterfeuer geht auf die reinigende Kraft der Flamme

zurück, mit der ursprünglich die Hexen und Dämonen des Winters

vertrieben werden sollten. In vielen Gegenden Deutschlands pflegt

das Volk am Abend des ersten Ostertages mit Vorliebe auf Anhöhen,

alten Opferstätten oder sonst durch Überlieferung geheiligten

Plätzen haushoch aufgetürmte Haufen Holz oder Reisig als Osterfeuer

anzuzünden. Vielfach wird noch mit Musik in festlichem Zuge zu der

Stätte hinausgezogen und getanzt oder sonstwie gefeiert; auch die

Kinder beteiligen sich mit allerlei Schabernack dabei. In einzelnen

Gegenden läßt man mit Teer gefüllte Tonnen oder flammende Wagenräder

die Berge hinunterrollen und begleitet diesen Vorgang mit lautem

Gejohle. Der Glaube an die reinigende Kraft des Feuers tritt noch in

einer ganzen Reihe anderer Gebräuche zutage. Im Braunschweigischen

behauptet man, daß, soweit die Helle der Osterfeuer reiche oder der

Rauch hinziehe, die Felder fruchtbar würden und von Hagel und Mißwachs

verschont blieben; die Häuser in diesem Umkreis seien vor Feuersbrunst

und Blitzschlag, ihre Insassen vor Krankheit geschützt. Man pflegt auch

vielfach die Asche des heruntergebrannten

Feuers auf die Äcker zu streuen oder unter das Futter beziehungsweise

die Saat zu mischen, um Gedeihen für Tiere und Pflanzen zu erzielen. In

der Altmark malt man mit Kohle das Zeichen des Kreuzes an die Haustür,

um seine Bewohner vor Hexen zu schützen, und mehr dergleichen. In

katholischen Gegenden werden am Ostersonntagmorgen überall auf den

Dörfern die +Speisen geweiht+. Nach dem Gottesdienst drängen sich

Frauen und Mägde um einen der Seitenaltäre zusammen und setzen hier

ihre Körbchen nieder, in denen Osterspeisen liegen, in der Hauptsache

mit Rosinen reichgespickte Kuchen, ein Stück Schinken und Salz. Der

Priester spricht über sie den Segen aus. Die Speisen werden sodann mit

besonderer Andacht zu Mittag gegessen, das Salz aber wird vielfach

aufgehoben und muß das ganze Jahr hindurch als Heilmittel gegen

Krankheit bei Menschen und Vieh dienen. Wie zu Weihnachten, so bäckt

man auch zu Ostern besondere +Gebäcke+, die man in Sachsen Osterfladen,

im Elsaß, in Oberbayern und in Böhmen Osterlaibel, in Wien Osterflecken

nennt. Es sind meistens dünne, flache Kuchen, die auf das Sonnenrad

anspielen. -- Auch Umzüge finden zu Ostern hier und dort noch statt.

In Wittichenau in Schlesien zum Beispiel setzen sich die männlichen

Dorfbewohner auf festlich geschmückten Pferden von der Kirche aus in

Bewegung; vor ihrem Aufbruch übergibt der Pfarrer den Teilnehmern

ein Kruzifix und ein geweihtes Banner, jeder Reiter nimmt noch ein

Psalmbuch mit, aus dem während des Rittes, dessen Ziel die umliegenden

Dörfer sind, vorgelesen und gesungen wird (Abb. 310).

[Illustration:

Märk. Provinzial-Museum, Berlin.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 139 / 203 题