auf einem Tanzboden im Freien (Zillertal).]
Das heilige Tier der Ostara war der Hase, ihr Lieblingsopfer waren
Eier; beide galten als Sinnbilder der wiedererwachenden Natur und
der Fruchtbarkeit, die im besonderen der Frühling mit sich bringt.
+Osterhase+ und +Ostereier+ sind daher eng mit den deutschen
Ostergebräuchen verknüpft. Lange vor dem Fest sammelt die Hausfrau
möglichst viel Eier an, färbt und bemalt sie mit schönen Mustern (Abb.
305) und versteckt sie am Ostermorgen, in kleine Nestchen gelegt, auf
die wiederum ein Osterhäschen gesetzt wird, im Haus, im Garten oder auf
der Wiese, wo die Kinder sie dann suchen. Auch Erwachsene beschenken
sich gegenseitig mit Ostereiern, wie die heidnischen Altvordern es
bereits taten; indessen sind an Stelle der ursprünglichen Hühnereier
jetzt zumeist Schokolade- oder Zuckereier, auch wohl Eier aus
Porzellan oder Metall getreten, die die auserlesensten Erzeugnisse des
Zuckerbäckers, in wohlhabenden Kreisen unter Umständen auch Gegenstände
kostbarerer Natur, Goldsachen und Juwelen, als Inhalt in sich bergen.
Mit den Ostereiern wird von den Kindern mancherlei Kurzweil getrieben.
Sehr verbreitet ist das Eierpicken (Abb. 306). Zwei Spieler verbergen
in der hohlen Hand ein Ei, so daß nur die Spitze hervorsieht, und
picken, das heißt stoßen die beiden Eierspitzen aneinander; wessen Ei
dabei unversehrt bleibt, der erhält das seines Gegners. Ein anderes am
Ostertage sehr beliebtes Volksspiel ist das Eierkullern oder Eierwalen
(Abb. 309). Auf einem Hügelabhang oder einer kleinen, besonders dazu
hergerichteten und geglätteten schrägen Bahn lassen die Spieler die
Eier hinabrollen; wessen Ei die der anderen trifft oder überholt, der
hat gewonnen. Vielfach sind die Eier außer Gebrauch gekommen; an ihre
Stelle sind Äpfel, Pfefferkuchen, sogar Würste getreten, die man den
Abhang hinabwirft, worauf sich die zahlreich unten versammelten Kinder
um sie balgen. In Süddeutschland wie auch in der Schweiz betreibt
man das Eierlaufen. Auf einer abgesteckten Bahn, am besten auf einer
Wiese, werden ein paar hundert Eier in Abständen von je einem Meter
verteilt und am Anfang derselben ein Korb aufgestellt. Ein Teilnehmer
an dem Spiel muß nun jedes Ei einzeln aufheben, zum Korbe zurückgehen
und das Ei hineinlegen. Währenddessen läuft ein anderer zu einem etwa
eine halbe Stunde entfernten Nachbardorf, um sich hier zu melden, und
begibt sich ebenso schnell wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück (Abb.
308). Wer nun seine Aufgabe zuerst gelöst hat, gilt für den „König“.
Allerlei Lustbarkeiten schließen sich an dieses Eierlaufen an.
[Illustration:
Phot. Wilhelm Müller, Bozen.