Abb. 281. Schuhplattler im Pustertal.]

Das Wort Fastnacht hat ursprünglich nichts mit dem Fasten zu tun,

es hängt vielmehr mit dem alten deutschen Worte _vahsen_, das

heißt in großer Ausgelassenheit toben, zusammen. In alten Zeiten

gab es die Vahsnächte, die mit Mariä Lichtmeß begannen und sich

bis Ostern hinzogen, in christlicher Zeit aber mit dem Beginn der

Fastenzeit endeten. Weil man sich in diesem Zeitraume erst noch

einmal ordentlich austoben wollte, bevor man sich Buße, Entbehrungen,

Fasten auferlegte, wurde das Wort Vahsnacht in Fastnacht umgewandelt.

In die Vahsnächte fiel auch der Frühlingsanfang, der Zeitpunkt der

Frühlings-Tagundnachtgleiche, an dem der Frühling über den Winter

endlich die Oberhand gewinnt, was Anlaß zu ausgelassener Freude gab.

Nach der alten Sage wurde die Sonnengöttin vom Winterriesen geraubt und

in ihrer Eisburg gefangengehalten; um den Menschen den Lenz bringen

zu können, mußte sie befreit werden. In dieser Auffassung finden

zahlreiche Spiele der Kinder ihre Erklärung. In Schleswig-Holstein

wurde von den Kindern bis in die Neuzeit herein ein Spiel gespielt,

bei dem sie einen Kreis (Mauer) mit einer in der Mitte sitzenden

Person, der Königstochter (Sonnengöttin), bildeten und die übrigen

Mitspielenden außerhalb des Ringes standen. Zwischen beiden Parteien

entspann sich nun ein Wechselgesang, bei dem die Außenstehenden den

Wunsch aussprachen, zur Königin gelangen zu wollen, die den Ring

Bildenden aber ihnen den Zutritt verwehrten und schließlich nur unter

der Bedingung gestatteten, daß sie die Mauer zerbrächen. Darauf

stürmten die Außenstehenden die Kette, sprengten sie und führten die

Königstochter im Triumphe davon. Anderen ums Frühjahr herum üblichen

Spielen, wie Hahnschlagen, Katzenschlagen, Ringreiten, Türkenstechen,

Rolandreiten und ähnlichen, liegt dieselbe Bedeutung zugrunde. Hahn und

Katze, der eine dem Donar, die andere der Freia geweiht, sitzen unter

dem Topfe; man sucht mit verbundenen Augen in die Nähe des Topfes zu

gelangen und diesen zu zertrümmern, aber nicht um die Tiere zu töten,

sondern um sie zu befreien. Beim Türkenstechen, Rolandreiten und so

weiter handelt es sich um eine Art Kampfspiele, in denen Roland oder

die Türken gleichbedeutend mit den Winterriesen sind.

[Illustration:

Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 135 / 203 题