Das Wort Fastnacht hat ursprünglich nichts mit dem Fasten zu tun,
es hängt vielmehr mit dem alten deutschen Worte _vahsen_, das
heißt in großer Ausgelassenheit toben, zusammen. In alten Zeiten
gab es die Vahsnächte, die mit Mariä Lichtmeß begannen und sich
bis Ostern hinzogen, in christlicher Zeit aber mit dem Beginn der
Fastenzeit endeten. Weil man sich in diesem Zeitraume erst noch
einmal ordentlich austoben wollte, bevor man sich Buße, Entbehrungen,
Fasten auferlegte, wurde das Wort Vahsnacht in Fastnacht umgewandelt.
In die Vahsnächte fiel auch der Frühlingsanfang, der Zeitpunkt der
Frühlings-Tagundnachtgleiche, an dem der Frühling über den Winter
endlich die Oberhand gewinnt, was Anlaß zu ausgelassener Freude gab.
Nach der alten Sage wurde die Sonnengöttin vom Winterriesen geraubt und
in ihrer Eisburg gefangengehalten; um den Menschen den Lenz bringen
zu können, mußte sie befreit werden. In dieser Auffassung finden
zahlreiche Spiele der Kinder ihre Erklärung. In Schleswig-Holstein
wurde von den Kindern bis in die Neuzeit herein ein Spiel gespielt,
bei dem sie einen Kreis (Mauer) mit einer in der Mitte sitzenden
Person, der Königstochter (Sonnengöttin), bildeten und die übrigen
Mitspielenden außerhalb des Ringes standen. Zwischen beiden Parteien
entspann sich nun ein Wechselgesang, bei dem die Außenstehenden den
Wunsch aussprachen, zur Königin gelangen zu wollen, die den Ring
Bildenden aber ihnen den Zutritt verwehrten und schließlich nur unter
der Bedingung gestatteten, daß sie die Mauer zerbrächen. Darauf
stürmten die Außenstehenden die Kette, sprengten sie und führten die
Königstochter im Triumphe davon. Anderen ums Frühjahr herum üblichen
Spielen, wie Hahnschlagen, Katzenschlagen, Ringreiten, Türkenstechen,
Rolandreiten und ähnlichen, liegt dieselbe Bedeutung zugrunde. Hahn und
Katze, der eine dem Donar, die andere der Freia geweiht, sitzen unter
dem Topfe; man sucht mit verbundenen Augen in die Nähe des Topfes zu
gelangen und diesen zu zertrümmern, aber nicht um die Tiere zu töten,
sondern um sie zu befreien. Beim Türkenstechen, Rolandreiten und so
weiter handelt es sich um eine Art Kampfspiele, in denen Roland oder
die Türken gleichbedeutend mit den Winterriesen sind.
[Illustration:
Phot. Schweizer. Gesellschaft f. Volkskunde.