Die Schmetterlinge gelten als die Dämonen der Malaria.]

Sehr oft versprechen die südamerikanischen Indianer ihre Kinder

bereits, wenn sie noch sehr jung sind. Bei den Jivaro geschieht dies

schon, wenn die Kinder noch an der Brust liegen. Mit sechs Jahren sind

dort die Mädchen bereits heiratsfähig und werden dann in das Haus des

ihnen zugesagten Gatten übergeführt; manchmal schickt man ein solches

Kind auch in noch jüngerem Alter dorthin. Dann nehmen die älteren

Frauen des Mannes sich desselben an, pflegen es und ziehen es nach

dem Geschmack des Gatten auf, bis es das heiratsfähige Alter erreicht

hat. Einige Stämme bestimmen das letztere in eigenartiger Weise. Sie

pflanzen bei der Geburt eines Mädchens drei bis vier Chontarurustämme

(eine Palmenart) um ihr Haus und pflegen diese aufs sorgsamste. Sobald

die Bäume die ersten Früchte tragen, gilt das Mädchen für reif zum

Heiraten. In Britisch-Guyana ist indessen kein junger Mann, wenn er

von seinen Eltern schon im Kindesalter verlobt worden sein sollte, an

dieses Versprechen gebunden; er bittet dann einfach darum, daß seine

Versprochene ihm alle ihr gemachten Geschenke, wie Perlen und andere

Schmuckgegenstände, zurückerstatte, und ist dann wieder frei. -- Bei

den Cordado haben die zukünftigen Verwandten der kindlichen Braut

die Pflicht, für diese zu sorgen. Stirbt ihr Vater oder verläßt er

die Mutter, dann zieht das Mädchen zu ihren zukünftigen Verwandten,

die fortan für seinen Unterhalt aufkommen. -- Wenn bei den Aruaken

von Guyana das Mädchen noch nicht das zur Heirat erforderliche

Alter erreicht hat, dann gibt sein Vater dem jungen Manne, dem es

versprochen wurde, entweder eine Witwe oder ein älteres unverheiratetes

weibliches Wesen aus der Familie zur Frau, die dann später die Dienerin

der eigentlichen Gattin wird. -- Bei den Mura, einem noch sehr

tiefstehenden Volkstamme, fechten die Anbeter eines jungen Mädchens

die Entscheidung, wer sie bekommen soll, durch einen Faustkampf unter

sich aus. -- Bei den Aruaken besteht ferner eine eigentümliche Art der

Werbung. Ein junger Mann, der ein Mädchen gern heiraten möchte, begibt

sich zu dessen Vater und beginnt ihm sein Leid zu klagen, wie schlimm

es einem Burschen gehe, der noch keine Frau habe. Der Vater pflichtet

dem mit allerlei schönen Redensarten bei, überläßt aber seiner Tochter

die Entscheidung, ob sie den Jüngling will. Setzt sie ihm Fleisch und

Getränke vor, dann weiß er, woran er ist, daß nämlich seine Werbung

ihre und ihres Vaters Zustimmung findet. Er ißt, was aufgetragen ist,

und der Ehebund ist damit geschlossen. Unter den südamerikanischen

Indianern fehlt es vielfach an einer +Hochzeitszeremonie+; doch wird

die Eheschließung meistens mit Trinkgelagen und Tänzen festlich

begangen. Bei den Tacuna am oberen Amazonenstrom führt man bei der

Feier einer Hochzeit, aber auch bei der Reife der Mädchen und anderen

Familienfestlichkeiten Maskentänze auf, die die Teufel zur Darstellung

bringen sollen. Bei den Carajá trennen die jungen Eheleute als

Zeichen der vollzogenen Ehe in der Hochzeitsnacht ihre langgefransten

Kniebänder und Manschetten auf, die, solange die Ehe bestehen bleibt,

nie wieder angelegt werden.

[Illustration:

Phot. E. Nordenskjöld.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 119 / 203 题