Die +Hauptnahrungsquelle+ (Abb. 225 und 228) sind im allgemeinen
Jagd und Fischfang. Fleisch und Fische pflegt man durch Rösten auf
Bratständern oder an Spießen, häufig auch in Erdgruben genießbar zu
machen; das eigentliche Kochen ist meistens unbekannt, weil vielfach
Töpfe überhaupt fehlen. Die Karaiben und Aruaken stellen aus der
sehr giftigen Wurzel der Manihotpflanze auf umständliche Weise ein
Mehl her, das ihre Hauptnahrung ausmacht. Einzelne Stämme huldigen
auch noch der Menschenfresserei (Abb. 227). Unter den +Genußmitteln+
steht der Tabak oben an. Er wird geraucht und geschnupft. Geraucht
wird der Tabak entweder in Form von großen, mit Maisblatt umhüllten
Zigaretten, die häufig mit einer Gabel als Stützvorrichtung (Abb. 230)
gehandhabt werden, oder in Pfeifen aus Holz oder Ton. Ganz merkwürdig
verfährt man beim Schnupfen; man bläst sich selbst oder gegenseitig das
Schnupfpulver mit Hilfe von Röhren in die Nase.
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 216. Ein Yabahanaindianer vom Rio Apaporis (Ostkolumbien).
Durch die Nasenscheidewand ist ein langer Stab aus glänzend schwarzem
Palmholz gezogen, der Halsschmuck besteht aus Wildschweinzähnen. Die
Armbänder und der Lendenschurz sind aus Bast angefertigt.]
[Illustration:
Phot. E. Nordenskjöld.
Abb. 217. Gesichtstatauierung der Chorotiindianer aus dem Gran Chaco
(Bolivia).]
[Illustration:
Phot. E. Nordenskjöld.
Abb. 218. Gesichtstatauierung der Chorotiindianer aus dem Gran Chaco
(Bolivia).]
[Illustration:
Phot. E. Nordenskjöld.
Abb. 219. Gesichtstatauierung der Chorotiindianer aus dem Gran Chaco
(Bolivia).]
Als +Waffen+ (Abb. 220 u. 229) dienen den südamerikanischen Indianern
Bogen und Pfeile, erstere häufig prächtig verziert, sowie Wurflanzen
mit in Gift getauchten Spitzen, die in manchen Gegenden mit einem
Wurfbrett geschleudert werden, Stoßlanzen und besonders auch Keulen;
hierzu tritt für einzelne Gebiete für die Jagd noch das Blasrohr (Abb.
231) mit gleichfalls vergiftetem Pfeil. Die Reiterstämme der Steppen
bedienen sich mit Vorliebe des Lassos und der Bola, einer Wurfkugel.
Die Verteidigungswaffen bestehen aus Schilden (Abb. 232) von Holz oder
Fell und aus Rüstungen, die man aus Fellen oder Geweben herstellt.
Eine Eigentümlichkeit besonders der Jivaros sind ihre +Siegestrophäen+
aus den abgeschnittenen und auf besondere Art zubereiteten Köpfen
erschlagener Feinde (Abb. 233 und 234), die sogenannten +Tsantsas+. Die
Haut des möglichst tief abgehauenen Kopfes wird durch Längsschnitt am
Hinterhaupt gespalten und mit Einschluß der Gesichtshaut auf geschickte
Weise von den darunterliegenden Knochen abgeschält, darauf in Wasser,
dem gewisse Kräuter, wohl zur Desinfektion, zugesetzt sind, gekocht
und schließlich über einen runden, heiß gemachten Stein gezogen, den
man nach und nach durch einen immer kleineren bis zur Größe einer
Orange ersetzt, während die Weichteile mit einem anderen, ebenfalls
heiß gemachten Stein wie mit einem Plätteisen von außen geglättet
werden. Der auf diese Weise ausgetrocknete, gleichsam mumifizierte
Kopf, in dessen Inneres man, um die Form zu erhalten, wohl noch heißen
Sand schüttet, wird als Siegeszeichen an einer Schnur aufgehängt.
Die Herbeischaffung eines Tsantsa von seiten eines Kriegers hat eine
große Festlichkeit (Tsantsa-Tucui) im Gefolge, zu der er sich würdig
vorbereiten muß. Dazu gehört auch eine lange Enthaltsamkeit vom
Genusse gewisser Speisen (so jeglichen Wildes, das durch Pfeil erlegt
wurde, und zahlreicher anderer Tiere); er darf nur Fische, Yukka,
Bananen und einige kleine Vögel, die mit einem Blasrohr erlegt wurden,
verzehren. Er muß ferner, wenn er sich ins Freie begibt, seine Lanze
zu Haus lassen, was für einen Wilden eine große Entsagung bedeutet,
und sich des geschlechtlichen Verkehrs enthalten. Außerdem bemalt
er seinen Körper mit schwarzen Linien und zieht einen ebensolchen
Streifen quer über das Gesicht von einem Ohr zum anderen. Diesen
Enthaltsamkeitsvorschriften muß er mehrere Monate bis zu zwei Jahren
nachkommen, man hörte selbst von einer Befolgung derselben auf sechs
bis zehn Jahre. Wer dagegen verstößt, lädt großes Unglück auf sich
und seine Familie, denn der Geist der Abgeschlachteten läßt ihn nicht
in Ruhe. Eine so lange Vorbereitungszeit ist auch darum erforderlich,
weil der junge Krieger sich erst die Nahrungsmittel zur Bewirtung
der zahlreichen Gäste, die sich zum Fest einfinden, beschaffen muß;
er muß Yukka und Bananen säen und sie ernten, um daraus durch Gärung
eine ungemeine Menge von Chicha herzustellen; er muß auch große Jagden
veranstalten, um das erforderliche Fleisch zu beschaffen, das dann für
lange Aufbewahrung besonders zubereitet wird. Der großen Kosten wegen
pflegen sich meistens mehrere Jünglinge zusammenzutun. Zum Feste selbst
finden sich alle Angehörigen, selbst solche aus den entferntesten
Gegenden ein. Ein mit der Leitung der Feier betrauter alter Mann nimmt
aus den Händen des Kriegers, der nun wieder mit Lanze erscheint,
den Tsantsa entgegen und taucht ihn nacheinander in eine Abkochung
von Tabak, in Chicha und schließlich in reines Wasser; nachdem er
hierauf den Helden des Tages genötigt hat, sich niederzusetzen, und
ihm diese verschiedenen Flüssigkeiten eingeflößt hat, nimmt dieser
seine Trophäe wieder in Empfang und hängt sie am Hauptpfosten seines
Hauses auf, der mit Blumen, ausgestopften Vögeln und zahlreichen
anderen Anhängseln verziert ist. Der Festleiter hält nun noch eine
Rede auf den jungen Mann. Hieran schließen sich Tänze der Männer und
ein Trinkgelage, meistens sechs Tage lang; dabei wird den verteilten
Speisen eifrig zugesprochen. In der letzten Nacht wird noch eine Anzahl
fetter Schweine geschlachtet und aus ihrem Fleisch eine Kraftbrühe
hergestellt, von der am Morgen des siebenten Tages jeder der Teilnehmer
trinkt. Diese kehren dann wieder heim, nachdem jeder von ihnen noch ein
großes Stück Fleisch mitbekommen hat. Diese Festlichkeit soll den Zweck
haben, den Geist des Getöteten zu versöhnen und geneigt zu stimmen.
Fortan wird der Tsantsa zu einer Art Fetisch, der seinem Besitzer und
dessen Angehörigen Reichtum, Fruchtbarkeit für die Felder, Glück in der
Familie und Sieg über die Feinde sichert.
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 220. Tukanoindianer vom Uaupé (Nordwestbrasilien) in Festtracht.
Die Lanze, die nur als Schmuck dient, ist an der Spitze mit einer
Mosaikarbeit aus winzig kleinen Federn und Menschenhaar, am unteren
Ende mit einer Art Klapper versehen. Der linke Arm hält einen Schild
aus dünnen Stäben, die ein Band aus Schlinggewächsen zusammenhält.]
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 221. Uananaindianer vom Rio Uaupé in Festtracht.
Er trägt ein Stirnband aus gefärbten Federn, von dessen hinterem Ende
Federn des weißen Reihers bis zur Erde herabhangen.]
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 222. Mädchen der Taulipang (Nordbrasilien) in Festtracht.
Den Kopfputz bildet ein netzartiges Diadem aus Baumwolle; der sonstige
Schmuck besteht aus Perlen. Das Gesicht ist mit roten Mustern bemalt.]
[Illustration:
Phot. Franklin Adams.
Abb. 223. Erntetanz bolivianischer Indianer.
Der mächtige Kopfputz besteht aus Federn. Die begleitende Musik wird
auf großen Hirtenflöten und Trommeln gemacht.]
Über die +religiösen Vorstellungen+ der südamerikanischen Indianer
sind wir nur mangelhaft unterrichtet. So viel scheint indessen aus
den bisherigen Beobachtungen hervorzugehen, daß sie auf Animismus
und primitivem Dämonenglauben beruhen. Für den Indianer ist die
sichtbare Welt mit zahlreichen bösen und guten Geistern bevölkert,
die allenthalben in der Luft, im Wasser und auf der Erde wohnen und
einen entscheidenden Einfluß auf das Schicksal der Menschen, vor allem
auch auf ihren Tod ausüben. Auch Ahnenkultus ist damit verbunden.
Daher läuft auch hier das Bestreben der Menschen darauf hinaus, die
bösen Geister gut zu stimmen beziehungsweise zu versöhnen. Dies
geschieht hauptsächlich durch +Tänze, bei denen Masken+ (Abb. 235,
237 und 240 sowie die farbige Kunstbeilage) +eine besondere Rolle
spielen+. Man trifft diese Tänze, die an unseren Karnevalmummenschanz
erinnern, unter den südamerikanischen Waldindianern allenthalben an.
Die dabei vorgeführten Masken sind ganz verschiedene. Bei den Kobéua
zum Beispiel bestehen sie aus Überzügen von dickem, weißem Bast, die
nach bestimmtem Plane mit mancherlei geschmackvollen Mustern bemalt
sind, bei den Tikuna in ähnlichen Bastbezügen mit einem Menschen-
oder Tierkopfe, der aus Baumwachs über einem Gestell geformt ist.
Bei den Karaya sind die Masken walzenförmige Gebilde aus Schilf
mit zierlichem Federschmuck, die auf dem Kopfe getragen werden, dazu
ein dichter Blätterüberwurf, der den ganzen übrigen Körper bis hinab
zu den Zehen umhüllt. Bei noch anderen Stämmen sind es eigentliche
Tanzanzüge, aus +einem+ Stück geflochten, zu denen vollständige
Beinkleider, Ärmel und eine Kopfbedeckung gehören, und dergleichen
mehr. Wir verdanken Koch-Grünberg, der auf seinen Reisen sich in die
Vorstellungs- und Empfindungswelt einer Reihe südamerikanischer Stämme
einzufühlen verstanden hat, fesselnde Einblicke in die Bedeutung dieser
Maskenaufführungen. Bei den Kobéua und Káua werden solche Tänze bei
Todesfällen aufgeführt (Abb. 236 und 238). Etwa acht Tage nach dem
Begräbnis treten die Männer in der schon geschilderten Tracht auf
und führen einen Tanz auf, der von etwa drei Uhr nachmittags bis zum
nächsten Morgen währt; die Frauen und Kinder nehmen nicht daran teil,
sondern sehen nur zu. Jede Maske stellt, so glaubt man, einen Teufel
vor; er befindet sich in der Maske, ist in ihr verkörpert, nimmt aber
nur vorübergehend von dem Tänzer Besitz, nur so lange, als dieser die
Maske trägt. Nach Beendigung des Tanzes tragen die Beteiligten früh am
Morgen ihre Masken nach der Dorfwiese, stellen sie auf Stöcken auf,
binden die Ärmel der einen mit denen der nächsten zusammen und zünden
sie an. Während nun die lange Reihe der Figuren von einem Ende bis zum
anderen verbrennt, erhebt sich lautes Wehklagen aller Versammelten. Man
behauptet, daß dadurch die Teufel gezwungen würden, wieder aus ihren
Hüllen herauszugehen und an ihre gewöhnlichen Wohnorte zurückzukehren,
die man wahrscheinlich auf irgend einen hohen Hügel oder in einen
Wasserfall verlegt. Der gewöhnliche Sterbliche vermag diese Dämonen
nicht zu sehen, wohl aber ist dazu der Medizinmann imstande, weil er
mit übernatürlichen Kräften ausgestattet ist; er vermag auch mit ihnen
zu sprechen. Die Geister, die man durch diese Tänze zu versöhnen oder
an weiteren Untaten zu verhindern trachtet, sind die Geister von Tieren
(Abb. 242, 243, 244 und 248), von mehr oder weniger bösen Geistern
in menschlicher Gestalt, von Riesen (Abb. 241) oder Zwergen (Abb.
239). Merkwürdigerweise werden vielfach gerade solchen Tieren recht
gefährliche Geister zugeschrieben, die besonders harmlos sind. So wird
der große azurblaue Schmetterling Tataloko für einen der gefährlichsten
Dämonen gehalten; von ihm, der in dem höchsten der Wasserfälle des
Uaupé hausen soll, behauptet man allen Ernstes, daß er die Malaria
zusammenbraue, so daß alle, die von dem Flußwasser trinken -- und in
der Tat ist sie wegen des stagnierenden Wassers gerade an dieser Stelle
ziemlich verbreitet -- die Krankheit bekommen.
Von anderen Stämmen werden Maskentänze aus anderen Anlässen
veranstaltet, zum Beispiel von den Yuri, Passé und Tecuna bei
Hochzeiten (Abb. 246) oder beim Ausreißen der Haare des neugeborenen
Kindes und bei anderen Gelegenheiten. Fast stets sind sie aber mit
religiösen (Abb. 247) oder mystischen Vorstellungen verbunden. So
sollen die Aufführungen der Kobéua am oberen Uaupé, bei denen Masken in
Vogel-, Fisch- und Eidechsengestalt auftreten, bewirken, daß die Männer
beim nächsten Zuge des Stammes eine reiche Beute an Wild und Fischen
mit heimbringen. Die Tänze werden stets von Musik begleitet. -- Auch
Federspiele und sonstige Spiele sind bei den Indianern Südamerikas sehr
beliebt (Abb. 249 und 250).
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 224. Ein Taulipang in Festtracht.
Der Kopfputz besteht aus schwarzen und weißen Federn, Armbänder und
Gürtel aus geflochtener Baumwollfaser; die Schürze ist europäisches
Fabrikat. Pfeil und Bogen werden zum Fischfang gebraucht.]
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 225. Tukanoindianer vom Rio Uaupé (Nordwestbrasilien) beim Mahl
gelegentlich eines festlichen Tanzes.]
[Illustration:
Phot. Th. Koch-Grünberg.
Abb. 226. Szene vom Parischeratanz der Taulipang.
Die Teilnehmer ruhen gerade aus. Zum Teil tragen sie Umhänge aus
Blattrippen der Inajapalme.]
Der +Medizinmann+ spielt im Leben der südamerikanischen Indianer eine
wichtige Rolle und wird oft auch sehr von ihnen gefürchtet. Vermöge
seiner angeblichen Begabung mit übernatürlichen Kräften vermag er
zwischen Menschen und der Geisterwelt Verkehr herzustellen, vor allem
mit den Teufeln und den Geistern der Toten sich in Verbindung zu
setzen, die ihm oft in Gestalt von Tieren erscheinen, und sie entweder
zum Schutze oder zum Schaden seiner Mitmenschen sich dienstbar zu
machen. Er tut dies auch in Krankheitsfällen, bespricht die Krankheit,
hört auf den Rat der Geister und erfährt zugleich, was für einen
Ausgang die Krankheit nehmen wird. Durch Zauberei versucht er, dem
bösen Geist, der früher in einem Tiere lebte, jetzt aber in den Körper
des Kranken gefahren ist, zu befehlen, daß er diesen wieder verlasse
und seine alte Wohnstätte aufsuche. Anderseits ist der Medizinmann
auch imstande, Krankheit und Tod über einen Menschen zu bringen, indem
er den bösen Geist veranlaßt, von dessen Körper Besitz zu ergreifen.
Auf dieser geheimnisvollen Kraft beruht der Einfluß und die Macht,
die er auf die Mitglieder seines Stammes ausübt. Um ihnen den Glauben
an seinen übernatürlichen Umgang mit der Geisterwelt beizubringen
und mehr und mehr zu befestigen, treibt der Medizinmann seine Künste
nachts in einer einsamen Hütte, wo er in sehr geschickter Weise alle
möglichen Tierstimmen nachahmt und auf diese Weise den Fernstehenden
vorspiegelt, daß er sich mit den Teufeln berate, die ihm als wilde
Tiere erscheinen. Für gewöhnlich hat er auch die Fähigkeit des
Bauchredens; er läßt zwei Stimmen sich miteinander unterhalten, bald
so, als ob sie ganz in der Nähe, bald wieder, als ob sie in weiter
Ferne wären. Bei seinen Offenbarungen und Heilungen scheint sich der
Medizinmann durch Selbstsuggestion und andere Hilfsmittel in einen
Zustand von Ekstase oder Zwangschlaf zu versetzen. Er raucht zum
Beispiel fürchterlich, nimmt ganze Mengen Schnupftabak und verschiedene
betäubende Mittel zu sich, tanzt und singt und macht mit seinem
Zaubergerät -- meist einer Kürbisklapper -- stundenlang ununterbrochen
ganz eintönige Musik, bis er selbst in eine Art von Verzückung gerät,
in der ihm allerlei Sinnestäuschungen kommen. Hieran schließt sich
ein Zustand völliger Betäubung, in dem er trügerische Bilder sieht
und Stimmen hört. Diese beschreibt er, sobald er wieder erwacht ist,
mit mancherlei Zusätzen und Ausschmückungen. Die Indianer nehmen
alles, was er hierbei vorbringt und angeblich im Traumzustand gesehen
und gehört hat, für eine Offenbarung. Außerdem treibt der Medizinmann,
wenn es sich darum handelt, einen Kranken zu behandeln, noch allerlei
Gaukelkünste; er räuchert diesen an, bläst ihm Tabakswolken ins Gesicht
oder auf die erkrankte Körperstelle, knetet sie auch oder bespeit
sie. Schließlich saugt er an der schmerzhaften Stelle und befördert
nach einer Weile irgend einen Gegenstand, den er vorher wohlweislich
verborgen gehalten hatte, aus dem Munde, wie einen Knochen, einen
Dorn, Muschelschalen, Holzstückchen, Sand, Käfer, Tausendfüßler und
Ähnliches; durch den großen, anhaltenden Lärm, das eintönige Gesinge
und die anderen Mätzchen, die er macht, übt der Medizinmann auf den
Kranken gewissermaßen einen einschläfernden Einfluß aus, so daß
dieser schließlich selbst glaubt, daß die Ursache seiner Beschwerden
herausgefunden und er nun geheilt sei.
[Illustration: Maskentänzer der Opaina, eines Stammes am Apaporis-River
in Brasilien.
Die Bedeutung dieser Tänze, die mit wildem, eintönigem Gesang begleitet
werden, ist dunkel. Sie scheinen religiösen Zwecken, namentlich der
Versöhnung der Geister zu dienen. Öfters ahmen sie die Tätigkeit von
Tieren, z. B. Schwalbe oder Jaguar, nach.]
[Illustration:
Phot. Joseph Chamberlain.
Abb. 227. Junge Putumayoindianer beim Verzehren selbsterlegter Feinde.