Der +Pflege der Haare+ wird im allgemeinen weniger Beachtung geschenkt,
doch versieht man sie gern mit schönem Federaufputz. +Federschmuck+
(Abb. 221, 223 und 224) ist gerade für Südamerika recht bezeichnend. Es
werden daraus schöne Mäntel, Oberarmbehänge, ja sogar ganze Anzüge in
mühseliger Arbeit hergestellt, die ihrer Kostbarkeit wegen allerdings
nur bei ganz besonders festlichen Anlässen getragen werden; in der
Zwischenzeit bewahrt man sie sorgfältig in geflochtenen Schachteln
auf. Den Stoff geben die farbenprächtigen Vögel der Tropenwelt ab:
Papageien, Araras, Ibis, Reiher und andere.
Der sonstige +Schmuck+ ist äußerst mannigfaltig; alle drei Reiche der
Natur müssen dazu beitragen. Bald sind es Zähne der großen Säugetiere
(Affe, Wildschwein, Jaguar und so weiter), Kieferstücke von Fischen,
Klauen vom Gürteltier, schillernde Flügeldecken von Prachtkäfern oder
Hörner des Hirschkäfers, Muschelschnecken, bald allerlei Fruchtkerne
oder Fruchtkapseln, bald auch glänzende oder bunte durchbohrte Gesteine
oder Perlen (Abb. 222), die man als Ketten oder Bänder um den Körper
hängt.
Die +wirtschaftliche Kultur+ der südamerikanischen Indianer ist sehr
verschiedenartig; sie hängt mit dem Grade ihrer Zivilisation und mit
der Umgebung, in der sie leben, zusammen. Ein Teil führt noch ein
umherschweifendes Leben als Sammler oder Jäger; diese haben meistens
keine festen Wohnungen, sondern leben unter einfachen Laubhütten oder
in Erdlöchern. Die mehr seßhaften Stämme kennen richtige Grashütten
(Abb. 226), die sich meistens zu Weilern, seltener zu eigentlichen
Dörfern zusammenschließen. Auch Pfahlbauten sind bekannt; der Name
Venezuela, das ist Klein-Venedig, rührt von der Ähnlichkeit her,
die die von den ersten Ankömmlingen an der Lagune von Maracaibo
angetroffenen Niederlassungen mit dem Bilde der italienischen
Lagunenstadt zeigten. Sehr verbreitet, besonders unter den Karaiben und
Aruaken, ist der Gebrauch von Hängematten; das englische Wort hammock
stammt von dem aruakischen hamaca, mit dem man diese Schlafgelegenheit
bezeichnete. Die Uaupés haben Sippenhäuser, in denen mehr als hundert
Personen Unterkunft finden können. Die +Beschäftigung+ dieser mehr
seßhaften Indianer bildet der Hackbau oder der Fischfang (mit Bogen
und Pfeilen, Harpunen, Reusen oder durch Vergiftung des Wassers); auch
Viehzucht wird betrieben (Gran Chaco, Goajiro). Einige Stämme (Gran
Chaco, südliches Argentinien) sind nach Einführung des Pferdes durch
die Europäer vorzügliche Reiter geworden.
[Illustration:
Phot. E. Nordenskjöld.
Abb. 215. Ashluslaytänzer.
Sie kleiden sich in wollene Decken und tragen um die Stirn Bänder, die
mit Schneckenhäusern und Straußenfedern verziert sind.]
[Illustration:
Phot. Underwood & Underwood.
Eingeborenenfrau Südamerikas, die ihr Kind in einem mit Pelz
ausgefütterten, „Shihungju“ genannten Korb auf dem Kopf trägt.