Mexikanischer Weihnachtsbrauch.]

+Westindien.+ Westindien oder die Antillen bestehen aus vielen

Hunderten von Inseln mit mehreren Tausenden kleiner und kleinster

Eilande, die alle von sehr verschiedener Größe sind; Kuba und Haiti

sind die größten darunter. Bei der Entdeckung Westindiens durch die

Spanier setzte sich die Bevölkerung aus zwei Bestandteilen zusammen,

die zu ganz verschiedenen Zeiten vom Festland aus die Inselwelt

besiedelt haben müssen, den +Aruaken+ und den +Karaiben+. Jene scheinen

zuerst gekommen zu sein; wann dies geschah, vermögen wir nicht mehr

festzustellen, sicherlich lange Zeit vor der Ankunft des Kolumbus.

Die Karaiben erschienen erst viel später, nach Annahme einiger

Forscher sogar erst kurz vor der Besitzergreifung durch die Europäer.

Aruaken und Karaiben kamen offenbar aus Südamerika, vom Quellgebiete

des Schingù her; die ersteren waren friedfertige Einwanderer, die

letzteren dagegen ein sehr kriegerisches Volk, dem gegenüber die als

grausam bekannten Spanier noch milde erscheinen mußten. Heutigestags

ist diese indianische Urbevölkerung bis auf wenige Überreste (zum

Beispiel zu Parotee Point auf Jamaika, auf Sankt Domingo, Sankt

Vincent und Trinidad) vollständig verschwunden; die Spanier haben sie

ausgerottet. An ihre Stelle sind +Neger+ (Abb. 207 und 208) getreten,

die vom sechzehnten bis neunzehnten Jahrhundert als Sklaven aus Afrika

eingeführt wurden. Diese jetzt freigelassenen Neger machen zusammen mit

Mulatten und Kreolen den Hauptteil der westindischen Bevölkerung aus.

Die +weiße Bevölkerung+ bildet eine schwache Minderheit; auf Haiti und

Sankt Domingo fehlt sie so gut wie ganz. Auf der zuerst genannten Insel

leben nur ein paar weiße Familien in Port-au-Prince; die geldleihende

Klasse in den Städten auf Haiti sind die +Syrier+, die das Volk

mit Unrecht als Ägypter bezeichnet. Auf Jamaika sind +Ostindier+

als Kuli eingeführt worden. Mit den diesen eigenen weltlichen und

religiösen Gebräuchen wird das ohnehin schon bunte Bild Westindiens

noch schillernder und strahlender. Die größeren Inseln weisen überdies

noch eine mehr oder weniger bedeutende Anzahl von +Chinesen+ auf, die

hauptsächlich in den Wäschereien beschäftigt sind, sich aber auch mit

anderen, gleichfalls sehr einträglichen, wenn auch recht fragwürdigen

Gewerben abgeben.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 207. Negerin von Barbados.

Die Schwarzen Westindiens legen großen Wert auf grelle Farben in ihrer

Kleidung.]

Die Neger Westindiens, mit denen wir uns bei der folgenden Betrachtung

ausschließlich zu beschäftigen haben werden, stehen noch auf derselben

Stufe des +Aberglaubens+ wie ihre Vorfahren in der westafrikanischen

Heimat, im besonderen dem Kongogebiet. Zwar wird dieser auf denjenigen

der größeren Inseln, wo die Weißen eine feste Verwaltung eingesetzt

haben, ziemlich im Zaume gehalten, dafür treibt er aber auf den

Inseln, wo sie selbst das Regiment führen, im besonderen auf Haiti,

um so üppigere Blüten. Die mildeste Form der +Fetischanbetung+ (Abb.

210) trifft man auf Jamaika an, wo die Neger sich dem Namen nach zum

Christentum bekennen. Sie befolgen diese Lehre auch wohl äußerlich,

aber in ihrem Innern schlummert immer noch der nicht auszurottende

afrikanische Instinkt. Er findet seinen Ausdruck in dem Fetischkultus,

der Anwendung von Zaubermitteln, die alle Anschläge und Ränke der

bösen Geister zunichte machen sollen. Nach der Überlieferung der Neger

Jamaikas hat jeder Mensch zwei Geister, einen guten und einen bösen.

Jener kehrt nach dem Tode in die afrikanische Heimat zurück; daher

geben Angehörige und Freunde des Verstorbenen ihm Bestellungen auf

den Weg, die er über das Meer mitnehmen soll. Der böse Geist dagegen

verbleibt im Grabe bei der Leiche und kommt nachts in Gestalt eines

Duppy hervor (Abb. 209). Diese Duppys entfalten ihre größte Tätigkeit

in den beiden entscheidenden Augenblicken des menschlichen Lebens:

wenn der Mensch in die Welt eintritt und wenn er aus ihr scheidet;

daher werden für diese Fälle besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen,

um das Vorhaben der bösen Geister zu vereiteln. Der Hals eines

+Neugeborenen+ wird sofort mit einer Halskette aus grünen Perlen

umschlossen, was vielleicht mit der Anbetung der grünen Schlange

zusammenhängt; außerdem werden eine geöffnete Schere (Form des _X_)

und eine Bibel unter sein Kopfkissen gelegt. Vor dem neunten Tage darf

das Kind das Haus nicht verlassen, weil sich sonst der Duppy seiner

bemächtigen würde. +Stirbt+ jemand, dann wird alles umherstehende

Wasser sofort weggeschüttet, da sich sonst ein Duppy in ihm

niederlassen könnte. Um ihn zu versöhnen, werden dem Duppy aber Rum und

Lebensmittel zur Verfügung gestellt, damit er Hunger und Durst stillen

könne. Auch mit Zauberei kann man gegen die Duppys angehen.

[Illustration: Tariana-Indianer vom Rio Negro (Brasilien).

Nach einem Gemälde von Professor Wilhelm Reichardt im Museum für

Völkerkunde zu Berlin.]

[Illustration:

Phot. The Exclusive News Agency.

Abb. 208. Negerinnen Jamaikas,

die zu Weihnachten ihre Festtracht angelegt haben.]

Den bösen Einfluß des Duppy nachdrücklich zu bekämpfen, ist Aufgabe des

Obeahmann, dem man den Besitz besonderer Kenntnisse und Fähigkeiten

zutraut. Bei der Ausübung seiner Kunst verfährt der +Obeahmann+

nach althergebrachten kabbalistischen Zeichen und geheimnisvollen

Zauberformeln; auch gibt er sich damit ab, die Duppys „in Flaschen

einzufangen“ und sie einem Feinde auf die Spur zu hetzen, sowie

Zaubermittel, seltsame Zusammenstellungen von Federn, Haaren und

Pflanzen, unter seine Kunden zu verteilen. Ein Obeahmann könnte

gelegentlich auch einmal gefährlich und widerspenstig werden, aber die

Regierung weiß dem vorzubeugen. Sollte sie ihre scharfe Überwachung

unterbleiben lassen, dann würde die Entwicklung in ihrem Laufe nicht

mehr aufgehalten werden können und der Vuduismus bald zu jener

schlimmen Form ausarten, wie sie uns auf Haiti entgegentritt.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 209. Gräber vornehmer Neger auf Haiti.

Der „Duppy“ oder Geist des Verstorbenen lebt in seinem Grabe weiter und

kommt des Nachts hervor, um Unheil anzurichten. Die religiösen Bräuche

der Anhänger des Vuduismus bezwecken vor allem, die Duppys in den

Gräbern festzuhalten.]

Zwischen der milden und der strengen Form des +Vuduismus+ (Abb.

211) gibt es viele Übergänge und Abweichungen, die von der auf der

betreffenden Insel herrschenden örtlichen Verwaltung abhängig sind

(dänische, holländische, französische und amerikanische Regierung). In

den alten spanischen Kolonien zum Beispiel hat die römisch-katholische

Kirche es verstanden, den Fetischkultus in vernünftigen Grenzen zu

halten, und ist nur dann scharf gegen ihn vorgegangen, wenn etwa

ein zu kühner Obeahmann sich für einen neuen Gott ausgab und den

Versuch machte, sich Anhänger zu gewinnen. Der Vuduismus ist hier

die öffentliche Anbetung der grünen Schlange. Diese muß, wie wir es

von den Göttern der Heiden schon vielfach erfahren haben, versöhnt

werden, damit sie die bösen Geister fernhalte. Aus diesem Grunde werden

Opfergaben zu einer Notwendigkeit. Hühner, Ziegen und „Ziegen ohne

Hörner“, womit junge Menschenkinder gemeint sind, werden dargebracht.

Zur Priesterschaft dieses Kultus in der Form, wie sie auf Haiti

herrscht, gehören die Loupgarous oder religiösen Kinderräuber. Das

„rollende Kalb“ in der Folklore von Jamaika, vor dem die Mütter ihre

Kinder warnen, ist zweifellos eine Erinnerung an das frühere Opfern

von Kindern. Man stellt es sich als den körperlosen Kopf eines Kalbes

mit großen, rollenden Augen vor, der die Kinder beleckt, wovon sie

entweder sterben müssen oder sonst verschwinden. Auf Haiti wird das

Blut des Opfertieres den Adepten auf die Gesichter gestrichen und von

dem amtierenden Priester getrunken. Bei einem Huhn beißen sie den Kopf

ab und saugen das Blut aus dem Halse aus; bei einer Ziege reißen sie

das Herz aus. Die Feier spielt sich nachts in den dunklen Tiefen des

haitischen Waldes ab, dumpfer Tamtamschlag ertönt, Freudenfeuer brennen

düster vor einer Kiste, in der die grüne Schlange, der man bei den

Festen huldigt, liegt oder liegen soll. Die Szene wird immer wilder und

schauerlicher; die Zuschauer beginnen mit dem Loiloichi oder Bauchtanz,

der schließlich in eine regelrechte Orgie schlimmster Art ausartet und

bis Tagesgrauen anhält, oder doch wenigstens so lange, bis Männlein

und Weiblein trunken vor sinnlicher Erregtheit und Ermattung zu tiefem

Schlaf auf die Erde sinken. Das größte dieser nächtlichen Feste soll zu

Ostern stattfinden und mehrere Tage dauern. Auch die Fastenzeit gibt

zu einem ausgelassenen Karneval Anlaß, der in den großen Städten, wie

Port-au-Prince, am hellen Tage gefeiert wird.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 210. Ein Fetischbaum auf Haiti.

Nach dem Glauben der westindischen Neger wohnen die Geister der

Verstorbenen in bestimmten Bäumen; um sie zu besänftigen, werden wüste

Zeremonien in den Wäldern von Haiti abgehalten. Auf Jamaika wird der

Baumwollbaum als Fetisch angesehen, und man bespritzt seine Wurzeln mit

Rum, um den Duppy fernzuhalten.]

Die +Musikfreudigkeit+ der Negerrasse kommt auch bei der Bevölkerung

der westindischen Inseln zum Ausdruck. Kein Fest wird gefeiert, ohne

daß die Gitarre, ein wahres Nationalmusikwerkzeug, in ihr Recht tritt.

Sie wird von den Negern ganz geschickt gespielt. Geradezu als Musiker

ersten Ranges aber erweisen sich die Kreolen Kubas und Puerto Ricos.

Die Musik auf diesen Inseln ist voll tiefer Empfindung, bevorzugt

die Molltonarten und zeichnet sich durch einen ganz eigentümlichen

Rhythmus aus, durch den sie sich leicht von der Musik anderer Länder

unterscheidet. Sie ist auch in Spanien sehr volkstümlich geworden, wo

das Volk diese Weisen aufnahm und sie mit seinen eigenen Volksliedern

verschmolz. Die Tanzmusik der „Inseln“ hat sich fast über die ganze

Welt verbreitet, und der Tango mit seinen eigenartigen Hüft- und

Bauchbewegungen stammt aller Wahrscheinlichkeit nach von Kuba oder

Puerto Rico; über Argentinien, wo er nach der Eigenart der Bewohner

abgeändert wurde, hat er dann seinen Weg auch nach Europa genommen und

hier seine bekannten Auswüchse erfahren.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 211. Tom-toms oder Vudutrommeln,

die bei den heidnischen Fetischtänzen in Westindien gebraucht werden.]

[Illustration:

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 212. Taulipangjungen in Festtracht.

(Roroimagebiet an den Grenzen Brasiliens, Venezuelas und

Britisch-Guyanas.) Der Knabe in der Mitte stützt sich auf ein Rohr,

einige andere halten Tanzkeulen über der Schulter.]

Südamerika.

Die Eingeborenen Südamerikas zählen gleichfalls zu den Indianern,

obwohl sie äußerlich in mancher Hinsicht von dem nordamerikanischen

Typus abweichen. Ohne Zweifel sind nordamerikanische Indianer bereits

in weit zurückliegenden Zeiten über die Landenge von Panama nach dem

Süden vorgedrungen und haben sich dort ausgebreitet; später fand dann

wieder eine Rückwanderung statt, die zur Zeit der Entdeckung Amerikas

ihren Abschluß noch nicht gefunden zu haben scheint. Wir lernten als

solche Rückwanderer bereits die Karaiben und Aruaken kennen.

Der südamerikanische Indianer nimmt in +anthropologischer Hinsicht+

eine Mittelstellung zwischen der mongolischen, der kaukasischen und

der polynesischen Rasse ein. Wir erwähnten bereits an anderer Stelle,

daß die ursprüngliche Bevölkerung Amerikas teils aus Einwanderern

aus Asien, teils aus solchen aus Europa hervorgegangen sein dürfte;

wir haben ferner Anzeichen für die Annahme, daß auch von Polynesien

aus auf vermutlich in früheren Zeiten bestehenden Inselbrücken

malaiische Elemente nach Südamerika hinübergewandert sind und zu der

Zusammensetzung der dortigen Bevölkerung beigetragen haben mögen.

Der +Typus der südamerikanischen Indianer+ weist eine ziemliche

Mannigfaltigkeit auf. Dies zeigt sich schon an der +Körpergröße+. Wir

begegnen recht großen Stämmen, wie den Tehueltschen oder Patagoniern

und den Bororo, unter denen Gestalten von einhunderteinundneunzig bis

einhundertzweiundneunzig Zentimetern durchaus keine Seltenheit sind;

mit einem Mittel von einhundertfünfundsiebzig bis einhundertachtzig

zählen beide Stämme zu den größten Menschen der Erde. Andererseits

aber gibt es in Südamerika auch Indianerstämme, die von auffälliger

Kleinheit sind, wie die Feuerländer mit nur einhundertachtundfünfzig

Zentimetern, die merkwürdigerweise dicht neben den größten Menschen

wohnen, ferner die Trumai, Puru, Karaiben von Guyana und andere.

-- Die +Hautfarbe+ der südamerikanischen Eingeborenen zeigt im

allgemeinen einen etwas helleren Ton, der etwa gelbgrauem Lehm

gleicht; natürlich kommen hier und da auch dunklere Tönungen vor. Das

+Kopfhaar+ ist für gewöhnlich von grober, straffer Beschaffenheit und

leuchtend-braunschwarzer Farbe; daneben gibt es unter manchen Stämmen

auch verhältnismäßig häufig feines, leicht gewelltes Haar, ja selbst

geringeltes und sogar gelocktes; fremde Blutmischung dürfte als Ursache

hierfür nicht in Betracht kommen.

[Illustration:

Phot. Th. Koch-Grünberg.

Abb. 213. Ein Umauaindianer vom Yapuraflusse in Ostkolumbien.

Der Anzug besteht aus einem breiten Brustgürtel, einer Art Weste, die

aus steifem Bast hergestellt und reich mit roter Farbe bemalt ist. Er

wird um Brust und Bauch fest umgelegt. Die Schamgegend bedeckt eine

Schürze aus feinen Rindenfasern.]

Die +Kleidung+ entspricht dem jeweiligen Kulturstande; bei vielen

Stämmen fehlt sie gänzlich, bei anderen ist sie sehr knapp bemessen.

(Hierzu die Kunstbeilage.) Sie wird, wie Karl v. den Steinen

nachgewiesen hat, in ihren ersten Anfängen hier nicht vom Schamgefühl

gefordert, sondern entspricht dem Verlangen nach Schutz gegen

Gefährdungen durch die Tierwelt, im besonderen von seiten einer

Zeckenart und kleiner Fische, die mit Vorliebe beim Baden in die

äußeren Geschlechtsöffnungen eindringen. Auf der ursprünglichen Stufe

besteht die Kleidung des männlichen Geschlechts dementsprechend in

einer Hüftschnur (Abbild. 212), oder es wird auch nur die Vorhaut

zusammengebunden bzw. das Glied mit einem Überzug versehen; bei den

Frauen tritt an dessen Stelle ein kleines, dreieckiges Stück Bast

(Uluri), das über den Scheideneingang gebunden wird und diesen dicht

verschließt. In weiterer Ausbildung kommt es zu Schambinden oder

größeren Schürzen aus Rinde oder Bast. Ein eigenartiges Bekleidungstück

sind breite, +steife Gürtel+ (Abb. 213) aus Borke, Bast oder

Perlschnüren, die um den Rumpf prall angelegt werden und diesen in dem

Maße einschnüren, daß das Fleisch an den Rändern hervorquillt. Dieser

„Schnürleib“ wird so selten wie möglich abgelegt und so lange getragen,

bis es nicht länger angängig ist und der Gürtel gewechselt werden muß.

In ähnlicher Weise werden die Gliedmaßen, Oberarme und Unterschenkel,

eingeschnürt, damit die Muskeln gekräftigt werden; bei den Karaiben ist

diese Verunstaltung eine kennzeichnende Stammeseigentümlichkeit, durch

die sie schon den ersten Besuchern Amerikas aufgefallen waren. -- Die

in den kälteren Gegenden lebenden Indianer hüllen sich in Tierfelle

(Abb. 214) oder Decken (Abb. 215; siehe auch die Kunstbeilage).

+Durchbohrungen im Gesicht+, am meisten an den Ohren, der Nase und der

Unterlippe, werden von den meisten Stämmen Südamerikas vorgenommen.

In die dadurch entstandenen Löcher steckt man allerlei Zierat, so in

die Ohrläppchen Pflöcke, Stäbchen, zusammengerollte Blätter oder bunte

Federn, oft bis zu einer solchen Größe beziehungsweise Schwere, daß

das Ohrläppchen bis auf die Schulter herabhängt (zum Beispiel bei den

Botokuden); in der Nasenscheidewand (Abb. 216), den Mundwinkeln und der

Unterlippe bringt man ähnliche Sachen an, wohl auch Muschelschalen,

dünne Holzspäne und dergleichen. Eine sehr beliebte Körperverzierung

ist auch das +Anmalen+, das gelegentlich eine solche Ausdehnung

annimmt, daß die Leute, wie Koch-Grünberg sagt, beim ersten Anblick

aussehen, als ob sie einen bunten, gestrickten Anzug trügen. Die

Bemalung wird aus feierlichen Anlässen, bei Festen (Abb. 220) und

Tänzen, beim Empfang von Gästen und sonstigen besonderen Gelegenheiten

vorgenommen. Junge Leute betreiben dies gleichsam als eine Art Sport;

sie lassen es sich angelegen sein, immer neue Muster auszuklügeln, und

verbringen einen großen Teil ihrer Zeit damit, sich in dieser Weise

auszuputzen; sie entsprechen insofern unseren Stutzern.

+Tatauierung+ (Abb. 217 bis 219) kommt viel seltener vor; sie pflegt

dann auch wohl immer ein Stammesabzeichen zu sein. Durch zierliche,

arabeskenartige Muster zeichnen sich die Frauen der Kadiué aus.

[Illustration:

Phot. H. H. Johnston.

Abb. 214. Onaindianerfamilie (Feuerland).

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 109 / 203 题