Holzfigur mit beweglichen Gelenken. (Skeenariver, Britisch-Kolumbien.)]

Die kurze Skizze, die im vorstehenden von den religiösen Ansichten

der nordamerikanischen Indianer entworfen wurde, gibt bei weitem

keine erschöpfende Darstellung dieser Verhältnisse; sie sind viel zu

verwickelt und zu verschieden, als daß man sie auf wenigen Seiten abtun

könnte. Aber sie dürfte genügen, um einen ungefähren Überblick zu

gewähren. Im Anschluß hieran seien dem +Totem- und Clanwesen+ der

nordwestlichen Jäger- und Fischerindianer noch einige Worte gewidmet.

Bei ihnen zerfällt jeder Stamm in eine Reihe von matriarchalischen

Clans oder Sippen mit je einem festen Totem. Unter einem Totem wird

ein bestimmtes Tier (viel seltener eine Pflanze) verstanden, zu dem

sein Besitzer in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zu stehen

glaubt, insofern er es für seinen Ahnherrn hält. Die Bilder des Totems,

meistens ein Bär, Wolf, Adler, Rabe, Biber oder Walfisch, werden auf

allen möglichen Gebrauchsgegenständen, Werkzeugen, Booten, Häusern und

so weiter entweder in Malerei oder in erhabener Arbeit angebracht, ja

selbst auf dem Körper eintatauiert. Vor den Häusern der Häuptlinge

werden mächtige, bis zu zwanzig und mehr Meter hohe, längsgeteilte

Stämme aus Zedernholz errichtet, die auf ihrer Rundseite mit allerhand

Tieren in erhabener Darstellung bedeckt sind, sogenannte Totem- oder

Wappenpfähle (Abb. 192). Diese Darstellungen beziehen sich auf den

mutmaßlichen Ahnherrn und die verschiedensten Totemtiere aus der Sage

des Clans; das oberste Bild gibt das Totemtier des Besitzers, das

darunter befindliche das seiner Frau wieder. Die Sage des Clans kommt

übrigens auch in dramatischen Veranstaltungen der Stämme zum Ausdruck.

Clans, die dasselbe Totem besitzen, gelten als unter sich verwandt,

selbst wenn sie verschiedenen Stämmen angehören; ihre Mitglieder

dürfen nicht untereinander heiraten, sondern sich nur mit Angehörigen

fremder Clans verbinden. Das Kind gehört dem Geschlecht der Mutter an

(Matriarchat).

[Illustration:

Phot. Underwood & Underwood.

Abb. 181. Ein Hopipriester in der Tracht eines Katschinatänzers.

Der Katschinatanz wird zu Ehren der Ahnen ausgeführt. Die Maske mit

dem hohen Aufsatz ist diesem Tanz eigentümlich; der Lendenschurz

hat symbolische Bedeutung. Zu der Rechten trägt der Tänzer eine

Kürbisrassel.]

[Illustration:

Phot. _Dr._ N. Leon.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 104 / 203 题