[Illustration]
[Illustration:
Phot. Dr. Arnold Heim.
Abb. 153. Eskimofrauen vor ihrer Hütte,
die aus Stangen und Häuten hergestellt ist. Die Mütter tragen ihre
Kinder in einer Art Kiepe auf dem Rücken, ohne dadurch in ihrer Arbeit
behindert zu sein. Wenn sie sich setzen, fällt die Kiepe nach vorn und
mit ihr das Kind, das die Mutter geschickt auffängt.]
Das arktische Amerika.
Das arktische Amerika umfaßt in der Hauptsache die Eskimo und einige
nordamerikanische Indianerstämme, die sich ihnen in ihrer Kultur zum
Teil angeschlossen haben.
Die +Eskimo+ oder, wie sie sich in ihrem Selbstbewußtsein nennen,
die Innuit, das heißt Menschen, stellen in ihrem Äußeren einen +ganz
bestimmten Typus+ (Abb. 155) dar. Sie sind von mittlerer Körpergröße
(Männer etwa hundertsiebenundfünfzig, Frauen hundertneunundvierzig
Zentimeter) und von kräftigem Bau, der ihnen ungeheure Stärke und
Ausdauer verleiht. Die unteren Gliedmaßen sind kurz, Hände und
Füße recht klein, aber gut gebildet. Ihre Hautfarbe ist ein helles
Braungelb, die unbedeckten Körperstellen weisen einen dunkleren Ton
auf. Die üppigen Kopfhaare sind dick, grob, straff, von schwarzer
Farbe. Der Bart der Männer ist meistens recht spärlich und beginnt
erst in verhältnismäßig späten Jahren zu sprossen. Der Schädel ist
ziemlich hoch, das Gesicht rund und breit, die Nase sehr flach mit
breiten Flügeln. Der Unterkiefer zeichnet sich durch eine besonders
mächtige Entwicklung seiner Masse, wenig vortretendes Kinn und sehr
breite Äste aus. Die Wangenbeine springen weit vor; die dunklen Augen
sind mongolenähnlich geschlitzt. In dieser ihrer äußeren Erscheinung
lassen die Eskimo deutliche Beziehungen zu den nordamerikanischen
Indianern, anderseits auch, und zwar noch augenfälliger, zu gewissen
nordasiatischen Völkern erkennen; in kultureller Hinsicht zeigen
sie einen ganz ausgesprochenen Zusammenhang mit ersteren. Auf Grund
dieser Tatsache hat Boas die Behauptung vertreten, daß als ihre
Heimat die Gebiete östlich der Beringstraße, anscheinend die Gegend
zwischen Hudsonbai und Südalaska, anzusehen seien, von wo aus sie
sich nach Westen, Osten und Norden verbreitet hätten. Bei Aufstellung
dieser Vermutung hat man aber zu wenig der körperlichen Eigenart
Rechnung getragen, die frühere Forscher veranlaßte, die Eskimo zu
den sibirischen Völkern in Beziehung zu setzen. Vielleicht lassen
sich beide Ansichten miteinander vereinigen, wenn man annimmt, daß
die Entstehung der Eskimo überhaupt in den Gebieten um den Nordpol
vor sich gegangen ist und daß sie möglicherweise die Überreste einer
Urrasse vorstellen, die in dieser Gegend entstand und vielleicht auch
der gelben Rasse den Ursprung gegeben hat. Diese Annahme schließt
nicht aus, daß vor einigen Jahrhunderten ein neuer Nachschub von
Amerikaeskimo nach Nordasien erfolgte, was geschichtlich festzustehen
scheint.
[Illustration:
Phot. Dr. S. K. Hutton.