Abb. 119. Kongopygmäen.]

Die übliche +Eheform+ der Pygmäen soll die Einehe sein; mehr als

eine Frau legt man sich bei den Zwergvölkern selten zu. Von einigen

Stämmen wird berichtet, daß die Mädchen sich frei nach ihrer Wahl den

Mann suchen, aber auch wieder, daß dieser den Eltern seiner Erkorenen

eine Gabe darzubringen pflegt, wohl als Entschädigung für den Verlust

ihrer Tochter. Überbleibsel des +Frauenraubs+ sollen bei der Hochzeit

vorkommen. Wenn der Bräutigam sich zur Verehelichung einfindet, dann

trifft er die Braut im Hause ihrer Eltern nicht an, sondern muß sie im

Walde, wo sie sich versteckt hat, suchen. Von weiteren Förmlichkeiten

ist nichts bekannt.

Ebensowenig werden besondere Feierlichkeiten bei +Todesfällen+

abgehalten. Im allgemeinen begräbt man den Toten einfach in einem

Loche. Die Batua geben ihm noch gewisse Zauberpflanzen mit ins Grab,

die es ihm ermöglichen sollen, an denjenigen Rache zu üben, die seinen

Tod verschuldeten. Andere Stämme legen neben den Verstorbenen Bogen

und Pfeile. Beisetzungsfeierlichkeiten werden nicht veranstaltet;

auch eine Trauer um den Toten gibt es nicht. Manche Stämme verlassen

den Platz, wo sie den Verstorbenen beisetzten, und ziehen weiter. Der

Grund hierfür dürfte in der Furcht vor der Wiederkehr des Toten zu

suchen sein. Im großen und ganzen kennt man indessen bei ihnen meistens

keine Geister- oder Ahnenverehrung. Nur die Batua glauben noch an ein

Wiedererscheinen der Verstorbenen, die ihnen dann im Schlafe ihre

Wünsche aussprechen sollen. Sie errichten auch kleine Hütten und

stellen in ihnen Speise und Trank für die Verstorbenen auf.

Die +hochwüchsigen Neger+ Zentralafrikas sind +Bantu+. Ihre körperliche

Beschaffenheit (Abb. 121, 123 und 136), Kleidung (Abb. 127), Art, den

Körper zu schmücken beziehungsweise zu verunstalten (Abb. 122, 124,

126, 129, 130, 131 und 144), Wohnung (Abb. 120) und Lebensweise sind im

allgemeinen dieselben wie die der übrigen Bantu, weswegen wir an dieser

Steile hierauf nicht einzugehen brauchen. Dagegen haben sie in mancher

Hinsicht andere Sitten und Gebräuche.

[Illustration:

Mit Erl. des Belgischen Kolonialministers.

Abb. 120. Häuser der Yambuya am Aruwimiriver.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 92 / 203 题