Die übliche +Eheform+ der Pygmäen soll die Einehe sein; mehr als
eine Frau legt man sich bei den Zwergvölkern selten zu. Von einigen
Stämmen wird berichtet, daß die Mädchen sich frei nach ihrer Wahl den
Mann suchen, aber auch wieder, daß dieser den Eltern seiner Erkorenen
eine Gabe darzubringen pflegt, wohl als Entschädigung für den Verlust
ihrer Tochter. Überbleibsel des +Frauenraubs+ sollen bei der Hochzeit
vorkommen. Wenn der Bräutigam sich zur Verehelichung einfindet, dann
trifft er die Braut im Hause ihrer Eltern nicht an, sondern muß sie im
Walde, wo sie sich versteckt hat, suchen. Von weiteren Förmlichkeiten
ist nichts bekannt.
Ebensowenig werden besondere Feierlichkeiten bei +Todesfällen+
abgehalten. Im allgemeinen begräbt man den Toten einfach in einem
Loche. Die Batua geben ihm noch gewisse Zauberpflanzen mit ins Grab,
die es ihm ermöglichen sollen, an denjenigen Rache zu üben, die seinen
Tod verschuldeten. Andere Stämme legen neben den Verstorbenen Bogen
und Pfeile. Beisetzungsfeierlichkeiten werden nicht veranstaltet;
auch eine Trauer um den Toten gibt es nicht. Manche Stämme verlassen
den Platz, wo sie den Verstorbenen beisetzten, und ziehen weiter. Der
Grund hierfür dürfte in der Furcht vor der Wiederkehr des Toten zu
suchen sein. Im großen und ganzen kennt man indessen bei ihnen meistens
keine Geister- oder Ahnenverehrung. Nur die Batua glauben noch an ein
Wiedererscheinen der Verstorbenen, die ihnen dann im Schlafe ihre
Wünsche aussprechen sollen. Sie errichten auch kleine Hütten und
stellen in ihnen Speise und Trank für die Verstorbenen auf.
Die +hochwüchsigen Neger+ Zentralafrikas sind +Bantu+. Ihre körperliche
Beschaffenheit (Abb. 121, 123 und 136), Kleidung (Abb. 127), Art, den
Körper zu schmücken beziehungsweise zu verunstalten (Abb. 122, 124,
126, 129, 130, 131 und 144), Wohnung (Abb. 120) und Lebensweise sind im
allgemeinen dieselben wie die der übrigen Bantu, weswegen wir an dieser
Steile hierauf nicht einzugehen brauchen. Dagegen haben sie in mancher
Hinsicht andere Sitten und Gebräuche.
[Illustration:
Mit Erl. des Belgischen Kolonialministers.
Abb. 120. Häuser der Yambuya am Aruwimiriver.