Abb. 118. Hütte der Kongopygmäen.]

Über die +sittlichen Anschauungen+ der Pygmäen wissen wir herzlich

wenig. Es hat den Anschein, als ob dieselben nicht auf so niederer

Stufe stehen, wie die der sie umgebenden hochgewachsenen Stämme.

Die +Religion+ der zentralafrikanischen Pygmäenstämme kennt ein

höchstes, im Himmel wohnendes Wesen, bald Waka, bald Nzambi oder

Indagarra von ihnen genannt, das Herr über alles ist und auch als

Schöpfer der ganzen Welt angesehen zu werden scheint. In seiner Hand

ruht auch das Geschick der Menschen. Daher sind diese bestrebt, jenes

Wesen durch Opfer günstig zu stimmen. Wird ein erjagtes Tier zerlegt,

so erhält Waka das beste Stück; es wird auf dem Feuer verbrannt. Es

wurde beobachtet, daß die Pygmäen bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten von

ihrem persönlichen Anteil ein Stückchen beiseite legten als Opfer für

ihren höchsten Gott. Findet jemand im Walde Honig, so nimmt er nicht

eher davon, als bis er ein wenig in den Wald und nach dem Himmel zu

geworfen hat. Trinkt er Palmwein, so gießt er zuvor etwas auf die

Erde. Dabei wird Waka angerufen und ihm gesagt, daß er seinen Anteil

erhalte, wofür aber auch erwartet werde, daß er dem Spender Kraft

und Gesundheit verleihe und seine Kinder vor Unheil bewahre. Beim

Einsammeln der Nkulanüsse bringen gewisse Pygmäenstämme ihrem Gott

Nzambi ähnliche Erstlingsopfer dar. Man pflückt eine schlechte und

eine gute Nuß ab, wobei derjenige, der sie vom Baume herunterholt, mit

dem Kopfe nach unten herunterklettern muß, legt sie beide in ein Loch

unter dem Herde und zündet auf diesem ein neues Feuer durch Quirlen an.

Um dieses tanzt man schließlich und singt dem Gotte Dankeslieder. --

Fetische kennen die Pygmäen nicht, auch Zauberei und Priestertum gibt

es unter ihnen nicht. Das einzige, das an Aberglauben erinnert, sind

gewisse Mittel, mit denen sie sich ihr Jagdglück zu sichern suchen.

[Illustration: Ein „Makenge“ genannter Würdenträger der Babende.

Die „Babende“ sind die Mitglieder einer geheimen Gesellschaft unter

den Bangongo, einem Stamme des Buschongovolkes am unteren Kongo. Wenn

neue Mitglieder aufgenommen werden, sind drei maskierte Würdenträger

anwesend, von denen der „Makenge“ der wichtigste ist, und tanzen.

Wenn die Trommel ertönt, müssen alle Frauen und Kinder sich sofort

verbergen; doch sagt man, daß ein Kind gefangen und geschlachtet wird.]

[Illustration:

Aus: Czekanowski, Forschungen im Nil-Kongo-Zwischengebiet.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 91 / 203 题