Über die +sittlichen Anschauungen+ der Pygmäen wissen wir herzlich
wenig. Es hat den Anschein, als ob dieselben nicht auf so niederer
Stufe stehen, wie die der sie umgebenden hochgewachsenen Stämme.
Die +Religion+ der zentralafrikanischen Pygmäenstämme kennt ein
höchstes, im Himmel wohnendes Wesen, bald Waka, bald Nzambi oder
Indagarra von ihnen genannt, das Herr über alles ist und auch als
Schöpfer der ganzen Welt angesehen zu werden scheint. In seiner Hand
ruht auch das Geschick der Menschen. Daher sind diese bestrebt, jenes
Wesen durch Opfer günstig zu stimmen. Wird ein erjagtes Tier zerlegt,
so erhält Waka das beste Stück; es wird auf dem Feuer verbrannt. Es
wurde beobachtet, daß die Pygmäen bei ihren gemeinsamen Mahlzeiten von
ihrem persönlichen Anteil ein Stückchen beiseite legten als Opfer für
ihren höchsten Gott. Findet jemand im Walde Honig, so nimmt er nicht
eher davon, als bis er ein wenig in den Wald und nach dem Himmel zu
geworfen hat. Trinkt er Palmwein, so gießt er zuvor etwas auf die
Erde. Dabei wird Waka angerufen und ihm gesagt, daß er seinen Anteil
erhalte, wofür aber auch erwartet werde, daß er dem Spender Kraft
und Gesundheit verleihe und seine Kinder vor Unheil bewahre. Beim
Einsammeln der Nkulanüsse bringen gewisse Pygmäenstämme ihrem Gott
Nzambi ähnliche Erstlingsopfer dar. Man pflückt eine schlechte und
eine gute Nuß ab, wobei derjenige, der sie vom Baume herunterholt, mit
dem Kopfe nach unten herunterklettern muß, legt sie beide in ein Loch
unter dem Herde und zündet auf diesem ein neues Feuer durch Quirlen an.
Um dieses tanzt man schließlich und singt dem Gotte Dankeslieder. --
Fetische kennen die Pygmäen nicht, auch Zauberei und Priestertum gibt
es unter ihnen nicht. Das einzige, das an Aberglauben erinnert, sind
gewisse Mittel, mit denen sie sich ihr Jagdglück zu sichern suchen.
[Illustration: Ein „Makenge“ genannter Würdenträger der Babende.
Die „Babende“ sind die Mitglieder einer geheimen Gesellschaft unter
den Bangongo, einem Stamme des Buschongovolkes am unteren Kongo. Wenn
neue Mitglieder aufgenommen werden, sind drei maskierte Würdenträger
anwesend, von denen der „Makenge“ der wichtigste ist, und tanzen.
Wenn die Trommel ertönt, müssen alle Frauen und Kinder sich sofort
verbergen; doch sagt man, daß ein Kind gefangen und geschlachtet wird.]
[Illustration:
Aus: Czekanowski, Forschungen im Nil-Kongo-Zwischengebiet.