Die zentralafrikanischen Zwergvölker gehen zumeist gänzlich
+unbekleidet+ (Abb. 119), nur vereinzelt legen sie sich Streifen
Rindenstoffes oder Blätter um die Hüften. Beachtenswert ist das
gänzliche +Fehlen von Schmuck+ bei ihnen. +Tatauierung+ und
+Körperbemalung+ kennen sie auch nicht, ebensowenig sonstige
Verschönerung beziehungsweise Verunstaltung des Körpers. Wo sich
etwa solcher Schmuck findet, scheint er fremden Ursprungs zu sein.
Die Pygmäen wohnen in den dichten, fast unzugänglichen Urwäldern und
erwerben sich ihren Lebensunterhalt durch +Jagd+. Dabei bekunden
sie eine bewunderungswerte Schnelligkeit und Gewandtheit, eine
große Sicherheit im Gebrauch ihrer einfachen Waffen, eine ziemliche
Erfindungsgabe, das Wild mit Fallen und Schlingen zu umstellen, und
eine auffallende Unerschrockenheit den großen Tieren, wie Elefanten,
Nashörnern und Löwen, gegenüber, denen sie tapfer zu Leibe gehen. Ihre
+Waffen+ bestehen nur aus Bogen und Pfeilen (Abb. 117). Die letzteren
sind mit Holz- oder Knochenspitzen ausgestattet, jedoch kommen vielfach
auch schon eiserne Pfeilspitzen vor, die aber als Entlehnung von den
Nachbarvölkern anzusehen sind. Gleichfalls infolge von Berührung mit
fremden Völkern sind sie heutzutage auch schon größtenteils in den
Besitz von Speeren gelangt. Gegen die Erträge ihrer Jagd pflegen
die Pygmäen verschiedentlich auf dem Wege des stillschweigenden
Tauschverkehrs die Erzeugnisse des Ackerbaus von ihren hochwüchsigen
Nachbarn einzuhandeln. Sie selbst betreiben keine Ackerwirtschaft.
Ihrer umherziehenden Lebensweise entsprechen auch ihre +Wohnungen+,
entweder einfache Windschirme oder primitive halbrunde Hütten (Abb.
118), die ihnen nur zum Schlafen dienen. Das +Feuer erzeugen+ sie durch
Quirlen mit einem senkrecht stehenden härteren Holzstabe in einem
weicheren wagerecht liegenden Holz oder auch durch Aneinanderschlagen
zweier Kiesel.
[Illustration:
Aus: Czekanowski, Forschungen im Nil-Kongo-Zwischengebiet.