mit Tatauierung.]
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 105. Die Außenwand eines Schreins des Nyakang mit Malereien.
Nyakang war der erste König der Schilluk und genießt bei ihnen
göttliche Verehrung.]
Die Nuba (Abb. 104, 107 und 109) des nördlichen Kordofan haben bereits
den Islam angenommen; die Hügelbewohner des südlichen Teiles dieser
Provinz dagegen halten noch ziemlich an ihrer alten Religion fest.
Trotzdem finden sich unter ihnen vielfach schon Gräber orthodoxer
Scheiche oder heiliger Männer (Abb. 110). Es sind dies eirunde, mit
Haferbrei bestrichene Steine, die man mit Opfergaben umgibt. Im übrigen
haben die südlichen Nuba noch manche ihrer alten Gewohnheiten und
abergläubischen Gebräuche bewahrt. So ruhen sich die Frauen auf ihrer
Reise aus, indem sie sich an gewisse freiliegende Steinmassen anlehnen,
die Soba genannt werden (Abb. 83), vielleicht nach der Königin Saba,
die einst hier regiert haben soll, vielleicht auch in Erinnerung an
Soba, die Hauptstadt des alten christlichen Königreichs Alloa, deren
Überreste man noch an den Ufern des Blauen Nils, etwas südlich von
Khartum, antrifft. Eine große Rolle im Leben dieser Nuba wie der
Sudanneger überhaupt spielt der +Ringkampf+ (Abb. 111, 112, 113).
Männer und Weiber liegen ihm ob, die ersteren etwa so lange, bis sie
mehrere Kinder haben, die letzteren bis zu ihrer Verheiratung. Zu
seiner Ausübung ist große Geschicklichkeit und Kraft erforderlich; die
stärksten und besten Kämpfer erfreuen sich daher auch der Bewunderung
des anderen Geschlechts. Die männlichen Wettkämpfer gehen nackt bis
auf einen Gürtel, der mit Federbüscheln und Schafschwänzen behangen
ist. Der Geschlagene muß einmal mit beiden Füßen zugleich in die Luft
springen, der Sieger wird, von seinen Freunden umgeben, mit Holzasche
besprengt und mit biegsamen Stöcken leicht geschlagen, angeblich um ihn
dadurch zu kräftigen und Krankheit zu verhüten. Den Wettkämpfen der
jungen Mädchen zuzusehen, ist den Jünglingen nicht gestattet; jedoch
kommt es öfters vor, daß sie dies von einem Felsen oder einem Baume aus
in einiger Entfernung tun. Die Siegerinnen finden natürlich die meiste
Gunst in ihren Augen. Vor Beginn des Ringkampfes knien die Mädchen,
nur mit einem Blättergürtel bekleidet, in zwei Reihen, das Gesicht
einander zugekehrt, nieder. Eine alte Frau eröffnet den Kampf, indem
sie aus jeder Reihe ein junges Mädchen vorführt, die nun regelrecht
miteinander ringen. Jede von beiden schlingt die Hände um den Rücken
der Gegnerin, verschränkt die Finger ineinander und versucht unter
heftiger Anstrengung die andere zu Fall zu bringen. Die Niedergeworfene
steht ohne ein Wort zu sagen auf und tritt in ihre Reihe zurück, die
Siegerin dagegen wird von ihrer Partei mit lautem Geschrei begrüßt und
mit Gesang und Tanz gefeiert. Tänze und Spiele sind überhaupt bei den
Niloten sehr beliebt.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 106. Eine kinderlose Frau der Hameg vom Dschebel Gule,
die einen Stein auf dem Kopfe trägt und auf diese Weise schwanger zu
werden hofft.]
Über besondere Gewohnheiten der Nilotenfrauen (Abbild. 114 und 115) aus
Anlaß von +Schwangerschaft+, +Niederkunft+ und +Wochenbett+ wissen wir
so gut wie nichts. Die Nubaweiber in den südlichen Bergen Kordofans
tragen auf dem Kopfe einen Stein (Abb. 106), um in andere Umstände zu
kommen.
Ebensowenig ist uns etwas Näheres über die +Kindheit+ und Erziehung
dieser Stämme bekannt. Bei den Dinka geht die Namengebung ohne
besondere Förmlichkeiten vor sich. Der erste Knabe wird gewöhnlich nach
dem Großvater väterlicherseits, entsprechend das erste Mädchen nach der
Großmutter genannt. Spätere Kinder kann man nach den Namen der Kühe
benennen, die für den Brautpreis der Mutter gezahlt wurden. Die Dinka
formen als Spielzeug für ihre Kleinen ungeschlachte Lehmfiguren, die
Rinder vorstellen, ein deutlicher Beweis für die große Wichtigkeit, die
sie der Viehzucht beimessen.
+Aufnahmezeremonien+ scheinen zu fehlen, aber alle Dinka und auch
Schilluk lassen ihren Kindern die unteren Schneidezähne ausbrechen.
Hübsch ist der Zug dieser Stämme, daß sie alle Knaben, die sich zu
derselben Zeit der Prozedur unterworfen haben, als Gefährten ansehen
und es ihnen zur Pflicht machen, sich gegenseitig das ganze Leben lang
beizustehen. Den Prinzen bei den Schilluk dagegen läßt man die Zähne
stehen, wohl in dem Gedanken, dadurch jene Sitte, die alle Menschen
gleich macht, zu umgehen und den Unterschied zwischen einem Königsohn
und dem gewöhnlichen Volke zum Ausdruck zu bringen.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.