mit Narbenverzierung im Gesicht.]
Bei den Schilluk erfreut sich großer Verehrung Nyakang, wie wir bereits
hörten. Nyakang war ihr erster König, ein halbgöttliches Wesen,
insofern er wohl Gestalt und sonstige Eigenschaften eines Menschen
hatte, aber niemals starb, sondern verschwand und als Geist in seinen
Nachkommen, den Königen, die ihm folgten, weiterlebt. Seit seinem
Fortgang spielt er die Vermittlerrolle zwischen den Menschen und dem
höchsten Gotte Jüok, der als gestaltlos und unsichtbar sich überall
befindet, die Menschen erschaffen hat und für die Ordnung im ganzen
Weltall sorgt. Dieser steht so hoch, daß er nur durch Nyakang, seinen
Vertreter, mit Bitten angegangen werden kann. Dem Nyakang werden Opfer
dargebracht, auf daß er den Gott Jüok bestimme, er möge den Menschen
Regen und andere Wohltaten senden.
Die Schilluk scheinen auch zu glauben, daß die Geister der
Abgeschiedenen überall gegenwärtig seien und manchmal ihren
Hinterbliebenen im Traume erscheinen, um ihnen zu helfen und guten
Rat zu erteilen. Jedoch darf man daraus nicht schließen, daß bei den
Schilluk deswegen eine Totenverehrung bestehe. Ihre ganze Religion
gipfelt eben nur in dem Kult des Nyakang, des halbgöttlichen Vorfahren
der Könige. Diese Verehrung hat nun viele Schreine entstehen lassen
(Abb. 101 u. 105). Nyakang besitzt deren nicht weniger als zehn, die
alle Gräber heißen, obgleich man weiß, daß niemand darunter begraben
liegt. Sie unterscheiden sich in ihrem Äußeren nicht von den Schreinen
der anderen Schillukkönige, die wirkliche Grabstätten sind; an diesen,
namentlich aber an den Schreinen des Nyakang werden Feierlichkeiten
abgehalten.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.