Abb. 86. Dinkafrau vom Stamme der Jar

mit Lippenpflock und zahlreichen Ringen im Ohrrande.]

Von sonstigen +Körperverunstaltungen+ seien noch das Herausschlagen

der Schneidezähne sowie das Anbringen von Narben (Abb. 93 und 103)

erwähnt. Diese Tatauierungsmuster sind oft ganz geschmackvoll und in

ihrer Anordnung sehr gefällig. Die Narben dienen verschiedentlich zur

Bezeichnung der Stammeszugehörigkeit (bei den Dinka im besonderen

Gesichtsnarben). Die Schuli bemalen sich das Gesicht mit rötlicher

und grauer Farbe. -- Besondere Fürsorge widmen die Nilbewohner des

Ostsudans ihrem +Haar+. Man begegnet bei einzelnen Stämmen den

drolligsten Frisuren, die sie dadurch zustande bringen, daß sie

sich das Kopfhaar mit Ton, Kuhmist und Gummi einreiben, so daß eine

zusammenhaltende Masse entsteht, die sich in die verschiedensten Formen

gleichsam pressen läßt. Die Dinka (Abb. 87) zum Beispiel lassen ihr

Haar in kleinen Büscheln wie Strahlen allseitig vom Kopfe abstehen,

scheren sich aber auch wohl den Kopf bis auf eine stehenbleibende Locke

über der Stirn. Ganz kunstvoll verfahren mit ihrer Frisur die Latuka.

Jeder ihrer Stämme hat seine eigene wechselnde Mode, doch stimmen alle

darin überein, daß sie ihr Haar nach Art eines Helmes (Abb. 88) formen.

Verschiedene Jahre sind erforderlich, um diese Frisur zur höchsten

Vollendung zu bringen. Sie verflechten ihr dichtes wolliges Haar mit

feinem Bindfaden, bis es einer dicken Filzmatte ähnelt, die dann zu

einem Helm geformt wird. Der Rand wird mit Garn zusammengenäht und

bildet einen dicken Reifen. Ein Stück polierten Kupferblechs in Gestalt

einer halben Bischofsmütze wird vorn kronenartig aufgesetzt. Ist der

Besitzer reich genug, so benäht er das Ganze noch mit blauen und roten

Perlen, die er so hübsch verteilt, daß der ganze Helm wie aus Perlen

zusammengesetzt erscheint. Die kupferne Krone wird schließlich noch

mit Straußenfedern besetzt und der Rand mit einer Reihe Kaurimuscheln

bestickt, so daß dieser kunstvolle Aufbau in der Tat einen höchst

würdevollen Eindruck hervorruft. Die Frauen der Latuka tragen das Haar

merkwürdigerweise kurz.

[Illustration:

Phot. H. Headlam.

Abb. 87. Ein Dinka,

der sich für die Nacht den Kopf mit Holzasche eingerieben hat, um sich

gegen die Moskitos zu schützen.]

Die nilotischen Stämme leben in walzenförmigen, sich nach oben zu wie

ein Kegel verlängernden +Hütten+, die aus Geflecht und Lehm, manchmal

nur aus letzterem aufgebaut sind und ein Grasdach (Abb. 89) tragen.

Der Eingang zu ihnen ist oft so niedrig, daß man nur auf allen vieren

hineingelangen kann. Die Hütten der Latuka ähneln in ihrer Form Glocken

oder, richtiger gesagt, großen Kerzenauslöschern. Ihre Mauern sind

nur etwa zweieinhalb Fuß hoch, dafür aber erhebt sich über ihnen das

Dach bis zu mehr als zwanzig Fuß Höhe. Die Barihütten (Abb. 91) sind

sehr sorgfältig gebaut, schön verputzt und stets von einem kleinen

Hofe umgeben, dessen Boden mit einem lehmartigen festen Gemenge aus

Ameisenhaufen, Kuhmist und Asche belegt wird. Die Acholi bauen Hütten,

deren Dach bis auf die Erde reicht. Die Innenwände werden von ihnen mit

Zeichnungen in Rot, Weiß und Hellgrau bemalt; diese Zeichnungen stellen

entweder geometrische Muster oder herkömmliche Figuren von Menschen und

Tieren dar; ganz eigenartig sind ihre Schlafhütten (Abb. 90).

[Illustration:

Phot. Jennings Bramley.

Abb. 88. Latukakrieger mit eigenartiger Haartracht,

die die Form eines Helms hat und vielfach noch mit Federn verziert

wird.]

Die meisten Niloten sind in ihrer +Hauptbeschäftigung Hirten+ und

verfügen über stattliche Herden; besonders bei den Dinka stellen

diese einen großen Reichtum dar. Die Latuka erbauen in der Nähe ihrer

Viehkrale hohe Plattformen (Abbild. 92), von denen aus sie eine weite

Umschau halten können, damit sie beizeiten den Feind bemerken, der

etwa einen räuberischen Überfall auf ihre Herden plant. Vieh gilt

allgemein als Münze, und der Wunsch, sich die Herden des Nachbarn

anzueignen, gehört gleichsam zur Tagesordnung und ist die Ursache

der häufigen +Raubzüge+ der einzelnen Stämme, die ihre Kriegführung

ausmachen; die Dinka bekämpfen sich besonders auch untereinander. --

Beim Umherziehen bedienen sich die Frauen der Araberstämme der Sänften

(Abb. 95 und 96), die mitunter recht kostbar sind. Die Baggara reisen

auch auf Ochsen (Abb. 108).

[Illustration:

Phot. G. H. Morhig.

Abb. 89. Hütte der Dinka zu Lao, Bahr-el-Ghazal.

Die Dinkahütten sind walzenförmig, aus Flechtwerk und Lehm hergestellt

und mit Gras oder ähnlichem pflanzlichen Material gedeckt. In Gegenden,

die durch Überschwemmungen zu leiden haben, stehen sie auf Pfählen.]

[Illustration:

Phot. F. Spire.

Abb. 90. Eine Schlafstätte der Acholi.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 77 / 203 题