Ein Bewohner verläßt dieselbe gerade durch eine kleine Öffnung.]

Als +Waffen+ benutzt man hauptsächlich Speere und Schilde (Abb.

94), die bei den Acholi mit kleinen Messingknäufen in gleichmäßigen

Abständen beschlagen sind. Auch die Speere weisen oft genug feinere

Arbeit auf, ebenso die Pfeile. Denn auch Bogen und Pfeil gehören

bei einzelnen Stämmen zu den Angriffswaffen. Die Dinka und Schilluk

besitzen lange Stöcke, die sie wie Keulen schwingen. Die Bari (Abb.

97 und 98) sind vorzügliche Krieger; schon die Knaben üben sich im

Gebrauch von Bogen und Pfeil und erreichen auf diese Weise beizeiten

große Geschicklichkeit im Kriegshandwerk. Neben der Viehzucht befassen

sich die nilotischen Stämme auch mit dem Anbau von Feldfrüchten, vor

allem von Durra; bei einzelnen Stämmen macht der +Ackerbau+ sogar die

Hauptbeschäftigung aus. Andere geben sich mit Jagd und Fischfang ab.

Die Bari liegen mit Vorliebe der Jagd auf Flußpferde ob, denen sie von

ihren Flößen aus beizukommen suchen.

Die +Dinka+ sind bei weitem die zahlreichsten der Nilanwohner, und

trotzdem haben sie es bisher nicht fertiggebracht, sich zu einer Nation

zusammenzuschließen. Die zahlreichen Stämme, die sich Jieng (daher

das arabische Dinkawi, das wieder zu Dinka verenglischt worden ist)

nennen, haben nie ein höheres Haupt anerkannt, wie dies zum Beispiel

die Schilluk getan haben, sind auch niemals zwangsweise von einem

militärischen Machthaber vereinigt worden. Jede Gemeinde regiert sich

selbst unter der Führerschaft eines Häuptlings, der, in erster Linie

geistiger Führer, das Dorf mit Hilfe der Ältesten leitet. Meistens

pflegt in jeder Gemeinde der angestammte Regenmacher diese wichtigste

Person zu sein; seinen Rat holt man bei jeglicher Gelegenheit ein,

sein Wunsch ist für jedermann Befehl. Nach dem Glauben der Dinka birgt

jeder Regenmacher den Geist eines großen Regenmacherahnen in sich.

Ein solcher Mann besitzt, wie gesagt, große Macht in der Gemeinde;

bei allen wichtigen Fragen wird sein Rat eingeholt, denn dadurch, daß

er den Geist eines großen Ahnen in sich trägt, ist er weitsehender

und klüger als andere Menschen. Zu alt läßt man die Regenmacher nicht

werden, denn würden sie an Altersschwäche oder an einer schleichenden

Krankheit sterben, so hätte das Volk darunter zu leiden; es würden

Hungersnöte sich einstellen, die Herden sich vermindern, die Leute

krank werden und sonstiges Unglück sich einstellen. Daher schützen

gewisse Dinkastämme ihren Regenmacher auch nicht vor gewaltsamem Tod

oder Beteiligung am Kampf. Sollte er bei einer solchen Gelegenheit sein

Leben einbüßen, so würde sein Ahnengeist sofort auf einen geeigneten

Nachfolger übergehen. Fühlt ein Regenmacher, daß er alt und gebrechlich

wird, dann sagt er seinen Leuten, es sei für ihn jetzt an der Zeit zu

sterben. Darauf graben sie ihm ein großes Grab, in das er sich legt. In

dem Grabe verharrt er viele Stunden lang, ohne Speise und Trank zu sich

zu nehmen; seine Angehörigen, Verwandten und Freunde versammeln sich um

ihn, und er erzählt ihnen von der vergangenen Geschichte des Stammes

und von seinem Wirken und gibt ihnen Ratschläge für die Zukunft. Hat er

dann alles, was er auf dem Herzen hatte, vorgebracht, so deckt man ihn

mit Erde zu und erstickt ihn dadurch. Von einem Stamme wird berichtet,

daß sie ihren Regenmacher in seinem eigenen Hause erwürgt hätten;

nachdem hierauf das Grab fertiggestellt war, hätten sie die Leiche

gewaschen, einen Ochsen getötet, ihm die Haut abgezogen, das Grab mit

ihr ausgelegt und schließlich den Toten beigesetzt. -- Von einigen

Stämmen heißt es, daß sie zusammen mit ihrem Regenmacher sogar einen

Ochsen begrüben. Allgemein scheint aber üblich zu sein, daß man etwas

Milch auf sein Grab sprengt und irgendeinen Gebrauchsgegenstand mit

hineinlegt.

[Illustration:

Phot. F. Spire.

Die Sitten der Völker, Dritter Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 78 / 203 题